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Leben versemmelt, weiß nicht mehr weiter

Emilia90

Neues Mitglied
Hallo,

ich befinde mich schon seit Jahren auf einem Irrweg und habe Angst, nie mehr rauszukommen. Ich habe so lange nichts gemacht weil mich die Probleme komplett gelähmt haben und habe Angst nie rauszukommen. Ich habe das Gefühl, Psychologen, Berater etc. meinen es immer zu gut mit mir und das hilft mir nicht weiter, deshalb bräuchte ich Rat von normalen Menschen, die realistisch und direkt sind und auch Kritik liefern können. Ich werde versuchen, möglichst knapp zu sein, aber sehe schon das wird nicht so einfach, deswegen entschuldige ich mich für den längeren Beitrag.

Ich befinde mich schon seit 2017 in einem Studium (Bachelor), dass ich mittlerweile absolut hasse und bedauere, es überhaupt angefangen zu haben. Ich habe die ersten 3 Jahre sehr erfolgreich fast bis zum Ende studiert, doch kurz vor dem Bachelorabschluss hat mich meine eigene Psyche verraten und ich konnte einfach nicht mehr weiter. Seitdem habe ich nichts getan und es wird immer schlimmer.

Ich denke, ich muss auch kurz meine Vorgeschichte schildern. Ich bin mit 14 aus einem osteuropäischen EU-Land mit meiner Familie nach Deutschland gekommen, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Es war eine sehr stressige Zeit, meine Eltern haben sich dann auch getrennt und ich habe nur mit meiner Mutter gelebt, der es selbst nicht gut ging. Ich hatte Angst, wie das Leben weiter geht und habe mich sehr bemüht, gut Deutsch zu lernen, mich zu integrieren, einen guten Schulabschluss zu machen etc. Das ist mir auch gelungen, obwohl ich oft das Gefühl hatte, es wird mir zu viel, aber ich denke, ich habe diese Zeit gut durchgestanden.

Ich habe 2017 angefangen zu studieren und hatte das Gefühl, alle Probleme gut gemeistert zu haben und dass mich jetzt eine schöne Zukunft erwartet und war auch sehr motiviert. Doch nach ca. 2 Jahren hatte ich plötzlich sehr oft komische Gedanken, ich hatte das Gefühl, das Studium passt eigentlich nicht zu mir, ich hatte Angst, dass ich nach dem Abschluss keinen Job finde, hatte oft Zweifel an der Sinnhaftigkeit von dem, was ich mache. Ich muss auch sagen, dass viele von diesen Ängsten früher entstanden sind, schon seit wir nach Deutschland gezogen sind hatte ich sehr oft Angst, dass ich das Leben nicht schaffen werde, dass ich in Arbeitslosigkeit und prekären Verhältnissen enden werde (diese Ängste haben mir teilweise auch meine Eltern eingepflanzt, weil sie dachten, sie würden mich dadurch motivieren). Naja, im April 2020, als mir nur noch 4 Prüfungen gefehlt haben, bin ich psychisch zusammengebrochen. Ich habe dann 2 Jahre absolut vertrödelt (nur einmal versucht, mir psychische Hilfe zu holen, aber habe leider schnell aufgegeben) - ich habe aus dieser Zeit überhaupt nichts außer einen 15h/W Job, um meiner Mutter nicht komplett auf der Tasche zu liegen, vorzuweisen.

