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Ist man ohne Studium nichts wert ?

Adreju

Aktives Mitglied
Ich habe mir mal ein paar Beiträge hier durchgelesen, vor allem den Normalo-Thread weiter unten.

Bin jetzt auch fast schon 27, hatte einst Realschule und danach eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Ich bin damals auch noch auf eine weiterführende Schule gegangen, die ich jedoch aus privaten Gründen abbrechen musste. Seitdem arbeite ich als Angestellter in einem kleinen Betrieb.

Mittlerweile bin ich a) mit dem Gehalt nicht mehr zufrieden und b) setze ich mich zunehmend unter Druck, dass andere ja mehr erreicht haben, besser sind usw...

Wenn ich mir Stellenangebote ansehe, wird überwiegend ein Studium vorausgesetzt oder Erfahrung in dem jeweiligen Beruf. Das heißt für mich, auch in einer anderen Firma würde ich nciht so ohne weiteres unterkommen.
Meine Frage an Euch: ist es nicht in dem Alter schon zu spät richtig Fuß zu fassen? Sind Studierende was "Besseres"? Ich komme mir manchmal vor als hätte ich im Endeffekt total versagt.
 
Hallo Adreju,

Gegenfrage: "Ist man mit Studium nichts wert?".

Ich habe eine Einteilung vorgenommen. Da gibt es den Wert als Mensch, der sich aus allem zusammensetzt, was man ist und auch unternehmerisches Handeln beinhaltet. Auf der anderen Seite steht die Werteskala von Unternehmen und unserer "aller" Gesellschaft.

Den ersten Teil sehe ich ziemlich nüchtern. Es gibt Menschen die kennen ihre Werte und stylen sich damit, wie mit guten Klamotten. Sie gelten als Schick und tragen das Prädikat Nachahmungswürdig.
Es gibt andere, die machen sich darum keinen Schädel. Sie leben das, was sie haben und können, manchmal auch was sie sind. Meist finden sie noch irgendetwas in ihrem Potential und bringen es einfach zur Blüte 🙂 .

Und nun komm ich zurück zur Alles dominierenden und verwertenden Wirtschaft. Soweit ich das geschnitten habe, heißt das Wort FACHkräftemangel. Eine Fachkraft hat mindestens 2 Jahre Berufserfahrung im jeweiligen Fach, alles andere ist für diese bestimmte Stelle schlicht unbrauchbar oder ein kleineres Übel.Ob Studium oder nicht spielt oft keine Rolle.

Gegenbeispiele gibt es natürlich auch. Lidle wäre so eines. Sie nehmen so gut wie ausschließlich Studenten aller Fachrichtungen um aus ihnen Verkaufsleiter zu pressen. Das sich darüber eine gelernte Fachkraft zum Einzelhandelskaufmann aufregt ist verständlich.

Im Moment spezialisiere ich mich auf ein Gebiet meiner "Grundausbildung" um einen Fuss in die Tür zu bekommen.

Es würde mich irre machen, ständig zu hören, das ich als Mensch den Ansprüchen unserer Gesellschaft kaum hinreichend genüge.

Sollten wir es je brauchen, dass wir für etwas zu Essen andere töten müssen, werden die "Werte" einiger rapide steigen und die andere absinken. Gibt uns also die Welt in der wir leben unseren Wert?

Jun
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Jun! Damit du mich nicht missverstehen kannst, also ich behaupte mal ich weiß sehr viel, mich interessiert viel und ich eigne mir Dinge auch selbst an.

Ich hatte jetzt bisher im Leben aber eben nicht den ultimativen Weg gefunden oder großes Glück in Sachen Beruf. Das soll auch kein neid gegenüber Studierten oder Bessergestellten sein, ich mache mir auch keine Illusionen mit 10-stelligen Gehältern usw...

Aber ich habe halt stark den Eindruck, dass man ohne Abitur oder Studium heutzutage "Standard" ist, manchmal nahezu unnütz. Vielleicht wird das von der Gesellschaft so suggeriert. Privat bin ich wie ich bin, und damit vollkommen zufrieden, nur beruflich zweifle ich allmählich an mir selbst.

Kenne da Beispiele wo Leute (auch durch Glück, aber auch durch Fleiß) auch nur Ausbildung hatten und nun schon höhere Positionen innehaben.

Aber wenn man nun keine Jahre mehr ins Land gehen lassen will ohne Geld zu verdienen, ist es bei den Stellenangeboten ja nahezu unmöglich was zu finden, was einem auch Spaß machen würde.

Und wie spezialierst du dich? Wenn ich eine Stelle finden würde in der man von der Firma aus auch gefördert und weitergebildet wird, wäre ich bestens bedient. Nur wenn man die Branche wechseln will, gilt man ja sofort wieder als "Anfänger" oder wird erst gar nicht genommen.
 
