Lieber Dp.24,
normalerweise bin ich in diesem Forum nur stille Mitleserin; mit Deinem Post konnte ich mich aber so sehr identifizieren, dass ich einfach meinen Senf dazugeben muss.
Ich bin etwa im gleichen Alter wie Du und vertrete exakt denselben Standpunkt: Beziehungen bringen mehr Nachteile als Vorteile mit sich, sie sind anstrengend und nehmen einen Teil der Freiheit, vor allem, sobald Haus und Kinder im Spiel sind. Wieso sich irgendjemand heutzutage noch freiwillig in dieses Hamsterrad begibt, ist mir ein Rätsel. Insofern tat es gut, mal von jemandem zu lesen, der auch mit den gesellschaftlichen Erwartungen bricht.
Woher Deine negative Grundeinstellung zu Bindungen kommt, kann und mag ich nicht beurteilen; vielleicht hilft es Dir ja, von meiner Erfahrung zu lesen:
Im Grunde war ich nicht immer so vehement gegen Beziehungen und engere Bindungen; als ich in der Pubertät war, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als einen Freund. In Beziehungen oder allgemein Bindungen neige ich aber immer zu Klammerverhalten und massiver emotionaler Abhängigkeit, was im Endeffekt nur mir und noch mehr der eingeklammerten Person schadet; in Beziehungen war ich nur glücklich, wenn ich bei meinem Partner war. Kurzum: Ich habe mich und meine Wünsche immer komplett aufgegeben, da ich ja für meinen Partner da sein wollte.
Vermutlich stammt dieses ängstlich-klammernde Bindungsverhalten von mangelnder Liebe im Kleinkindesalter, möchte mich mit dieser These allerdings auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Jedenfalls habe ich nach mehreren gescheiterten Beziehungsversuchen beschlossen, mich komplett zurückzuziehen und mich nur noch mit mir selbst zu beschäftigen. Seitdem geht es mir wirklich besser: Ich bin frei, kann tun und lassen, was ich will, und bin von niemandem mehr abhängig. Natürlich sehne ich mich einerseits auch manchmal nach tiefgehenden Bindungen, weiß aber andererseits, dass ich so eine Beziehung, wie ich sie manchmal in meinen Gedanken idealisiere, wegen meines Verhaltens gar nicht führen könnte.
Im Endeffekt ist dieses ganze Gerede über Freiheit, die man für eine Beziehung nicht aufgeben möchte, meiner Ansicht nach ja auch nichts anderes als vermeidendes Bindungsverhalten, dahinter steckt zumindest bei mir die tiefsitzende Angst vor Ablehnung auf der einen Seite, auf der anderen Seite wiederum die Angst vor einem erneuten Gefangensein in emotionaler Abhängigkeit.
(Sorry, dass ich nun doch so ausführlich über mich erzählt habe, irgendwie hast Du mit Deinem Text einen Nerv bei mir getroffen.)
Ich hoffe, ich konnte Dich durch mein Geschreibsel ein wenig zum Nachdenken anregen. Mich würde interessieren, wie Du über die ganze Sache denkst.
Alles Liebe und ein schönes Wochenende!
Vanessa
Hey Vanessa
Ich hätte nicht gedacht das hier jemand antwortet der mich nachvollziehen kann.
Ich sehe sowas ebenfalls als Hamsterad an, sobald man Verheiratet ist, Kinder hat, und einen riesen Kredit fürs Haus abzubezahlen hat, hat man mit einem freien Menschen nicht mehr viel zu tun.
Und mir persönlich ist meine Freiheit viel wert.
Man kann nicht mehr arbeiten was man will, es muss vorrangig auf den Lohn geachtet werden damit sich alles ausgeht..
Mal ein halbes Jahr aus reinem Interesse was im Ausland machen? Unmöglich.
Man muss den Kinder was bieten können..
Ausbildung, spätere Finanzielle unterstützung..
Und läuft es mit dem Partner nicht mehr, muss mit allen Mitteln versucht werden die Trennung abzuwenden, egal wie kaputt die Beziehung ist, weil eine Scheidung unter den umständen eine Katasrophe wäre.
Ich hab nichts gegen Leute die dieses Leben gewählt haben, sollen sie nur machen, ich bin auch froh um meine Eltern das sie sich dafür entschieden haben.
Aber mir wird übel wenn ich daran denke auch so ein Leben anzufangen.
Ich habe schon viele sehr heftige Stories zu Fehlgeschlagenen Beziehungen mitbekommen, aus dem Familien, Freundeskreis, von Arbeitskollegen..
Solche Geschichten kennt wohl jeder, aber ich mache mir dazu viele Gedanken,
mein Schluss draus:
Man kann seinem Partner so vertrauen wie man will, man kann so viel denke sie/er ist der "Richtige".
Man kann trotzdem jederzeit das gegenteil präsentiert bekommen.
Auch wenn es nicht meine Persönliche Erfahrungen sind, man darf wohl aus Erfahrungen anderer lernen.
Du hast zwar gesagt du willst das nicht wissen, aber ich musste daas auch mal loswerden.
Wenn man Klammert hat man meistens auch Probleme mit Neid und Eifersucht.
Man fürchtet sich den Partner und die Liebe zu verlieren oder gar "vergessen" zu werden, wenn man nicht andauernt anwesend ist.
Ich denke du hast(hattest) Probleme mit deiner Selbstliebe und hast villeicht auch Minderwertigkeitskomplexe.
Aber was soll ich dir dazu noch sagen, du hast schon das Absolut richtige gemacht, du hast dich mit deinem selbst beschäftigt,
wenn man das halbwegs ernst macht kann man wahnsinnig viel über sich selbst herausfinden und sich selbst lieben lernen.
Viele sagen das zwar nur so, aber die wichtigste Beziehung hat man zu sich selbst, und alles andere ist davon abhängig.
Ich habe mich auch viel mit mich selbst beschäftigt, und mich in Selbstliebe geübt, und ich wüsste nicht was jetzt in meinem Leben besser laufen könnte, natürlich bin ich nie zu 100% zufrieden, es gibt Tage, villeicht auch Wochen, da läuft es nicht so.
Aber im großen und ganzen passt es.
Und immer nur glücklich zu sein schafft niemand, auch keiner der denkt den perfekten Partner zu haben.
Ebenfalls schönes Wochenende
Und alles gute