Ein guter Beitrag, danke. Du bringst eine Lösung in die Diskussion ein, die für immer mehr Menschen in Frage kommt: für einsame Menschen, für alte Menschen, für körperlich kranke Menschen, für seelisch kranke Menschen (Depressive), für Menschen die im Leben keine Möglichkeit auf Glück sehen (z.B. arme Menschen, Langzeitarbeitslose, einsame Menschen).
Es fällt bald schon leichter zu beschreiben, für welche Menschen der Tod KEINE Lösung ist, als umgekehrt.
Das Problem, lieber Rascas, liegt nicht darin, dass es Menschen verboten werden soll, den Freitod zu wählen. Das Problem liegt in der Grenzverschiebung von Selbstmord zu Mord.
Stufe 1: Alten, sehr kranken Menschen, wird Selbstmord als Lösung so einfach wie möglich gemacht. Meine Kritik: Nicht das Lindern von Schmerzen steht im Vordergrund, sondern der Tod.
Stufe 2: es wird eine Definition gesucht, die allgemeiner Art ist: Da bietet sich an: Verlust von Lebensfreude ohne Chance auf Wiedergewinn der Lebensfreude. Wenn alte und schwerkranke Menschen das Recht auf Selbstmord haben, weil sie nur leiden, weil sie keine Chance mehr haben, glücklich und schmerzfrei zu leben, warum dann nicht auch die Menschen, auf die die Definition „Verlust von Lebensfreude ohne Chance auf Wiedergewinn der Lebensfreude“ ebenso zutrifft? Leiden diese Menschen nicht ebenso, nur auf andere Art und Weise? Sollen diese Menschen benachteiligt werden? Mal ehrlich, z.B. Langzeitarbeitslose werden depressiv, das ist doch verständlich. Soll man diese armen Menschen leiden lassen? Das ist doch grausam. Und die armen Menschen, die vor Sorgen kaum schlafen können?
Stufe 3:
Mir fällt auf, dass all‘ diese Menschen, die Schwerkranken, die vielen alten Menschen (und es werden immer mehr), die Depressiven (es werden immer mehr), die Langzeitarbeitslosen…. All diese Menschen kosten eine Unmenge Geld. Und der Weg zur Selbsterkenntnis, dass das Sterben eine Erlösung ist, ist lang.
Stufe 4: Und diesen langen Weg könnte man doch abkürzen. Das hätte zwei Vorteile: a) die Menschen brauchen den langen Leidensweg zur Selbsterkenntnis (= ich möchte lieber tot sein) nicht mehr gehen und so lange leiden b) man spart Geld und andere Ressourcen.
…Könnte man abkürzen? Nein, dazu besteht ja geradezu eine menschliche Verpflichtung!
Stufe 5: Eine radikale, aber problemlösende Methode ist derzeit politisch nicht durchsetzbar. Aber warten wir mal ab, bis sich eine Katastrophe einstellt. Dann wird es auch politisch möglich sein, eine radikale Lösung ins rechte politische Licht zu rücken, also dem organisierten Freitod auf breiter Ebene nachzuhelfen.
Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht alle menschlichen Probleme einfach lösen könnten. Über das Entsorgen vieler (freiwilliger?) Tote auf umweltfreundlicher Basis wird auch schon nachgedacht.
Das ist die Ethik der Zukunft. Durch Beiträge wie Deiner, Rascas, ebnest Du den Weg. Derzeit siehst Du vermutlich nicht, dass man in die Definition der leidenden Menschen auch die einbeziehen muß, die nicht körperlich schwerkrank, aber ebenso leidend sind.
Und weil ich diese Konsequenz, dieser Ethik der Zukunft, nicht den Weg bereiten will, weil ich an die Richtigkeit fester Wertmaßstäbe glaube, wie z.B. das biblische Gebot „Du sollst nicht töten“, deshalb bin ich für Lösungen, die das Töten nicht beinhalten oder hintenherum anstreben. Der TOD ist keine Lösung gegen z.B. Einsamkeit.
LG, Nordrheiner