Ich will auch gar nicht sagen, dass er sie hingehalten hat. Ich kann mir nur gut vorstellen, dass sie sich im Moment hingehalten fühlt (eben als Nebenwirkung ihrer Torschlusspanik). Wenn die Hormone (durch die vermutlich nicht nur beginnenden, sondern eher fortgeschrittenen) Wechseljahre das Denken durcheinander bringen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich bei ihr alles wieder normalisiert und sie wieder klar denken kann, wenn die hormonellen Veränderungen "durch" sind. Die Frage ist nur, wie sie dich danach sieht. Ob sie dich danach als Partner sieht, der sie ernst nimmt und Möglichkeiten gemeinsam mit ihr auslotet, auch wenn sie dir eigentlich gegen den Strich gehen. Oder ob du ihre Wünsche und Bedürfnisse klein redest und sie genau dann im Stich lässt, wenn es (für sie) wirklich darauf ankommt.
Ihr steht gerade an einer Weggabelung, du willst den Weg links nehmen (keine Kinder) und sie aber unbedingt den Weg rechts. Dein Weg links ist gut geteert und gerade, du siehst in der Ferne schon ein schönes Ziel,
ihr wirkt der Weg aber zu düster. Der Weg rechts scheint hell und mit vielen Blumen, aber du siehst die 1000 riesigen Steine im Weg schon von hier und hast jetzt schon keine Lust mehr, dir dabei auch noch blutige Knie zu holen.
Die Frage ist jetzt: nimmst du sie an die Hand und gehst ihren Weg ein Stück weit mit, bis sie selber einsieht, dass sie über die großen Steine nicht drüber kommt und ihr geht anschließend Hand in Hand zurück und deinen Weg weiter? Oder läufst du mit verschränkten Armen einfach direkt auf deinem Weg los und lässt sie kurzerhand alleine stehen, Motto "sie kann mir ja hinterherlaufen"?
Und: deine Frau hat ein Recht zu wissen, was Sache ist. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass der AMH-Wert noch gut ist und vielleicht nur die Eileiter etwas undurchlässig waren oder nur ein wenig Stimulation nötig war, dann solltest du ihr das Recht lassen, selbst zu entscheiden, ob sie den Kinderwunsch aufgibt, um mit dir zusammen zu bleiben, oder ob sie sich doch lieber scheiden lässt und nach Holland fährt, ehe auch die letzte Chance vertan ist.
Gerade aber kann sie keine Entscheidung treffen, weil sie zerrissen ist zwischen dem Wunsch nach einem Kind und der Angst, sich zu trennen, nur um dann womöglich doch kinderlos zu bleiben (sie ist ja nicht doof, ihr Verstand sagt ihr sehr wohl, dass sie kaum ne Chance hat, nur das Herz verliert die Hoffnung bekanntlich zuletzt). Und kann nur alle 1000 Hausmittelchen googeln, die - wenn auch nur vom Hörensagen und alten Ammenmärchen - was bringen sollen, wenn man wegen dem Mann nicht professionell nachforschen kann.
Und treibt sich dabei in ihrer Hilflosigkeit vielleicht in Familienforen herum, die sie nur noch weiter anstacheln, die Hoffnung nicht aufzugeben oder ihr gar Vorwürfe machen, wenn sie sich nicht "gut genug" um den Kinderwunsch kümmert. -> "Waaaas?! Du misst nicht die Basaltemperatur?! Also dann bist du ja wirklich selber schuld, wenn du den Eisprung verpasst und deshalb nicht schwanger wirst!... Hast du es schon mal mit Mönchspfeffer probiert?... Meine Cousine schwört ja, dass sie nur durch den Himbeerblättertee schwanger wurde... Der S*x muss übrigens genau da und da sein und am Tag zuvor auf keinen Fall, sonst sind die guten Spermien zu früh weg...". Im ernst, ich kenne solche Foren und die können nebst guter Tipps wirklich toxisch sein. Da brechen gefühlt Wettbewerbe aus, wer es schafft, sich noch mehr in die Sache reinzusteigern.
Wirklich erwachsen und reflektiert klingt das nicht- allein die Wahrscheinlichkeit an Fehlgeburten und Fehlbildungen steigt ja auch so enorm-
Vielleicht solltest du ihr eher mit solchen Argumenten kommen, deine Tochter ist evtl ein rotes Tuch, eben weil sie DEINE Tochter ist, wenn es dir schon unmöglich ist, ihr entgegen zu kommen.
Ich denke, es wäre besser, wenn er mit ihr zum Frauenarzt geht und sie das vom Arzt hört. Beim TE sieht sie das im Moment nur als weitere Ausrede, um nicht mitziehen zu müssen. Wenn ihr aber ein
Arzt sagt, dass die Chance entweder ganz vorbei ist oder aber ein sehr hohes Risiko besteht, dass sie entweder zig Fehlgeburten hat und/oder ein behindertes Kind, gegen das die Krankheiten der Tochter gar nichts sind, dann überlegt sie es sich vielleicht doch nochmals anders. Und wenn sie die Entscheidung, es doch zu lassen, von sich aus fällt, wird sie die Kinderlosigkeit in Zukunft besser akzeptieren können, als wenn diese Entscheidung über ihren Kopf hinweg von ihrem Mann gefällt wurde.