Lieber Gast,
das ist ein schwerer Schlag. Ich spreche Dir zu allererst mein Beileid aus. Bitte nimm das nicht als bloße Faselei, ich meine es ernst. Da ich selbst neben meinem Studium als Bestattungsaushilfe arbeite, habe ich mir einige Gedanken zum Tode eines Menschen gemacht und mich gefragt, wie man einen Hinterbliebenen am besten tröstet, wenn das Schicksal einem die, die einem am nächsten sind, nimmt und auch, wie ich selbst mit einer solchen Situation umgehen würde, für die es so gut wie keine Vorbereitung gibt.
Zunächst quäle Dich nicht mit den Gedanken, dass Du etwas falsch gemacht hast oder, dass Gott Dich bestraft.
Ich für mich verstehe den Tod als einen Vorgang in welchem ein Mensch geht, um für den nächsten Platz zu machen. Hinterfrage den Tod Deiner Eltern nicht. Es macht Dich nur verrückt und ist zugleich unverrückbar.
Dies betrifft im Übrigen ALLE Angehörigen und es wird auch mich betreffen, so wie es nun Dich betrifft. Ich hoffe, dass sich noch andere bei Dir melden werden, die ein Schicksal wie Deines selbst durchlebt haben. Ich kann leider nicht aus eigener Erfahrung sprechen.
Doch ich habe ein paar Hinweise, wie Du selbst mit der Trauer umgehen kannst, die Dir aber niemand abnehmen wird.
Versuche, die Trauer zu ritualisieren.
Setze den Schmerz in Bewältigung des Ereignisses um.
Ist alles bzgl. der Beerdigung bereits geregelt? Hast Du Dich um den Nachlass und das Testament bereits gekümmtert? Bitte fasse meine Fragen nicht zynisch auf, denn sich um solche Dinge zu kümmern sind zum einen notwendig, sollten von nahen Verwandten ausgeführt werden und dienen ganz einfach der Trauerbewältigung, denn es sind Dinge, die sinnvoll sind und die Dich in Deinem Schmerz an die Hand nehmen und Dich durch die erste Trauerphase führen.
Ritualisiere Deine Trauer.
Ich entnehme Deinem Verweis auf eine Gottesstrafe, dass Du mit Gott aller wahrscheinlichkeit nach haderst - unabhängig davon, ob Du Christ bist, oder nicht, wäre es trotz allem wohl an dieser Stelle vielleicht keine schlechte Idee einen Blick in das Alte Testament zu werfen. Ich meine damit die Psalmen 23 und 22, die von tiefer Gottesenttäuschung und Hoffnung handeln. "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Denn entgegen der allgemein vorherrschenden Meinung, zeichnet die Bibel keineswegs ein total harmonisches Bild von der Beziehung der Menschen zu Gott.
Weine viel und ausgiebig, lass Deiner Trauer freien Lauf und setze Dir einen Tag oder eine Woche, in welcher Du anfangen willst, zur Arbeit zurückzukehren. Bitte einen Freund oder einen Verwandten, Dir dabei behilflich zu sein. Das hilft, Deinen Trauer innerlich zu strukturieren.
Viele werden Dir wahrscheinlich sagen, dass Du immer zu Ihnen kommen kannst, um zu reden. Aus meiner Erfahrung weiß ich jedoch, dass es eine noch viel größere Stütze sein kann, wenn man nichts erklären muss und dass es hilft, wenn jemand einem einfach nur so für Dich da ist und einen Termin mit Dir wahrnimmt und zB einkaufen geht etc., damit DU wieder mit Deinem Leben weitermachen kannst.
Ich hoffe, dass ich Dir mit meinen Ratschlägen soweit helfen konnte und, dass Du heute Nacht gut schlafen kannst! Alles Gute!