Ich bin ja auch angesprochen, ich kann mir auch keine Wohnung leisten beispielsweise in München oder Hamburg im Zentrum.
ich bin ja auch angesprochen und finde es trotzdem zynisch, oder sagen wir mal "schwierig" und nicht umfassend gedacht.
Also ich lebe ja in München (und ja: Kann mir dort Wohneigentum leisten und nehme es trotzdem nicht als selbstverständlich, weil ich weiß, dass ich einfach nur Glück gehabt habe: Mein Wohneigentum hat mir ganz sicher nicht der freie Markt gegeben, weil ich so ein cleverer Markt-Player bin und so viel fleißiger als die faulen Säcke, die sich hier eben keine Wohnung leisten können und dann doch bitte lieber woanders hausen sollen "Ironie off").
Es wird immer gern mit dem freien Markt argumentiert, aber ob sich jemand in München oder Hamburg Wohneigentum leisten kann, hat herzlich wenig mit dem freien Markt zu tun, sondern eher mit Glück auf der einen Seite und Not auf der anderen. Die meisten Menschen, die sich da noch was leisten können haben entweder geerbt oder schlicht Glück gehabt, oder aber: Und das wird auf sehr viele zutreffen: sie leisten es sich, obwohl sie es sich eigentlich nicht leisten können: Also die Not treibt sie dazu über ihre Verhältnisse zu leben: Das geht dann halt zB zu Lasten der Altersvorsorge oder der Kinder usw.
Es ist eher die Not der einen und das Glück der anderen, die den Mietmarkt regeln, nicht der Markt als tatsächliches Pendel zwischen Angebot und Nachfrage.
Es gibt auch nicht nur "Planwirtschaft und freie Marktwirschaft" (wie das immer so gerne behauptet wird) sondern es gibt auch eine Menge dazwischen.
Ein WIRKLICH freier Markt wäre dann gegeben, wenn man eine komplett freie Wahl hätte und die hat man nicht. Ich habe die Wahl, ob ich mir billiges Fleisch oder teures kaufe oder garkeines, aber ich habe nicht die Wahl, ob ich wohne oder nicht. Also wird der Mietmarkt (und in seiner Folge dann zB auch Lebensmittelpreise, denn wer zu viel in Miete stecken MUSS, kann nunmal keine verantwortungsvollen Lebensmittel mehr kaufen) eben nicht von einer komplett freien Kundenentscheidung sondern von der Not bestimmt.
Kein ensch würde zB sagen: hey, wir lassen mal die Feuerwehr ihre Preise selbst bestimmen und wenn dann die Preise für eine Brandlöschung in die höhe schnellen, dann sprechen wir von freien Markt: Der typ, dessen Haus brennt kann ja frei wählen, welche Feuerwehr er kommen lässt und ob er überhaupt eine kommen lässt und wenn dann die Preise in die Höhe schnellen ist das halt eine Folge von Angebot und Nachfrage....man muss die teure Leistung ja nicht kaufen, wenn man es sich nicht leisten kann, oder? Nicht jeder muss sich ja den Luxus leisten, sein Haus löschen zu lassen.
Also diese illusion, dass der markt es schon richtig macht und wer nicht mithalten kann, der hat halt Pech gehabt, konnte man vielleicht in den 80ern noch haben aber heute sind diese Idealvorstellungen doch sämtlich widerlegt. (würde das so gut funktionieren hätten wir ja wohl nicht diese argen Probleme mit Inflation, Wohnungsnot und Preissteigerung: Dann wäre doch bei uns zumindest dort wo der Markt frei laufen kann alles knorke, aber das ist es ja nicht)
Und dass genau das auch besser funktionieren kann, sieht man am Beispiel Österreich: Niemand würde wohl sagen, Österreich sei eine Planwirtschaft, oder? (das sind immer so Parolen, die rausgehauen werden, damit man sich nicht weiter damit befassen muss, dass Wohlstand auf Kosten anderer halt auch nicht die Lösung sein kann: Dann nennt man einfach alles, was im entferntesten sozial ist Plantwirtschaft und damit hat sichs)
Aber sie haben eben an ein paar Stellschrauben gedreht und damit Dinge offenbar besser gemacht als wir.
Münche und Wien sind sehr gut vergleichbar (Größe, wirtschaftliche faktoren, Einwohner, Wohlstand, lebensstandard usw: Alles sehr sehr ähnlich) und man kann aus diesem Vergleich sehr gut sehen, was Österreich besser macht.
Erstens mal haben sie halt ihren Wohnraum nicht verscherbelt, sondern behalten ihren städtischen Grund.
Wer sich dafür interessiert kann ja zB mal googeln, was es in München mit dem Wohnviertel in der Sophienstraße auf sich hat. Da wurde Grund der Stadt an Investoren verkauft, um Haushaltslöcher zu stopfen. Dieser grund wurde mit Luxuswohnungen bebaut (und wenn ich LUXUS sage, dann meine ich Luxus: Also nicht einfach nur schicke Wohnungen, sondern solche mit Portier, Zimmerservice usw: Also Wohnungen, die eigentlich keiner braucht, denn für den gleichen Preis bekommt man auch ein haus am Starnberger See), von denen manche bis heute kein einziges mal bewohnt wurden (also seit ungefähr 10 jahren nicht).
man hätte den Grund auch behalten und dort Städtische Wohnungen bauen können, man hätte auch eine Genossenschaft dort bauen lassen können, oder vielleicht einen "normalen" Investor, und und und: Aber man hat sich für einen Investor entschieden, der dort Luxuswohnungen bauen wollte.
