Ein guter Beitrag, danke. Du bringst eine Lösung in die Diskussion ein, die für immer mehr Menschen in Frage kommt: für einsame Menschen (NEIN), für alte Menschen (ja wenn Pflegestufe 3 und am dahinvegetieren), für körperlich kranke Menschen (ja wenn der Tod in kurzer Zeit unausweichlich ist), für seelisch kranke Menschen (Depressive) (NEIN), für Menschen die im Leben keine Möglichkeit auf Glück sehen (z.B. arme Menschen, Langzeitarbeitslose, einsame Menschen). (auf keinen Fall)
Es fällt bald schon leichter zu beschreiben, für welche Menschen der Tod KEINE Lösung ist, als umgekehrt.
Nein du zählst falsche Gruppen auf, die meine ich damit nicht. Ich meine todkranke Menschen und auch alte Menschen die wie Hühner in Käfighaltung vor sich hinsiechen und auf ihren Tod warten. Und dabei natürlich krank sind. Ich meine weder depressive oder einsame oder Menschen die keine Möglichkeit auf Glück haben. Ich meine Menschen , die so krank sind das sie in 3 Wochen sterben werden, oder 6 Wochen. Die bei denen ein schmerzvoller Tod unausweichlich ist. (Beispiel Magenkrebs, oder Bauchspeicheldrüsenkrebs....hast du solche Menschen gesehen?).
Das Problem, lieber Rascas, liegt nicht darin, dass es Menschen verboten werden soll, den Freitod zu wählen. Das Problem liegt in der Grenzverschiebung von Selbstmord zu Mord.
Nein, das Problem liegt darin, das eine grosse Gruppe Menschen nicht mehr in der Lage ist den Freitod zu wählen, weil sie das nicht mehr können. Dafür bereits zu hilflos sind. Um diese Gruppe geht es. Es kann doch nicht sein, das sich Menschen vorsorglich umbringen müssen um den Moment nicht zu verpassen in dem sie nicht mehr in der Lage sind einen Selbstmord durchzuführen? Oder da Beispiel einer Frau in D, die Krebs hatte und sterben wollte, die musste hungern. Verhungern. Bewusst ausgewähltes Todeshungern, da sie keinen Zugführer traumatisieren wollte.
Stufe 1: Alten, sehr kranken Menschen, wird Selbstmord als Lösung so einfach wie möglich gemacht. Meine Kritik: Nicht das Lindern von Schmerzen steht im Vordergrund, sondern der Tod.
Steht denn das Lindern von Schmerz und seelischer Qual bei todkranken Menschen heute im Vordergrund? Nein tut es nicht . Selbst in Hospizen ist das Personal heute schon überlastet.
Stufe 2: es wird eine Definition gesucht, die allgemeiner Art ist: Da bietet sich an: Verlust von Lebensfreude ohne Chance auf Wiedergewinn der Lebensfreude. Wenn alte und schwerkranke Menschen das Recht auf Selbstmord haben, weil sie nur leiden, weil sie keine Chance mehr haben, glücklich und schmerzfrei zu leben, warum dann nicht auch die Menschen, auf die die Definition „Verlust von Lebensfreude ohne Chance auf Wiedergewinn der Lebensfreude“ ebenso zutrifft? Leiden diese Menschen nicht ebenso, nur auf andere Art und Weise? Sollen diese Menschen benachteiligt werden? Mal ehrlich, z.B. Langzeitarbeitslose werden depressiv, das ist doch verständlich. Soll man diese armen Menschen leiden lassen? Das ist doch grausam. Und die armen Menschen, die vor Sorgen kaum schlafen können?
Diese armen Menschen könnten ihr Leben selbst beenden. Warum sollen schwer kranke Menschen etwas nicht bekommen nur weil andere es auch haben wollen?
Stufe 3:
Mir fällt auf, dass all‘ diese Menschen, die Schwerkranken, die vielen alten Menschen (und es werden immer mehr), die Depressiven (es werden immer mehr), die Langzeitarbeitslosen…. All diese Menschen kosten eine Unmenge Geld. Und der Weg zur Selbsterkenntnis, dass das Sterben eine Erlösung ist, ist lang.
Ja aber sie bringen auch eine unsumme an Geld. Es ist eine ganze Industrie die an denen verdient. Denen kann man doch nicht ihre Kohle wegnehmen.
Stufe 4: Und diesen langen Weg könnte man doch abkürzen. Das hätte zwei Vorteile: a) die Menschen brauchen den langen Leidensweg zur Selbsterkenntnis (= ich möchte lieber tot sein) nicht mehr gehen und so lange leiden b) man spart Geld und andere Ressourcen.
…Könnte man abkürzen? Nein, dazu besteht ja geradezu eine menschliche Verpflichtung!
Es geht hier um Selbstbestimmung. Die verweigerst du Menschen die sich nicht mehr selbst helfen können.
Stufe 5: Eine radikale, aber problemlösende Methode ist derzeit politisch nicht durchsetzbar. Aber warten wir mal ab, bis sich eine Katastrophe einstellt. Dann wird es auch politisch möglich sein, eine radikale Lösung ins rechte politische Licht zu rücken, also dem organisierten Freitod auf breiter Ebene nachzuhelfen.
Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht alle menschlichen Probleme einfach lösen könnten. Über das Entsorgen vieler (freiwilliger?) Tote auf umweltfreundlicher Basis wird auch schon nachgedacht.
Na dann sollte man dafür sorgen, das sich niemand umbringen will weil er nicht alleine ist, keine Schmerzen hat, niemand ausgeschlossen wird . Das wäre doch mal ein Weg, aber S****, zu teuer..
Das ist die Ethik der Zukunft. Durch Beiträge wie Deiner, Rascas, ebnest Du den Weg. Derzeit siehst Du vermutlich nicht, dass man in die Definition der leidenden Menschen auch die einbeziehen muß, die nicht körperlich schwerkrank, aber ebenso leidend sind.
Nein, genau das musst du eben nicht. Die schaffen es auch selbst zu den Bahngleisen, wenn sie denn den Mut haben.
Und weil ich diese Konsequenz, dieser Ethik der Zukunft, nicht den Weg bereiten will, weil ich an die Richtigkeit fester Wertmaßstäbe glaube, wie z.B. das biblische Gebot „Du sollst nicht töten“, deshalb bin ich für Lösungen, die das Töten nicht beinhalten oder hintenherum anstreben. Der TOD ist keine Lösung gegen z.B. Einsamkeit.
LG, Nordrheiner