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Mein Leben läuft wie geschmiert, doch das Selbstbewusstsein lässt auf sich warten!

iCARUS

Mitglied
Hallo zusammen,
ich hätte einmal eine ernst gemeinte Bitte an euch. Ich möchte wirklich etwas ändern, weiß jedoch nicht wie, doch jetzt erst ein paar Worte zu meiner Person.
19, vor einem halben Jahr mein Abitur gemacht, jetzt Erstsemester auf einer sehr anerkannten Uni - es könnte kaum besser laufen. Zwar erging es meinem sozialen Leben nie wirklich gut, das heißt, ich hatte noch nie eine Beziehung und auch nicht viele Freunde, doch das soll besser werden! Da bin ich mir sicher! Wo die Ursache meines eher bedürftigen Soziallebens liegt, weiß ich nicht. Es liegt wohl an mir selbst. Aus fehlenden Bekanntschaften ergab sich wohl eine Gewohnheit und diese Gewohnheit wurde dann zur Gewohnheit. Bis heute. Meine Familie ist auch nicht so das wahre, aber die kann man sich leider nicht aussuchen. Es gibt wahrlich schlimmeres.
Obwohl mein Leben an sich ganz gut läuft, ist mein Selbstwertgefühl sehr niedrig. Selektive Selbstwahrnehmung spielt mir Probleme vor, die eigentlich keine sein sollten und ich mache mir das Leben unnötig schwer. Immerzu vergleiche ich mich mit anderen, achte aber stets nur auf die, die mir in einer gewissen Sache überlegen sind. Man sieht eben, was man sehen möchte.
Oft lese ich, dass man sich seinen Vorteilen bewusst werden sollte, denn jeder hat welche, aber so richtig hilft mir das nicht weiter. Ich hätte am liebsten eine gewisse Prozedur, an die ich mich richten kann, um nach und nach immer selbstbewusster zu werden. Evtl. Gewohnheitsänderungen oder ähnliches - über die Disziplin dafür verfüge ich durchaus.
Ich bitte sehnlichst um Rat,
iCARUS
 

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Werner

Sehr aktives Mitglied
Hallo iCARUS,
netter Nickname übrigens :)

Wo die Ursache meines eher bedürftigen Soziallebens liegt, weiß ich nicht. Es liegt wohl an mir selbst.
Die Ursache für Unterschiede in der Ausprägung
des Soziallebens bzw. der Wichtigkeit desselben
könnten in der Tat in dir liegen, da es hier offen-
bar angeborene Unterschiede gibt, die sich im
Laufe des Lebens eher verfestigen, wenn man
nicht ganz bewusst dagegen hält. Diese "Schwach-
stelle" ist jedoch das Gegenstück zu ebenfalls an-
geborenen Stärken (z.B. deine Disziplin). Nachzu-
lesen bei Interesse hier: http://www.123modell.de/3000.htm

Dass auch dein Selbstbewusstsein betroffen ist,
wundert auf diesem Hintergrund nicht, weil es ja
ebenfalls den emotional-sozialen Beziehungsbe-
reicht betrifft, also wie man als Mensch mit sich
und seiner Umwelt in Verbindung tritt. Wenn diese
Verbundenheit an sich eher schwach ausgeprägt
ist, sind davon die Verbindungen zum Ich, zum
Du und zum Wir betroffen.

Ich hätte am liebsten eine gewisse Prozedur, an die ich mich richten kann, um nach und nach immer selbstbewusster zu werden.
"immer selbstbewusster" hieße ja, dass es nie
genug wäre, also ist diese Zielsetzung unglück-
lich gewählt. Alternativ würde ich dir vorschlagen,
eine 1-10-Skala einzuführen (10 = maximum),
darauf dann deinen aktuellen Stand festlegen und
auch das "Genug-Ziel". Ebenso kannst du dich dann
fragen, was dir bisher "nach oben" geholfen hat
und woran du merken würdest, dass du einen
Punkt nach oben gestiegen bist (also praktisch,
was den sichtbaren Unterschied in deinem Leben
bedeuten würde, wenn du z.B. statt auf 4 auf 5
der Skala wärst).