Ich glaube, es hat jetzt nicht viel Sinn, auf diese Zeit viel einzugehen, mir ging es wirklich miserabel, ich konnte mich zu nichts zwingen, habe teilweise ganze Tage im Bett verbracht und ich habe die Kontrolle über mein Leben komplett verloren. Nach 2 Jahren habe ich mir endlich gesagt - so geht's nicht weiter, habe nach viel Überwindung meine Probleme meinem Vater (der sich in den letzten Jahren kaum für mich interessiert hat) gebeichtet und ihm geschildert, wie schlecht es mir geht. Entegen meiner Erwartungen war er sehr verständnisvoll und hat mir sogar erlaubt, zu ihm zu ziehen, bis ich mein Leben wieder halbwegs im Griff habe. Seitdem geht es mir tatsächlich immer besser, obwohl es ein langsamer Prozess ist. Es tut mir gut, dass ich Pflichten habe wie Kochen, Putzen und mich um Haushalt Kümmern habe und langsam habe ich das Gefühl, ich kann auch wieder lernen und möchte endlich mein Studium abschließen. Die Prüfungstermine für alle 4 Prüfungen, die mir noch fehlen, sind im Oktober und ich denke, ich werde im Stande sein, mich über die Sommerferien auf sie vorzubereiten und sie auch im Herbst zu bestehen.

Soweit sieht es so aus, dass alles besser wird, was auch stimmt. Mein Kopf wird immer klarer und ich komme immer mehr in der Realität an. Aber dieses Ankommen in der Realität ist so schmerzhaft, dass es mich wirklich viel Überwindung kostet, nicht wieder in eine Krise zurückzufallen. Das erste Problem sind die massiven Schuldgefühle und Scham, dass ich so lange studiere, ohne eine trifftigen Grund zu haben. Und dass ich es nicht geschafft habe, die psychische Krise schneller zu überwinden. Ich war zwei Jahre lang ein nutzloser Schmarotzer, der nichts getan hat und alle Menschen, die an mich geglaubt haben, enttäuscht hat. Das zweite Problem sind die Zukunftsängste. Mein Studiengebiet interessiert mich nicht mehr, aber irgendwie interessiert mich gar nichts. Ich habe das Gefühl, dass ich durch die Krise meine Persönlichkeit komplett verloren habe, ich bin zu einem psychischen Wrack geworden und habe keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anstellen soll. Das Studium will ich unbedingt abschließen, da sonst 5 Jahre umsonst waren, aber ich weiß nicht, was ich danach machen soll. Ich will unbedingt arbeiten gehen, werde nur mit Bachelor (und dazu noch einem 11 Semester langen) nichts fachrelevantes finden und habe Angst, jahrelang in einem Hilfsjob stecken zu bleiben und wieder depressiv zu werden. Ein anderes Studium oder Ausbildung kommt nicht in Frage, ich wäre derzeit nicht in der Lage dazu. Manchmal überlege ich sogar, zurück in mein Heimatland zu ziehen und dort Deutschlehrerin werden, aber denke, dass das eher Nostalgie nach "Zeiten, wo noch alles gut war" ist.

Es tut mir sehr leid, dass mein Beitrag so lang geworden ist, ich weiß es gibt Menschen mit viel schlimmeren Problemen, trotzdem würde ich mich freuen, wenn ihr mir mit einem Rat helfen könntet. Ich tue mir gerade so schwer nach Vorne zu schauen und mit meinen Rückschlägen konstruktiv umzugehen und weiß nicht, was ich machen kann, um mir das Leben nicht noch mehr zu verbauen.

Vielen Dank, falls ihr das alles gelesen habt. Ah ja, ich bin 23 und weiblich.
 

Binchy

Sehr aktives Mitglied
Hallo,

wenn ich das richtig verstanden haben, hast Du nur mal kurz versucht, Therapie zu machen, aber es ist nicht durchgezogen?

Ich würde Dir raten, eine Therapie zu machen und wenn Du Dich noch depressiv fühlst, mit einem Arzt zu reden und ev. eine kurze Zeit, Antidepressiva nehmen.

Habt Ihr einen Studienberater, der Dir helfen könnte?

Ich denke auch, dass es gut wäre, wenn Du das Studium abschließt. Erstens, weil ein abgeschlossenes Studium besser ist als ein abgebrochenes. Und zweitens, weil es für Dich selbst gut wäre, dass Du es abschließt, damit Du Dich dem stellen kannst. Dann, wenn Du soweit bist.

