hallo,
ich habe mir ganz bewußt nicht die antworten der anderen durchgelesen, ich möchte dir so objektiv und unvoreingenommen wie möglich antworten können.
ich kenne dein problem zu gut, mir ist früher auch öfter die Sicherung durchgenknallt und mein heute 8 jähriger Sohn bekam es ab.
das Gefühl, was man hinterher hat, ist einfach nur schrecklich, ich hab hinter immer heulend in der ecke gesessen, mich selbst bemitleidet, was ich für eine groten schlechte Mutter bin, etc.
heute schlage ich meine Kinder nicht mehr, heute werde ich nur noch laut und selbst daran arbeite ich massiv weiter, das das weniger wird und ich das auch noch in den griff bekomme.
in meinem fall weiß ich heute, warum ich damals so eine tickende Zeitbombe war, heute kenne ich die Ursachen dafür.
bei mir war es der Anspruch, das alles perfekt sein mußte, das ich selbst gewalterfahrungen gemacht habe und in ständiger angst lebte.
du schreibt, du willst deinen Sohn nicht schlagen, es "passiert" einfach und es geht jedes mal was in deinem kind kaputt.
das stimmt, mit jedem schlag geht sehr viel in deinem Sohn kaputt und er wird das, was er jetzt lernt, jetzt und später 1🤐 so weiter geben, wenn ihr gemeinsam nicht die kurve kriegt.
gemeinsam, das sind du, dein Sohn und dein mann zusammen.
wenn du nur alleine an dem problem arbeitest, wird das wieder andere Baustellen aufreißen und du fängst an, dich im kreis zu drehen.
ich stelle dir jetzt ganz bewußt eine nicht gerade faire frage, aber versuche mal, sie dir selbst zu beantworten ( ich habe mich das selbst immer wieder fragen müssen und tue das bis heute ).
stell dir vor, du wäret 8 Jahre alt, spielst mit einem alten handy, was irre interessant ist und jemand sagt dir, du sollst es weg legen.
nun willst du es aber richtig machen, bist aber eben noch nicht ganz so schnell und aus heiterem Himmel bekommst du eine geknallt.
was denkst du, was fühlst du?
du bist 8 Jahre alt und hast gegen deinen gegenüber keine chance, schlimmer noch, du liebst diese person und verstehst es nicht.
versuche, dich in deinen Sohn hinein zu versetzen, das ist der erste schritt, damit das aufhört.
ich weiß, diese frage ist so unfair und gemein, du bist kein Monster, ganz im Gegenteil, du bist eine Mutter, die ihr kind liebt und nicht weiter weißt.
vll hab ich ein paar tips für dich.
schreib jeden Abend auf, was den tag schön war, was hat dein Sohn tolles gemacht, was war blöd, wie hat er sich benommen, war es o.k., grenzwertig, ungewöhnlich lieb etc.
dann schreibe auf, was du tolles gemacht hast und was von dir doof war.
reflektiere euren tag, lies es dir durch, hefte es ab und denk kurz darüber nach, was am nächsten tag besser laufen könnte.
ganz wichtig ist, die Gefühle dazu zu schreiben und am besten per hand schreiben, denn dann überlegt man mehr und empfindet auch mehr dabei.
so kannst du dich recht gut in jede einzelne situation rein versetzen und auch die Gefühle deines Sohnes nachempfinden.
rede mit deinem Sohn.
er ist 8 Jahre alt, er ist kein Kleinkind mehr.
rede mit ihm, warum du ihn schlägst, sage ihm, das du das nicht willst, das es dir weh tut und wie hilflos du dich in gerade diesen Momenten fühlst.
frage ihn,nach seinen Gefühlen, nach seiner Sicht auf die dinge, höre ihm zu und laß ihn bitte um Gottes willen ausreden, EGAL wie langatmig es werden könnte.
rechne nicht mit einer Absolution von ihm, denn die kann er dir gar nicht geben, das kann nur die zeit, wenn überhaupt, wenn es besser wird bei euch.
ganz wichtig, redet miteinander.
dein mann.
er wird wohl oft genug zugegen sein, wenn dir die Sicherung durch geht, nehme ich mal an.
bitte ihn, wenn er merkt, das du hoch gehst, das er "übernimmt", bitte ihn in der situation direkt, gehe raus, rauche eine, schrei einfach mal, renne los, schlag in ein Kissen etc.
dein mann muß versuchen, dir den rücken frei zu halten.
vereinbare mit deinem Sohn, das STOP auf beiden Seiten STOP heißt und er wie auch du stehen bleiben müßt.
das heißt, wenn du STOP rufst, bleibt er stehen und dreht sich zu dir, wenn er STOP ruft, gehst du erstmal 3 schritte zurück und denkst nach, was gerade schief geht.
das ist mit die schwerste Übung, denn wenn man in rage ist, will man von seinem kind kein STOP hören.
dein Sohn kann es mit einem "STOP MAMI, ich hab dich lieb" evtl bestärken, das du wieder klar siehst.
wenn du merkst, das du kurz vor dem durchknallen bist, bitte deinen Sohn, dich kurz allein zu lassen, damit es nicht zum äußersten kommt.