Und was deinen Wunsch nach der Prozedur be-
trifft: die kannst du dir selbst zusammenstellen,
indem du dir Vorbilder suchst und deren Verhalten
und Haltung übernimmst. Also wenn jemand so
viel Selbstbewusstsein zeigt, wie du es gerne auch
hättest, beobachte dieses positive Vorbild und
finde seine Rezepte heraus. Daraus nimmst du
dir dann diejenigen, die für dich passend sind und
probierst, ob sie den Skalenwert nach oben ver-
bessern.

Du kannst ja hier schreiben, wie es dir ergeht -
vielleicht ist das schonmal ein gutes Training in
sozialen Kompetenzen ;)

Gruß, Werner
 

iCARUS

Mitglied
Hallo iCARUS,
netter Nickname übrigens :)



Die Ursache für Unterschiede in der Ausprägung
des Soziallebens bzw. der Wichtigkeit desselben
könnten in der Tat in dir liegen, da es hier offen-
bar angeborene Unterschiede gibt, die sich im
Laufe des Lebens eher verfestigen, wenn man
nicht ganz bewusst dagegen hält. Diese "Schwach-
stelle" ist jedoch das Gegenstück zu ebenfalls an-
geborenen Stärken (z.B. deine Disziplin). Nachzu-
lesen bei Interesse hier:
http://www.123modell.de/3000.htm

Dass auch dein Selbstbewusstsein betroffen ist,
wundert auf diesem Hintergrund nicht, weil es ja
ebenfalls den emotional-sozialen Beziehungsbe-
reicht betrifft, also wie man als Mensch mit sich
und seiner Umwelt in Verbindung tritt. Wenn diese
Verbundenheit an sich eher schwach ausgeprägt
ist, sind davon die Verbindungen zum Ich, zum
Du und zum Wir betroffen.




"immer selbstbewusster" hieße ja, dass es nie
genug wäre, also ist diese Zielsetzung unglück-
lich gewählt. Alternativ würde ich dir vorschlagen,
eine 1-10-Skala einzuführen (10 = maximum),
darauf dann deinen aktuellen Stand festlegen und
auch das "Genug-Ziel". Ebenso kannst du dich dann
fragen, was dir bisher "nach oben" geholfen hat
und woran du merken würdest, dass du einen
Punkt nach oben gestiegen bist (also praktisch,
was den sichtbaren Unterschied in deinem Leben
bedeuten würde, wenn du z.B. statt auf 4 auf 5
der Skala wärst).

Und was deinen Wunsch nach der Prozedur be-
trifft: die kannst du dir selbst zusammenstellen,
indem du dir Vorbilder suchst und deren Verhalten
und Haltung übernimmst. Also wenn jemand so
viel Selbstbewusstsein zeigt, wie du es gerne auch
hättest, beobachte dieses positive Vorbild und
finde seine Rezepte heraus. Daraus nimmst du
dir dann diejenigen, die für dich passend sind und
probierst, ob sie den Skalenwert nach oben ver-
bessern.


Du kannst ja hier schreiben, wie es dir ergeht -
vielleicht ist das schonmal ein gutes Training in
sozialen Kompetenzen ;)

Gruß, Werner
Großes Dankeschön für die ausführliche Antwort!

Wow, gut zu wissen, dass es grobe Einteilungen gibt. So lernt man wirklich sehr viel über sich selbst. Danke dafür.

