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Immobilienpleite -> Depressionen -> und jetzt?

Dschocki

Neues Mitglied
Hallo Leute,

mein Leben ist eine unfassbare Katastrophe.

Ich wurde vor 3 Jahren dazu überredet, in eine Ostimmobilie zu investieren und genau das ist durch einen Betrugsfall komplett vor die Wand gefahren. Heute sitze ich auf einem 6-stelligen Schuldenberg und bin dadurch an Depressionen, Burnout, Panikstörung erkrankt und seit einem Jahr krank geschrieben. Dadurch habe ich wiederum meinen Job verloren und kann meine Schulden garnicht mehr bezahlen. Durch meine Krankheit bin ich nicht in der Lage, mich um meine Baustellen weiter zu kümmern, private Insovenz oder ähnliches, ich habe garkeine Kraft mehr. Ich lebe jeden Tag auf den nächsten, habe Derealisationszustände, ich kriege teilweise nichts mehr mit und bin im Grunde jeden Tag froh, den vorherigen Tag überlebt zu haben.

Wenn ich nur wüsste, wie ich von meinen Schulden runter komme, so hätte ich wenigstens etwas Licht am Ende des Horizonts. Ich bin einsam, traurig, krank, erschöpft, geschockt, frustriert. Und das sind nur ein paar Auszüge aus meinem traurigen Leben, dass einst so wunderbar war. Bis vor 3 Jahren war ich ein hochengagierter Manager mit einem tollen Leben, heute bin ich ein gebrochener, kranker, verzweifelter Mann, so schnell kann das gehen..... ☹

Ich weiss auch garnicht, warum ich mich hier eintrage. Vielleicht hoffe ich auf ein Wunder....

Gruss.
D.
 

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D

Dr. HuH

Gast
Hallo D.,
bist Du denn in psychotherapeutischer oder psychatrischer Behandlung ?
Das wäre anzuraten.
Dann könntest Du eventuell mit deren Hilfe einen Antrag auf Betreuung stellen ?
Diese könnte z.B. diese Formalitäten bezüglich Privatinsolvenz und vieles mehr übernehmen.
Mach Dich doch mal schlau bezüglich einer Betreuung...
viel Glück !
 

Etamnanki

Mitglied
Hallo Dschoki,

habe mich erst kürzlich mit den fast schon kriminell Anmutenden "Geschäften" welche mit den sogenannten Ost - Immobilien gemacht wurden befasst.

Vorweg soll dir gesagt sein du bist nicht alleine. Wenn es sich in deinem Fall um eine "Schrott-Immobilie" vertrieben von bzw. über die Bausparkasse Badenia handelt so möchte ich dich hier über einiges Informieren:

Es regt sich großer Wiederstand gegenüber der Bausparkasse Badenia wegen dieser Ost-Immobilien. Untersuchungen haben gezeigt dass die "Bank" Ihre Befugnisse weit überschritten hat.
Es gibt bereits einen Verein welcher sich aus dem "Elend" welches diese Geschäfte über die Anleger brachte entstanden ist.

Hier ein Link zu einer Homepage:
Anja Schller (* 1976 / + 17.09.2004)

Dort ist auch der Verein vermerkt. Ich denke dort kann man dir weiterhelfen.
Wenn es eine Anlaufstelle gibt bei welcher man die Auswirkungen solch einer ich nenns einfach mal beim Namen: Wahnsinnsabzocke, kennt dann dort.

Ich wünsche dir viel Glück, hoffe ich konnte dir mit dieser Info etwas weiterhelfen. Mögest du die Kraft finden diese mehr als schwere Zeit zu überwinden.