Du hast bereits viel erreicht, das finde ich bewunderswert und möglicherweise siehst Du das nicht. Du hast Dich sehr gut in einem fremden Land durchgeschlagen, hast einige Jahre studiert. Und all die Ängste, die Du früher schon hattest und vermutlich verdrängt hast, holen Dich jetzt ein.
Daher ist es wichtig, Dich dem jetzt mit therapeutischer Hilfe zu stellen.

Es ist nett von deinem Vater, dass Du bei ihm wohnen kannst und eine gewisse Struktur hast. Das ist wichtig, damit man sich nicht völlig gehen lässt.

Mache einen Schritt nach dem anderen. Guck erstmal nach Therapie, wenn du das möchtest. Dann versuche wieder in Deine Studium zu kommen. Was Du alles dann später machen wirst, muss Dich jetzt noch nicht belasten.
 
X

XXXXXGuest

Gast
Hallo,

ich befinde mich schon seit Jahren auf einem Irrweg und habe Angst, nie mehr rauszukommen. Ich habe so lange nichts gemacht weil mich die Probleme komplett gelähmt haben und habe Angst nie rauszukommen. Ich habe das Gefühl, Psychologen, Berater etc. meinen es immer zu gut mit mir und das hilft mir nicht weiter, deshalb bräuchte ich Rat von normalen Menschen, die realistisch und direkt sind und auch Kritik liefern können. Ich werde versuchen, möglichst knapp zu sein, aber sehe schon das wird nicht so einfach, deswegen entschuldige ich mich für den längeren Beitrag.

Ich befinde mich schon seit 2017 in einem Studium (Bachelor), dass ich mittlerweile absolut hasse und bedauere, es überhaupt angefangen zu haben. Ich habe die ersten 3 Jahre sehr erfolgreich fast bis zum Ende studiert, doch kurz vor dem Bachelorabschluss hat mich meine eigene Psyche verraten und ich konnte einfach nicht mehr weiter. Seitdem habe ich nichts getan und es wird immer schlimmer.

Ich denke, ich muss auch kurz meine Vorgeschichte schildern. Ich bin mit 14 aus einem osteuropäischen EU-Land mit meiner Familie nach Deutschland gekommen, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Es war eine sehr stressige Zeit, meine Eltern haben sich dann auch getrennt und ich habe nur mit meiner Mutter gelebt, der es selbst nicht gut ging. Ich hatte Angst, wie das Leben weiter geht und habe mich sehr bemüht, gut Deutsch zu lernen, mich zu integrieren, einen guten Schulabschluss zu machen etc. Das ist mir auch gelungen, obwohl ich oft das Gefühl hatte, es wird mir zu viel, aber ich denke, ich habe diese Zeit gut durchgestanden.

Ich habe 2017 angefangen zu studieren und hatte das Gefühl, alle Probleme gut gemeistert zu haben und dass mich jetzt eine schöne Zukunft erwartet und war auch sehr motiviert. Doch nach ca. 2 Jahren hatte ich plötzlich sehr oft komische Gedanken, ich hatte das Gefühl, das Studium passt eigentlich nicht zu mir, ich hatte Angst, dass ich nach dem Abschluss keinen Job finde, hatte oft Zweifel an der Sinnhaftigkeit von dem, was ich mache. Ich muss auch sagen, dass viele von diesen Ängsten früher entstanden sind, schon seit wir nach Deutschland gezogen sind hatte ich sehr oft Angst, dass ich das Leben nicht schaffen werde, dass ich in Arbeitslosigkeit und prekären Verhältnissen enden werde (diese Ängste haben mir teilweise auch meine Eltern eingepflanzt, weil sie dachten, sie würden mich dadurch motivieren). Naja, im April 2020, als mir nur noch 4 Prüfungen gefehlt haben, bin ich psychisch zusammengebrochen. Ich habe dann 2 Jahre absolut vertrödelt (nur einmal versucht, mir psychische Hilfe zu holen, aber habe leider schnell aufgegeben) - ich habe aus dieser Zeit überhaupt nichts außer einen 15h/W Job, um meiner Mutter nicht komplett auf der Tasche zu liegen, vorzuweisen.