Hallo Adreju,

deine Einstellung hat etwas falsches in meinem Verstehen.

Mein Lebenslauf ist ähnlich. Realschule, Ausbildung, Arbeit, mal grob gesagt.
2 Firmenwechsel, dann leitende Stellung, dann Selbstständigkeit ....
Richtig ist, ohne Studium hat man es schwerer als andere, in seinem Beruf voranzukommen. Aber mit dem eigenen Wert hat das nichts zu tun.

Was bei mir immer ganz oben stand und gezählt hat, war Loyalität und Leistung. Ich habe meinen Beruf und das was ich gearbeitet habe und noch arbeite, geliebt. Es war meine zweite Liebschaft, sozusagen.
Diese Liebschaft vermisse ich bei dir. Man tut halt seine Arbeit und gut ists. Da kann dann auch nicht MEHR draus werden.

Es ist und war für mich immer klar, das nur Leistung gewertet wird. Mache ich meine Arbeit und nichts weiter, dann ists halt so wie es ist und Schluß. Tue ich mehr, dann habe ich meist nach ganz kurzer Zeit den Return.

Dein Post kommt irgendwie bei mir so rüber, als wolltest du sagen, ich würde gerne wollen, aber warum sollte ich mehr tun und ausserdem werde ich dafür nicht bezahlt. Meine Bezahlung war immer folgend .... d.h. die Früchte meiner Arbeit habe ich immer nachfolgend eingestrichen. manchmal erst Jahre später.

Mit 27 Jahren stand ich vor der Entscheidung, den Techniker zu machen oder in meinem Beruf und in der Firma weiter zu kommen. Ich entschied mich für den Beruf. Später habe ich 2 bis 3 mal diese Entscheidung als falsch erachtet. Geschadet hat sie mir aber nicht.
Auch wenn ich heute, rückblickend nochmal vor dieser Entscheidung stehen würde, unter den gleichen Bedingungen, und anders entscheiden würde, kann ich nicht sagen, das diese Entscheidung falsch war.
Ein Studium sehe ich als die beste Startmöglichkeit an. Aber daraus etwas zu machen, ist genauso herausfordernd, wie ohne.

Wenn du dich informierst, wirst du feststellen, das es für dich eine ganze Menge an Möglichkeiten gibt, Zusatzausbildungen vorzunehmen.
Das fängt an bei der IHK - Ausbilderberechtigung und endet ev. bei einem Betriebswirt (GA - glaub ich ?) Aber das mußt du tun, bevor du dich auf die Suche nach einer solchen Stelle machst.
 
hallo adreju,

ich glaube, du solltest etwas an deiner einstellung zu dir selbst arbeiten!

richtig ist sicherlich, dass man mit einem studium andere möglichkeiten hat, in das berufsleben einzusteigen. richtig ist sicherlich auch, dass man bei einigen positionen ohne studium gar nicht rein kommt!
allerdings kannst du auch mit entsprechender berufserfahrung und der richtigen einstellung entsprechende positionen bekleiden. manchmal wirst du dafür wahrscheinlich auch das entscheidende fünkchen glück brauchen, aber schlussendlich verkaufst du dich als persönlichkeit und deine erfahrung, nicht nur deine ausbildung!

aus eigener erfahrung und aus dem freundeskreis kann ich dir sagen, dass man auch ohne studium an berufe kommt, in denen normalerweise ein studium verlangt wird. du musst dich nur entsprechend verkaufen können und natürlich auch gewisse kenntnisse und erfahrungen darin haben!
es ist nur ganz einfach so, dass mit dem studium logischer weise ein bestimmter wissens- oder kenntnisstand verbunden wird, der für bestimmte stellen erforderlich ist. wenn du diesen kenntnisstand auch so vorweisen oder durch andere sachen ausgleichen kannst, bist du für ein unternehmen genauso interessant wie ein studierter! wohl gemerkt: das gilt natürlich nicht für alle berufe!

auf der anderen seite steht dir ja noch die möglichkeit von entsprechenden weiterbildungen in deinem berufsfeld zur verfügung, teilweise ja mit fachhochschulabschlüssen o.ä., womit du (zumindest auf dem papier) eine (vermeintlich) höherwertige ausbildung vorweisen kannst!

und wie standhafter schon sagt, ist manchmal die weiterbildung auch nicht die beste lösung! er hatte die möglichkeit, den techniker und hat es nicht getan...und bereut es nicht! ein bekannter von mir hat den techniker gemacht. 2 jahre die schulbank dafür gedrückt, und das ganze um dann genau wie vorher zu arbeiten und genau das gleiche geld zu verdienen!
also eine aussage zu einem studium kann sicher nicht pauschalisiert werden und ist absolut vom einzelfall bzw. vom betreffenden berufsbild abhängig!
 
