T
Thyli
Gast
Ich mag relativ jung sein, zu dem Thema habe ich aber eine wichtige erfahrung gemacht:
einem menschen, der jahrelang regelmässig gekifft hat , merkt man es deutlich an wenn er damit aufhört.
Meine erste beziehung- und ich würde auch sagen große liebe(nennen wir sie A)- habe ich mit 16 auf dem Internat kennengelernt, welches ich vom 15. bis kurz vorm 18. lebensjahr besucht habe. Als ich mit ihm zusammenkam wusste ich nichts davon das er kifft. So über Monate rückte er stück für stück immer mehr damit raus, erst wars der bruder, dann er manchmal, es hat ziemlich lang gedauert bis ich das ganze ausmaß (mit 12 angefangen, häufiger konsum) erfahren hatte. Ich war verliebt bis über beide Ohren, mich hätte niemand von ihm fernhalten können- meine eltern hatten sich in den ersten sommerferien die ersten zwei wochen geweigert mich zum bahnhof zu fahren, aber nach 2 wochen hatte ich sie dann doch überzeugt.
Ich war zu keinem zeitpunkt in der 2 ½ jährigen beziehung glücklich damit das er kifft, habe aber nie verlangt das er damit aufhört weil ich mir sicher war die antwort zu kennen, und verliern wollte ich ihn nicht. Hatten damals auch beide Schwierigkeiten uns auszudrücken, unzufriedenheit zu äussern, die beziehung bestand hauptsächlich aus nähe. Hat mich damals nicht gestört, kannte es ja auch nicht anders. Zu 80-90% war ich glücklich.
Den Rest der Zeit machten sich die Auswirkungen bemerkbar. THCkonsum kann psychische Störungen verursachen, ich weiss nicht ob da noch obendrauf was in der Kindheit lag, aber in diesem fall lautete die diagnose irgendwann borderline. Ich habe 5 trennungen aus heiterem himmel erlebt, wo ich absolut keine ahnung hatte warum, wieso, und er konnte mir auch nichts erklären. Die letzte war dann auch erstmal endgültig. Ich hab nach ein paar monaten die schule in der 12. klasse abgebrochen weil ich die nähe nicht mehr ausgehalten hab. Hab mich nach nem heftigen tief in eine andere beziehung (nenn ich mal B)geflüchtet, die vom charakter her ziemlich das gegenteil von A war und auch sonst komplett anders, obendrauf noch 400 km entfernt.war auch nix für die ewigkeit. Als mir langsam klar wurde das ich mit B auch nicht glücklich bin und nach 3 jahren beziehung über trennung nachdachte hat sich A überraschend gemeldet. Er hatte keine Adresse,keine telefonnummer, im internet hab ich mich recht gut versteckt und sogut wie 0 spuren hinterlassen, so das er wohl über n halbes Jahr recherchiert hat bis er dann an den Nick meines Chars in nem MMORPG kam. Ich fiel aus allen Wolken. Er wollte sich entschuldigen. Und nach 3 jahren bekam ich endlich die antworten die er mir damals schuldig blieb. Es hat verdammt gut getan zu hören das ich aus seiner sicht eigentlich keine fehler gemacht hab außer mir alles gefallen zu lassen.
Die Beziehung mit B hab ich Anfang Mai beendet. A hatte damit kaum was zu tun, war sowieso auf dem weg dahin quasi. Mit A hab ich mich weiter über messenger unterhalten sowie abends gelegentlich ein-zwei stunden gespielt. Hier sind wir wieder beim Thema- er gab an anfang 2008 mit dem Kiffen aufgehört zu haben und seither sauber zu sein.
Nach ein-zwei Wochen war ich dann so neugierig das ich in den Zug gestiegen bin um ihn zu besuchen. Ich hatte aus dem ICQ und voicechat so einen positiven eindruck das ich einfach wissen wollte ob das inetbedingt ist oder wirklich so eine tiefgreifende veränderung vonstatten gegangen ist.
Ist es. Ich war absolut positiv überrascht. Er ist wacher, sensibler, offener, ehrlich ohne ende, aufmerksam, hilfsbereit und hat sein vorher chaotisches leben recht gut im griff. Ich bin dort nach 3 tagen richtig krank geworden inklusive 12 tage krankenhaus. Er war 6 stunden am Tag an meiner seite obwohl gleichzeitig die abiturprüfungen liefen (die er auch bestanden hat 🙂 )-er hat das lernen+besuchen unter einen hut bekommen, sich um klamotten, eltern und mitbewohner meiner WG informiern gekümmert, musik,bücher und einen Nintendo DS zum zeitvertreib aufgetrieben... War die ganze Zeit interessiert, bemüht und natürlich auch besorgt. Wäre früher undenkbar gewesen.Natürlich geht etwas wie Borderline nicht weg, es ist nicht heilbar. Aber er hat gelernt damit umzugehn und sagt auch einfach „mir geht’s grad nicht gut“ oder „scheißtag heute“. Und selbst wenns für ihn ein Scheißtag ist krieg ich das nicht ab, und er hat den kopf frei genug um seine umwelt nicht auszublenden sondern normal zu interagiern.
