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Kinder zur Bestattung mitnehmen?

Als Kind war ich bei allen Begräbnissen dabei (angefangen mit der Uroma). Ich fand es eher interessant als traurig. War auch nicht das einzige Kind, wir konnten nach dem "offiziellen Teil" spielen.
Ich verstehe aber auch immer nicht so ganz, warum in Deutschland in der Regel so ein steifes Gewese um Beerdigungen gemacht wird. Der Tod ist Teil des Lebens.

Ganz persönlich finde ich es daher sogar schön, wenn Kinder auf Beerdigungen dabei sind. Für die Kinder, da sie dann - mit geeigneter Begleitung - in einem unbefangenen Alter damit vertraut werden können.....und für die Erwachsenen, da Kinder ein Symbol dafür sind, dass das Leben weitergeht.
 
... und vielleicht ist es für Kinder gut zu sehen, dass Eltern, Erwachsene Emotionen haben und die auch zeigen.
Trauer darf und muss sein, das sollten Kinder auch vorgelebt bekommen. Trauer nicht zeigen zu können oder zu dürfen ist keine gute Sache.
 
Meine Eltern nahmen mich mit zur Beerdigung meines Opas, als ich ein halbes Jahr alt war.
Andernfalls hätte ein Elternteil Zuhause bleiben müssen, das wollten sie nicht.
Als so kleines Kind habe ich an die Beerdigung keine Erinnerung mehr - aber natürlich bekommt man auch als kleines Kind mit, wenn Leute traurig sind. Vielleicht machte da weniger die Beerdigung aus, als die Gespräche in den Jahren danach. Ich kann mich an nichts erinnern, an kein Detail, nur daran, dass ich meine Oma einmal nach meinem Opa fragte und sie vor Schmerz nicht antworten konnte. Das war Jahre später.
Da hatte ich bereits meine - aus der Phantasie eines Kindes entsprungene - Vorstellung der Beerdigung, die eine Mischung aus Schneewittchen, aufgeschnappten Erzählungen und einem Foto von meinem Opa war.

Ob ich ein Kind zur Beerdigung mitnehmen würde, würde ich davon abhängig machen, ob sich die Bezugsperson dazu in der Lage fühlt, sich während der Beerdigung um das Kind zu kümmern. Ein Elternteil, dass es vor Schmerz fast zerreisst und das genug mit sich selbst zu tun hat, ist vielleicht besser dran, wenn das Kind nicht dabei ist.
 
bei den 6-jährigen (Schul-)Kindern kann es leider schon sein, dass da unbewusst dann Druck ausgeübt wird, dass sie sich auf einer Beerdigung entsprechend verhalten... Kinder, die halt eher fröhlich und ausgelassen sich benehmen, weil sie die Tragweite noch nicht verstehen oder die Verstorbene eben kaum kannten, sind dann einigen wohl ein Dorn im Auge.

Es gibt etwas, das nennt sich Sozialisation. Da bringt man Kindern bei, sich angemessen in Gesellschaft zu verhalten. Wenn man sie von solchen Ereignissen ausschließt und ihnen nicht klar macht, wie man sich in solchen Situationen verhalten sollte, darf man sich nicht wundern, wenn sich solche Kinder zu sozial unangepassten Einzelgängern entwickeln, die sich in Gesellschaft merkwürdig verhalten bzw. ständig unsicher sind, wie man sich verhalten soll und deshalb keine Freunde haben.
 
Wenn man selbst trauert und 2 Kleinkinder nebenher beruhigen soll, die lautstark das Quengeln anfangen, kann man schlecht sagen "ich trauere sei mal still. Weil die das garnicht verstehen.

Und bei einer Uroma sind auch alte Menschen dabei, die in Ruhe der Trauerrede folgen möchten und auch in Ruhe Abschied nehmen wollen.

Ein Zweijähriger kapiert überhaupt nichts davon, er langweilt sich und überbrüllt höchstens die Trauerrede.

Das muss doch nicht sein.
 
