Ohne in Kulturpessimismus zu machen, denke ich, dass Themen wie dieses, die sich ja häufen und in den verschiedensten Varianten immer wieder auftauchen, zeigen, dass die Beziehungen zwischen den Menschen in Unordnung geraten sind.
Viele sehnen sich nach Freundschaft, Liebe und Sexualität. Es gibt Portale ohne Ende, ungezählte Foren, die davon leben. Es gibt Menschen, die jahrelang suchen, oft sehr genau wissen, was sie suchen und dennoch nicht finden.
Man erlebt einerseits Youngster, die sich kaum, dass sie ihre ersten Regungen verspüren, auf das jeweilige Gegenstück stürzen und bei denen der einzige Maßstab, den sie haben, die sexuelle Erfüllung zu sein scheint.
Etliche von ihnen verkünden nur wenig später Tristesse und Langeweile, weil die ständige Wiederholung nicht erfüllt, sondern abstumpft.
Wie sagte da ein 17jähriger Youngster: Er habe schon so viele Mädchen gehabt, aber kenne man eine, dann kenne man alle. Junge Mädchen äußern sich ähnlich. Das, was meine Generation mal als Sehnsucht erlebte, so scheint mir, wird heute zur Gewohnheit und zum reinen Konsum.
Aber auch wir Erwachsenen stolpern von einem Extrem ins Andere. Da gibt es Diskussionen über extremste Vorstellungen. Im Netz kann ich die abenteuerlichsten, ja die extremsten Neigungen finden. Zugleich berichten andere Zeitgenossen, Männer wie Frauen, von der Flaute im Bett.
Von den Berater/innen kann man nach meiner Erfahrung auch nicht viel erwarten, versuchen sie doch, so habe ich das erlebt, die Beratenen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen. Auch da bleibt immer jemand auf der Strecke.
Frustrierte Enthaltsamkeit hier, zügelloses Ausleben dort. Normalität Fehlanzeige! Und damit bin auch ich wieder in eine Falle gestolpert, denn schon die Vokabel "Normalität" beinhaltet Sprengstoff.
Wir leben in merkwürdigen Zeiten.
Burbacher