Guter Punkt! Ich hätte jedoch noch eine Frage zu zwischenmenschlichen Beziehungen : Ich merke deutlich, dass der Kontakt zu meiner Familie mich sehr einschränkt. Meine Mutter zeigt ein recht krankhaftes Verhalten und will mich stets kontrollieren. Sie wollte mir sogar erst mein Studium verbieten, damit ich eine Ausbildung mache und so schnell wie möglich ausziehe, damit ich sie finanziell nicht mehr belaste. "Ohne euch könnte ich mir auch mal etwas leisten." Des weiteren verursacht sie oft schlechte Laune in mir, indem sie mich durch das bewertet, was sie von mir sieht. Ich bin beispielsweise ein sehr freundlicher Mensch, zu ihr jedoch nicht, da ich ihren Charakter abscheulich finde. Ich bin auch kein fauler Mensch, nur zuhause, da ich mich 1. in meinem Chaotenzimmer wohlfühle und 2. keine Lust auf die Hausarbeiten habe, die sie mir befiehlt. Sie will mir auch vorschreiben, einen Nebenjob anzunehmen, weil ja angeblich jeder einen hat und sie auch. Dabei fühle ich mich nicht wirklich bereit (vor allem für Jobs, die den Service betreffen, da ich mich dort komplett unwohl fühle) dazu und möchte mir Zeit nehmen und gegebenenfalls einen Job annehmen, der mir super gefällt. Das wären beispielsweise Büroarbeiten oÄ. Meine Familie macht mich auch immer insofern schlecht, dass sie Witze darüber machen, dass ich in 5 Jahren immer noch zuhause lebe. Ganz nach dem Motto "Schmarotzer". Letztlich hört mir meine Familie selten zu, wenn ich etwas zu sagen habe. Sehr oft hört man ein stöhnen, weil sie ganz offensichtlich von mir genervt sind.
-> Kann dies einen großen Effekt auf mein Selbstbewusstsein haben? Meine Psychologin ist der Meinung, dass ich so schnell wie möglich ausziehen sollte bzw. den Kontakt auf das nötigste reduzieren sollte. Das ist kein schlechter Vorschlag, jedoch recht schwer zu verwirklichen. Was sagst du dazu?

Stimmt! Ich finde es recht schwer, mich anhand dieser Skala zu bewerten. Ich weiß, ich habe super Ansätze. Schließlich weiß ich, was ich kann und was ich schaffen kann, jedoch fehlt mir die Erfahrung, wie sich die 1 und wie die 10 anfühlen.


Gilt das dann immer noch als Selbstbewusstsein? Im Begriff steckt das "Selbst" - kopiert man dann nicht prinzipiell die Gewohnheiten und Eigenschaften des Gegenübers?



Mit freundlichen Grüßen,

iCARUS
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Ich hätte jedoch noch eine Frage zu zwischenmenschlichen Beziehungen : Ich merke deutlich, dass der Kontakt zu meiner Familie mich sehr einschränkt. Meine Mutter zeigt ein recht krankhaftes Verhalten und will mich stets kontrollieren. (...)
-> Kann dies einen großen Effekt auf mein Selbstbewusstsein haben? Meine Psychologin ist der Meinung, dass ich so schnell wie möglich ausziehen sollte bzw. den Kontakt auf das nötigste reduzieren sollte. Das ist kein schlechter Vorschlag, jedoch recht schwer zu verwirklichen. Was sagst du dazu?
Hm. Wenn die Einschränkung in Richtung "Blockade"
deiner eigenen Entwicklung geht und dir jegliche Frei-
räume nimmt, ist es wohl besser, auf die Vorteile zu
verzichten, die diese Situation bietet.

Da musst du wohl oder übel für dich abwägen, ob die
Verwirklichung schwerer oder leichter ist als das Ertra-
gen dieser menschlichen Nähe. Ich persönlich denke,
dass Freiheit wichtiger ist als Luxus, aber nicht wert-
voller als das Leben an sich ;)

Großes Dankeschön für die ausführliche Antwort!

Ich finde es recht schwer, mich anhand dieser Skala zu bewerten. Ich weiß, ich habe super Ansätze. Schließlich weiß ich, was ich kann und was ich schaffen kann, jedoch fehlt mir die Erfahrung, wie sich die 1 und wie die 10 anfühlen.


