@Deep Blue ...und allgemein:
es muss nicht unbedingt sein dass wenn man mehreres gleichzeitig betreibt ein Exklusivitätsverlust damit einhergehen muss.
Das kriegt man hin indem man mehr differenziert und Liebe nicht in einen Topf wirft sondern unter Liebe vieles verstehen kann. Also Liebe nicht immer zwingend mit Monogamie verkettet sondern ihr Freiheiten läßt in all ihren Ausformungen.
Bei mir war es übrigens so, dass ich mit meinem festen Partner damals eine Affaire hatte und es eine reine Sexgeschichte bleiben sollte, aber mehr daraus wurde. Mein damaliger Affairepartner zog, er wollte mehr und ich folgte aber unter der Grundbedingung dass für uns beide auch noch Freiheitsbereiche offen blieben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits jemand anderen kennengelernt zu dem ich mich hingezogen fühlte. Somit kam ich mit meiner damaligen Affaire überein dass wir zusammenziehen und eine feste Partnerschaft ausprobieren, ich jedoch meine neue Bekanntschaft weiter treffe...alle paar Monate und wir uns schreiben, zusammen an einem Buch arbeiten.
Beide Beziehungen haben ihre ganz eigene Exklusivität und sind unterschiedlich gelagert. Beide Männer sind für mich für sich genommen eigenständige und exklusive Wesen die man nicht vergleichen kann und ich vergleiche auch nicht, denn tut man dass beginnt der Raubbau an der Exklusivität. Beide Männer sprechen mich auf unterschiedliche Art und Weise an, haben ihren ganz eigenen Reiz, das ist ein großes Geschenk. Ebenso wie das Geschenk meines festen Partner dass er mir mit dieser Freiheit macht.
Man kann es auch so sehen: da diese Doppelbeziehung vom Standard abweicht ist sie was ganz Besonderes und Exklusives...also eine kleine Umbewertung
😉
Was nicht heißt dass Moral und Anstand und bürgerliche Sitten etc vollkommen über Bord geschmissen werden. Es zählen grundsätzlich gewisse moralische Grundregeln weiter, Respekt vor den Partnern, Treue (bis auf die genehmigte Ausnahme) etc.
Ich denke der Otto-Normalbürger fürchtet ein abweichendes Konzept sehr weil er grundsätzlich nicht differenziert und denkt, dass bei einer Abweichung direkt totales Chaos, totale Perversion in allen Bereichen des Lebens oder der Liebe ausbricht, was vollkommener Unsinn ist. Und da ist dieses Konformitätsprinzip...dass alle erwarten dass alle dasselbe leben, auf die selbe Art und Weise lieben und Abweichler quasi als Verräter und Feinde der Moral gesehen werden.
Aber ich erkenne dass gerade aus der Abweichung her vieles in Bezug auf die oft bestehende bürgerliche Doppelmoral sehr viel besser zu erkennen ist. Dieser Standpunkt ist für mich gerade aus Autorinnensicht sehr reizvoll und inspirierend....somit gehört meine derzeitige Art der Liebe irgendwie zum Job und zur allgemeinen Lebensrecherche für mich.
Und ich dachte mir: die Dinge haben sich so entwickelt...schicksalshafterweise haben sich die Wege von 2 Männern und mir gekreuzt warum also nicht einfach mal eine andere Schiene für eine zeitlang ausprobieren? Wieso verklemmt hinter einem Standardkonzept verharren und unter der Frage leiden:
was wäre wenn? Warum diese Frage nicht einfach mal klären?
Wie heißt der Sinnspruch nochmal?
Und hast du die Gelegenheit so packe sie am Schopf, die Göttin oder der Gott der Gelegenheit ist kahl am Hinterkopf vgl hierzu:
woher kommt das Sprichwort?? Die Gelegenheit... (mythologie)
Also einen einmaligen und günstigen Moment nutzen und entschlossen am Schopfe packen.
Ich für meinen Teil qualifiziere monogame Beziehungen nicht ab da ich nicht vergleiche oder entweder-oder sage. Ich sehe diverse Arten der Beziehungen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Wichtig dabei ist natürlich dass eine gewisse Rahmenethik immer und für alle Arte der Beziehungen gilt. In dieser Rahmenethik ist natürlich kein Monogamiedogma noch sonstiges Dogma also Daumenschraubenregeln etc. enthalten.
😉
Meinen Lebensstil will ich auch gewiss niemandem verkaufen..ich hatte ja auch über die Nachteile geschrieben...Zeitaufwand, Zusatzorganisation etc.
