Kleines Beispiel: Im April hatte ich einen Mann kennengelernt, oft getroffen, wir hatten schon stark unterschiedliche Abläufe der Woche, allein weil er Schicht arbeitete und ich hab schon häufig meine Bedürfnisse geäußert, einfach um abzuklären, ob wir passen oder nicht. Er fand das nervig, und hatte auch irgendwann keine Lust mehr auf gemeinsame Zeit, stand auch oft einfach auf und ging, was er vorher angekündigt hatte: "Bei Diskussionen bin ich weg" und das hat sich dann irgendwann so einkonditioniert, dass er regelmäßig aufstand und wortlos ging, wenn ich anfing, etwas zu sagen.
Ich frage mich, wie sollen Beziehungen aufgebaut werden, wenn kleinste Konflikte bereits dazu führen, dass harmonie-süchtige Menschen nicht in der Lage dazu sind oder hängt das damit zusammen, dass gerade Langzeit Singles keine Konflikte mehr aushalten und lieber weitersuchen oder zu krasse Idealvorstellungen von Beziehungen haben? Ich kenne im Umfeld keine Beziehung, die ohne Konflikte lebt.
Du wolltest diese Beziehung, er nicht so sehr, da hätte alles nach seinen Vorgaben laufen sollen, weil jemand der mit stressiger Schichtarbeit eingespannt ist in seiner Freizeit keine Lust hat, dann auch noch ständig nach anderer Leute Pfeife zu tanzen. Das konnte von vornherein nicht klappen, wenn Du nicht bereit warst Dich ihm in jeder Hinsicht anzupassen und nach seiner Zeiteinteilung zu leben.
Da sehe ich keine Harmonie, sondern nur Egoismus, er weil er leben will wie er will, und Du weil Du damit anscheinend nicht klar gekommen bist, sondern ihn nach Deinen Vorstellungen umerziehen wolltest. Ihr habt schlicht und einfach nicht zusammengepaßt, das war sehr schnell zu erkennen.
Zu viel Diskutiererei (ohne auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen) tut keiner Partnerschaft gut. Langjährige Paare bleiben auch deshalb zusammen, weil sie sich ohne viel Worte verstehen, weil sie gleich ticken und daher wissen was der andere denkt, auch ohne daß er es aussprechen muß. Gleiche Seele in getrennten Körpern quasi.
Langzeit-Singles sind häufig überzeugte Singles, bei denen eine Partnerschaft hin und wieder von vornherein nur auf Zeit ausgelegt ist, solange man sich gegenseitig etwas geben kann. Von einer Blüte zur nächsten, ohne Ansprüche auf Dauer, denn diese Singles kommen auch allein gut zurecht, sie brauchen nicht zwanghaft Gesellschaft. Wenn ein Partner auf Dauer hofft, betrügt er sich selbst damit, das funktioniert vermutlich selten, und erzwingen läßt sich gar nichts, sobald Zwang aufgefahren wird, verbal oder anders, ist der andere weg. Auch Dauergequassel wird zuweilen mit der Intention einer Hirnwäsche aufgefahren, dann ist es logisch daß der andere die Ohren auf Durchzug stellt und das unerwünschte Geräusch ausblendet.
Konflikte hat man um so mehr, je unterschiedlicher die Einstellung zu bestimmten Themen. Beruf, Familie/Kinderwunsch, Finanzen, wie die Freizeit auszusehen hat, wie man mit den gegenseitigen Familienklans klarkommt ... lauter potentielle Streitpunkte.