Guter Punkt. Nimm einfach als 1 den niedrigsten dir be-
kannten Selbstbewusstseinszustand und als 10 das höch-
ste, was du dir eben noch vorstellen kannst. Falls das
nicht geht, nimm dir einfach mal vor, es um 5-10% zu
steigern und beschreibe genau, was den Unterschied aus-
macht.

Die Zahlenwerte sollen helfen, Unterschiede zu messen,
nicht beschreiben, wie sich die Zustände anfühlen. Weil
ja Fortschritte immer durch Unterschiede definiert werden
und du so Anhaltspunkte hast, ob sich so ein Unterschied
einstellt und wie du ihn herbeigeführt hast.

Gilt das dann immer noch als Selbstbewusstsein? Im Begriff steckt das "Selbst" - kopiert man dann nicht prinzipiell die Gewohnheiten und Eigenschaften des Gegenübers?
Alles, was du bist (oder fast alles) sind Nachahmungen
von anderen. Dein "Selbst" ist letztlich eine Art Mosaik
und die Frage ist, ob du die Entscheidungen darüber,
welche "Steinchen" es bildet, selbst triffst oder sie dem
Zufall oder deiner Umwelt überlässt. Ziel ist ja, bewusst
auszuwählen, was du dir gehört und was nicht. Und zum
"Gegenüber" kann ja durchaus auch ein Buchautor oder
jemand ganz Fremdes gehören - ich z.B. lerne viel vom
römischen Philosophen Seneca oder von Henry David
Thoreau, die beide schon lange tot sind ;)

Und es geht auch nicht um reines "Kopieren", sondern
darum, in der Nachahmung dein "Eigenes" einzubringen
oder Dinge zu kombinieren, die du bei verschiedenen
Leuten siehst und wertschätzt.

Gruß, Werner
 

iCARUS

Mitglied
So, ich melde mich zurück!
Danke, Werner, für die ausführlichen Beiträge!
Ich war heute "feiern" (mehr oder weniger) und dort hatte ich einen ziemlichen Tiefpunkt. Kannte dort eine Person, die dort gefilmt hat und ich stand die ganze Zeit mit dem Handy an der Theke. Ich hatte keinen Spaß und wollte einfach nur noch weg. Ich bin vor Komplexen ertrunken. Ich fühlte mich unmännlich, kindlich und unattraktiv. Im Bus nachhause ging mir dann einiges durch den Kopf. Ich weiß einfach nicht, wer ich sein möchte. Ich weiß nicht, welche Kleidung ich tragen soll. Ich weiß nicht, welche Lebensweise ich leben soll. Ich weiß nicht, welche Schuhe ich bequem finde. Ich weiß nicht, ob ich abnehmen, oder zunehmen möchte. Ich weiß einfach nichts. Das bringt mich wirklich zur Weißglut. Vor allem meine Komplexe treffen und beeinflussen mich sehr stark. Zwar fallen mir die äußeren Komplexe deutlich markanter auf, trotzdem aber bin ich mir ziemlich sicher, dass ich auch starke innere Komplexe habe. Ich fühle mich meist sehr schwach, vor allem in der Öffentlichkeit. Ich fühle mich schwach, niederträchtig, klein, kindisch, minderwertig.
Dass Clubs oÄ. für mich nichts sind und ich lieber eine Freundin hätte, mit der man mal einen netten Film gucken kann, ist mir wohl heute klar geworden, aber akzeptieren mag ich das nicht wirklich. Oftmals wünsche ich mir ein Aufreißer zu sein, der ich einfach nicht sein kann.

Des weiteren ist mir aufgefallen, wieso ich so selten etwas mit Leuten unternehme. Ich habe realisiert, dass ich auswärts einfach keinen Spaß haben kann. Ich langweile mich immer und denke, die Zeit wäre zuhause besser investiert gewesen. Wenn mehrere Leute dabei sind, hole ich mein Handy raus und sitze die Zeit ab. Nur Alkohol kann diese Lage verbessern, doch trinken will und kann ich nicht immer. Oftmals verabrede ich mich und denke schon vor dem Treffen :" Oh man, gar kein bock darauf!" Des öfteren rede ich mich auch raus oder verschiebe das Treffen auf ein nicht noch nicht vereinbartes Datum - also nie!