du sollst, das dein Sohn dich respektiert, dann mußt du ihm beibringen, was Respekt vor anderen ist und dann, aber wirklich erst dann, wird er auf das hören, was du ihm sagst und das tun, was du von ihm möchtest.
er hat derzeit doch gar keinen Grund, auf dich zu hören oder deine Anweisungen zu befolgen, denn bisher hat er nur eines gelernt: " Mami ist stärker als ich, Mami kann mir weh tun, Mami kann mich mit einer ohrfeige degradieren, Fazit: Mami ist gegen mich".
wenn du sowas empfindest, dann tust du auch nicht mehr das, was andere von dir wollen, sondern machst dein eigenes ding, oder?
mädchen, ich weiß, das sich das hier gerade total mies liest, so ist das aber echt nicht gemeint.
versteh mich bitte wirklich nicht falsch, ich möchte euch beiden so gerne helfen.
zum abschluß möchte ich nochmal auf dich eingehen, bisher habe ich ja versucht, es aus der Sichtweise deines Sohnes zu sehen.
du schreibst, du fühlst dich macht - und hilflos.
daraus schließe ich jetzt mal - bitte nur darauf antworten, wenn du es auch wirklich willst - das du selbst Gewalt erfahren hast, als kind, als jugendliche, als junge Frau, wann auch immer, egal, in welcher form.
du scheinst selbst irgendein Trauma erlebt zu haben, das kann körperliche und/oder seelische Gewalt gewesen sein.
in dir scheint sehr viel Trauer zu sein, sehr viel das Gefühl, ohnmächtig in bestimmten Situationen zu sein, nix tun zu können, weil es ja doch passiert, egal was.
dein "inneres kind" ist ohnmächtig, hilflos, trauert und weint.
du gibst das mit den schlagen an deinen Sohn weiter.
dein Sohn ist sozusagen dein Stellvertreter.
diesen Kreislauf kannst nur du allein durchbrechen.
weißt du, was dir passiert ist, als kind, als jugendliche, als junge Frau?
versuche, dich zu erinnern und schreibe es auf.
rede mit deinem mann, einer Freundin, einem freund, jemandem, dem du völlig vertrauen kannst darüber.
werde nicht müde, deine eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, wenn es bei dir "Täter" gibt - egal in welcher form - stelle diese zur rede, notfalls mit Rückendeckung.
wenn du deine Vergangenheit auf die reihe bekommst, dann habt ihr eine reelle chance, eure situation in den griff zu bekommen.
als abschluß:
bei uns ist es mittlerweile so, das ich das ganz einfach mache.
ich werde oft laut, leider, ja, aber ich habe es geschafft, aus der situation raus zu gehen, ohne das Feld räumen zu müssen.
wenn meine Kinder mal wieder machen, was sie wollen und selbst laut werden nix hilft, schicke ich beide in ihre Zimmer, ich sage ihnen, wie ich mich gerade fühle, wie ich ihr verhalten finde und ja, da fallen auch ausdrücke, wie "arschig", "unterirdisch",oder "asozial".
ABER, ich sage ihnen auch im selben Atemzug, das ich sie liebe, auch, wenn ich gerade richtig sauer und mehr wie nur geladen bin.
manchmal sage ich meinem 8 jährigen Sohn auch, das ich ihn am liebsten eine knallen würde und es besser ist, wenn er mir erstmal aus den Augen geht, damit gerade das nicht passiert.
dann geht er meist für ne halbe std in sein Zimmer und hinterher reden wir über die ganze situation, was wirklich passiert ist, wie es soweit kommen konnte und nicht selten entschuldige ich mich bei meinem kind, für meine Reaktion.
und wenn wir das bis hier her schaffen konnten, dann schaffst du das zusammen mit deiner Familie auch.
wichtig ist wirklich, das ihr redet, objektiv und einfühlsam, versucht, euch in den anderen hinein zu versetzen.
ich habe meinen Sohn auch schon gefragt, wie er sich an meiner stelle fühlen würde und nach kurzem überlegen kam auch von ihm, das er sowas doof finden würde und "dem anderen" eine runter hauen würde.
wenn ich ihn dann aber frage, ob er das problem so löst, kommt fast immer " nein, mama, dann habe ich jemanden weh getan und das problem ist immer noch da und ich fühl mich schlecht."
also, reflektion an allen fronten, Gespräche mit allen beteiligten, ein Zeichen, ein wort, ein signal, was jedem unmissverständlich signalisiert, das es reicht und jeder erstmal seines Weges gehen sollte, um nachzudenken, klare regeln bindend für alle.
nur weil wir Eltern sind, sind wir nicht unfehlbar, nur weil wir Eltern sind, sind wir nicht allwissend, oft genug können unsere Kinder uns noch was beibringen und sei es nur, eine gute streitkultur.
das haben mir meine Kinder zum Beispiel beigebracht.
ich wünsche euch wirklich alles alles gute, ganz viel kraft und Ausdauer.
und bitte bitte bitte überlege beim nächsten mal 3 x mal, ob es nicht reicht, wenn du deinen Sohn nur anschreist, oder ob es wirklich eine ohrfeige oder sogar mehr sein muß.
so was zerstört kinderseelen.
noch ist es für euch nicht zu spät, noch kannst du was tun, aber tu es bitte bitte jetzt, deinem sohn und dir zu liebe.