...an sich steckt in jedem Menschen eine Menge Potenzial und jeder Mensch kann sich (mit günstiger und realistischer Grundhaltung) ganz gut selbst helfen...manchmal braucht man dazu eine Weile Begleitung und ein wenig Anleitung und wenn man dazu die Hilfe anderer annehmen kann ist das recht vorteilhaft. Hilfe annehmen können ist für einige Menschen schwer...insbesondere Menschen mit geringem Selbstwertgefühl die denken sie seien keiner Hilfe wert...exakt das ist oft die erste Barriere die Gewaltopfer zu überwinden haben, die manche aber nicht schaffen.
Viele Therapien versagen weil Gewaltopfer die Sache oft herunterspielen oder nicht ernst nehmen, zu verklemmt und eingeschüchtert sind, sich nicht genug öffnen können oder wollen,...oder Therapie mit einem Wundermittel verwechseln..manchmal passt der Therapeut auch nicht (oder ist schlichtweg inkompetent..auch das gibts natürlich) aber die Betroffenen sind zu antriebslos oder schüchtern sich einen anderen zu suchen...es gibt da etliche Möglichkeiten.
Therapie ist lediglich Hilfe zur Selbsthilfe (so wie jede gute Hilfe immer nur Hilfe zur Selbsthilfe ist und sein sollte!) und immer nur so gut wie der Betreffende sie für sich zu nutzen weiss, wie hart man darin mitarbeitet, wie gut man dort Erarbeites umsetzen kann etc.
Sori hatte es ja beschrieben: es ist Begleitung..nicht Entmündigung oder pure Anleitung...seine Ziele und Entscheidungen muss man dabei schon selbst treffen und kann nicht erwarten dass Therapeuten die Mutter- oder Vaterrolle übernehmen und einem die Gestaltung und Organisation des Lebens abnehmen oder so..was auch gute Mütter oder Väter an sich nie tun würden....Es ist gar nicht mal so leicht auf die richtige Art und Weise zu helfen...man muss vermeiden dass die, denen man hilft nicht zu abhängig werden von der Hilfe sondern die Hilfe so ist, dass die Betroffenen lernen wie sie sich selbst helfen können und damit unabhängiger, freier, selbstbewusster und selbstständiger werden.
Bei einigen kann man sehr große Verbesserungen erzielen, bei anderen nicht. Einige lernen sehr schnell, haben sowas wie erleuchtende Momente und machen rasche Fortschritte..andere krebsen langsam voran, erwarten zu viel, verlieren leicht die Geduld und brechen zu schnell ab, wieder andere sperren sich, arbeiten nicht mit aus Schiss vor Veränderung oder der eigenen Courage oder weil sie einfach nicht die Hürde über die Schamgrenze schaffen und in sich selbst und in ihrem Leid/Trauma stecken bleiben....
So ist halt das Leben...es wird immer Gewinner oder Verlierer und jeder bestimmt ein stückweit für sich selbst mit auf welcher Seite man landet. Pures Schicksal oder dem Schicksal hilflos unterworfen sein gibt es meiner Ansicht nach nicht...es sei denn man will das, verhält sich passiv...hat ja oft auch gewisse Vorteile...aber oft leider auch mehr Nachteile. Ich denke auch nicht dass irgend ein Mensch/Täter so viel Macht hat das Leben anderer nachhaltig zu zerstören...es sei denn ein Opfer glaubt fest und unerschütterlich an diese Macht und manifestiert/festigt sie damit, womit man natürlich auch das eigene Leid manifestiert.
Ich erinnere mich gut an meinen entscheidenden Moment damals dies erkannt zu haben..damit (bzw mit dieser Erkenntnis und daraus resultierenden Verhaltensänderung hin zu aktiver Mitbestimmung, Grenzsetzung etc.) konnte ich meinen damaligen Täter rasch entthronen sozusagen und damit auch das Leid abbauen. Mein damaliges Trauma habe ich ganz gut verarbeitet...heute ist es lediglich noch so was wie ein manchmal etwas juckender Pickel am Hintern, der jedoch nicht mehr groß stört in meinem Leben. 😉
Es ist halt sehr unterschiedlich wie Menschen verarbeiten, was Menschen glauben. Mancher Glaube ist gut (z.B: ich glaube an mich selbst und werde es schaffen, ich bin was wert, ich kann das, ich bin stark und werde das überstehen etc.) und führt raus aus dem Leid, mancher (Aber-)glaube oder sagen wir ungünstiger Glaube führt ins Leid..z.B Ich bin zart, zerbrechlich und leicht kaputtbar, mein Leben ist für immer im Eimer, ich bin nix, kann nix, werde immer scheitern etc. Bekanntlich kann der Glaube ja Berge versetzen...das stimmt...daher ist der richtige Glaube (insbesondere der unerschütterliche Glaube an sich selbst) sehr wichtig..ohne den läuft nämlich gar nichts.
Leider besteht oft die Gefahr dass Leid unbewusst oder allenfalls teilbewusst zur Gewohnheit oder funktionalisiert wird...einige Menschen verstecken sich hinter dem gewohnten Leid und trauen sich gar nicht mehr dahinter hervor und haben Angst das Leid ab zu bauen, da alles was sie bislang ausmachte das Leiden war...und sie haben große Angst davor was ist (was von ihnen noch übrig bleibt) wenn das Leiden mal kleiner wird oder weg ist...Die menschliche Psyche ist halt komplex.....Wenn nicht zeitgleich neben der Therapie sehr viel dafür getan wird ein neues Ich auf zu bauen..viele positive Erfahrungen gesammelt werden..(die natürlich nicht von alleine kommen sondern die sich jeder selbst erschaffen muss) funktioniert auch die beste Therapie nicht.
Hilfe aufdrängen geht natürlich nicht..die Betroffenen müssen einen ausreichend starken Willen zur Mitarbeit mitbringen und Willen Hilfe an zu nehmen. Auch das will oft manchmal erst gelernt sein.
In ganz seltenen Fällen gibt es natürlich Menschen bei denen noch andere Dinge dazukommen...z.B eine psychische Erkrankung die nur schwer oder nicht therapierbar ist...da spielen dann viele Faktoren eine Rolle...die Lebensweise, das soziale Umfeld, die Grundhaltung, die Einsicht des Betreffenden, sprich Therapiewilligkeit etc...
Aber in den meisten Fällen funktioniert richtig ausgeführte Hilfe an sich gut. Aber wie gesagt, man darf da keine Wunder erwarten, das ganze ist harte Arbeit für die Betroffenen die ihnen auch niemand (aus gutem Grund: Autonomieerhalt bzw. -erschaffung) abnehmen kann...Bleibt nur zu hoffen dass weiterhin die meisten bereit sind diese Arbeit für sich zu leisten.
Tyra