Mit freundlichen Grüßen,
iCARUS

EDIT : Mir ist aufgefallen, dass ich oftmals Leute kontaktiere (-> anschreibe), nur um ihnen Gedanken meinerseits mitzuteilen. Wie bereits erwähnt, bin ich ein sehr, sehr tiefgängiger Mensch, der regelmäßig neue Gedanken produziert. Diese Gedanken belasten so sehr, dass ich sie loswerden will. Diese Kontakte sehe ich aber irgendwie als unnötig an. Sie basieren auf reinem Nutzen, Zwischenmenschlichkeit fällt weg. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte ein Tagebuch bzw. Gedankenbuch eine super Idee sein, oder?
 
Zuletzt bearbeitet:

Werner

Sehr aktives Mitglied
... ich lieber eine Freundin hätte, mit der man mal einen netten Film gucken kann, ist mir wohl heute klar geworden, aber akzeptieren mag ich das nicht wirklich. (...)

Wie bereits erwähnt, bin ich ein sehr, sehr tiefgängiger Mensch, der regelmäßig neue Gedanken produziert. Diese Gedanken belasten so sehr, dass ich sie loswerden will. Diese Kontakte sehe ich aber irgendwie als unnötig an. Sie basieren auf reinem Nutzen, Zwischenmenschlichkeit fällt weg. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte ein Tagebuch bzw. Gedankenbuch eine super Idee sein, oder?
Hallo iCARUS,
wenn ich diese beiden Gedanken von dir zusammen-
nehme, scheint es doch einen Unterschied für dich zu
machen, wenn du eine Freundin finden würdest, mit
der du deine Gedanken teilen könntest.

Ein Tagebuch kannst du ja trotzdem schreiben (mache
ich auch), weil selbst eine Freundin nicht immer der
passende Zuhörer ist und das, was man aufschreibt,
auch später noch nachzulesen ist.

Wenn dir das Aussprechen oder Aufschreiben hilft, ge-
hörst du vermutlich zu einer Gruppe Menschen, die hier
beschrieben ist (auch so eine vereinfachende, aber ganz
nützliche Unterteilung): http://www.123modell.de/0002.htm
- da stehen auch Tipps, wie du deine Persönlichkeit ge-
zielt entwickeln kannst.

Insgesamt fällt mir auf, dass du sehr auf das Negative
bzw. das, was nicht funktioniert, fokussierst. Vielleicht
magst du (hier oder in deinem Tagebuch) mal auflisten,
was in deinem Leben alles so gut ist, dass du es gerne
bewahren möchtest?

Gruß, Werner
 

iCARUS

Mitglied
Hallo iCARUS,
wenn ich diese beiden Gedanken von dir zusammen-
nehme, scheint es doch einen Unterschied für dich zu
machen, wenn du eine Freundin finden würdest, mit
der du deine Gedanken teilen könntest.

Ein Tagebuch kannst du ja trotzdem schreiben (mache
ich auch), weil selbst eine Freundin nicht immer der
passende Zuhörer ist und das, was man aufschreibt,
auch später noch nachzulesen ist.

Wenn dir das Aussprechen oder Aufschreiben hilft, ge-
hörst du vermutlich zu einer Gruppe Menschen, die hier
beschrieben ist (auch so eine vereinfachende, aber ganz
nützliche Unterteilung): http://www.123modell.de/0002.htm
- da stehen auch Tipps, wie du deine Persönlichkeit ge-
zielt entwickeln kannst.

Insgesamt fällt mir auf, dass du sehr auf das Negative
bzw. das, was nicht funktioniert, fokussierst. Vielleicht
magst du (hier oder in deinem Tagebuch) mal auflisten,
was in deinem Leben alles so gut ist, dass du es gerne
bewahren möchtest?