Oder auch bei Immobetrug könntest du Hilfe finden: Ruin mit Immobilien bei Altersvorsorge

mfg
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gast

Gast
Oh je, das tut mir Leid! :(
Mit Standardsätzen wie "es gibt immer einen Ausweg" kannst Du in Deiner Gemütslage wohl nicht viel anfangen.
Was die praktischen Aspekte anbelangt, ist dem, was mein Vorredner schrieb, nicht viel hinzuzufügen, glaube ich.
Ich (w,38) habe selber einen krassen gesellschaftlichen Absturz erlebt: von glamourösen Empfängen mit VIPs (teils richtigen Promis) in eine Welt von Hartz IV und der Gesellschaft von Menschen, die diejenigen, die ganz oben stehen, oft meiden würden. In meinen 20ern war ich sehr ehrgeizig, habe im Grunde nichts anderes getan als auf der Uni zu büffeln, damit ich bloß besser und schneller war als alle anderen. Wenn mir jemand erzählt hat, dass sich eines Tages vielleicht doch noch ein Wunsch nach Kids und Familie bei mir einstellen könnte, wurde ich wütend. Mein Tunnelblick war extrem: ich war nicht mehr als meine Unidiplome und meine Karriere, die aus drei Gründen ein jähes Ende nahm:
-ich wurde krank (eine schwere Immunkrankheit)
-eine Person, auf deren Loyalität ich mich verließ, brach mir karrieremässig das Genick
-ich musste erkennen, dass Karriere bei mir zum Selbstzweck geworden war. Im Grunde hatte ich mich für all die harten Fakten, all das BWL & co nie wirklich interessiert. Vielleicht wurde ich unter anderem auch deshalb krank.
Tja, nach meinem abrupten Karriereende ging es recht schnell in die Arbeitslosigkeit und einige Zeit später in Hartz IV. Zuvor hatte ich mein Geld mit vollen Händen verprasst.
Meine Gesellschaft bestand nun nicht mehr aus gesellschaftlichen Überfliegern, sondern aus anderen Hartz IVlern, zum Beispiel in vom Arbeitsamt gesponserten Computerkursen.
Drei Jahre lang litt ich unter heftigsten Depressionen. Ich ging durch Shopping Malls und konnte mir nichts kaufen. Ich fühlte mich wie eine Versagerin und konnte nicht aufhören mich mit anderen zu vergleichen: die Person, die Ehe und Familie aus Karrieregründen immer abgelehnt hatte, hatte nun weder das eine (Karriere) noch das andere (Familie). Fast alle meine alten Schulfreunde, die sich nicht so sehr angestrengt hatten, standen nun besser da: als Sekretärin, kaufmännische Angestellte oder eben als "Nur"-Hausfrau. Alle wurden gebraucht, nur ich nicht.
Ich bekam Panik-Attacken wegen meiner finanziellen Zukunft und meiner Rente. Denn schnell (so nach 200 Bewerbungen als ich wieder gesund war) wurde mir klar, dass ich in den Arbeitsmarkt nicht mehr so einfach hineinkommen würde (Lücke im Lebenslauf, zu alt...die üblichen Argumente halt).
Entweder fehlte es mir an Erfahrung für die Jobs um die ich mich bewarb, oder ich war überqualifiziert.
Nun ja. In den Hartz IV Kursen (wie ich die Kurse vom JobCenter gerne nenne) traf ich auf Leidensgenossen.
Einige dieser Menschen hatten von ihrer Art und Arbeitseinstellung zu ihrer Misere sicherlich beigetragen, doch bei weitem nicht alle. Ich traf auch auf Menschen, die dem Klischee des persönlichkeitsgestörten Arbeitslosen so gar nicht entsprachen: auf Menschen mit Einsatzbereitschaft, Intelligenz und einem tollen Charakter. Menschen, die in ihrem Leben einfach Pech gehabt hatten. Ja, ich fand im Laufe der Zeit neue Freunde. :) Tolle Freunde.
