das passiert leider sehr häufig, aus unwissenheit gibt man opfer die schuld oder wenigstens eine teilschuld. tatsache ist, niemand möchte vergewaltigt werden. und da gibt es kein "ein bisschen vergewaltigt". es ist eine schlimme art der gewalt, die einem da angetan wird und danach ist nichts mehr wie davor.
ich finde es toll, dass du versuchst sie zu verstehen und nach antworten suchst. nicht alle tun das.
es ist ein manipulativer, sadistischer täter. da geht es um macht. auch darum einen menschen von sich abhängig zu machen, ihn immer wieder zu quälen. gut erkannt, er wollte sich ergötzen.
warum nicht? solange du über dich sprichst und nicht ihr verhalten damals verurteilst. es ist schwer nachzuvollziehen. und mit deinen fragen musst du dich nicht verstecken. ich traue dir zu, dass du sie wertschätzend und liebevoll stellen kannst, ohne ihre geschichte in frage zu stellen.
ich kann natürlich nicht für deine partnerin sprechen, ich kann dir nur meine erfahrung mitteilen.
man merkt es eh, wenn das gegenüber irritiert ist, es nicht begreifen kann und das ist hilfreich, wenn dann jemand das auch offen so formuliert und man merkt, es hat nichts mit mir zu tun und der andere glaubt mir. das ist wirklich das wichtige, dass einem geglaubt wird.
menschen sind nicht entweder schwarz oder weiß. manche monster sind nach außen super nett und sozial. und manchmal hängt man sich an diesen teil, weil man sonst zugeben muss, dass einem etwas sehr schlimmes passiert ist. man sucht lieber die schuld bei sich. so reguliert sich die psyche.
ich versuche dir nicht das verhalten deiner partnerin zu erklären. das kann ich nicht. ich kann dir nur hinweise geben, welche gründe es geben KÖNNTE, dass sie so reagiert.
die psyche ist in der lage, den übergriff abzuspalten. sie kann sogar so weit gehen und abspalten, dass es sich um ein und die selbe person handelt. das wäre jetzt in diesem fall etwas ungewöhnlich. ich will dir nur erklären, welche starken mechanismen in der psyche wirken.
wenn hier also so leichtfertig von lügen und täuschung gesprochen wird, ich würde mich nicht trauen das verhalten aus der ferne aufgrund von zwei sätzen zu be- und verurteilen. da weiß niemand, was in dieser frau vor sich geht. das kannst du nur mit ihr zusammen klären.
kann ich gut verstehen, es ist schwer das von außen zu verstehen. toll, dass du trotzdem fragst und versuchst es zu verstehen und sie nicht einfach stehen lässt.
ich bin auch über jahre hinweg zurück zu meinen tätern gegangen. aus zwei gründen.
zum einen war es selbstbestrafung. "habe ich stück dreck ja so verdient".
und gleichzeitig - was auch irgendwie absurd ist - es hat mir auch das gefühl gegeben, es war alles nicht so schlimm. ich wollte es ja selbst, ich habe es ja machen lassen, also kann auch der missbrauch früher nicht so schlimm gewesen sein. es hat mir das gefühl von normalität gegeben.
es hat lange gedauert, bis ich die täter auch als solche bezeichnen konnte.
das sind unbewusste dinge ,die ablaufen. wenn ich wieder zuhause war, hatte ich den zusammenbruch und mich vor mir selbst geekelt. es ist wie wenn die psyche ihren halt verliert. sich nicht mehr verorten kann. mal hier hin schwingt, dann da hin. und nach einem festen untergrund sucht.
jemand sagte schon vor mir, wichtig ist, dass du dir hilfe suchst. als angehöriger trägst du eine schwere last und es ist wichtig, dass du deine grenzen einhältst und auf dich schaust. vielleicht magst du dich ans hilfetelefon wenden. dort sind dann auch leute, die mehr ahnung haben und dir das besser erklären können.
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ich hoffe, ihr bekommt irgendwann ein gespräch hin, wo sie dir das erklären kann. dazu braucht es auf ihrer seite das vertrauen, dass du versuchst zu verstehen und sie nicht verurteilst.
im außen kann es niemand erklären, wie gesagt, ich kann dir nur hinweise geben, wie und warum das möglich ist.
es muss nicht unbedingt eine lüge gewesen sein, sondern vielleicht hat ihre psyche das wirklich abgespaltet als "ist eine andere person". dann ist dieses wissen zwar im hintergrund, aber man verdrängt es. und zum teil so erfolgreich, dass es gar nicht im bewusstsein ist.
ihre situation ist speziell, weil sie ist mitgegangen in die wohnung, dann später immer wieder zu ihm gegangen, es ist mehrmals passiert. vielleicht hilft es ihr stabil zu bleiben, ihn als den guten samariter zu sehen und das auszublenden, was er ihr angetan hat. und sich nicht bewusst mit ihrer gefühlten schuld auseinander setzen zu müssen. das kann große angst machen und dann kommt man ins vermeiden.
und man darf nicht vergessen, er hat ihr geholfen. und das darf auch seinen raum haben. da geht es dann nur um sie. ich habe das problem, mein adoptiv-vater hat mir schlimmes angetan, mich gleichzeitig vor schlimmeren bewahrt. und das ist so schwer es zu einem bild zusammenzufügen und dann kann es passieren, dass nur das gute übrig bleibt, weil das ist leichter zu ertragen. und ich musste lernen, meine dankbarkeit hat ihren raum. sie ist berechtigt. dafür muss ich aber nicht mich selbst verleugnen und das wegschieben, was er mir angetan hat.
ich würde so aus der ferne mal sagen, sie war allein in dieser zeit, und er war der einzige mensch, an den sie sich binden konnte. da ist etwas an bindung entstanden, was ihr jetzt angst macht zu kappen. weil er lange zeit für sie ein schutz war. das klingt fast ein wenig wie das stockholm syndrom. also ich will nicht sagen, das ist es bei ihr. weiß ich nicht, aber vielleicht hilft es dir, wenn du dich da ein wenig einliest.
gut, dass du für dich diesen weg gefunden hast. und wie gesagt, vielleicht rufst du mal beim hilfetelefon an und schaust, was es für dich noch für möglichkeiten gibt, damit du dich schützen kannst. weil du bist wichtig für sie und eine tolle stütze. das sollte möglichst nicht verloren gehen, weil du irgendwann nicht mehr kannst. achte auf dich!