Mein Vater wurde in seiner Heimat Italien beerdigt, er starb mit Mitte 60. Das ganze Dorf kam und hat den Leichnam getätschelt und geküsst, bei uns undenkbar.
Eben und da fragt sicher keiner, ob die Kinder mit sollen, stören oder traumatisiert sein könnten oder Anstoß an den Emotionen der Hinterbliebenen nehmen ...
Ja, leider fragt sich das keiner. Letztendlich ist es halt echt superindividuell, aber hierzu meine Erfahrung:

Was @Alegra67 beschreibt, kenne ich aus der Kultur meiner Familie und habe ich u. a. auf der Beerdigung meines Vaters so erlebt. Der Leichnam wurde im offenen Sarg aufgebahrt und jeder verabschiedete sich mit unzähligen Küssen und Berührungen, es gab ohrenbetäubenden Lärm, weil eine Vielzahl der anwesenden Menschen, vor allem Frauen, (sehr!) laut weinten und wehklagten und so einen ganz grausam heulenden Singsang an den Tag legten und vor allem die engste Familie ganz, ganz laut und dramatisch beweinten und dabei auch noch an ihnen herumzerrten.

Mich persönlich hat das sehr, sehr dolle traumatisiert. Mein Vater war der wichtigste Mensch in meinem Leben, sein Tod war eh nicht zu verkraften und zu schlimm, um ihn überhaupt zu begreifen. Von ganz vielen Menschen dann auch noch an den Sarg gedrängt und gezwungen zu werden und den Kopf zum Kuss an sein Gesicht, das ich überhaupt nicht mehr erkannte, das komisch roch und kalt war, gedrückt zu bekommen, war eine der übelsten Dinge, die ich je erlebt habe. Die Trauer und das Entsetzen der Erwachsenen hat mich überfordert und schwer verstört. Damals war ich im Grundschulalter.

Das ist sicher ein Beispiel, das wenig mit der hierzulande üblichen Durchschnittsbeerdigung zu tun hat. In meinen Augen ist eine Beerdigungssituation dennoch sehr speziell und emotional, für mich gibt es da bez. Kinder einfach kein eindeutiges, allgemein und immer gültiges Pro und Kontra. Bei sehr kleinen Kindern - und das ist hier ja der Fall - hängt es für mich persönlich einfach von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Die Rahmenbedingungen im Fall von @Alegra67 und ihrer Familie sind ja aber ganz anders. Auch @Q-cumber hat sehr schön geschildert, wie positiv und wertvoll es sein kann, Kinder mitzunehmen. Von daher kann es vielleicht für alle Beteiligten - trotz des traurigen Anlasses - gut sein, die Kinder dabeizuhaben.
 
Wenn man selbst trauert und 2 Kleinkinder nebenher beruhigen soll, die lautstark das Quengeln anfangen, kann man schlecht sagen "ich trauere sei mal still. Weil die das garnicht verstehen.

Und bei einer Uroma sind auch alte Menschen dabei, die in Ruhe der Trauerrede folgen möchten und auch in Ruhe Abschied nehmen wollen.

Ein Zweijähriger kapiert überhaupt nichts davon, er langweilt sich und überbrüllt höchstens die Trauerrede.

Das muss doch nicht sein.

Wie schon festgestellt, ist das alles sehr individuell. Nicht alle Zweijährigen brüllen auf einer Veranstaltung und nicht alle verhalten sich ruhig.

Für mich war es immer so, dass auf einer Beerdigung eine Gemeinschaft da ist. Dh. natürlich wird den engsten Hinterbliebenen unter die Arme gegriffen und das quengelnde Kleinkind von jemanden beiseite genommen.

Ich finde es in unserer Gesellschaft sehr schade, dass so viel separiert wird. Kinder hier, Alte da .... und dann wollen alle von einer Gemeinschaft sprechen. Ja wie soll die denn entstehen, wenn jeder "altersgemäß" irgendwo ist, jeder auf seine Bedürfnisse pocht und niemand Kompromisse machen mag.
 
Unter 8 Jahren hätte ich kein Kind auf die Beerdigung mitgenommen.
Was soll ein Kleinkind auf der Beerdigung? Zumal es stört, wenn das Kind dann plötzlich schreit.
Bei der 6 Jährigen könnte man das überlegen, aber ich finde es auch zu jung.
Die begreift den Tod nicht und die Uroma ist jetzt auch nicht so nahe, dass sie da dabei sein müsste.
Würde mir für die Zeit einen Babysitter suchen.Finde das für ein Kind dieses Alters unnütze Quälerei. Für das Kleinkind erst recht.
Du nimmst ein Kind doch nicht mit, um es zur Schau zu stellen, sondern darum, damit es sich verabschieden kann. Mit 6 finde ich das zu früh. Der 2 Jährige schnallt nicht mal warum und wo er ist.
 

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