Und ich habe erkannt, dass es wirklich schön (!) sein kann, sich abends bei "armen" Freunden auf einen DVD Abend zu treffen oder ein Picknick mit ihnen zu machen. Zwar würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mein Leben mit Geld und Prestige nicht manchmal vermisse. Doch ich habe gelernt die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Ich kann nun an einer Blumenwiese vorbei gehen und mich daran erfreuen. Früher dachte ich in solchen schönen Momenten nur an meine Projekte. Für das Hier und Jetzt war mein Kopf nie frei.
Wie gesagt: meinem veränderten Bewusstsein gingen drei Jahre lang Depressionen voraus. Es war eine hammer-schwere Zeit. Doch wie Du siehst, lieber Fragesteller, es lohnt sich an sein Leben und seine Zukunft zu glauben!
Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mich entschlossen habe, Bücher zu schreiben. Ich arbeite gerade an Buch Nummer 1. Das wäre eventuell auch für Dich eine Idee? Vielleicht nicht jetzt, doch in ein paar Jahren, wenn Du das emotionale Tal durchquert hast? Leute wie wir, denen das Schicksal Knüppel zwischen die Beine wirft, haben meist viel zu erzählen.
Wegen meiner Rente und der finanziellen Lage von morgen mache ich mir nicht mehr so viele Sorgen wie früher. Entweder komme ich eines Tages doch noch finanziell auf einen grünen Zweig und gehe als Seniorin auf Kreuzfahrten. Oder ich teile das Schicksal einer endlosen Anzahl gebildeter Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, und die es nicht schafften auf den Zug in Richtung sicherer Rente aufzuspringen. Dann gibt es eben Pizza statt Kaviar (worauf ich eh nicht stehe) und Picknicks statt Kreuzfahrten. Letzten Endes ermöglicht beides Momente des Glücks.
Wenn der Arbeitsmarkt rosig aussehen würde, müsste man sich vielleicht Sorgen machen, dass man als armer Mensch in einer Sozialwohnung nur von Menschen umgeben sein wird, die dem Image des persönlichkeitsgestörten Arbeitslosen entsprechen. Doch dem ist bei Weitem nicht so. Da gibt es alles: ehrgeizige Ex-Angestellte, Ex-Manager, Freiberufler, und und und.
Und leider wird das noch krasser, denn die von den zukünftigen Generationen werden nur noch wenige Leute eine Rente bekommen.
Deshalb kann es sehr vorteilhaft sein, wenn man versucht sich eine Qualifikation anzueignen, die man im Alter 60+ zu Brot und Geld machen kann. Ein Bekannter von mir lässt sich gerade zum Heilpraktiker ausbilden (auch als Absicherung fürs Alter), eine andere Bekannte möchte sich im Bereich Coaching selbständig machen.
Und ich möchte schreiben, schreiben und schreiben, eine Sache, der man auch als vielleicht etwas tatterige Person mit 70+ ausüben kann.
Früher waren Rentenansprüche die Ressourcen fürs Alter, heute sind es Fähigkeiten und Wissen.
Ob Dir das Folgende hilft, weiß ich nicht: ich habe mich viel mit den Lehrern von Elizabeth Kübler-Ross und anderen spirituellen Lehrern befasst. Der Entschluss, zu dem ich gekommen bin, ist dass das Leben eine spirituelle Reise ist, auf der die Seele positive Eigenschaften entwickeln soll, mit dem Ziel zu lernen Liebe zu geben und zu empfangen. Schicksalsschläge helfen einem dabei langfristig oft mehr als Geld oder Karriere.
Religiösität oder Spiritualität ist nicht für jedermann, doch manchen hilft es extrem.
So...das war nun, was ich beisteuern konnte. Aus meiner eigenen Erfahrung.
Alles Gute an Dich! :)
 
