Hallo alle miteinander,
danke für eure ganzen Antworten. Sie haben mir wirklich geholfen anzunehmen, dass das Verhalten der anderen Leute nicht in Ordnung war (insbesondere der Ärztin, hätte noch ein paar Beispiele) und dass meine Eltern mir auch nicht geholfen haben, ein positives Körperbild zu entwickeln.
Ich versuche mal auf ein paar Vorschläge zu antworten:
@Schroti, das mit dem Brief ist eine gute Idee. Ich denke dass die Ärztin nicht mehr praktiziert (sie war damals schon recht alt, soweit ich das erinnern kann), aber vielleicht finde ich ja irgendwas raus.
Ich würde die Fettabsaugungen für das Lipödem auch nicht nur für die Optik durchführen lassen, sondern weil ich eben auch die typischen Beschwerden habe (Schmerzen, blaue Flecken) und damit beim Sport eingeschränkt werde.
Was eine Typveränderung angeht: Ich beschäftige mich sehr mit Hautpflege und würde sagen, dass ich damit auch eine ganz gute Haut bekommen habe. Ich lasse auch bei der Kosmetik Wimpern färben und so eine "Wimpernwelle" machen damit ich mich nicht immer so viel schminken muss. Ich habe nämlich Angst, dass wenn ich zu viel Make-Up benutze, das ganze wie "Betrug" wirkt. Sobald ich mich dann abschminken würde, würde ja eh jeder sehen, wie ich in echt aussehe.
Was das Gewicht angeht: Ich bin (wie im ersten Post erwähnt) seit meiner Jugend normalgewichtig (bzw war zu Krankheitszeiten trotz Lipödem fast untergewichtig und mangelernährt). Jetzt durch Corona bin ich allerdings nicht mehr so gut in Form wie vorher. Da war ich oft im Fitnessstudio, das hat mir auch viel Spaß gemacht weil ich mich durch die Bewegung besser fühle. Das hat mich schon eine Menge Überwindung gekostet, eben weil mir als "dickes Kind" Sport und Bewegung wirklich madig gemacht wurde und es immer nur um Leistung ging.
Manchmal stehe ich auch vorm Spiegel und denke: Geht doch eigentlich. Aber wenn ich dann mal Fotos von mir sehe, bin ich echt entsetzt und mir wird ganz komisch bei dem Gedanken, dass ich anscheinend wirklich so aussehe und so herumlaufe. Ich kann das auch gar nicht konkret festmachen, irgendwie passt alles nicht zueinander.
Natürlich weiß ich rein rational gesehen, dass das Aussehen nicht alles ist und die Persönlichkeit das Zwischenmenschliche viel mehr prägt. Aber ich will euch mal beschreiben, wie es in mir aussieht, wenn ich mich mit anderen Frauen vergleiche: Ich teile viele von denen gedanklich in "hübsch/attraktiv" ein (viele sind schlank, sehr selbstbewusst, gutes Stilbewusstsein) und "durchschnittlich/nicht so attraktiv" ein. Und auch wenn ich nie jemanden aufgrund seines oder ihres Aussehens angehen würde oder die folgenden Gedanken aussprechen würde (hab ja selbst erlebt, wie das ist!) frage ich mich bei der letzteren Gruppe oft: "Wie kann die denn so zufrieden sein? Woher hat sie dieses Selbstbewusstsein, obwohl sie doch gar nicht sooo toll aussieht?". Undzwar nicht, weil ich es dieser Frau (meistens sind es eben Frauen, wegen der Vergleiche) nicht gönne - sondern weil ich irgendwie neidisch bin, dass sie sich so akzeptieren kann, wie sie ist. Und den "konventionell gutaussehenden" Frauen neide ich dann natürlich, dass sie so gut aussehen und es scheinbar leichter im Leben haben (was natürlich oft auch gar nicht stimmt). Ich schäme mich dafür, dass ich dann irgendwie doch so oberflächlich und neidisch bin und das meine Ausstrahlung vermutlich auch vergiftet. Ich habe das Gefühl, dass ich da einer richtigen "Gehirnwäsche" unterzogen wurde. Vielleicht hat das damit zu tun, dass viele meiner Freundinnen dem allgemeinen Schönheitsideal entsprechen (schlank, schöne lange Haare, tolle Zähne etc.) und dazu natürlich auch noch tolle Persönlichkeiten sind.
Vielleicht habt ihr recht und mir würde professionelle Beratung/Therapie helfen. Ich hatte bis jetzt immer das Gefühl, dass mein Problem "Ich bin einfach unattraktiv" irgendwie lächerlich ist im Gegensatz zu den vielen echten Sorgen und Traumata, die viele Menschen da draußen haben.
Sorry, dass es jetzt so lang geworden ist, aber ich wollte gern auf eure vielen Antworten eingehen und bedanke mich nochmals
🙂