der Jugendschwarm und mein Lebensgefährte, das sind zwei völlig unterschiedliche Menschen.
Mein Lebensgefährte ist geradlinig. Der wusste immer, wo die berufliche Reise hingeht und er hasst alles, was ungeplant/spontan passiert.
Sein Großvater hat nach dem Krieg ganz klein ein Autohaus eröffnet. Das hat sich entwickelt, der Sohn (also mein Schwiegervater) hat übernommen und heute führt es mein Lebensgefährte.
Mir ist klar, dass die Führung von dem Betrieb heftig ist. Es geht um nichts anderes, schon immer. Er geht um 7 Uhr früh und kommt frühestens um 19 Uhr heim. Beim Abendessen gehts darum, was heute in der Firma passiert ist. Dann fernsehen und schlafengehen.
Ich habe immer in einer anderen Firma gearbeeitet weil mir immer klar war, wenn wir uns auch tagsüber sehen, geht das schief. Das war sicher eine gute Entscheidung gegen einen "Familienbetrieb".
Er hasst Urlaube. Wenn er den Kirchturm unseres Dorfs nicht mehr sieht wird er unrund scherze ich immer.
Wir waren nie weiter weg als Italien, den Kindern zuliebe zumindest einmal Meer, und auch das war keine Erholung.
Er kann nicht abschalten. Vor allem in der heutigen Zeit wo man überall erreichbar sein kann wenn man das will.
Grundsätzlich war mir schon beim Kennenlernen klar, dass wir kaum Gemeinsamkeiten haben. Aber es gibt ja so schlaue Sprichworte "Gegensätze ziehen sich an" usw... So ein Blödsinn aus meiner Sicht.
Wir waren auch jahrelang beide verliebt. Aber langsam ist das abgeflaut und irgendwann war es mehr "Dienst nach Vorschrift" statt Liebesbeziehung.
Der Jugendschwarm ist ganz anders, sicher auch kein einfacher Mensch. Der lernte Koch, war dann in verschiedenen Skigebieten tätig, dann für eine Saison auf einem Kreuzfahrtschiff, in der Schweiz .... der wollte immer schon spontan sein und vor allem die Welt sehen.
Was für mich der große Unterschied ist: als ich jetzt den Jugendschwarm wiedergetroffen habe .... da war sofort wieder diese Verbindung. Schwer zu beschreiben, der eine weiß was der andere denkt. Man scherzt und das Gegenüber hat die passende Retourkutsche. Schlagfertig. Ohne nachdenken, einfach emotionale Verbindung. Als ob man sich nur ein Wochenende nicht gesehen hätte.
Meine Befürchtung ist einfach, wenn ich alles hinschmeiße für einen Neustart - wenn das schiefgeht, bin ich alleine. Und bei aller emotionalen Verbundenheit, ich bin nicht naiv. Mir ist schon klar, dass die Welt nach einem halben Jahr zusammenleben da auch anders ausschauen kann. Vor allem bei einem Typ, der eher aus Emotionen heraus sein Leben führt und weniger rational denkt oder plant (was mein Lebensgefährte eben zu viel macht).