G

Gelöscht

Gast
Hallo Dschocki,

lange Rede, kurzer Sinn:

- Psychotherapie lieber heute als morgen aufsuchen, da Wartezeit
- Gleichgesinnte im Internet/Umgebung finden, um gemeinsam das Schicksal zu ertragen und sich gegenseitig zu helfen und zu stützen. Es wird dir ein gutes Gefühl geben!
- mit neuer Kraft & Mut Offenbarungseid?
- und dann auch gegebenenfalls rechtliche Schritte/Protest, sofern sich da etwas machen lässt mit den Immobilien. Ist ja fast schon gewerbsmäßiger Betrug

Heads up!
 
G

Gast

Gast
Ich lebe jeden Tag auf den nächsten, habe Derealisationszustände, ich kriege teilweise nichts mehr mit und bin im Grunde jeden Tag froh, den vorherigen Tag überlebt zu haben.
Derealisationszustände hatte ich auch von meiner Schulzeit bis zu meinem 30. Lebensjahr (so ungefähr). Wie Du siehst, nichts währt ewig. :)

Ich bin einsam, traurig, krank, erschöpft, geschockt, frustriert. Und das sind nur ein paar Auszüge aus meinem traurigen Leben, dass einst so wunderbar war.
Damals hattest Du noch 100 Prozent Deiner schweren Zeit vor Dir. Im Moment bist Du mitten drin. Das ist hart! Doch Du kommst daraus. Praktische Tipps haben Dir die anderen Beitragsteller ja bereits gegeben. Was Deine seelische Verfassung anbelangt, kann auch ein Anruf bei der Telefonseelsorge helfen. Und wenn gar nichts mehr geht: man kann sich auf eigenen Wunsch in eine psychologische (psychiatrische) Klinik einweisen lassen. Ich kenne einige Leute, die haben das gemacht, und denen wurde dort wirklich geholfen.
Manche Tunnel sind leider lang, doch wenn man hindurch geht, erreicht man immer eines Tages ein Ende!
 

Dschocki

Neues Mitglied
Ihr Lieben,

danke erstmal für Eure tollen Nachrichten. Ein Nachtrag nochmal in eigener Sache. Ich bin bereits seit einem Jahr in therapeutischer Betreuung. Ich war sogar 5 Monate in einer Klinik und 2 Monate in Reha, weil ich damals sogar Suizidgedanken haben, übel übel.
Ich habe nach all der Therapie leider nur keine Kraft mehr, das ist das Problem. Private Insolvenz ist der wohl einzig richtige Weg, da ich wohl nicht auf ein Wunder hoffen kann. Aber zur Zeit bin ich zu schwach, um das überhaupt anzugehen. Ich kann kaum noch in den Supermarkt gehen, ohne Panikanfälle zu kriegen :(

Ich habe aber auch schon einige andere Betroffene gefunden, die gleiches Schicksal erlebt haben, mit denen tausche ich mich gerade aus....

Grüsse.
D.
 
G

Gast

Gast
Ich habe nach all der Therapie leider nur keine Kraft mehr, das ist das Problem. Private Insolvenz ist der wohl einzig richtige Weg, da ich wohl nicht auf ein Wunder hoffen kann. Aber zur Zeit bin ich zu schwach, um das überhaupt anzugehen. Ich kann kaum noch in den Supermarkt gehen, ohne Panikanfälle zu kriegen :(
Eine helfende Hand oder ein Wunder kommt leider oft erst dann, wenn man sich selber so einigermaßen wieder auf die richtige Spur gebracht hat. Krisen sind offensichtlich dazu da um sie zu durchleiden und daran zu wachsen, auch wenn das verdammt hart ist. Bitte begehe niemals Suizid, das ist das Schlimmste von allem, was passieren kann. Eine Privatinsolvenz dauert lange (sieben Jahre), doch die Folgen eines "erfolgreichen" oder fehlgeschlagenen Suizids dauern viel länger - zumindest bis zum Ende Deines Lebens (Gehirnschädigungen, Augenverletzungen, Querschnittslähmung und und und). Du hast Dich und Deine Ressourcen, nämlich Deine Gesundheit (wenn auch wohl nicht perfekt im Moment) und Deine Intelligenz. Irgendwann in der Zukunft wirst Du vielleicht wieder die Kraft haben diese Ressourcen so zu nützen, dass es Dich glücklich macht. Auch wenn Du es Dir momentan schwer vorstellen kannst.
Zum Thema Privatinsolvenz: ich kann Dir nachfühlen, dass das eine riesige Blockade ist. Gerade wenn man keine Kraft mehr hat. Nimmst Du Tabletten gegen Depressionen? Manchmal geht es ohne nur sehr schwer. Falls Du noch keine nimmst oder Du Dich trotz Tabletten so kraftlos fühlst, würde ich mal zu einem Arzt gehen und mir (neue) Tabletten verschreiben lassen. Es ist nicht leicht das das perfekte Match zwischen einem Antidepressivum und einem Menschen zu finden (es gibt bei diesen Mitteln mittlerweile so viele). Doch wenn man nach einer gewissen Zeit der Herumprobiererei (unter ärztlicher Aufsicht) erst einmal das Richtige gefunden hat, geht es einem deutlich besser.
Mittel, die sofort wirken, sind Benzodiazepine, während "richtige" Antidepressiva meist erst nach etwas längerer Zeit (zwei Wochen?) wirken. Doch wegen der hohen Suchtgefahr sind Benzodiazepine besser zu vermeiden.
Liebe Grüße!
 