Gruß, Werner
Hallo,
ja, dieses "Denker"-Muster passt sehr gut zu mir! Habe gestern einen Test durchgeführt und genau dies kam dabei raus.
Ich werde wohl ein Tagebuch anfangen, da ich die meisten Menschen auch nur als Tagebuch missbrauche. Ergibt das gleiche Ergebnis, da die Resonanz meistens auch nicht wirklich prickelnd ist.

Ja, guter Punkt. Mir fällt ehrlich gesagt wenig auf, was gut in meinem Leben ist, da ich mich nie wirklich damit beschäftigt habe. Da überwiegen wohl andere negative Aspekte, da ich im Endeffekt jemand sein möchte, der ich nicht bin, aber ich werde mich mal strenger damit befassen! Was könnte im Leben denn beispielsweise gut sein?
Mit freundlichen Grüßen,
iCARUS

EDIT : Gerade nachdem ich den Antworten-Button geklickt habe, fiel mir auf, dass ich ein optimistischer Mensch bin. Seit einer bestimmten Zeit nehme ich vieles gelassener, vor allem was andere angeht. Bei mir selbst gehe ich immer vom allerschlechtesten aus, auch wenn es später dann gut funktioniert, aber andere kann ich gut beruhigen, da ich von ihrem Glück ausgehe.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Was könnte im Leben denn beispielsweise gut sein?
Oh, ist es so schlimm? :)

Vorschlag: versetze dich mal in die Lage eines
syrischen Flüchtlings. Vor einem halben Jahr fing
die Armee an, seinen Stadtteil zu bombadieren.
Zuerst ging sein Geschäft in Flammen auf, dann
das Nachbarhaus. Um nicht auch noch zu sterben,
schickte er Frau und Kinder zu seinen Eltern aufs
Land (in der Angst, dass sie dem IS in die Hände
fallen), verkaufte den Familienschmuck und ging
mit Hilfe von üblen Schleppern auf ein Boot, das
ihn nach Griechenland bringen sollte, dann aber
nur bis in die Türkei verschiffte. Auf der Fahrt sah
er Kinder sterben und Menschen fast verdursten.
Nachdem er sich durch die Türkei und über die
Ägäis gekämpft und dabei sein letztes Geld ver-
braucht hatte, landete er in einem griechischen
Auffanglager, woraus er floh, um bei einem Bau-
ern etwas Geld zu verdienen, der ihn schwarz und
billig beschäftigte. Dann über den Balkan nach
Ungarn, unterwegs nochmal ausgeraubt, von
Grenzpolizisten geschlagen und in Ungarn seiner
Dokumente beraubt (die teuer an Nicht-Syrer ver-
kauft werden). Im Wald auf der Wanderung mehr-
fach gesehen, wie Eltern ihre verhungerten Kinder
begraben haben. Wie durch ein Wunder dann an
einen ehrlichen Menschen geraten, der ihm den
Weg nach Österreich gezeigt und ihm etwas zu
Essen gegeben hat. Auf einen Zug nach Deutsch-
land gestiegen und in München von freundlichen
Helfern mit einem Willkommenspaket und dem
ersten sauberen Bett in Wochen beschenkt worden.
Das erste Mal sein einem Jahr wieder mit dem Ge-
fühl eingeschlafen, nicht um sein Leben fürchten
zu müssen. Vier Wochen später zum ersten Mal
seit Monaten ein Lebenszeichen an und von seiner
Familie. Und eine Einladung zum Essen von ehren-
amtlichen Helfern, die ihm auch die Stadt zeigten,
in der er die nächste Zeit leben wird.

Was meinst du, ist für ihn das Gute im Leben?
Wolltest du mal mit ihm tauschen und erst im
Vermissen spüren, was in deinem Leben gut ist?

