Partnerschaft ist eh immer mit Kompromissen verbunden, warum also nicht auch im Bett? Wenn mein Partner partout dieses oder jenes nicht wollen würde, dann würde ich darauf nicht bestehen. Sex ist ja nicht nur dies oder das, sondern sehr vielseitig. Für mich kann man sich immer irgendwie einigen.
Aber vielleicht sage ich das auch nur, weil Sex für mich zweitrangig ist. Ich kuschel eh viel lieber 😀
Das stellst du dir so einfach vor.
😀
Du kuschelst also lieber, Sex ist für dich zweitrangig. Stell dir vor, du hast eine Partnerin, die du liebst - deren Gedanken du magst, deren ganze Art du toll findest, die dich zum Lachen und zu zärtlichen Gefühlen bewegt, deren Treue, Tüchtigkeit oder was auch immer du einfach toll findest.
Und die eröffnet dir, daß sie sexuell nur dann befriedigt wird, wenn du sie "hart rannimmst", sie fesselst oder schlägst. Was für ein Kompromiß fällt dir dann ein? Wärest du fähig, zur Peitsche zu greifen, sie an den Haaren zu packen und sie so zu quälen, wie sie es sich wünscht? Sollte mich sehr wundern.
Manche Sachen sind nicht per Kompromiß im Bett zu lösen, ich wäre unfähig (hab's ein Mal probiert, mir ging's danach ziemlich übel) einer Freundin diesen Gefallen zu tun, obwohl ich den Wunsch nach Schmerzen durchaus nachvollziehen kann. Will sagen: es gibt einfach so unterschiedliche Vorlieben, daß einfach nicht alle zu teilen sind.
Was wäre noch eine Möglichkeit - den Menschen, der sonst so gut zu einem paßt, in den Wind zu schießen? Jemand hat geschrieben, das wäre dann lediglich "guter Freund", mag sein, daß manche es so empfinden. Ich kann das nicht, ich könnte meinen Mann nicht einfach verlassen, weil ich ihn liebe, und das keineswegs nur freundschaftlich. Wenn ich seine Lachfältchen sehe geht mir's Herz auf, wenn ich mit ihm rumblödle, seine trockenen Witze höre, seine Art, mich in den Arm zu nehmen oder miterlebe, wie er so viele kleine, tägliche Dinge im Alltag handhabt - ha, da kriege ich auch nach mehr als 10 Jahren noch manchmal Herzklopfen und lieb den Kerl einfach. Dann sagen: "Hey, im Bett klappt's mit uns nicht, laß uns auseinandergehen!" - so weit war ich fast mal, beiden hat's uns das Wasser in die Augen getrieben, weil die Vorstellung einer Trennung sich einfach nur schlimm anfühlt. Und dann die Frage: "Heißt das jetzt, daß alles was wir miteinander erlebt haben, nicht mehr zählt, nur weil's mit dem Sex zwischen uns nicht klappt?"
Völlig absurd, wirklich. So kann man sich vielleicht während der Kennenlernphase distanzieren, aber doch nicht nach Jahren, in denen Vertrauen gewachsen ist, man sich immer besser kennt, weiß, wo die Stärken und Empfindlichkeiten und auch Schwächen des anderen liegen, jede Nuance in den Stimmungen des Partners kennt und weiß, wo man sich blind aufeinander verlassen kann, alles Dinge, die erst im Lauf von Jahren wachsen, immer größere Nähe auch entstanden ist.
Man könnte natürlich fragen: ja aber sexuelle Neigungen und Differenzen entstehen doch nicht erst nach Jahren? Manchmal schon, aber das ist nicht mal der Punkt. Am Anfang einer Beziehung ist alles neu, aufregend, da ist auch Sex und Nähe doch fast immer einfach nur schön, da werden Unterschiede gar nicht so sehr empfunden. Wie oft höre ich, daß das Begehren nach Jahren nachgelassen hat, Partner sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln, Routinen und Macken sich einschleichen, was auch immer, und irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo kein oder nur noch seltener Sex miteinander stattfindet. Bücher werden darüber geschrieben, Foren sind voll davon mit der Frage: "Warum ist das so?"
Und immer die gleichen - in meinen Augen sinnlosen - Ratschläge, nämlich: Mach dich hübscher (meist an die Adresse der Frau), Hilf mehr im Haushalt (meist an die Adresse des Mannes), geht öfter aus, redet mehr miteinander, trennt euch. Fast nie hab ich irgendwo gehört oder gelesen, daß diese Ratschläge geholfen hätten, oft habe ich gehört/gelesen, daß dann entweder betrogen wird - oder sich getrennt wird.
Scheint akzeptabler zu sein als die Entscheidung: wenn Sex in der Beziehung, die ansonsten glücklich macht, nicht (mehr) so gut läuft, dann könnte man überlegen, ob man dem Partner nicht die Freiheit läßt, sich mit anderen zu vergnügen. Besser das Absolute, das Ideal pflegen oder in "Alles oder Nichts"-Manier die Beziehung beenden, das soll die Lösung sein? Wenn das so wäre, dann würde es stimmen, dann wäre Sex wirklich das Wichtigste.