Dschocki

Neues Mitglied
Danke für diesen tollen Beitrag. Ich muss den wohl noch 29 mal lesen, da soviel wertvoller Inhalt in diesem Text steht, großartig, Du bist echt wunderbar.

Oh je, das tut mir Leid! :(
Mit Standardsätzen wie "es gibt immer einen Ausweg" kannst Du in Deiner Gemütslage wohl nicht viel anfangen.
Was die praktischen Aspekte anbelangt, ist dem, was mein Vorredner schrieb, nicht viel hinzuzufügen, glaube ich.
Ich (w,38) habe selber einen krassen gesellschaftlichen Absturz erlebt: von glamourösen Empfängen mit VIPs (teils richtigen Promis) in eine Welt von Hartz IV und der Gesellschaft von Menschen, die diejenigen, die ganz oben stehen, oft meiden würden. In meinen 20ern war ich sehr ehrgeizig, habe im Grunde nichts anderes getan als auf der Uni zu büffeln, damit ich bloß besser und schneller war als alle anderen. Wenn mir jemand erzählt hat, dass sich eines Tages vielleicht doch noch ein Wunsch nach Kids und Familie bei mir einstellen könnte, wurde ich wütend. Mein Tunnelblick war extrem: ich war nicht mehr als meine Unidiplome und meine Karriere, die aus drei Gründen ein jähes Ende nahm:
-ich wurde krank (eine schwere Immunkrankheit)
-eine Person, auf deren Loyalität ich mich verließ, brach mir karrieremässig das Genick
-ich musste erkennen, dass Karriere bei mir zum Selbstzweck geworden war. Im Grunde hatte ich mich für all die harten Fakten, all das BWL & co nie wirklich interessiert. Vielleicht wurde ich unter anderem auch deshalb krank.
Tja, nach meinem abrupten Karriereende ging es recht schnell in die Arbeitslosigkeit und einige Zeit später in Hartz IV. Zuvor hatte ich mein Geld mit vollen Händen verprasst.
Meine Gesellschaft bestand nun nicht mehr aus gesellschaftlichen Überfliegern, sondern aus anderen Hartz IVlern, zum Beispiel in vom Arbeitsamt gesponserten Computerkursen.
Drei Jahre lang litt ich unter heftigsten Depressionen. Ich ging durch Shopping Malls und konnte mir nichts kaufen. Ich fühlte mich wie eine Versagerin und konnte nicht aufhören mich mit anderen zu vergleichen: die Person, die Ehe und Familie aus Karrieregründen immer abgelehnt hatte, hatte nun weder das eine (Karriere) noch das andere (Familie). Fast alle meine alten Schulfreunde, die sich nicht so sehr angestrengt hatten, standen nun besser da: als Sekretärin, kaufmännische Angestellte oder eben als "Nur"-Hausfrau. Alle wurden gebraucht, nur ich nicht.
Ich bekam Panik-Attacken wegen meiner finanziellen Zukunft und meiner Rente. Denn schnell (so nach 200 Bewerbungen als ich wieder gesund war) wurde mir klar, dass ich in den Arbeitsmarkt nicht mehr so einfach hineinkommen würde (Lücke im Lebenslauf, zu alt...die üblichen Argumente halt).
Entweder fehlte es mir an Erfahrung für die Jobs um die ich mich bewarb, oder ich war überqualifiziert.
Nun ja. In den Hartz IV Kursen (wie ich die Kurse vom JobCenter gerne nenne) traf ich auf Leidensgenossen.
Einige dieser Menschen hatten von ihrer Art und Arbeitseinstellung zu ihrer Misere sicherlich beigetragen, doch bei weitem nicht alle. Ich traf auch auf Menschen, die dem Klischee des persönlichkeitsgestörten Arbeitslosen so gar nicht entsprachen: auf Menschen mit Einsatzbereitschaft, Intelligenz und einem tollen Charakter. Menschen, die in ihrem Leben einfach Pech gehabt hatten. Ja, ich fand im Laufe der Zeit neue Freunde. :) Tolle Freunde.