Ich glaube, es hat jetzt nicht viel Sinn, auf diese Zeit viel einzugehen, mir ging es wirklich miserabel, ich konnte mich zu nichts zwingen, habe teilweise ganze Tage im Bett verbracht und ich habe die Kontrolle über mein Leben komplett verloren. Nach 2 Jahren habe ich mir endlich gesagt - so geht's nicht weiter, habe nach viel Überwindung meine Probleme meinem Vater (der sich in den letzten Jahren kaum für mich interessiert hat) gebeichtet und ihm geschildert, wie schlecht es mir geht. Entegen meiner Erwartungen war er sehr verständnisvoll und hat mir sogar erlaubt, zu ihm zu ziehen, bis ich mein Leben wieder halbwegs im Griff habe. Seitdem geht es mir tatsächlich immer besser, obwohl es ein langsamer Prozess ist. Es tut mir gut, dass ich Pflichten habe wie Kochen, Putzen und mich um Haushalt Kümmern habe und langsam habe ich das Gefühl, ich kann auch wieder lernen und möchte endlich mein Studium abschließen. Die Prüfungstermine für alle 4 Prüfungen, die mir noch fehlen, sind im Oktober und ich denke, ich werde im Stande sein, mich über die Sommerferien auf sie vorzubereiten und sie auch im Herbst zu bestehen.

Soweit sieht es so aus, dass alles besser wird, was auch stimmt. Mein Kopf wird immer klarer und ich komme immer mehr in der Realität an. Aber dieses Ankommen in der Realität ist so schmerzhaft, dass es mich wirklich viel Überwindung kostet, nicht wieder in eine Krise zurückzufallen. Das erste Problem sind die massiven Schuldgefühle und Scham, dass ich so lange studiere, ohne eine trifftigen Grund zu haben. Und dass ich es nicht geschafft habe, die psychische Krise schneller zu überwinden. Ich war zwei Jahre lang ein nutzloser Schmarotzer, der nichts getan hat und alle Menschen, die an mich geglaubt haben, enttäuscht hat. Das zweite Problem sind die Zukunftsängste. Mein Studiengebiet interessiert mich nicht mehr, aber irgendwie interessiert mich gar nichts. Ich habe das Gefühl, dass ich durch die Krise meine Persönlichkeit komplett verloren habe, ich bin zu einem psychischen Wrack geworden und habe keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anstellen soll. Das Studium will ich unbedingt abschließen, da sonst 5 Jahre umsonst waren, aber ich weiß nicht, was ich danach machen soll. Ich will unbedingt arbeiten gehen, werde nur mit Bachelor (und dazu noch einem 11 Semester langen) nichts fachrelevantes finden und habe Angst, jahrelang in einem Hilfsjob stecken zu bleiben und wieder depressiv zu werden. Ein anderes Studium oder Ausbildung kommt nicht in Frage, ich wäre derzeit nicht in der Lage dazu. Manchmal überlege ich sogar, zurück in mein Heimatland zu ziehen und dort Deutschlehrerin werden, aber denke, dass das eher Nostalgie nach "Zeiten, wo noch alles gut war" ist.

Es tut mir sehr leid, dass mein Beitrag so lang geworden ist, ich weiß es gibt Menschen mit viel schlimmeren Problemen, trotzdem würde ich mich freuen, wenn ihr mir mit einem Rat helfen könntet. Ich tue mir gerade so schwer nach Vorne zu schauen und mit meinen Rückschlägen konstruktiv umzugehen und weiß nicht, was ich machen kann, um mir das Leben nicht noch mehr zu verbauen.

