Wenn meine Kleine quengelig und aufsässig war und sich zuweilen auch eher in Richtung Furie bewegt hat, dann lag das oft auch an meiner Überforderung. Wenn der Tag nicht genug Stunden hat, einem einfach nicht einfallen will, was man Abends noch kochen soll (und im Grunde am liebsten nicht will), und noch so einiges mehr, dann fällt es schwer, in diesem Moment wieder die Kurve zu kriegen, gelassen zu sein und den Kontakt zu seinem Kind wieder herzustellen. Das Kind spürt das und es bauen sich Spannungen auf und manchmal "kommt nach müd einfach blöd". Sollen dann Ohrfeigen verteilt werden? Muss man dann den Supermarkt verlassen und den Wagen stehen lassen?
Ja, das Geschrei kann richtig nerven und solche Szenen kommen nicht nur einmal die Woche vor. Ich kenne keinen Elternteil, der mit Freude verkündet: "Heute geh ich mit meinem Filius wieder den Supermarkt aufmischen, dass wird ein Spaß!". Auch die liebevollsten und konsequentesten Eltern können bei Müdigkeit, Hunger und Durst manchmal einfach "zu spät dran" sein und auch schlicht überfordert sein. Dann gibt es eben kein Halten mehr und es fällt einem die rettende Idee nicht ein, wenn man sie braucht.
Vor kurzem stand ich in der Schlange und ein Kind hat wirklich genervt. Es schaute mich an und ich habe mit den Augen "geschielt". Schlagartig war Ruhe. Dann fing es wieder an und ich habe eine (nicht unfreundliche) Grimasse geschnitten. Das ging so ein paar mal hin und her, aber es hat nicht mehr gequengelt. Als der Vater das realisiert hat, schaute er mich ganz grimmig an und stellte sich zwischen Kind und mich und es fing prompt an zu weinen. Gut, vielleicht habe ich den Grundstein für eine lebenslange Therapie gelegt und mich zum Affen gemacht. Manchmal ist ein wenig "locker sein" furchtbar schwer auf ALLEN Seiten. Und es liegt nicht nur am Unvermögen oder bösem Willen, auch auf ALLEN Seiten. Aber "Frontenbildung" hilft erst recht nicht.