Und ich habe erkannt, dass es wirklich schön (!) sein kann, sich abends bei "armen" Freunden auf einen DVD Abend zu treffen oder ein Picknick mit ihnen zu machen. Zwar würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mein Leben mit Geld und Prestige nicht manchmal vermisse. Doch ich habe gelernt die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Ich kann nun an einer Blumenwiese vorbei gehen und mich daran erfreuen. Früher dachte ich in solchen schönen Momenten nur an meine Projekte. Für das Hier und Jetzt war mein Kopf nie frei.
Wie gesagt: meinem veränderten Bewusstsein gingen drei Jahre lang Depressionen voraus. Es war eine hammer-schwere Zeit. Doch wie Du siehst, lieber Fragesteller, es lohnt sich an sein Leben und seine Zukunft zu glauben!
Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mich entschlossen habe, Bücher zu schreiben. Ich arbeite gerade an Buch Nummer 1. Das wäre eventuell auch für Dich eine Idee? Vielleicht nicht jetzt, doch in ein paar Jahren, wenn Du das emotionale Tal durchquert hast? Leute wie wir, denen das Schicksal Knüppel zwischen die Beine wirft, haben meist viel zu erzählen.
Wegen meiner Rente und der finanziellen Lage von morgen mache ich mir nicht mehr so viele Sorgen wie früher. Entweder komme ich eines Tages doch noch finanziell auf einen grünen Zweig und gehe als Seniorin auf Kreuzfahrten. Oder ich teile das Schicksal einer endlosen Anzahl gebildeter Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, und die es nicht schafften auf den Zug in Richtung sicherer Rente aufzuspringen. Dann gibt es eben Pizza statt Kaviar (worauf ich eh nicht stehe) und Picknicks statt Kreuzfahrten. Letzten Endes ermöglicht beides Momente des Glücks.
Wenn der Arbeitsmarkt rosig aussehen würde, müsste man sich vielleicht Sorgen machen, dass man als armer Mensch in einer Sozialwohnung nur von Menschen umgeben sein wird, die dem Image des persönlichkeitsgestörten Arbeitslosen entsprechen. Doch dem ist bei Weitem nicht so. Da gibt es alles: ehrgeizige Ex-Angestellte, Ex-Manager, Freiberufler, und und und.
Und leider wird das noch krasser, denn die von den zukünftigen Generationen werden nur noch wenige Leute eine Rente bekommen.
Deshalb kann es sehr vorteilhaft sein, wenn man versucht sich eine Qualifikation anzueignen, die man im Alter 60+ zu Brot und Geld machen kann. Ein Bekannter von mir lässt sich gerade zum Heilpraktiker ausbilden (auch als Absicherung fürs Alter), eine andere Bekannte möchte sich im Bereich Coaching selbständig machen.
Und ich möchte schreiben, schreiben und schreiben, eine Sache, der man auch als vielleicht etwas tatterige Person mit 70+ ausüben kann.
Früher waren Rentenansprüche die Ressourcen fürs Alter, heute sind es Fähigkeiten und Wissen.
Ob Dir das Folgende hilft, weiß ich nicht: ich habe mich viel mit den Lehrern von Elizabeth Kübler-Ross und anderen spirituellen Lehrern befasst. Der Entschluss, zu dem ich gekommen bin, ist dass das Leben eine spirituelle Reise ist, auf der die Seele positive Eigenschaften entwickeln soll, mit dem Ziel zu lernen Liebe zu geben und zu empfangen. Schicksalsschläge helfen einem dabei langfristig oft mehr als Geld oder Karriere.
Religiösität oder Spiritualität ist nicht für jedermann, doch manchen hilft es extrem.
So...das war nun, was ich beisteuern konnte. Aus meiner eigenen Erfahrung.
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