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Jobcenter belügt "Kunden"? - Eure Meinung

  • Starter*in Starter*in Ginga
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Ich bin ja kein VWLer... also hab ich von diesen Arbeitslosenstatistiken keine Ahnung. Ich weiss deshalb auch nicht, ob die geeignet sind die Welt zu verbessern, die Wirtschaft am Laufen halten, den Euro zu retten, das Bruttosozialprodukt zu steigern, die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen, den Generationskonflikt zu lösen, den Menschen zu verjüngen, Kranke zu heilen, das Burn Out zu verhindern und und und.

Gut... Wikipedia sagt die Arbeitslosenquote ist ein Indikator. Ein sogenannter Spätindikator... die sollen Anzeigen, wie sich die Wirtschaft in der Vergangenheit entwickelt hat.

Aber was genau ist der Sinn von verfälschten und verwässerten Zahlen? Damit Politiker beweisen können, dass sie doch keine so schlechte Politik betreiben?

Tatsache ist: Jeder, der in einer Maßnahme steckt gilt als nicht mehr arbeitslos... Das ist also tatsächlich wahr. Die Leute, werden dann als "unterbeschäftigt" geführt. Aber zumindest nicht mehr arbeitslos.

Unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung

Echt lächerlich das alles...
 
Der 'zweite' Arbeitsmarkt ist inzwischen ein Milliardengeschäft - aber so richtig traut sich da niemand dran, die ganzen Verflechtungen und Verfilzungen genauer zu untersuchen. Pols können mit geschönten Statistiken glänzen, Jobcenter ist 'in der Quote', diverse 'Dienstleister' machen sich richtig frisch. A....karte bei dem Ganzen hat ... richtig geraten..
 
Ja, richtig. Alle gewinnen, nur der Arbeitslose hat das Nachsehen. Gerade diese Maßnahmen werden oftmals nur als Geldmaschine missbraucht. Der Dienstleister bekommt pro vermittelten Arbeitslosen einen bestimmten Geldbetrag vom Amt. Wie dieses System dann ausartet kann man sich ja vorstellen. Der Dienstleister hat dann nämlich überhaupt kein Interesse an einer qualitativen Vermittlung, geschweige denn an einer hochwertigen Schulung seiner Arbeitslosen. Der Dienstleister will dann nur schnell und viele Arbeitslose vermitteln, damit er schnell und viel Geld verdient. Darum werden die Teilnehmer der Maßnahme gezielt in irgendeine Zeitarbeitsscheiße gesteckt, um dort ein paar Monate lang Hilfsarbeiten auszuführen für 6,50 € die Stunde. Die Zeitarbeitsbranche freut sich über stetigen Nachschub, der Dienstleister macht ordentlich Kohle und der Arbeitslose guckt in die Röhre. Denn ablehnen kann er das tolle Angebot der Zeitarbeitsfirma nicht ohne eine Sperre vom Amt zu riskieren.
 
Hier erzählt einer, der bei einer Zeitarbeitsfirma als Disponent tätig war...

und wer einen Langzeitarbeitslosen mindestens für ein 1/2 Jahr vermittelt, der bekommt 3000 Euro vom Arbeitsamt dafür.

Rechnet das mal hoch... Werden 10 Leute für 6 Monate irgendwohin verdonnert sind das schon mal 30.000 Euro. Wenn die dann nach der Probezeit wieder vor der Tür stehen (denn im Normalfall gehen die Probezeiten heutzutage ja um die 6 Monate) ist das halt eigenes Pech...

Dann landet derjenige wieder beim Dienstleister XY... wird wieder durch das System gedrückt. Und der Dienstleister kassiert nochmals.
 
Nein, ich habe jemanden dorthin begleitet, der (was ich voll und ganz verstehen kann) nicht alleine hin wollte. Ich schrieb "wir", um anzudeuten, dass ich beim Gespräch mit dabei war. Also nicht nur vom Hören-Sagen berichte.
 
Das wäre überhaupt jedem zu empfehlen in dieser Situation. Nie alleine ins Jobcenter zu gehen, was ich da schon gehört habe, wie die Menschen wie unterste Schublade behandelt werden, wie arrogant die Mitarbeiter dort sein können, wie wirklich unmenschlich manches abläuft... das sollte sich niemand alleine antun.
 
Nein, ich habe jemanden dorthin begleitet, der (was ich voll und ganz verstehen kann) nicht alleine hin wollte. Ich schrieb "wir", um anzudeuten, dass ich beim Gespräch mit dabei war. Also nicht nur vom Hören-Sagen berichte.

Das ist gut so, dann kannst du bezeugen, dass diese Frau mit dem Argument "Wir machen das schneller, wenn sie spuren" gekommen ist, sollte sich derjenige beschweren wollen. Wobei ich mich frage, ob das wirklich den Ärger wert ist. Fakt ist leider, die dürfen in solche Sinnlosmaßnahmen vermitteln. Kostet sinnlos Geld und nix kommt bei raus. Die sogenannten Arbeitsvermittler vermitteln nicht in Jobs. Obwohl ja angeblich Fachkräftemangel herrscht. Im Prinzip machen die drei Dinge: in Maßnahmen vermitteln, sanktionieren und gelegentlich mal ein Jobangebot verschicken oder ausdrucken, was man auch im Internet leicht findet. Im Prinzip kann das auch der Hausmeister machen. Manche kriegen nicht mal ein vernünftiges Profiling hin. Und wenn sie eins gemacht haben, schauen sie es nie wieder an. So bekommt dann ein Kaufmann ein Stellenangebot als Mechaniker in der Produktion oder eine 60 jährige einen Auffrischungskurs Rechnungswesen, obwohl die in zwei Jahren in die Rente geht. Alles schon gesehen. Da wird Geld noch und nöcher zum Fenster rausgeschmissen.
 