Ich bin nachdem ich entlassen wurde noch ein paar tage bei ihm geblieben weil ich einfach noch zu schwach war um direkt 6 stunden zugfahrt mit 2mal umsteigen zu bewältigen. Ich kam die Tage aus dem staunen über die veränderungen nicht mehr raus. Keine Angst mehr wenn er weggeht um Freunde zu besuchen. Keine Panik das er Mist baut und sich dabei verletzt oder Ärger mit dem Gesetz bekommt. Ich hab einfach gespürt das ich ihm vertrauen kann.
Als kleine aufzählung was sich getan hat:
Gleichgültigkeit ist weg
keine notlügen
die basis für vertrauen ist wieder da
interesse an andern menschen, tieren, politik usw
verständnis und reue für das was familie, freunde und ich durchgemacht haben
selbstständigkeit, zielstrebigkeit
selbst was berührungen angeht ist er wesentlich empfindlicher geworden-im positiven Sinne
und reden hat er gelernt. Ich hab ihn damals schon geliebt mit den ecken und kanten, jetzt natürlich erst recht und auf einem andern level. Wir haben uns nachdem ich zurückgefahren bin noch eine woche zeit gelassen und uns dann nochmal ausgesprochen. Sind seitdem wieder zusammen 🙂
Mein Fazit: Wenn euch jemand, der schon lange und häufig kifft erklären will er hätte aufgehört müsstet ihr eine deutliche verhaltensänderung sehn können. Gerade wenns so weit war das schlösser aufgebrochen wurden- dann muss die Sucht ja sehr stark sein.
hoffe damit etwas weiterhelfen zu können.
LG
Thyli
PS: Seinen alten Kifferfreundeskreis hat er noch. Allerdings wird seine Entscheidung dort respektiert.
einem menschen, der jahrelang regelmässig gekifft hat , merkt man es deutlich an wenn er damit aufhört.
Meine erste beziehung- und ich würde auch sagen große liebe(nennen wir sie A)- habe ich mit 16 auf dem Internat kennengelernt, welches ich vom 15. bis kurz vorm 18. lebensjahr besucht habe. Als ich mit ihm zusammenkam wusste ich nichts davon das er kifft. So über Monate rückte er stück für stück immer mehr damit raus, erst wars der bruder, dann er manchmal, es hat ziemlich lang gedauert bis ich das ganze ausmaß (mit 12 angefangen, häufiger konsum) erfahren hatte. Ich war verliebt bis über beide Ohren, mich hätte niemand von ihm fernhalten können- meine eltern hatten sich in den ersten sommerferien die ersten zwei wochen geweigert mich zum bahnhof zu fahren, aber nach 2 wochen hatte ich sie dann doch überzeugt.
Ich war zu keinem zeitpunkt in der 2 ½ jährigen beziehung glücklich damit das er kifft, habe aber nie verlangt das er damit aufhört weil ich mir sicher war die antwort zu kennen, und verliern wollte ich ihn nicht. Hatten damals auch beide Schwierigkeiten uns auszudrücken, unzufriedenheit zu äussern, die beziehung bestand hauptsächlich aus nähe. Hat mich damals nicht gestört, kannte es ja auch nicht anders. Zu 80-90% war ich glücklich.
