Hallo Du
Wau was für ein Text, ich dachte ich wäre einer der wenigen der hier soviel schreibt, und dann noch richtiges Deutsch, einfach toll.
Aber erstmal weiter im Text, ich bin letzte Nacht über deinen Eintrag gestolpert, hab ihn aber nicht vollständig bei ersten mal gelesen. Ich war aber so davon beeindruckt, dass ich dir auf jeden Fall etwas schreiben wollte. Was mir nicht auf Anhieb so einfach fiel wie bei anderen, also musste ich mir hier zum ersten Mal Stichwörter machen.
Aber ich fange am besten Mal an und hoffentlich komm ich halbwegs geordnet unten am Schluss an.
Ich werde dich unter keinen Umständen Feigling nennen, dass steht schon mal von Anfang an fest.
Feiglinge sind Menschen ohne Mut, sind Menschen, die sich weder ihren Ängsten noch ihrer Umwelt stellen. Feiglinge sind immer Menschen, die den einfachen Weg wählen, weil sie schwach sind, im Geiste als auch in der Seele, die nichts haben um dem Leben trotzen zu können.
Feiglinge sind kleine alkoholische Getränke.
Du bist nichts von beiden.
Im Grunde müsste jedem dein Name förmlich in die Augen springen, der deine Geschichte liest, denn es ist so offensichtlich.
Du bist Schneewitchen.
Warum? Wegen der bösen Stiefmutter? Ok keine Stiefmutter? Und die böse Mutter gehört doch eigentlich zu Hänsel und Gretel?
Egal ich finde es passt, und erklärt meiner Ansicht nach doch so einiges. Sofern ein blutiger Anfänger wie ich irgendeine zutreffende Ansicht über das Innenleben eines anderen Menschen zu stellen in der Lage ist.
Außerdem hab ich glaube ich noch eine Märchen Referenz irgendwo bemerkt, aber dazu später.
Ich denke, dass deine Mutter dich stets als Konkurrenz gesehen hat. Sie hat immer gekämpft, musste die Erwachsene sein für ihre Geschwister. Vielleicht hatte sie insgeheim Angst, dass sich alles wiederholt, dass du ihr ihren Erfolg und ihre Position streitig machen wirst.
Ich denke auch, dass sie einiges auch auf dich projeziert hat, was sie eigentlich ihrer Mutter hätte vorwerfen wollen, dass sie vielleicht von sich dachte, ein böser Mensch zu sein, weil sie sich gegen ihre Mutter stellen musste, für ihre Geschwister. Deine Mutter wollte auch zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben nur geliebt werden, aber dazu kam es nicht.
Aber da bleibt niemand übrig, außer dir, nicht die eigene Mutter die Fehler gemacht hat, noch sie selbst, den sie musste ja alles richtig gemacht haben.
Wie ein Jongleur, der viele Teller gleichzeitig in der Luft am Laufen hält.
Beim Grossreinemachen hat deine Mutter für ihren Seelenmüll einen Ascheeimer gebraucht, und der warst du.
Und wie ein Jongleur hat deine Mutter auch die Tricks gelernt, diese Teller alle irgendwie in ihrem Sinn in Bewegung zu halten. Leider sind ihre Teller andere Menschen, und man sieht leider nicht in welche Richtung sie sie dreht, nur das alle immer schön brav in Bewegung sind. Wenn alle in Bewegung sind ist alles in Ordnung, der Anschein von Normalität bleibt gewahrt, solange keiner der Teller herunterfällt, ist alles in Ordnung und die Show kann weitergehen.
Leider bist du so ein verunglückter Teller.
War dein Leben mit deiner Familie immer nur das Training vor dem großen Auftritt, der Show vor Publikum. Da wo die Sachen und Mitspieler patzten, damit sie es nicht vor Publikum taten. Wurdest du, ohne dein Wissen und Wollen einfach der dumme August, über den alle lachten, damit die anderen einfach besser dastehen, vor allem der Weißclown, deine Mutter?
Oder war dein Leben keine Zirkusshow sondern ein Rodeo, da müssen die Clowns immer raus, wenn etwas schief lief, um den Bullen abzulenken, damit sich der Reiter in Sicherheit bringen konnte.
Für wen musstest du deine Haut hinhalten, damit ein anderer mit heiler Haut davon kommt. Ich weiß es nicht, aber du hast auf jeden Fall geblutet, sprichwörtlich und auch tatsächlich, aber irgendwo waren es eigentlich die Schmerzen eines anderen.
Was für welche keine Ahnung, was hatte sie ausgelöst. Ich habe keine Ahnung, aber betrachte ich die blauen Flecken auf deiner Seele, so sehe ich zumindest wie stark sie waren um mit diesem Tausch hat dir da jemand einen Bärendienst erwiesen,
Tut mir leid. Denn eigentlich gibt das die ganze Geschichte nicht auf den ersten Blick her. Außer man nimmt das, was ich oben geschrieben habe dazu.
Pankattacken?
So komme wir jetzt zum eigentlichen Thema zurück. Was war es noch gleich Panikattacken ?
Dachte ich, und habe mir auch schon meine Gedanken gemacht. Ich selbst kann da überhaupt nicht mitreden, meine innere Verdrahtung ist da grundsätzlich zu langsam, als das ich plötzlich einen Angstschub bekommen könnte, einer meiner Ärzte meinte meine Serotoninwerte währen nicht optimal deswegen wären meine Emotionen wohl nicht so stark.