Vielen Dank, falls ihr das alles gelesen habt. Ah ja, ich bin 23 und weiblich.
Wenn du denkst, dass du in Oktober realistischerweise die Prüfung bestehen kannst, dann mach es fertig.

Einfach für dich, damit dieses Kapitel abgeschlossen ist.

Was die Zukunftspläne angeht, finde ich es sehr schwierig, da was allgemeines zu zu schreiben.

Was ist es denn für ein Bachelor, den du dann haben wirst (Fach)?

Es gibt sehr unterschiedliche Studiengänge, was die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt angeht.

Hast du schon mal in den Bereich rein geschnuppert, den du ursprünglich damit machen wolltest (Praktika)?

Jedenfalls würde ich an deiner Stelle mal bei Gelegenheit ins BIZ gehen und mich informieren, was man mit deinem Abschluss dann machen kann.

Eine endgültige Entscheidung, was du mit deinem Leben anfangen willst (auf dem Gebiet arbeiten, das du dir ursprünglich erträumt hast, mit einem Master in eine andere Richtung gehen, komplett umsatteln oder sogar emigrieren) würde ich an deiner Stelle aufschieben, bis du wieder gesund und bei Kräften bist und deine Interessen zurück kehren.

Sonst weißt du doch gar nicht, was du willst.

Schlechtes Gewissen brauchst du jedenfalls keins haben.

Das ist so eines der Dinge, die mich maximal an unserer Gesellschaft nerven:

Wenn jemand nicht aufgepasst hat, auf einer Bananenschale ausgerutscht ist, darum die Treppe runterfällt und erstmal eine langwierige Behandlung im Krankenhaus braucht mit Reha, bis er wieder arbeitsfähig ist, hat jeder Verständnis

Wenn jemand in eine Depression rutscht und Zeit braucht, bis er wieder fit ist, dann soll er sich schuldig fühlen?

Never!

Aber das Stigma psychischer Krankheiten ist ein weites Themenfeld und ein anderes...

Jedenfalls: du brauchst dich nicht schuldig fühlen wegen einer Krankheit und du solltest der schlechten Zeit der Vergangenheit keine kostbare, gute Zeit der Gegenwart hinterherwerfen, indem du zu sehr grübelt.

Carpe Diem!
 

Supida2

Mitglied
Hallo Emilia, mir geht es ziemlich genauso wie dir- bloß dass ich schon 28 bin und bei mir noch massive Schuld dazukommt. Habe wirklich große Fehler begangen. Und auch finanzielle Schulden.
Ich weiß, dass es nicht unmöglich ist, da rauszukommen, und doch fällt es mir sehr schwer, nach vorne zu blicken und "in der Realität anzukommen", wie du so schön gesagt hast.
Auch ich bin jetzt im 10. Semester und zweifle an meinem Studium. Dabei lief es bis zum 6. Semester auch super. Genau wie bei dir, ab dem 1. Coronasemester lief alles schief.
Jeden Tag habe Selbstmordgedanken und dann denke ich aber, dass das ja das Verantwortungsloseste wäre.
Ich weiß, ich muss nach vorne schauen, aber mit dem Wissen, was ich getan habe, ist das sehr schwierig... Nichts fühlt sich mehr normal an, ich fühle mich,als hätte ich meine Seele zum großen Teil verloren...
 

Bodenschatz

Aktives Mitglied
ich befinde mich schon seit Jahren auf einem Irrweg (...) deshalb bräuchte ich Rat von normalen Menschen, die realistisch und direkt sind und auch Kritik liefern können.

Ich denke, ich muss auch kurz meine Vorgeschichte schildern. Ich bin mit 14 aus einem osteuropäischen EU-Land mit meiner Familie nach Deutschland gekommen, ohne ein Wort Deutsch (..)
Da Du definitiv Kritik erlaubst und wünschst, erlaube ich mir zu versuchen, wertneutral zu antworten und zu bemerken, dass Kritik neutral, positiv oder negativ ausfallen kann!