Den Rest der Zeit machten sich die Auswirkungen bemerkbar. THCkonsum kann psychische Störungen verursachen, ich weiss nicht ob da noch obendrauf was in der Kindheit lag, aber in diesem fall lautete die diagnose irgendwann borderline. Ich habe 5 trennungen aus heiterem himmel erlebt, wo ich absolut keine ahnung hatte warum, wieso, und er konnte mir auch nichts erklären. Die letzte war dann auch erstmal endgültig. Ich hab nach ein paar monaten die schule in der 12. klasse abgebrochen weil ich die nähe nicht mehr ausgehalten hab. Hab mich nach nem heftigen tief in eine andere beziehung (nenn ich mal B)geflüchtet, die vom charakter her ziemlich das gegenteil von A war und auch sonst komplett anders, obendrauf noch 400 km entfernt.war auch nix für die ewigkeit. Als mir langsam klar wurde das ich mit B auch nicht glücklich bin und nach 3 jahren beziehung über trennung nachdachte hat sich A überraschend gemeldet. Er hatte keine Adresse,keine telefonnummer, im internet hab ich mich recht gut versteckt und sogut wie 0 spuren hinterlassen, so das er wohl über n halbes Jahr recherchiert hat bis er dann an den Nick meines Chars in nem MMORPG kam. Ich fiel aus allen Wolken. Er wollte sich entschuldigen. Und nach 3 jahren bekam ich endlich die antworten die er mir damals schuldig blieb. Es hat verdammt gut getan zu hören das ich aus seiner sicht eigentlich keine fehler gemacht hab außer mir alles gefallen zu lassen.
Die Beziehung mit B hab ich Anfang Mai beendet. A hatte damit kaum was zu tun, war sowieso auf dem weg dahin quasi. Mit A hab ich mich weiter über messenger unterhalten sowie abends gelegentlich ein-zwei stunden gespielt. Hier sind wir wieder beim Thema- er gab an anfang 2008 mit dem Kiffen aufgehört zu haben und seither sauber zu sein.
Nach ein-zwei Wochen war ich dann so neugierig das ich in den Zug gestiegen bin um ihn zu besuchen. Ich hatte aus dem ICQ und voicechat so einen positiven eindruck das ich einfach wissen wollte ob das inetbedingt ist oder wirklich so eine tiefgreifende veränderung vonstatten gegangen ist.
Ist es. Ich war absolut positiv überrascht. Er ist wacher, sensibler, offener, ehrlich ohne ende, aufmerksam, hilfsbereit und hat sein vorher chaotisches leben recht gut im griff. Ich bin dort nach 3 tagen richtig krank geworden inklusive 12 tage krankenhaus. Er war 6 stunden am Tag an meiner seite obwohl gleichzeitig die abiturprüfungen liefen (die er auch bestanden hat 🙂 )-er hat das lernen+besuchen unter einen hut bekommen, sich um klamotten, eltern und mitbewohner meiner WG informiern gekümmert, musik,bücher und einen Nintendo DS zum zeitvertreib aufgetrieben... War die ganze Zeit interessiert, bemüht und natürlich auch besorgt. Wäre früher undenkbar gewesen.Natürlich geht etwas wie Borderline nicht weg, es ist nicht heilbar. Aber er hat gelernt damit umzugehn und sagt auch einfach „mir geht’s grad nicht gut“ oder „scheißtag heute“. Und selbst wenns für ihn ein Scheißtag ist krieg ich das nicht ab, und er hat den kopf frei genug um seine umwelt nicht auszublenden sondern normal zu interagiern.
Ich bin nachdem ich entlassen wurde noch ein paar tage bei ihm geblieben weil ich einfach noch zu schwach war um direkt 6 stunden zugfahrt mit 2mal umsteigen zu bewältigen. Ich kam die Tage aus dem staunen über die veränderungen nicht mehr raus. Keine Angst mehr wenn er weggeht um Freunde zu besuchen. Keine Panik das er Mist baut und sich dabei verletzt oder Ärger mit dem Gesetz bekommt. Ich hab einfach gespürt das ich ihm vertrauen kann.
Als kleine aufzählung was sich getan hat:
Gleichgültigkeit ist weg
keine notlügen
die basis für vertrauen ist wieder da
interesse an andern menschen, tieren, politik usw
verständnis und reue für das was familie, freunde und ich durchgemacht haben
selbstständigkeit, zielstrebigkeit
selbst was berührungen angeht ist er wesentlich empfindlicher geworden-im positiven Sinne
und reden hat er gelernt. Ich hab ihn damals schon geliebt mit den ecken und kanten, jetzt natürlich erst recht und auf einem andern level. Wir haben uns nachdem ich zurückgefahren bin noch eine woche zeit gelassen und uns dann nochmal ausgesprochen. Sind seitdem wieder zusammen 🙂
Mein Fazit: Wenn euch jemand, der schon lange und häufig kifft erklären will er hätte aufgehört müsstet ihr eine deutliche verhaltensänderung sehn können. Gerade wenns so weit war das schlösser aufgebrochen wurden- dann muss die Sucht ja sehr stark sein.
hoffe damit etwas weiterhelfen zu können.
LG
Thyli
PS: Seinen alten Kifferfreundeskreis hat er noch. Allerdings wird seine Entscheidung dort respektiert.