Mit dem Ergebnis, dass die meisten dort leer stehen, weil die Wohnungen entweder zwar verkauft, aber nie genützt werden (weil die Eigentümer vielleicht eine Woche im Jahr für ihren Münchenurlaub dort logieren) oder garnicht erst verkauft wurden (was dem Investort egal sein kann, denn der hat längst seinen Schnitt gemacht).
Die Stadt hat sich da massiv über den Tisch ziehen lassen und das hat nichts mit Planwirtschaft, Marktwirtschaft oder sonst was zu tun, sondern war schlicht dumm. Und solche Beispiele gibt es halt in München viele und in Wien (wo es sicher auch Luxuswohnungen gibt: Die Reichen kommen auch hier nicht zu kurz) wohl nicht so viele.
Auch in Wien gibt es einen Markt für Luxuswohnungen und es gibt einen Markt für gehobene, mittlere und billige Wohnungen. Und es gibt keine Planwirtschaft. In Wien bildet nur der Wohnungsmarkt sehr viel realistischer die REALEN Bedprfnisse der Bevölkerung ab. Thats it! man muss eben wissen was man will: Will man eine Stadt, die sich nach den Bedürfnissen der Bewohner ausrichtet oder eine Stadt, die sich nach den Bedürfnissen der Investoren ausrichtet?
Und je nachdem, wie diese Entscheidung ausfällt, entsprechende politische Maßnahmen ergreift man.
Ein weiterer Punkt, den Österreicher richtig machen ist, dass ALLE in die Rente einzahlen: Also auch Selbständige und Beamten. Auch das hat nichts mit dem ach so gefürchteten Sozialsimus zu tun und ist keine Planwirtschaft, sondern es funktioniert einfach. Ein Rentner mit völlig gleichem Lebenslauf hat in Österreich deutlich mehr unterm Strich.
Was auch besser ist ist das Sozialhilfesystem: Bei uns wird jeder Cent an Bedingungen gekoppelt und zugeteilt (also DAS würe eher Planwirtschaft), der Staat zahlt die Miete für eine Wohnung, die er angemessen findet: Das hat leider zur Folge, dass der Staat Mieten für Bruchbuden bezahlt OHNE das wirklich zu prüfen. Im Grunde subventioniert der Staat damit unseriöse Geschäftsgebaren von zwielichtigen Wohnbaufirmen.
Googlet zB mal Göttigen Hagenweg: Dort vegetieren die Bewohner zwischen Schimmel und Kakerlaken und der Staat bezahlt diese Wohnungen: für den Investort ein lukratives Geschäft, denn die Miete kommt vom Staat auf JEDEN Fall und wie es den Leuten geht, ist einem dann egal: Auch wenn das ein Abbruchhaus ist: Es wird vom Staat finanziert.
Freier Markt? Wohl eher nicht!
In Österreich wird meines wissens ein bestimmter Betrag ausbezahlt, über den der Empfänger dann frei verfügen kann. Abgesehen davon dass das viel viel menschenwürdiger ist, gibt es den Betroffenen auch die Möglichkeit, SELBER zu entscheiden, wofür sie mehr oder weniger ausgeben wollen: Also nicht der Staat bestimmt, sondern der Betroffene. Und wenn jemand sagt: OK, ich spare mir lieber etwas bei den Lebensmitteln und wohne dann halt einen kleinen Tick besser, so kann AUCH der Sozialhilfeempfänger noch zu einem kleinen Teil am freien Martkgeschehen teilnehmen. Im Grunde ist da Deutschland näher an der Planwirtschaft: Der Staat bestimmt nach einem Plan, was der hartz 4 Empfänger zu essen hat, wie er zu wohnen hat usw. und bezahlt nach PLAN nicht nach freier Marktentscheidung.
Ebenso ist es mit der zweiklassenmedizin: Wo ist es bitteschön freie Martkwirtschaft, wenn der Staat den privaten Krankenkassen einen gewissen Kundenstamm "garantiert"? Dadurch dass sich beamte privat versichern müssen, wird doch gerade der freie Markt ausgehebelt: Die privaten krankenkassen werden also von zumindest einem Teil der Gesetze der freien Marktwirtschaft entbunden und zwar durch staatliche Eingriffe: Warum höre ich jetzt hier niemanden sagen, das wäre Planwirtschaft?
Also wie gesagt: ich sehe bei WEITEM nicht, dass Österreich ein Sozialistisches Land ist (im Gegenteil....bei denen hat es jemand wie Strache an die Spitze geschafft und das wäre in etwa so, als würden wir jetzt Höcke zum Vizekanzler haben). Aber offenbar setzen die halt gewisse Prioritäten anders als wir und davon profitieren letztlich dann doch wieder ALLE. Auch die Wohlhabenden! Um die muss man sich auch in Österreich keine Sorgen machen.