Und was ist dann bei psychischen Erkrankungen wie z.B jahre- oder jahrzehntelangen schweren Depressionen ohne das bei betroffenen jemals eine Besserung eingetreten wäre ?
Oder Erkrankungen, die nicht gleich zum Tod führen, die aber ein für die betroffenen ein würdiges Leben und Teilnahme an der Gesellschaft nicht mehr ermöglichen, weil sie nur mit Leid und schmerzen verbunden sind und bei denen keine Chance mehr besteht, das sich dies überhaupt nochmal bessert ?
Das sind schwierige Fragen.
Wer kann aber die Verantwortung dafür tragen wollen, jemanden zum Tod "verholfen" zu haben, ohne jemals
sicher sein zu können, ob sich die Situation nach einiger Zeit (vielleicht nach Jahren) nicht doch geändert hätte?
Wer kann damit leben wollen, jemandem zum Tod "verholfen" zu haben, der gar nicht sterbenskrank ist?
Dieses Thema ist nicht einfach.
Jeder Fall ist individuell. Er muss entsprechend gewürdigt werden, er muss verstanden werden.
Das ist ja auch mit das Problem: Regeln vereinfachen, verkürzen.. sie erfassen bei diesem Thema nicht immer die Realität. In einem Fall werden sie es tun, in einem anderen nicht.
Oft befasst man sich mit diesem Thema nicht ausreichend und gibt kurze, einfache Antworten.
Wie anders ist es, nur eine Meinung über etwas zu haben, einerseits und andererseits in Qualen, Ängsten, in einem Bett zu liegen und vielleicht aber bei einer erfolgreichen palliativen Versorgung sich über jeden Tag doch freuen zu können und/oder doch am Leben zu hängen.
Es überrascht keinen erfahrenen Palliativmediziner, wenn ein Mensch, entgegen dem, was er in seiner Patientenverfügung festgehalten hat, dann doch nicht sterben will..
Deswegen ist auch immer die aktuelle Situation entscheidend. Erst wenn der betroffene Mensch, nicht mehr in der Lage ist, in irgendeiner Art und Weise seinen Willen kundzutun, erst dann kommt die Patientenverfügung in Betracht, denn aktuell kann man mittlerweile einen ganz anderen Wunsch haben.
Wer kann behaupten, während des Verfassens einer Patientenverfügung, zu einer Zeit, da man noch gesund oder relativ gesund ist, zu wissen, wie es einem gehen wird, wenn es schlimm oder ganz schlimm wird.. Manchmal spielt die Zeit eine Rolle.. manchmal das menschliche Umfeld.. die Umstände.. die möglichen Erfolge der Palliativmedizin.. die Mitmenschlichkeit, die man erfährt..
Trotzdem ist es gut, rechtzeitig eine Patientenverfügung zu verfassen.. eben für den Fall, dass man nicht mehr in der Lage sein könnte, seinen Willen zu zeigen bzw. vielleicht in einem Zustand, wo man nicht sicher sein kann, ob man überhaupt von einem Bewusstsein sprechen könnte.