Meiner Ansicht nach befinden sich Leute die in andere Länder umziehen, also die die Heimat verlassen, so lange auf der Flucht, bis sie neu verwurzelt sind.
Eine Verwurzelung kann... über Generationen dauern.

Leute, die in einem anderen Land aufgewachsen sind, werden einen Teil der Werte verteidigen, die sich dort immer als gut und richtig erwiesen haben.
Würden sie dies nicht tun, so benötigen sie eine komplette Änderung der Persönlichkeit innerhalb nur ein paar Stunden des Umzuges, inklusive Lieblingsgerichte, Traditionen, Gesellschaftswerte und allem was nicht gleich ist sondern anders.
Beispielsweise werden sich Eingeborene des Amazonas daran gewöhnen müssen, einen Motorbootschein zu machen, Rehe nicht jagen zu dürfen da Wilderei, einen Widersacher nicht mit Pfeil und Bogen an der U Bahn zu besiegen da strafbar.

Wer derart in der Fremde zurecht kommen möchte, braucht einen Lebensplan und muss die Fähigkeit haben, diesen unbeirrt zu verfolgen.

Du hast trotz der Widrigkeiten Dein Studium verfolgt, hattest orientierungsbedingte Ausfälle, die du aber scheinbar gemeistert hast.

Also befindest Du Dich auf dem Weg zu einem BergGipfel, musstest Umwege in Kauf nehmen, da es schlechtes Wetter und Lawinenabgänge gab.

Deine Situation erscheint mir so brauchbar, dass du jetzt nicht mehr zurück sondern nach vorne schauen solltest.
Du wärst also zwar besser als schlechtere, aber schlechter als die Besten, würdest Dich also nach oben anstatt nach unten orientieren!

Versemmelt ist in Deinem Alter noch gar nichts.

Also viel Erfolg!!
 

Emilia90

Neues Mitglied
Danke vielmals für alle Antworten. Ich wollte noch auf eure Fragen und Tipps reagieren.

wenn ich das richtig verstanden haben, hast Du nur mal kurz versucht, Therapie zu machen, aber es ist nicht durchgezogen?
Habt Ihr einen Studienberater, der Dir helfen könnte?
Ich war vor ca. 1,5 Jahren bei der psychosozialen Studienberatung an meiner Uni, da wurde mir aber gesagt, solche Krisen sind normal und ich soll das einfach so lassen und würde bald von selber rauskommen. Tja, hat nicht funktioniert.
Ich habe mich aber jetzt noch einmal angemeldet und werde sagen, dass es mittlerweile wirklich ernst ist. Vielleicht kann man mir dann doch helfen.

Was ist es denn für ein Bachelor, den du dann haben wirst (Fach)?
Es gibt sehr unterschiedliche Studiengänge, was die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt angeht.
Hast du schon mal in den Bereich rein geschnuppert, den du ursprünglich damit machen wolltest (Praktika)?
Das Fach ist Chemie, also was Aussichten betrifft, nicht besonders gut aber auch besser als viele anderen. Ja, ich habe schon studienrelevante Praktika gemacht, als es mir besser ging. Ich muss sagen, ich war von der Arbeit nicht sehr begeistert und würde am liebsten etwas anderes machen. Anderseits fühle ich mich nicht im Stande, jetzt noch ein jahrelanges Studium zu absolvieren. Das mit BIZ ist sicher eine gute Idee, vielleicht ergibt sich ja etwas Fachfremdes, wo sie mich als Quereinsteigerin nehmen würden. Ich habe schon öfters gehört, dass Leute aus NaWi Studiengängen zum IT auswandern.


