Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Ich schaffe es nicht, mich von den Erwartungen anderer zu lösen – wie geht ihr damit um?

Das High-Performer-Sein, was mir nicht nur die Eltern ans Herz gelegen haben, taugt mir halt irgendwie gar nicht. Ich bin nicht der Typ von Mensch, der eine große Karriere anstrebt und (erfolg)reich sein will. Ich fühle mich tief gefangen in einem Schema des Elitarismus, in dem andere (auch in meiner Familie), weniger wert sind, da sie kein Abi gemacht/studiert haben, oder sonstige Kurven im Lebenslauf haben. Ich als große Hoffnung der Familie habe bislang einen sehr geraden Lebenslauf mit nur einem kleinen Einschnitt, der in mir selbst auch als Scheitern verinnerlicht ist.
Seit der Abgabe meiner BA gehen 80% meiner Denkzeit wieder auf Fragen, ob ich die Entscheidungen, die ich unter diesen Bedingungen getroffen habe, heute wieder so treffen würde.
 
Es ist ja auch ganz normal, dass man von der elterlichen Erziehung nicht unbeeinflusst bleibt - im Gegenteil. Allerdings beginnt man i. d. R. spätestens mit der Pubertät, die elterlichen Erwartungen und Konzepte kritisch zu hinterfragen. Nicht wenige brechen zu dieser Zeit aus - häufig kommt es sogar zum Knall, weil sehr kontroverse Haltungen aufeinanderprallen. Das ist eine schwierige Zeit, da es Eltern oftmals "nur gut meinen" auf eine Art, die aber weder zur aktuellen Zeit und auch nicht zum Wesen des Kindes passen.

Meine Eltern z. B. und insbesondere meine Mutter hatten als Kinder noch den Krieg erlebt. Für sie war also wichtig, dass ich einen möglichst sicheren und gut bezahlten Job habe, so dass mein Kühlschrank stets gut gefüllt ist und ich nie Hunger zu leiden brauche. Banken und Versicherungen als Arbeitgeber waren damals die beste Wahl. Allerdings passte weder das eine noch das andere zu mir- weder zu meinem Wesen, noch zu meinen Interessen. Letztlich kam mein Arbeitgeber dann aus einer ganz anderen Branche, der Rest passte aber.. zu den Vorstellungen meiner Mutter. 🙄 Ich hatte nur halbherzige Alternativen, war damals gerade frische 17 - zwar das Abi in der Tasche, aber völlig ohne Ahnung vom Arbeitsleben. Und ja, wirtschaftlich stehe ich heute sehr gut da; Freude bereitet hat mein Job mir aber nicht ansatzweise. Und so habe ich 20 Jahre elternkonform durchgehalten, mich dann aber noch einmal komplett anders orientiert und studiert. Das würde ich heute def anders machen. Gerade bei meinem Kind versuche ich such, es besser zu machen als meine Eltern, indem ich mich stark zurücknehme und ihr klar mache, dass es ihr Leben ist und der Job nicht nur zu ihr passen, sondern sie auch erfüllen können sollte.

Du steckst auch noch in dieser Elternmühle fest. Die gute Nachricht ist aber, dass das so nicht sein muss umd dass einzig du derjenige bist, der das ändern kann. Klar würde es nicht ganz einfach, wenn der fügsame Sohn plötzlich aufmuckt. Dennoch ist es an der Zeit und könnte sich lohnen. Deine Eltern wären vermutlich enttäuscht; das müsstest du dann mal aushalten. Ganz sicher würden sie dich aber nicht verstoßen. Frag sie doch mal, was ihnen wichtiger ist: Dass du tust, was sie wollen und kreuzunglücklich bist oder dass du zufrieden bist. Nur solltest du dir natürlich schon klar sein, was dich zufrieden machen würde. Machst du einen betriebswirtschaftlichen Abschluss? Damit bist du ja eigentlich flexibel einsetzbar und könntest dich später nach deinen Neigungen weiterentwickeln.

Nur würde ich da endlich mal in mich selber hineinhorchen und dir nicht erneut Anleitung durch Fremde suchen. Das wäre zwar einfacher und reibungsärmer, würde aber erneut deine persönlichen Interessen vernachläsdigen und dein Dilemma nur weiter verfestigen.

