Hallo, Mama,
ich habe 5 Kinder, von denen fast alle inzwischen erwachsen sind. Mit jedem weiteren Kind lernte ich, besser mit so einem kleinen Wesen umzugehen. Allerdings will ich Dir jetzt nicht empfehlen, noch 4 Kinder zur Welt zu bringen, nur damit Du lernst, mit Deinem Jungen gut umzugehen.
Ich will Dir davon erzählen, was ich gelernt habe. Das könnte Euch auch schon helfen, hoffe ich.
Kinder achten sehr darauf, wie Eltern miteinander umgehen. Gehen Eltern miteinander respektlos oder lieblos um, wird das von Kindern übernommen. Ganz böser Fehler! Die Folgen sind klar erkennbar, oder?
Als wichtig empfand ich die sozialen Regeln in unserer Familie. Meine Frau ist eher sanft, nachgiebig und ich war anfangs eher streng und auf das Einhalten von Regeln bedacht. Eltern dürfen durchaus unterschiedliche Temperamente haben, jedoch dürfen sie sich in ihren Ansichten von richtig und falsch nicht widersprechen. Als ich an einem Nachmittag außer Haus war, wollte mein damals kleiner Sohn (ca. 6 J.) mit den Schuhen auf das Regal klettern, um von oben etwas runterzuholen. Meine Frau meinte, dass er das nicht tun solle, denn der Papa mag das nicht. Hätte sie alleine gelebt, hätte sie es ihm erlaubt und etwaige Spuren einfach weggewischt. Aber ich wollte es nicht. Das war bekannt. Als meine Frau ihn erinnerte, dass der Papa das nicht mag, antwortete er: „ist doch egal, er sieht es doch nicht, er ist doch jetzt nicht da.“ Meine Frau hat damals klug reagiert. Sie meinte: „Das spielt keine Rolle, ob er da ist oder nicht. Wir tun nichts, was er nicht mag.“ Umgekehrt habe ich als Vater niemals akzeptiert, wenn meine Frau eine Anweisung gab und dieser Anweisung widersprochen wurde.
Wenn es in verschiedenen Situationen Papa-Regeln und Mama-Regeln gibt, ist ein Kind überfordert, weil es zwei sich für jede Situation widersprechende Spielregeln lernen muß. Auch kommt es schneller dazu, dass Kinder die Eltern gegeneinander ausspielen können. Das Ausspielen wird immer wieder mal versucht. Das ist ganz üblich. Kein Problem. Nur sollte es nicht üblich sein, dass dies den Kindern häufig gelingt. Meistens sollten die Eltern gewinnen und der Ehepartner sollte nicht zulassen, dass sein Partner dieses Spiel verliert.
Einmal wollten wir meine Mutter besuchen. Ich gab die Anweisung an die Kinder (5+7 J.), ihre Spielsachen zusammenzuräumen und zum Auto zu bringen. Während unsere Tochter (7 J.) alles flott erledigte, spielte er seelenruhig weiter. Ich lies ihn durch meine Tochter nochmal erinnern. Er ignorierte jede Erinnerung. Als ich ihn direkt fragte, warum er der Anweisung nicht Folge leistet, antwortete er „ich habe keine Lust und spiele lieber weiter.“ Ich nahm ihn an die Hand und führte ihn zu einem Stuhl. Dabei meinte ich, dass ich ihm helfen wolle, wieder Lust zu bekommen, einer Anweisung Folge zu leisten. Ich holte einen Kochlöffel und haute diesen mehrmals feste auf seinen Hosenboden.
Als wir 30 Min. später im Auto unterwegs waren, hörten wir, wie sich die Kinder hinten unterhielten. Mein Sohn meinte, er wolle später mal die Mama heiraten und 2 Kinder haben. Ich fragte ihn, wie er sie denn erziehen wolle. Spontan antwortete er: "So wie Du, Papa. Streng, aber mit Liebe.“
Wir haben viel als Familie zusammen unternommen. Noch heute gibt es Fotos, auf denen ich mit dem kleinen Sohn vor dem Fernseher auf dem Boden sitze, den Kleinen vor mir zwischen meinen Beinen. Wir schauten Sesamstraße. Das alleinige, einsame Sitzen vor dem Fernseher war bei uns nicht üblich. Das WIR war uns wichtig. So gab es auch nie Mama-Regeln und Papa-Regeln, sondern es gab immer nur Familienregeln, die auch von den Kindern mit beeinflusst wurden.
Ich schreibe Dir die obigen Beispiele, damit Du es leichter hast, Eure Spielregeln besser zu beschreiben. Die Konflikte zwischen Dir und Deinem Sohn haben sehr viel mit Euren Spielregeln zu tun, sowie mit Respekt, Liebe, Partnerschaft. Wenn ich Näheres weiß, kann ich auch detaillierter und gezielter antworten.
Und noch eine Anekdote: Meine Frau hat unserem Sohn einmal den Hosenboden versohlt, als dieser frech wurde. Nach dieser Aktion drehte sich unser Sohn zu ihr um und lachte ihr ins Gesicht: „Ha, ha, ha, es tat ja gar nicht weh.“ Das war auch nicht wichtig. Er lernte trotzdem, dass sein Verhalten regelwidrig war und Grenzüberschreitungen Folgen haben.
Unsere Grundsätze waren und sind immer: Liebe, Respekt und Toleranz
Was sind Eure?
LG, Nordrheiner