Supida2: Es tut mir sehr leid, dass du auch von diesem Thema betroffen bist. Man rutscht schneller hinein als man glauben würde und rauszukommen ist wirklich sehr sehr schwer. Ich hoffe du findest für dich auch eine Lösung und kannst wieder das Leben genießen. Hast du versucht, dir professionelle Hilfe zu holen?


Meiner Ansicht nach befinden sich Leute die in andere Länder umziehen, also die die Heimat verlassen, so lange auf der Flucht, bis sie neu verwurzelt sind.
Wer derart in der Fremde zurecht kommen möchte, braucht einen Lebensplan und muss die Fähigkeit haben, diesen unbeirrt zu verfolgen.
Du hast absolut recht. Ich möchte jetzt nicht in Selbstmitleid versinken, aber sie tatsache, dass ich zwischen meinem 14 und 17. Lebensjahr nichts anderes gemacht habe, als Deutsch gepaukt und versucht, irgendwie durchzukommen und mit meiner Familie nicht verrückt zu werden, hat das Erwachsenwerden wirklich sehr schwer gemacht. Mit 14 hat niemand einen Lebensplan und schon gar nicht wenn man plötzlich alles verlassen muss, was man geliebt hat. Aber ja, es passieren auch viel schlimmere Sachen im Leben und man muss da durch.
 

Binchy

Sehr aktives Mitglied
Ich denke, dass du eine sehr starke Persönlichkeit hast und dir wurde als Teenager zuviel zugemutet.

Mach dir einen Plan, eine Liste mit kleinen Schritten, die Du abhaken kannst
 
N

Niemandjemand

Gast
als ich deinen Text las, dachte ich, du wärst 30 oder so.
du gehst sehr sehr hart mit dir ins Gericht. hab doch etwas Sanftmut und Güte mit dir, schlag doch nicht noch mit Selbstvorwürfen auf dich ein, die Zeit ist doch schwer genug gewesen. sei doch etwas stolz, dass du dich wieder hochgerappelt hast. außerdem hast dus trotzdem noch geschafft zu arbeiten!

behalte dir die Struktur bei, achte auf Erholungspausen... mit 23 ist echt noch nichts verloren:) da stehen manche mit abgebrochener Ausbildung schlechter als du mit fast fertigem Bachelor.
Früher war es mit dem Diplom auch so, dass man sich mehr Zeit nehmen durfte.

Achte auf deine negativen selbstverurteilenden Gedanken, auch genannt den "inneren Kritiker"... den gilt es etwas zu zähmen:)

Heimat ist sehr wichtig. und ehrlich gesagt ist Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich stark beschädigt. die fetten Jahre sind hier vorüber und es wird eher noch schlimmer.
überleg dir echt, Deutschlehrerin in deiner alten Heimat zu werden.
Fühl mal nach, wo du dich siehst
 
N

Niemandjemand

Gast
als ich deinen Text las, dachte ich, du wärst 30 oder so.
du gehst sehr sehr hart mit dir ins Gericht. hab doch etwas Sanftmut und Güte mit dir, schlag doch nicht noch mit Selbstvorwürfen auf dich ein, die Zeit ist doch schwer genug gewesen. sei doch etwas stolz, dass du dich wieder hochgerappelt hast. außerdem hast dus trotzdem noch geschafft zu arbeiten!

behalte dir die Struktur bei, achte auf Erholungspausen... mit 23 ist echt noch nichts verloren:) da stehen manche mit abgebrochener Ausbildung schlechter als du mit fast fertigem Bachelor.
Früher war es mit dem Diplom auch so, dass man sich mehr Zeit nehmen durfte.

Achte auf deine negativen selbstverurteilenden Gedanken, auch genannt den "inneren Kritiker"... den gilt es etwas zu zähmen:)

Heimat ist sehr wichtig. und ehrlich gesagt ist Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich stark beschädigt. die fetten Jahre sind hier vorüber und es wird eher noch schlimmer.
überleg dir echt, Deutschlehrerin in deiner alten Heimat zu werden.
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