Hallo,

da gebe ich Standthafter recht. auch ohne Studium kann mna voran kommen. und zwar mit forbildungen, weiterbildungen. klar haben es dtudierende leichter einen tollen beruf zu bekommen aber den müsssen sie erstmal bekommen. es gibt viele die studiert haben und arbeitslos sind weil der markt diese leute nicht mehr braucht,

meiner meinung sind es gerade die kleinen arbeiter die auch in der zukunft noch gebraucht werden. und das wichtigste überhaupt ist spaß an der arbeit zu haben. man muss wissen welchen beruf man ausüben will und darauf hinarbeiten. natürlich müssen die vorstellungen reallistisch sein aber wenn man will wird man bestimmt sein ziel erreichen - vielleicht nicht heute und auch nicht morgen aber irgendwann mal bestimmt . . . man muss aber dafür kämpfen
 
Hallo Standhafter! Also ich habe mich schon etwas informiert wo man z.B auf eine Fachschule für Betriebswirtschaft gehen kann. Nur kostet das 2500€ pro Halbjahr. Und du meinst es macht Sinn mit 27 nochmals die "Schulbank" zu drücken? Ich kenne jemanden der genau das gemacht hat, und jetzt nicht wesentlich besser verdient.

Und auf so einer Fachschule hat man wieder die Fächer Mathe, Physik usw. die mir absolut nicht liegen. Es geht auch nicht darum dass ich nicht über die Runden komme, sondern weil sich irgendwie aus der Gesellschaft herauskristallisiert, dass man zwingend mit Studierenden mithalten muss, ansonsten ist man "Unterschicht". ich würde schon gerne mehr machen, aber in der jetzigen Firma hat das keinen Zopf.

Aber so wie du schreibst, hat ja quasi ein Mensch ohne "Zusatzqualifikation" keine Chance mehr in einem anderen Unternehmen unterzukommen...

Darf ich dich fragen was du als Selbständiger machst? Stelle mir das nämlich auch nicht so einfach vor, obgleich ich mir da auch schon Gedanken drüber gemacht habe.
 
Andreju,

Ich glaube, du fängst von der falschen Seite an.

Du solltest zuallererst mal festlegen, wohin du dich entwickeln willst.
Was und welche Position willst du selber erreichen .
Und dann frage dich, wie du das erreichen kannst. Welches Mittel und welche Fort-/Weiterbildung du hierfür brauchst.

Nichts im Leben ist fest. Alles ist in Bewegung und morgen kann sich schon alles anders darstellen. Nur, du musst für dich ein Ziel definieren, sonst machst du heute das und morgen etwas ganz anderes.

Für mich stand die Selbstständigkeit nicht fest, sie hat sich entwickelt. Für mich stand fest, was ich tun möchte. Für mich stand fest, ich wollte eine sichere und solide technische Ausbildung und darin weiter wachsen.

Das ich heute mehr Kaufmann bin, tut dem keinen Abbruch. Ich weiss , was ich kann und es tut immer noch gut und ich muß öfters schmunzeln, wenn Leute/Kunden bemerken, das der Mensch vor ihnen, Ahnung nicht nur vom Geschäft hat, sondern der hat auch technisch etwas drauf. Notfalls kann der sogar eine Steckdose anschliesen oder Leitungsfehler und Unterbrechungen suchen ... 🙂
Und das hat dann etwas mit Kompetenz und dem Selbstwertgefühl zu tun. Aus dieser Stärke schöpfe ich meine Kraft, etwas anzupacken.

Ich habe vielleicht sehr viele Fehler in meinem bisherigen Leben gemacht, vielleicht ... aber wenn, ob das wirklich Fehler waren? Das kann mir keiner sagen, und das ist auch gut so.

Also stelle nicht die Frage, wieviel kostet das oder jenes, sondern sage:
ich will dieses Ziel erreichen, brauche ich dazu einen Kurs für 2.500,- Euro? Wenn diese Frage mit ja beantwortet wird, dann tue es.
 
Also ganz ehrlich gesagt es gibt einen Bereich wo ich mich gerne selbständig machen würde, das Problem hierbei ist halt es handelt sich nicht um Produkte wo ich ein Alleinstellungsmerkmal hätte, sondern eben auch große Handelsketten bzw. Internetshops verkaufen.

Das Thema interessiert mich sehr, aber man ahnt ja schon dass man preislich nicht mitkommt. Es wäre natürlich ein Traum ein Geschäft aufzubauen, das man auch privat mit großem Interesse verfolgt.

Leider spricht man hier halt mehr oder weniger von Massenartikeln, bzw. einige Techniken sind zwar brandneu, aber man muss sich gegen bestehende Shops (mit Namen) und eben auch die Großen Ketten behaupten.
 

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