Naja, so einfach ist das mit dem Burkini nicht. Wenn es runtergebrochen wird auf den Stoff, dann klappt das, ja. Aber wenn man die damit einhergehenden Einstellungen und angeblichen religiösen Vorgaben mit einkalkuliert, dürfen dann trotzdem Mädchen auch mit Burkini nicht schwimmen gehen. Prinzipiell rufen Koran und Sunna dazu auf, sich fit und gesund zu halten. Der Knackpunkt ist aber, dass diese Schriften den Grundgedanken des modernen Sportes und der Fitness nicht kennen. Also das nicht klar und eindeutig umreißen. Es werden nur Dinge geschildert, die sportähnlich sind. Und meistens im Bezug auf Männer. Somit ist da im engeren Sinne Spielraum für eigene Interpretationen. Es gibt islamische Gelehrte, die verbieten strikt jegliche sportliche Betätigung für Frauen. Egal ob mit oder ohne Burkini oder Verhüllung. Mit reinspielt auch immer die Kultur usw., ob und wie Frauen im Islam Sport und sportliche Betätigungen verboten werden.
Es gibt sogar den Fall, dass eine Fatwa BHs thematisiert. Und sagt, dass nur aus rein gesundheitlichen Gründen erlaubt ist, einen BH zu tragen. Der BH darf ironischerweise dabei nicht einmal minimal die Brüste heben und auch nicht ansatzweise den Verdacht erwecken, verführen zu wollen, bzw. nicht aus dieser Motivation heraus getragen werden. Dabei werden aber auch keinerlei religiöse Schriften zitiert oder als Quelle herangezogen (Koran, Hadithe). Es ist also einfach nur eine frei aufgestellte Regel, unter dem Deckmantel der Religion. Eine Scharia kann nie einheitlich ausgelegt und interpretiert werden, das ist eben auch das Problem, da Traditionen und die individuelle Kultur mit reinspielen und welcher islamische Gelehrte da spricht.
Das ist ja auch so, dass die salafistische und wahhabitische Betrachtungsweise nicht unbedingt etwas mit dem eigentlichen Koran oder ursprünglichen Gedanken im Bezug darauf zu tun haben muss. Dennoch sind viele Muslime von salafistischen oder wahhabitischen Gedankengut geprägt und beeinflusst und handeln danach. Was sich letzten Endes auch hier in Deutschland dann finden lässt. Deswegen gibt es für mich nicht "den Moslem", weil es einfach sehr viele komplexe Ausprägungen und Einflüsse vom Islam gibt. Ein Salafist oder ein Wahhabit denken immer wesentlich extremer - und meiner Ansicht nach auch frauenfeindlicher - als andere Muslime. Und mitunter werden dann durch Fanatismus oder Unwissen Regeln aufgestellt, die so nicht richtig sind oder nicht klar belegbar. Sieht man z. B. in Teilen Afrikas, beispielsweise Somalia. Da werden Frauen grausam beschnitten, also verstümmelt und dann zugenäht, weil "Gott das so will". Und das angeblich im Koran steht. Was so überhaupt nicht stimmt und sogar sehr extreme Muslime finden das nicht richtig, dass Frauen beschnitten werden. Aber es wird in diesen Teilen Afrikas von Generation zu Generation so weitergegeben. Und da viele nicht Lesen und Schreiben können, können sie es auch nicht überprüfen oder für sich selbst überprüfen und hinterfragen.
Was einfach Thema ist: Kinder von Menschen mit solchen Einstellungen sind mittlerweile weiter verbreitet in deutschen Schulen. Das ist einfach so. Diese extrem eingestellten Leute, die sitzen nicht nur in anderen Ländern, sondern auch hier. Aber deswegen kann bzw. sollte man nicht alle Muslime über einen Kamm scheren. Trotzdem ist es wichtig, das klar zu sehen, was sich da abspielen kann in deutschen Schulen.
Deswegen sag ich ja, das Kopftuch ist nur ein Symptom von dem ganzen und die Denkweisen dahinter und die Eltern, die ihre Kinder so in die Schule schicken und prägen, die sind da eher Thema.