Hallo,
ich habe hier schon öfter gelesen, dass Leute, die sexuelle Probleme mit dem Partner haben eben einfach "sexuell nicht zusammen passen" und sich deshalb trennen sollen.
Da frage ich mich doch...ist das jetzt wirklich ein Trennungsgrund?
Ich kenne ein Ehepaar, die sind seit ca. 20 Jahren beinander und seine Frau hatte vor ca. 10 Jahren eine schwere Krebserkrankung. Die hat sie zwar schlussendlich überstanden, aber leider haben die Chemos soviel zerstört, dass sie keinen Sex mehr mit ihm haben kann / mag. Dennoch hat er sie nicht verlassen, sondern bleibt mit ihr zusammen, versorgt sie finanziell (sie musste damals auch ihren Job aufgeben), so daß sie ihren sozialen Status wahren kann (es geht um sehr viel Geld und auch um eine Familiengemeinschaft, in die beide dort fest eingebettet sind).
Allerdings gibt es da leider ein Problem: Während sie sich weiterhin einredet, daß er nur Augen für sie habe, gönnt er sich nebenher eine Geliebte. Bisher funktionierte das relativ einfach, da seine Frau ganzjährig in einem anderen Land lebt (er fliegt sie regelmässig besuchen), so dass die Affaire sich problemlos verbergen liess (wie all die vielen anderen vorher auch). Doch in absehbarer Zeit wird er in Rente gehen und zu seiner Frau ziehen.
Er erzählte mir mal, er wolle dann "abschalten" - weil seine Frau ihn (obwohl er ja angeblich nur Augen für sie habe) rund um die Uhr kontrolliert und so eine Affaire im Heimatgefilde absolut verunmöglicht. Nun ist es nicht meine Art, mich in anderer Leute Eheangelegenheiten einzumischen, daher habe ich das damals nicht weiter kommentiert. Allerdings bezweifle ich, dass es auf Dauer gutgehen kann, wenn ein Mann mit so ausgeprägten sexuellen Bedürfnissen (er ging jahrelang auch in Clubs, Bordelle, hatte zeitweise mehrere Geliebte gleichzeitig und nahm ONS-technisch so ziemlich alles mit, was nicht bei drei auf den Bäumen war) von einem Tag auf den anderen wie ein Mönch leben soll - auch wenn ich es beiden von Herzen wünsche.
Ich denke, er hätte seiner Frau besser schon vor Jahren reinen Wein eingeschenkt und sie um eine offene Ehe gebeten - selbstverständlich unter Einhaltung gewisser Regeln, was Zeiten, Kondome, Vermeidung von allzuviel außerehelichen Emotionen, etc. betrifft. So dürfte sie nun aus allen Wolken kippen, wenn das mit dem "Abschalten" nicht klappt und die Bombe doch noch hochgehen sollte.
Langer Rede, kurzer Sinn:
Ich finde es richtig, daß dieser Mann seiner Frau insofern loyal geblieben ist, daß er sie weiterhin versorgt. Schließlich kann sie nichts für ihre Krebserkrankung.
Aber daß er über Jahre eine regelrechte Schmierenkomödie inszeniert, nur um sie nicht aus ihrem Wolkenkuckucksheim stürzen zu lassen, halte ich für grundfalsch. Er hat Riesenglück gehabt, daß er bisher weder Geschlechtskrankheiten gefangen hat, noch an eine Affaire geraten ist, die rachsüchtig genug war, die Ehefrau kurzerhand anzurufen und darüber aufzuklären, daß so ziemlich alle seine KollegInnen und Bekannten hierzulande über seine Affairen Bescheid wissen, während sie nach wie vor an den Ritter auf dem weißen Pferd glaubt, der alle paar Wochen zu ihr fliegt und nur dafür lebt, endlich bei ihr sein und Händchen halten zu können.
Ein offenes Gespräch zur rechten Zeit wäre meines Erachtens angebrachter gewesen. Sicher hätte es Schmerz ausgelöst - aber keinen, der sich mit dem vergleichen läßt was los ist, wenn doch noch mal etwas über sein Doppelleben herauskommt.
Ich wünsche beiden, daß letzteres nie geschieht aber ich denke, mit Aussagen wie "Sex ist nicht alles" ist einem Mann von (damals) um die 50 wenig geholfen, der vielleicht noch weitere 30 Jahre vor sich hat. Stramme Katholiken mögen das anders sehen, doch sowas ist immer leichter gesagt als getan.
Man verzeihe mir daher meine Härte, wenn ich Deine Frage jetzt endlich direkt beantworte:
Sex ist nicht das Wichtigste, aber für eine dauerhafte,
wirklich glückliche Beziehung ist er unverzichtbar - es sei denn, beide können sich mit einer offenen Ehe arrangieren, falls einer von ihnen sexuell mal ausfallen sollte - sei es nun "verschuldet" oder nicht.