Unter fremdgehen verstehe ich auch eher ein heimlich Sex haben mit einem anderen Partner...sowas finde ich ein wenig unwürdig. Wenn man zusätzlich einen oder mehrere Sexpartner hat oder haben will sollte man offen dazu stehen und nicht feige um sich die feste Beziehung zu sichern aber um Zusatzsex zu kriegen in diversen anderen Betten rumspringen. Generell finde ich serielles Fremdgehen schnell wechselnden Sexpartnern auch nicht so günstig. Da könnte dann hin und wieder durchaus Sexsucht hinterstecken.
Ich finde auch wie Gelinda dass Paare die sich ansonsten gut verstehen und Kinder haben nicht unbedingt trennen müssen nur weil sie sich sexmäßig unterschiedlich entwickelt haben und das Bedürfnis nach einem anderen Sexpartner entwickeln. Erwachsener ist es an sich wenn man dann Regelungen trifft dass beide mehr Freiheit haben andere Sexpartner zu haben. Jedenfalls ist das lt. wissenschaftlicher Untersuchungen weitaus besser und gesünder für die Kids als wenn eine Trennung mit Weggang eines Elternteiles praktiziert wird. Untersuchungen ergaben dass Trennungskinder in ihrem späteren Leben oft Beziehungsprobleme haben und ihre Partner oft wechseln. Sofern die Trennung mit der totalen Abtrennung beider Beziehungspartner, Kontaktabbruch zum Vater oder Mutter einhergeht und der verbleibende Elternteil ihnen nicht genug Halt geben kann kommt es auch häufig zu psychischen Instabilitäten bei den Kids.
In solchen Situationen auf gesellschaftlichen Normen oder Bürgermoral rum zu kloppen (also Trennung bei Sexpartnerwechsel oder -ergänzung = Monogamieregelbruch) halte ich für kontraproduktiv und in Abwägung dessen individuelles Leid zu vermeiden muss man die allgemeine Moral zwar achten aber manchmal ein wenig verbiegen.
😉 Denn wenn die Monogamieregel unumstösslich wie eine Betonmauer dasteht kracht man davor und es kommt zu einigen Schäden an einem selbst und allen eng Verbundenen...ist diese Regel jedoch flexibler so kann man einiges Übel verhindern.
Moral soll ja auch an sich kein Gefängnis oder Zwangskorsett sein...sie ein Regularium, eine Orientierungshilfe die wichtig und gut ist aber sture, blinde Unterwerfung um jeden Preis (und z.B den Kinder unter Trennungen leiden zu lassen etc.) finde ich unwürdig und kleingeistig. Ich vertrete hier auch eher die Position einer freiheitlich-humanistischen oder auch buddhistischen Situationsethik in der, der Einzelne in jeweiliger Lage abwägen muss (dabei aber natürlich auch die allgemeine Moral als Orientierungshilfe nutzt so weit es geht) und nicht einer dogmatisch-fundamentalistischen Bürgerethik, die in Moral ein Macht- und Unterwerfungsinstrument sieht dem sich alle zu fügen haben.
Es ist natürlich einfacher sich schlicht nach Moralschema F zu verhalten, gewisse Moral auf den Tisch zu knallen und zu erwarten dass alle sich jederzeit und in jeder Situation danach richten...aber mit Gerechtigkeit oder Menschlichkeit hat das natürlich dann oftmals nicht mehr zu tun. Manchmal gibt es Situationen in denen richtig/falsch nicht greift und man kein entweder-oder machen kann sondern auf sowohl-als auch umschwenken muss. Dann wird aus Exklusivität also einem Ausschlußcharakter...Inklusivität, eine einschliessende und ergänzende Sache. Für Kleingeister, Menschen die nur entweder-oder kennen und nur schwarz oder weiss und nie mal über den Tellerrand der Dinge hinweg gedacht haben ein wahrer Horror...im Grunde aber total harmlos denn an sich kann Inklusivität sehr gut gleichzeitig neben Exklusivität bestehen.
Monogamie ist nicht exklusiv oder was Besonderes..sie ist heute in vielen Gesellschaften dieser Erde Standard und eine Regel die sich irgendwann entwickelt hat und zwar eine die man achten sollte aber niemals den Anspruch erheben sollte sie dogmatisch zu verwenden. Ausnahmen bestätigen diese Monogamieregel an sich und stellen keine Gefahr für die Regel dar sofern sie ebenfalls nicht den Anspruch erheben eine dogmatische allgemeingültige Regel zu sein.
Tyra