Bei mir selbst gehe ich immer vom allerschlechtesten aus, auch wenn es später dann gut funktioniert, aber andere kann ich gut beruhigen, da ich von ihrem Glück ausgehe.
Das ist spannend und ich frage mal, ob es dir auch
schon mal gelungen ist, bei dir selbst "vom Glück
auszugehen" - beruhigt dich das dann auch?

Gruß, Werner
 

iCARUS

Mitglied
1. Du hast recht, aber solche Vergleiche sind leider fehl am Platz. Ich könnte mich auch mit einem Mittelafrikanischen Kind vergleichen, dem nicht einmal tägliches Wasser gewährleistet ist, jedoch sind das völlig verschiedene Verhältnisse und Arten von Unglücklichsein.

2. Ich rede mir des öfteren ein, dass alles gut wird, aber Angst macht es mir trotzdem. Von Ruhe ist da leider nicht wirklich die Spur.

Und entschuldige meine derzeitige pessimistische Einstellung. Liegt daran, dass ich derzeit gesundheitliche Probleme habe (lebenslange Einschränkung bezüglich meiner Füße) und das auch meine Psyche belastet. Ich kann mich damit nicht arrangieren und gebe mir irgendwie selbst die Schuld.

Mit freundlichen Grüßen,
iCARUS
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
1. Du hast recht, aber solche Vergleiche sind leider fehl am Platz. Ich könnte mich auch mit einem Mittelafrikanischen Kind vergleichen, dem nicht einmal tägliches Wasser gewährleistet ist, jedoch sind das völlig verschiedene Verhältnisse und Arten von Unglücklichsein.
Das Beispiel sollte dich einfach anregen, das Gute
in deinem Leben im Vergleich mit Menschen zu sehen,
die derzeit direkt unter uns leben - und halt nicht weit
weg, wie sonst meist.

Du kannst dich auch mit einem Obdachlosen hier ver-
gleichen oder dir mal alle Dinge aus einem Leben
"streichen", die du nicht hättest, wenn wir keinen Strom,
kein Benzin und keinen Rechtsstaat mehr hätten.

Ich rede mir des öfteren ein, dass alles gut wird, aber Angst macht es mir trotzdem. Von Ruhe ist da leider nicht wirklich die Spur.
Es ist unrealistisch, dass "alles gut" wird, es sei denn,
man sieht es wirklich ganz metaphysisch und ohne
jegliche individuelle Sorge. Aber trotzdem gibt es ja
vielleicht den einen oder anderen Gedanken, der dich
ruhiger (nicht absolut ruhig) macht, oder?

Mich macht z.B. ruhiger, wenn ich mir vor Augen halte,
was in meinem bisherigen Leben schon gut gewesen ist
und auch "bleibend" (wenigstens eine Zeit lang).

Und entschuldige meine derzeitige pessimistische Einstellung. Liegt daran, dass ich derzeit gesundheitliche Probleme habe (lebenslange Einschränkung bezüglich meiner Füße) und das auch meine Psyche belastet. Ich kann mich damit nicht arrangieren und gebe mir irgendwie selbst die Schuld.
Ich habe eine Einschränkung mit meinen Augen seit der
2. Klasse und habe auch viele Jahre gebraucht, mich
damit zu arrangieren und sogar das Positive daran zu
erkennen. Auch da hilft mir der Vergleich mit anderen,
die mit wesentlich heftigeren Einschränkungen zu leben
haben. Ich habe auch noch andere körperlichen Macken,
zum Teil waren sie sehr belastend bzw. sogar lebensbe-
drohlich. Aber komischerweise fand sich auch da mit der
Zeit immer etwas Positives daran.

Wie du ja schreibst: "derzeitige" - heißt also, dass du die
auch ändern kannst (die Einstellung). Das ist ja auch eine
Willenssache. Zum Beispiel kann man sich jeden Moment
dafür entscheiden, sich über etwas zu freuen (z.B. dass
man lebt) oder für etwas dankbar zu sein ;)

Ist auch Übungssache, wie bei körperlichen Muskeln auch.

Gruß, Werner
 

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