Hallo Zusammen
Da ich hier neu bin im Forum, möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Christian, 48 Jahre und lebe in Sachsen-Anhalt in einer Partnerschaft mit einem Mann. Ich bin Angestellter in einem technischen Beruf.
Wie fange ich an? Nun, im Februar diesen Jahres wurde ein neuer Kollege eingestellt. So ganz neu ist er für mich allerdings nicht, da ich (und mein Chef) ihn schon recht gut aus einem örtlichen Verein kennen, in dem er noch Mitglied ist, ich aber nicht mehr. Soviel ich weiß hat er eine Freundin zu der er am Wochenende immer hin fährt.
Wir hatten uns auch zwei, dreimal vor seiner Einstellung getroffen zum Eis essen und Reden. Wir haben uns super verstanden. Auch weil er solch ruhige, sanfte und gutmütige Art an sich hat. Sogar Blickkontakt gab es oft.
Schon da habe ich bemerkt, dass ich ihn ziemlich attraktiv und anziehend finde. Nun, wo wir uns täglich auf Arbeit sehen, hab ich mich total in ihn verguckt. Muss ständig an ihn denken. Will am liebsten gar nicht nach Hause und bei ihm bleiben. Meine Arbeit fällt mir teilweise schwer und ich muss mich echt konzentrieren keinen Mist zu machen.
Er kommt auch oft zu mir und will reden, meißt über die Arbeit, aber auch private Dinge. Sogar nach einer gesundheitlichen Sache hat er nachgefragt. Er fragte auch mehrmals, ob wir zusammen ins Fitnessstudio und Sauna gehen wollen!
Solch Zuwendung insgesamt kenne ich bisher von keinem Mann in meinem Umfeld.
Dann war ein Osterfeuer in besagtem Verein angekündigt. Da ich, obwohl nicht mehr Mitglied, regelmäßig dort hin gehe, fragte ich ihn, ob er auch kommen würde. Seine Antwort war: " Wenn du kommst, dann komme ich auch". Ich war völlig baff. Sowas schönes hatte ich auch noch von keinem Mann gehört.
Auf der Veranstaltung schien es fast als hätte er auf mich gewartet. Er war vorab sogar extra im Supermarkt und hat für uns beide Bier und Knabberkram mitgebracht. Wieder war ich total gerührt. Die meiste Zeit des Abends saßen wir direkt nebeneinander auf einer Bank am Feuer und redeten. Über was genau weiß ich garnicht mehr genau, da ich völlig in meinem Liebesrausch war, incl. Alkohol. Als das Feuer mal zu groß und somit sehr heiß wurde, hab ich quasi reflexartig kurz meine Hand auf seine Augen gelegt um sie vor der Hitze zu schützen. Er ist nicht zurückgewichen. Auch zwei "zufällige" Berührungen unserer Hände haben ihn offensichtlich nicht gestört. Hätte ich noch mehr Alkohol im Blut gehabt, hätte ich noch meinen Kopf auf seine Schulter gelegt. Zum Glück hab ich das nicht getan. Schließlich hätten das auch andere gesehen.
Bei der Verabschiedung im Vereinsraum waren wir beide verlegen und wussten nicht so recht was wir erzählen sollen. Es war irgendwie eine angespannte aber zumindest für mich auch eine erotisch prickelnde Situation. Weiß nicht wie ich es besser beschreiben soll.
Naja, dann hab ichs doch noch geschafft ihn zweimal kurz nacheinander zu umarmen und etwas über seinen Hals/Wange zu streicheln. Er meinte daraufhin "Alles gut" und ist dann weg und ich nach hause.
Als wir uns drei Tage später wieder auf Arbeit gesehen haben, habe ich ihm gesagt, dass das nicht öfter vorkommen wird (das Umarmen). Er meinte daraufhin: "Das hoffe ich".
Da war ich natürlich Boden zerstört. Hatte ich mir insgeheim doch eine andere Reaktion gewünscht. Er hat mir dann erklärt, dass er da nicht drauf steht und solche Handlungen auch nicht möchte und nicht braucht. Ähnlich ging es die nächsten zwei Tage noch via Whatsapp weiter: Seine ganzen Zuwendungen seien alles freundschaftlich gemeint. Er mag mich wegen meiner ruhigen, besonderen Art, nicht so standard normal, und weil ich eben auch irgendwie anders bin (nicht meine Homosexualität), eine andere Sicht auf die Welt habe usw. Das schmeichelt mir natürlich sehr.
Und das alles macht er aus Freundschaft? Das kann ich irgendwie kaum glauben. Habe noch nie in meinem Leben mit solch einem lieben und sensiblen Heteromann zu tun gehabt.
Letzten Freitag war ich mit ihm allein in seinem Arbeitszimmer. Wir haben uns noch nett unterhalten. Dann konnte ich nicht anders und musste ihn wieder umarmen zur Versbschiedung. Dabei zögerten wir beide etwas, umarmten uns aber dann doch. Beim wegnehmen meiner linken Hand bin ich dann unabsichtlich (wirklich) über seinen Po gerutscht. Das war mir sehr unangenehm weil unpassend aufgrund seiner vorherigen ablehnenden Worte. Später hab ich mich via Whatsapp bei ihm entschuldigt dafür. Daraufhin kam eine fast fünf minütige Sprachnachricht, dass er das mit meiner Hand garnicht bemerkt hatte. Allerdings war er sauer, dass ich es wieder getan hatte (ihn zu umarmen). Obwohl ich ja wusste, dass er das nicht mag. Er empfinde dabei auch nichts und ich soll meine Gefühle auch nicht zu seinem Problem machen. Wenn ich damit nicht klar komme, müsse er sich distanzieren von mir, was er aber eigentlich nicht will, da wir uns ja sonst super verstehen.
Nun sehe ich ihn jeden Tag auf Arbeit und versuche normal mit ihm zu reden, dienstlich und auch etwas privat. Es gelingt mir auch halbwegs. Aber es schmerzt immer wenn wir mal näher in der Werkstatt zusammenstehen. Ich will ihn einfach nur in den Arm nehmen und streicheln usw. ;-)
Ich merke aber auch bei ihm, dass er kämpft mit der Situation klar zu kommen. Er will mich nicht "verlieren" als Kollege/Freund.
Am liebsten würde ich noch mal ein klärendes Gespräch mit ihm führen, ihm erzählen wie es ist als schwuler Mann einem anderen Mann seine Zuneigung zu zeigen, von dem man ja nicht mal weiß ob dieser auch auf Männer steht. Aber ich denke dafür ist es noch zu früh.
Ein ziemlich langer Text für etwas was man sowieso nicht ändern kann. Glaube nicht, dass mir hier jemand helfen kann etwas an der Situation zu ändern.
Es ist eigentlich aber auch gut so, dass sich nichts weiter ergeben hat mit dem Mann. Schließlich lebe ich ja in einer Partnerschaft.
Die ganze Situation schmerzt nur so sehr. Niemand kann etwas für seine Gefühle, egal ob verheiratet oder single.
Grüße
Christian