Liebe Bonny,
jetzt seh ich etwas klarer. Danke.
Warum auch immer Deine Töchter keinen Mann haben, wer auch immer Schuld an der Situation ist, spielt zunächst keine Rolle. Richtig ist, dass Deine Töchter eine Selbstverantwortung haben und ihre Suppe, die Summe ihrer guten und schlechten Entscheidungen, auslöffeln müssen.
Es stellt sich die Frage, warum Deine Töchter nicht eine eigene Wohnung bewohnen? Es gibt viele ledige Mütter, die alle eine eigene Wohnung bewohnen (mit Hilfe Jobcenter/Sozialamt/Wohnungsamt). Was machen diese Mütter besser oder anders, als Deine Töchter?
Ich habe den Eindruck, dass Deine Töchter es bequemer finden, bei Euch zu wohnen, als sich selbst die Mühe zu machen, sich um eine eigene Wohnung zu kümmern. Könnte es sein, dass Du ihre Bequemlichkeit auf Grund Deiner Hilfsbereitschaft unterstützt?
Deinen Mann kann ich insofern verstehen, weil ich auch nicht gezwungen werden möchte, mit erwachsenen Kindern zusammenzuleben, die sozial anspruchsvoll und wenig hilfsbereit sind.
Es kann sein, dass Deine Grundeinstellung lautet: Der Wille meiner Töchter hat Vorrang vor dem Willen meines Mannes. Diese Einstellung finde ich beziehungsfeindlich - wäre aber zu akzeptieren, wenn Du so denkst. Nur dann ist auch das Unwohlgefühl Deines Mannes zu akzeptieren.
Ich kann verstehen, dass Du gerne mit Deinem Mann und mit Deinen Töchtern zusammen harmonisch leben möchtest. Dazu die Enkel... einfach herrlich. Es ist aber nur herrlich, wenn es zur Harmonie führt. Sonst wird es zur Qual.
Viele Köche verderben den Brei. Von daher können nicht alle Beteiligte unterschiedliche Vorstellungen von Harmonie verwirklichen. Der eine liebt es laut, der andere leise. Der eine kann mit etwas Chaos gut leben, der andere wird dabei verrückt. etc.
Deine Töchter haben möglicherweise wenig Verständnis für die Bedürfnisse Deines Mannes und ggf. auch wenig Verständnis Deiner Wünsche und Bedürfnisse. Das verstehe ich, denn sie sind mit Deinem Mann nicht verheiratet. Aber dann sind Deine Töchter im falschen Haus!
Es steht Dir frei zu sagen: "Mir ist es egal, ob meine Töchter mit den Kindern harmonisch ins Haus passen oder nicht, ich werde immer ihre Wünsche zu erfüllen suchen, auch wenn das auf Kosten meiner Ehe geht."
Dann aber sage ich Dir: Du nimmst Deine Verantwortung gegenüber Deinem Mann nicht wahr. Du verhältst Dich ihm gegenüber illoyal.
Ich habe Verständnis dafür, dass Du es allen Recht machen willst. Aber das ist realistisch gesehen nicht möglich.
Wenn Du nur einen Euro hast, kannst Du ihn nicht zweimal verschenken. Versprichst Du zwei Personen diesen Euro, dann wirst Du zwangsläufig eine Person belügen.
Auch wenn Du nicht gerade entscheidungsstark bist, wirst Du nicht darum herumkommen, entweder dem einen oder anderen klar zu sagen: Bitte geh!
Wäre ich an Deiner Stelle, würde ich das den Töchtern sagen, denn
a) sie sind erwachsen und können sich helfen, wie es andere alleinstehende Mütter auch tun
b) Du bist aus der Pflicht der Mutter heraus (Dir steht es jedoch frei, Dir selbst die Pflicht neu aufzuerlegen)
c) du bist gegenüber Deinem Mann ein Versprechen eingegangen. Was man verspricht, sollte man auch halten, in guten wie in schlechten Tagen.
Noch eine Überlegung:
Sagst Du "bitte geh" zu Deinem Mann und Deine Töchter lernen im nächsten Jahr einen anderen Mann kennen und ziehen aus, dann wirst Du alleine zuhause sitzen. Oder glaubst Du, dass Deine Töchter Dir zuliebe auf eine neue Beziehung verzichten werden?
Wenn wirklich alle Beteiligte harmonisch zusammenleben wollen, braucht es Voraussetzungen, die zu erfüllen sind:
1) Jeder muß sagen: Ich will diese Großfamilie.
2)Einer muß die Grundregeln bestimmen, die anderen müssen den Willen haben, diese Grundregeln zu akzeptieren. Dem steht es nicht entgegen, dass im großen Familienrat über Regeln diskutiert und abgestimmt wird. Kommt es zu keiner Einigung, bleibt nur noch zu dieser oder jener Person zu sagen: "Wenn Du mit der Regel X nicht einverstanden bist, dann bitte geh."
LG; Nordrheiner