Naja, es gibt eben auch im Job große Unterschiede unter den Menschen. Wenn ich mal mein mittlerweile fast 40 Jahre währendes Berufsleben Revue passieren lasse, habe ich ganz verschiedene Phasen durchlaufen. Zu Beginn war mir das soziale Miteinander superwichtig. Ich hatte Kolleg*innen, die in meiner Freizeit Freund*innen waren. Es gab immer gemeinsame Themen und ich habe mich massiv über andere Kolleg*innen gewundert, die sich grundsätzlich aus allen freiwilligen Aktivitäten ausklinkten. Ich konnte nicht ansatzweise verstehen, warum man da nicht teilnimmt, empfand den Spaßfaktor als enorm hoch und bereichernd. Auf so etwas verzichtet man doch nicht!!!
Mit den Jahren hat sich das komplett gedreht. Menschen, die mir im Job wirklich nah sind, gibt es kaum noch. Ich komme mit allen gut kkar, aber auf einer rein beruflichen Ebene. Dazu gehört Smalltalk am Kaffeeautomaten, mehr nicht. Mich würde deren Privatleben gar nicht interessieren und ich erzähle auch nur wenig aus meinem, bin dort, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Das Team geht oft zusammen Mittagessen, da bin ich nie dabei, denn der Krach in der Kantine ist für mich als Hörgeschädigte purer Stress. Wenn möglich, klinke ich mich auch aus anderen Unternehmungen aus, weil mir das einfach nichts gibt. Natürlich geht das nicht immer. Jahresabschlussfeiern sind z.B. halbe Pflichtveranstaltungen. Da beiße ich dann schonmal die Zähne zusammen, setze mich zu den nettesten meiner Kolleg*innen und verabschiede mich als eine der ersten.
Will sagen: Jeder Anspruch hat seine Daseinsberechtigung und man muss Einschränkungen einfach im Gesamtpaket betrachten. Wie wichtig ist einem das soziale Miteinander? Schadet man sich, oder wird gar im Büro dannn ausgegrenzt, wenn man in diesem Fall z.B. am Fußballpalaver nicht teilnimmt? Lassen die Kolleg*innen einen spüren, dass man nicht dazu gehört? Oder sind sie tolerant und freuen sich, dass der harte Kollegenkern bombastisch zu ihnen passt und sie es nicht besser hätten antreffen können und akzeptieren, dass nicht jede/r Kolleg*in für Fußball brennt? Und du, liebe TE, vermisst du deinerseits etwas oder ist es lediglich der Druck, den du verspürst, den Kollegen zeigen zu müssen, dass du dich für ihr Thema interessierst? Was ist dir an deinem Job ultimativ wichtig? Wenn die Tätigkeit als Solche für dich erfüllend ist, die Stimmung eigentlich harmonisch, Bezahlung und Rahmenbedingungen gut.. ist die fehlende Gesprächsbasis zu Freizeitthemen tatsächlich das einzige, was nicht passt?
Ich glaube, den eierlegenden Wollmilchsau-Job gibt es nur ganz selten. Schätzt du also das, was der aktuelle Job an Positivem zu bieten hat, hoch genug ein? Oder könntest du es schaffen, eine Strategie zu finden, mit dem Fußballthemen-Manko Frieden zu schließen? Darüber würde ich mir Gedanken machen: Wie kannst du besser mit den Situationen umgehen, die dich nerven? Du scheinst ja ansonsten in deiner Freizeit durchaus genügend Ausgleich zu haben. Vielleicht reicht es ja schon, wenn du die Dinge, die dir Freude machten, die du aber aufgegeben hast, wieder aufleben lässt. Und dann eben den Job schlicht als Ort siehst, an dem du deinen Lebensunterhalt verdienst. So etwas geht, man kann sich arrangieren. In mir hast du dafür ein Beispiel. 😊
Sofern die Situation nicht unerträglich ist, würde ich mindestens 3 Jahre durchhalten. Das macht sich auch im Lebenslauf insofern besser, als man einen angestrebtenn Wechsel ab dann banal mit dem Wunsch nach einer neuen Herausforderung erklären kann. Ein Wechselwunsch nach nur 6 Monaten erfordert da schon die Angabe eines plausiblen Grundes. Antwortest du ehrlich, kommt es sehr auf den Gesprächspartner an, ob er das nachvollziehen kann oder ob du in der Schublade der nicht sozialkompatiblen Mitarbeiterin landest. Grundsätzlich kannst du dir das sicher leisten. Sollte sich der nächste Job dann aber erneut (aus welchen Gründen auch immer) als Griff ins Klo erweisen und du wieder wechseln wollen, sieht das schon nicht mehr ganz so gut aus.