Christa, Du brauchst Dich nicht zurück zu stellen.
Claudia, und auch Jette, ich wollte auf Folgendes hinaus: Trennungen, Verluste bringen jeden Menschen aus dem Gleichgewicht.
Bei mir war das immer ein ganzes Stück mehr, als bei den Menschen in meiner Umgebung. Während ich mich gefragt habe, wie sie in der Lage dazu sein konnten, sich schon auf einen neuen Menschen einzulassen, wunderten Sie sich vermutlich bei mir, warum ich mich ganz vom Leben zurückgezogen hatte.
Ich für mich habe verstanden, dass es bei mir nicht um diese Trennung ging, nicht konkret um diesen einen Menschen. Irgendwann in den Monaten der Trennung ging es mehr und mehr darum, dass ein Mensch mich ganz tief berührt hat, und darum, wie ich mich davor wieder verschließen könnte.
Während ich vorher im Leben irgendwie herumhampelt hatte, nicht mehr daran geglaubt hatte, dass die Nähe, nach der ich suchte, realistisch sein könnte, hatte ein Mensch Zugang zu meinem tiefsten Inneren gefunden.
Der Verlust eines solchen Menschen war für mich geradezu traumatisch. Das, wonach ich mich insgeheim immer gesehnt hatte, woran ich nicht mehr geglaubt hatte, wurde für kurze Zeit Wirklichkeit. Der Weg zurück war für mich verwirrend, er führte in eine Welt, die ich als chaotisch empfand, eine Welt, in die ich, nachdem ich einmal erlebt hatte, wie es anders sein konnte, nicht mehr zurück wollte.
Ich lebe bis heute in dieser chaotischen Welt, und sehne mich manchmal in die vergangene Zeit zurück. Ich lebe nur teilweise in dieser Welt, bin nie richtig angekommen. Es ist schon komisch, denn niemand bemerkt es. Nächste Woche gebe ich Nachhilfe, und hoffe, dass ich die Jungs gut durchbringe. Ich bin zum Geburtstag eingeladen, in zwei Wochen kommt ein Treffen mit einer Firma, davor noch ein Besuch bei Bekannten. Irgendwie manage ich das, es ist eine Welt, aber ob sie für immer meine Realität bleiben wird, weiß ich noch nicht. Es scheint, als sollte ich mich mit ihr arrangieren.
In dieser Welt sehe ich das Leben als Single. Manchmal komme ich einem Menschen noch nahe, schrecke aber schnell davor zurück. Doch, auch wenn mir diese Welt fremd erscheinen mag, versuche ich, mich mit ihr einzurichten.
Günter