Ich versuch's mal so rum:
Biografisches:
Kindlicher Jesus-Glaube
-> ständige gefühlte Präsenz bis in meine Gedanken hinein.
Verlust des Glaubens
-> gähnende Leere, war ein fürchterliches Gefühl
Suche nach spirituellem Ersatz
- Bhagwan (wenig Kontakt, sauteure Bücher)
- Mun-Sekte (wenig Kontakt, die wirkten so unnatürlich-aufgesetzt frohlockend - war nicht mein Fall. Außerdem schmeckte das Essen bei denen nicht 😀)
- Scientology: intellektuell ansprechend, psychologisch ziemlich daneben - mit Settings, die im Grunde eine Art 'Gehirnwäsche' zum Ziel haben, konnte man bei mir noch nie gut punkten. Waren relativ schwer wieder abzuschütteln
- Christliche Charismatiker (u.a. Gottesdienste, Kontakte über Bekannte zu WG für ehem. Drogensüchtige) - die Leute wirkten auf mich wie unter Drogen
- Kontakte zu "Hexen" u.a. Esoterikern: keine von denen ging einer geregelten Tätigkeit nach, wirkte auf mich nicht sehr überzeugend
- Kontakte zu Lesben und Kirche: interessant, damals bewegte mich allerdings die Frage, wozu ein christlicher Glaube gut sei, wenn der Glaube an Gott der modernen Welt einfach so angepaßt werden kann. Schien mir unlogisch
- Seelsorgerliche Gespräche mit einem Jesuitenpater: inspirierend, befreiend, ich konnte von "Gott" und meiner Furcht vor Verdammnis loslassen. War übrigens der einzige von all meinen Gesprächspartnern, der mich nie zu irgendwas bekehren wollte. Sein Credo war: Tu, was immer du willst - wenn's dich "satt" macht, ist es gut.
- Beschäftigung mit div. religiösen Ansätzen (nur unvollkommen), v.a. Theorien zu Reinkarnation/Exkarnation und Karma. Interessante Ansätze, manches (Stichwort Eigenverantwortung) lebbar, in letzter Konsequenz aber unlogisch und zumindest für jemanden, der mit diesen Dingen nicht so bewandert ist, auch zynisch.
Mit Ausnahme der Gespräche mit dem Jesuitenpater schienen mir alle Vertreter der verschiedenen ideologischen Richtungen stärker der persönlichen Gottheit bzw. der Lehre als Glaubenskonstrukt verhaftet, weniger dem eigentlichen Inhalt der Ideologie (zwischen Ideologie und Religion mache ich keinen Unterschied). Hat mich insofern irritiert, weil ich dadurch oft den Eindruck hatte, daß die Zugehörigkeit zu jedweder Ideologie oder Glaubensrichtung fast ausnahmslos im Vordergrund stand, weniger die eigentliche Lehre.
Das Gefühl der Zugehörigkeit mag zweifellos ein starkes, wenn nicht das stärkste Motiv sein, sich einer Ideologie zuzuwenden. Es korrumpiert aber.
Beispiel: in meinem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und einer Art schwärmerischer Verehrung für diesen Pater erwog ich zeitweise, in die katholische Kirche einzutreten. Er erkannte wohl meine eigentliche Motivation und hat mich auf seine freundich-humorvolle Art davon überzeugt, daß das nicht der richtige Weg für mich wäre (seine Worte waren: "Du kannst auch als Atheist oder Buddhist ein geliebtes Kind Gottes sein, wenn du dabei nur ehrlich bist").
Ich bin nur sehr wenige Menschen im Lauf der Jahre begegnet, die ich als wirklich authentisch empfand. Das waren ausnahmslos solche Menschen, die nicht sonderlich erpicht darauf schienen, andere von ihrer Lebensweise, ihrem Glauben oder was auch immer zu überzeugen.
Sie leben einfach ihr Ding und fühlen sich nicht bedroht, wenn man ihre Lebensweise nicht für sich selbst wählen will. Sie reagieren auch nicht gekränkt, wenn man ihre Ideologie in Frage stellt.
"Unechte" Gläubige aller Couleur - das können auch Anhänger einer Ideologie wie beispielsweise dem Kommunismus sein - reagieren feindselig und aggressiv, wenn man ihre Ideale angreift. Sie sind dann nicht in der Lage zu akzeptieren, wenn man bestimmte Aspekte ihres Gedankenguts als richtig empfindet, andere weniger - erwartet wird "Alles oder Nichts".
Fazit für mich: Ideologien ziehen einfach zu viele Idioten an.
Bleibt nur noch die Sache mit der Sehnsucht nach "Auffüllen der spirituellen Lücke" - die existiert nach wie vor. Äußerst unangenehm.