Wie seht Ihr das? Ich persönlich finde das überhaupt nicht OK. Ich bin ziemlich schockiert, wie mit Menschen, die auf ALG II angewiesen sind inzwischen umgesprungen wird.

Das die Jobcentermitarbeiter angewiesen werden ihre "Kunden" in Maßnahmen zu vermitteln ist bekannt. Die Zauberworte sind "Fördern und Fordern" !
Als Kunde des Jobcenters hat Jeder einen Anspruch darauf "gefördert" zu werden ..... und dazu muss das Jobcenter notfalls auch mit Nachdruck vom Kunden "aufgefordert" werden, denn von alleine kommen viele Sachbearbeiter gar nicht auf die Idee das ernsthaft zu betreiben, weil sie mit der Fülle an Kunden schlicht weg "überfordert" sind.
Das darf aber nicht das Problem des Kunden sein!

Es handelt sich hier also um eine Dienstleistung, für die der Mitarbeiter des Jobcenters bezahlt wird .... und dafür hat er gefälligst auch etwas zu leisten!

Das in der Eingliederungsvereinbarung festgelegte Ziel ist die möglichst schnelle Beendigung oder zumindest Verringerung der Hilfebedürftigkeit des "Kunden" .... und die zu diesem Zwecke gemeinsam mit dem Sachbearbeiter entwickelten und schriftlich fixierten Schritte gilt es von beiden Vertragsparteien "abzuarbeiten" .....

Es geht also am Anfang darum, mit dem Sachbearbeiter gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, wie unter den gegebenen Verhältnissen am lokalen Arbeitsmarkt vor dem Hintergrund der persönlichen Situation und des schulischen und beruflichen Entwicklungsstandes, eine optimale Förderung aussehen könnte.
Dies ist eine legitime Forderung, die ein Kunde des Jobcenters an seinen Sachbearbeiter stellen kann .... und diese Forderung ist möglichst genau zu formulieren und in der Eingliederungsvereinbarung festzuhalten.
Die legitime Forderung des Jobcenters an den Kunden ist dessen Engagement bei der Erfüllung der ausgearbeiteten Strategie ...... das ist auch schon Alles!

Eine "Maßnahme" ist im Prinzip ja eine Leistung des Jobcenters, die dazu dienen soll die Chancen auf eine baldige berufliche Integration zu erhöhen ..... wo ist da das Problem?

In wie weit solch eine Maßnahme dann tatsächlich zielführend ist, steht wieder auf einem anderen Blatt ..... zumindest aber trägt die Maßnahme dazu bei dem Träger und seinen Angestellten Arbeit zu verschaffen - und das ist doch irgendwie ein gutes Werk ....
 
Nicht jeder muss allerdings präventiv gefördert werden. Warum soll denn jeder gleich ein förderbedürftiges Problem haben, der ALG II bezieht?

Interventionsmaßnahmen sollen doch Probleme beseitigen, so, dass sich aus diesen Problemen kein (z.B. gesundheitlicher) Schaden entwickelt. Ich kann doch aber nicht mal eben jeden über den Kamm scheren und behaupten, weil irgendwer ALG II bezieht ist diese Person "minderbemittelt"... benötigt also eine Interventionsmaßnahme.

Wir haben hier jetzt ganz viel über Kosten gesprochen. Aber was ist mit dem eigentlichen Problem? Das Menschen ungefragt zu Interventionsmaßnahmen gezwungen werden.

Ich habe mir jetzt mal einiges angeschaut... wie da neuerdings gearbeitet wird. Da hiess es unter anderem, dass mit den Leuten Videoaufnahmen gemacht werden, dass die gecoacht werden, ein Aufmerksamkeitstraining durchlaufen etc. Das mit dem Videofeedback und einige andere Methoden sind teils Sachen aus der Verhaltenstherapie + klinischen Psychologie. Das Videofeedback wendet man beispielsweise zur Reduktion sozialer Ängstlichkeit an... wenn Leute Selbstdarstellungsprobleme haben.

Was soll das? Sind Harz IV Empfänger Zirkusaffen, die man nur zu konditionieren braucht?

Das ist eine riesen Sauerei, die hier passiert und ein ganz großes Unrecht an den Menschen. Den Leuten wird einfach ein Verhaltensproblem unterstellt... und es werden großflächig dann mal alle "bemaßnahmt".

Es geht nicht darum, ob das irgendwas bringt oder nicht. Es geht darum, dass jeder Mensch ein Recht hat zu entscheiden was mit ihm passiert, was an ihm seelisch durchgeführt wird. Das ist hochgradig unethisch. Und ich bezweifle stark, dass die Leute, die das durchführen überhaupt über eine entsprechende Ausbildung verfügen.
 
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