Tja, wie eigentlich immer bei diesem Thema ist auch hier wieder ersichtlich, wie schwierig ein Zusammenfinden der beiden Seiten ist, da auch hier jeder Schreiber von eigenen Erfahrungen und Emotionen ausgeht, was ja völlig normal und richtig ist.
Ich bin auch so ein Kind, das einmal den Kontakt abgebrochen hat. Nach Meinung meiner Eltern wegen der Hörigkeit meinem Mann und meiner Therapeutin gegenüber. Ich habe aber den Kontakt abgebrochen, weil ich meine Therapie ganz in Ruhe machen wollte und eben auch das sehr schwierige Eltern/Mutterthema angehen wollte. Im Laufe dieser Therapie war meine Wut phasenweise so groß, dass ich den Kontakt zu meiner Mutter abbrechen musste, um uns beide zu schützen. Ich hätte im Falle eines persönlichen Zusammentreffens nicht für ihre körperliche Unversehrtheit garantieren können. Irgendwann in diesem Prozess war plötzlich Vergebung da, aus tiefstem Herzen, ohne dass ich das intellektuell greifen konnte. Ich habe noch etwas Zeit verstreichen lassen, um zu schauen, wie stabil diese Entwicklung ist, und dann wieder Kontakt aufgenommen. Er gestaltet sich nach wie vor schwierig. Ich kann zwar viel gelassener mit meiner Mutter umgehen, auch viel liebevoller als früher und sie kann mich nicht mehr so tief verletzen, aber leider sehe ich auch, dass sich bei ihr nichts getan hat. Ich werfe ihr nichts von "früher" mehr vor, damit habe ich meinen Frieden gemacht. Aber wie sie in der Gegenwart agiert ist tatsächlich immer noch ätzend. Ich beobachte also weiter und schaue, was das mit meiner Familie und mit mir macht.
So viel zu mir.
Zu Deinem Fall, liebe Birke... Keiner von uns hier weiß, was in Deiner Tochter vorgeht. Es ist nur recht wahrscheinlich, dass sie sich ein Stück weit von Dir verstossen fühlen könnte. Mir fällt nichts ein, was Du tun kannst, um wieder Kontakt zu bekommen, diesen Schritt kann nur jeder für sich selbst tun. Was Du tun kannst, ist der Versuch, mit Dir selbst ins Reine zu kommen, Deine Tochter wirklich los zu lassen.
Ich lasse mal allen die Originalversion des allen bekannten Liedes Hänschenklein hier, vielleicht hilfts ja ein bisschen:
Hänschen klein
Ging allein
In die weite Welt hinein.
Stock und Hut
Steht ihm gut,
Ist gar wohlgemut.
Doch die Mutter weinet sehr,
Hat ja nun kein Hänschen mehr!
„Wünsch dir Glück!“
Sagt ihr Blick,
„Kehr’ nur bald zurück!“
Sieben Jahr
Trüb und klar
Hänschen in der Fremde war.
Da besinnt
Sich das Kind,
Eilt nach Haus geschwind.
Doch nun ist’s kein Hänschen mehr.
Nein, ein großer Hans ist er.
Braun gebrannt
Stirn und Hand.
Wird er wohl erkannt?
Eins, zwei, drei
Geh’n vorbei,
Wissen nicht, wer das wohl sei.
Schwester spricht:
„Welch Gesicht?“
Kennt den Bruder nicht.
Kommt daher die Mutter sein,
Schaut ihm kaum ins Aug hinein,
Ruft sie schon:
„Hans, mein Sohn!
Grüß dich Gott, mein Sohn!“
Ich wünsche beiden Seiten, Eltern wie Kindern, die unter einem Kontaktabbruch leiden, den Mut, sich selbst unabhängig vom anderen zu finden und so vielleicht irgendwann auch wieder zueinander. Das sollte jedoch keine Voraussetzung für das eigene persönliche Glück sein.