Man dass hört sich ja jetzt an als wäre ich der totale Psycho, nein aber wenn ich ein chemisches Element wäre, wäre mein Reaktionsverhalten sehr sehr seht träge. Uff ja tolle wissenschaftliche Metapher.
Ich kenne nur jemanden, dem es so geht wie dir. Plötzlich ist er da, dann geht erstmal nichts mehr, erstmal abregen, was anderes machen runter kommen. Sie meinte auch der Grund liegt irgendwo in der Vergangenheit, aber es wäre zu lange her um das noch irgendwie angehen zu können. Dann tut sie mir sehr leid, dass sie leiden muss und es keine Besserung für sie gibt, nur es auszuhalten.
Aber ich denke mal nicht, dass das auch für dich gelten mag, aber wie immer ich bin hier kein Fachmann und mag mich irren.
Wenn du aber den Übergriff deines Vaters beschreibst, seinen Übergriff, die schwere körperliche Misshandlung, dann glaube ich, dass das auch zu einem schweren seelischen Trauma bei dir geführt hat.
Ich würde hier von einem sinnbildlichen Albtraum sprechen. Einem Nachtmahr, der immer wieder auf dich aufspringt und deine Seele voller Tortur reitet.
Im englischen kann man ja Nachtmahr mit Nightmare übersetzen, wobei wir wieder beim Begriff Albtraum wären. Ich kannte einen Schriftsteller in dessen Geschichten Nachtmahre schwarze Mähren waren, also weibliche Pferde die für den Sandmann die schlechten Träume auslieferten, und damit hätte ich dann auch noch die andere Märchenreferenz abgehakt.
Dieser Albtraum kommt immer wieder, er fällt dich an immer wieder, versetzt dich immer wieder durch Raum und Zeit zurück, zu diesem einen Erlebnis.
Warum?
Weil es so schwer war das es weder dein Verstand noch deine Seele aushalten konnte?
Weil immer, wenn die Umstände sich ähneln deine Seele zurückspringt, um diesen Seelenknoten zu lösen?
Therapie - nein danke ? oder wie ?
Du schreibst, dass du Angst vor einer Therapie hast, vor dem was da ans Tageslicht kommen könnte.
Ich werde jetzt nicht den Fehler machen und dir einfach sagen, mach eine Therapie dann wird alles auf jeden Fall besser. Das kann ich nicht beurteilen, vor allem nicht bei so einem Fall wie deinem.
Ich kann dir nur sagen, wie es bei mir damals war, am Anfang meiner Reise, ich hatte gerade die Realschule abgeschlossen und auf meinem Weg Richtung Oberstufe und Abitur. Ich wusste das da irgendwas war das mit mir nicht ganz rund lief, aber ich entschied mich das das sichere Unwissen um meine Seelenlage mir zu diesem Zeitpunkt lieber wäre, als alles Wissen stattdessen. Nun zwanzig Jahre später bin ich einen Weg gegangen, vielleicht wäre damals ein andere möglich gewesen ich weiß es nicht.
Ich wurde zeit meines Lebens nie groß beachtet, war nie im Mittelpunkt, hatte nie Freunde, wurde auch gemobt.
Ich hatte auch Angst vor meinem Vater, weil er mich zu Grundschulzeiten ein zwei Mal sehr verhauen hatte, nicht verprügelt, dann sieht man anders aus, aber auch mehr als eine Ohrfeige. Dann kann Ostern in dem Jahr meiner Konfirmation, wie sich Geschichten manchmal gleichen, bei meinem Vater war es auch Weinbrand, er war wütend und wollte mich schlagen aber er konnte es nicht, dass hatte seine Macht über mich gebrochen.
Vielleicht ist der Zeitpunkt in deinem Leben gekommen den Bann zu brechen?
Deine Eltern haben immer noch Macht über dich, solange sie in deinen Gedanken sind, sei dir dies nun bewusst oder nicht. Du kannst noch so viele Kilometer auf der Landkarte zwischen euch bringen, noch aber hundert Gelegenheiten des Kontaktes verstreichen lassen. Sie werden stets da sein.
Deshalb würde ich dir raten doch eine Therapie zu machen. Es wird weder leicht sein, noch eins fix schnell gehen, nein es wird langwidrig, schmerzhaft und bestimmt auch demütigend für dich sein.
Aber vielleicht, ja ich schreibe nur vielleicht, nicht bestimmt, oder auf jeden Fall, wirst du es schaffen dir deine Eltern aus dem Kopf zu schlagen, damit du nicht nur die Herrin in deinem Kopf, sondern auch die Meisterin deines Lebens und die Schmiedin deiner Zukunft bist.
Sei versichert, du verdienst es glücklich zu sein, jeder Mensch verdient es im Grunde genommen, mit Ausnahme derer, die sich das Glück einfach auf Kosten und zum Nachteil Anderer nehmen, die verdienen ganz was anderes.
So ich komme nun mal zum Ende, puh doch noch geschafft einen halbwegs sinnigen Text in der Größe fertig zu bekommen. Anders als sonst, werde ich diesmal nichts bunt machen, hervor heben oder mit smileys auffrischen. Das würde mein Gesamtkunstwerk und seine Aussage doch komplett verhunzen.
Ich wünsche Dir alles Gute, viel Kraft, Gelassenheit und einen großen Besen zum Aufräumen
Kopf hoch Schnweewitchen