Mein Vater wurde in seiner Heimat Italien beerdigt, er starb mit Mitte 60. Das ganze Dorf kam und hat den Leichnam getätschelt und geküsst, bei uns undenkbar.
Eben und da fragt sicher keiner, ob die Kinder mit sollen, stören oder traumatisiert sein könnten oder Anstoß an den Emotionen der Hinterbliebenen nehmen ...
Ja, leider fragt sich das keiner. Letztendlich ist es halt echt superindividuell, aber hierzu meine Erfahrung:
Was
@Alegra67 beschreibt, kenne ich aus der Kultur meiner Familie und habe ich u. a. auf der Beerdigung meines Vaters so erlebt. Der Leichnam wurde im offenen Sarg aufgebahrt und jeder verabschiedete sich mit unzähligen Küssen und Berührungen, es gab ohrenbetäubenden Lärm, weil eine Vielzahl der anwesenden Menschen, vor allem Frauen, (sehr!) laut weinten und wehklagten und so einen ganz grausam heulenden Singsang an den Tag legten und vor allem die engste Familie ganz, ganz laut und dramatisch beweinten und dabei auch noch an ihnen herumzerrten.
Mich persönlich hat das sehr, sehr dolle traumatisiert. Mein Vater war der wichtigste Mensch in meinem Leben, sein Tod war eh nicht zu verkraften und zu schlimm, um ihn überhaupt zu begreifen. Von ganz vielen Menschen dann auch noch an den Sarg gedrängt und gezwungen zu werden und den Kopf zum Kuss an sein Gesicht, das ich überhaupt nicht mehr erkannte, das komisch roch und kalt war, gedrückt zu bekommen, war eine der übelsten Dinge, die ich je erlebt habe. Die Trauer und das Entsetzen der Erwachsenen hat mich überfordert und schwer verstört. Damals war ich im Grundschulalter.
Das ist sicher ein Beispiel, das wenig mit der hierzulande üblichen Durchschnittsbeerdigung zu tun hat. In meinen Augen ist eine Beerdigungssituation dennoch sehr speziell und emotional, für mich gibt es da bez. Kinder einfach kein eindeutiges, allgemein und immer gültiges Pro und Kontra. Bei sehr kleinen Kindern - und das ist hier ja der Fall - hängt es für mich persönlich einfach von vielen verschiedenen Faktoren ab.
Die Rahmenbedingungen im Fall von
@Alegra67 und ihrer Familie sind ja aber ganz anders. Auch
@Q-cumber hat sehr schön geschildert, wie positiv und wertvoll es sein kann, Kinder mitzunehmen. Von daher kann es vielleicht für alle Beteiligten - trotz des traurigen Anlasses - gut sein, die Kinder dabeizuhaben.