Ich denke, es wäre jetzt an der Zeit, dich einmal mit deinen urpersönlichen Interessen zu befassen und dann endlich mal eine komplett eigene Entscheidung zu treffen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Machst du einen betriebswirtschaftlichen Abschluss? Damit bist du ja eigentlich flexibel einsetzbar und könntest dich später nach deinen Neigungen weiterentwickeln.
Nein, das ist eigentlich mein Makel in meinem Lebenslauf, dass ich in der Schule von einem wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt zu einem sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt gewechselt bin.
 
Nein, das ist eigentlich mein Makel in meinem Lebenslauf, dass ich in der Schule von einem wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt zu einem sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt gewechselt bin.
Und was war daran falsch, oder ein Makel?
Liegt dir das sozialwissenschaftliche denn besser, als das andere?
Dann bleib auch dabei, und sei stolz auf dich, daß du eine eigenständige Entscheidung getroffen hast!

Denn gerade im Berufsleben wird das ja auch von dir verlangt, daß du selbständig Entscheidungen triffst, außer vielleicht in ganz untergeordneten Berufen. Und für solche Jobs bräuchte man schließlich nicht studieren...
Weißt du denn schon, was du mit deinem Studium mal anfangen willst?
Oder bist du jetzt schon fertig mit dem Studium?
 
Und was war daran falsch, oder ein Makel?
Dass ich meinen Weg geändert habe.
Liegt dir das sozialwissenschaftliche denn besser, als das andere?
Generell ja, aber der Weg zu mehr Berufschancen wurde dadurch schwieriger.
Weißt du denn schon, was du mit deinem Studium mal anfangen willst?
Nein.
Oder bist du jetzt schon fertig mit dem Studium?
Ich muss/will ja noch den Master machen.
 
Dass ich meinen Weg geändert habe.

Generell ja, aber der Weg zu mehr Berufschancen wurde dadurch schwieriger.

Nein.

Ich muss/will ja noch den Master machen.
Okay, dann schau dich mal um, wo du gute Berufschancen mit deinem Studium hast, und was dir davon am meisten liegt.
Und versuche auch mal, in so einem Bereich jetzt schon Kontakte zu knüpfen, das kann einem gerade in dieser Branche viel nützen.

Wenn du aber weiterhin das brave Kindchen spielst, dann kann dir das im Berufsleben auch sehr schaden!
Denn dort musst du selbständig arbeiten und Entscheidungen treffen, wie ich schon geschrieben habe.

Ein Duckmäuser, der sich immer nur nach anderen Leuten richtet, kommt im Berufsleben nicht weit, und privat übrigens auch nicht.
Vielleicht kannst du das deinen Eltern ja auch mal sagen, daß man als erwachsener Mensch selbst sehen sollte, was einem gut liegt, und was nicht.
Und selbst wenn sie mal wieder meckern sollten, dann nimm das bitte nicht so schwer!
Denn dadurch ändert sich bei dir ja nichts, und du kannst trotzdem in Ruhe dein Ding machen.
 
Das ist ja alles schön und gut, aber woher soll das Selbstvertrauen dazu kommen, wenn die einzigen Dinge, die gut bewertet werden, nach ihrer expliziten Anweisung erfolgen. Wenn man eine kreative Idee hat und die dann vorschlägt, wird die wieder verworfen und gesagt „anders wäre es besser“.

Ich ziehe momentan um, ich weiß das auch schon seit 3 Monaten und hab mich vorbereiten können. Jetzt, wo ich nur 1 Woche vor dem letzten Move bin, teilt mir meine Mutter mit, dass sie die 650 km zu mir gefahren kommt um mir zu helfen. Ich kann es natürlich nicht verbieten, aber es zeugt wieder davon, wie wenig Vertrauen es in mich eigentlich gibt.
 
Das ist ja alles schön und gut, aber woher soll das Selbstvertrauen dazu kommen, wenn die einzigen Dinge, die gut bewertet werden, nach ihrer expliziten Anweisung erfolgen. Wenn man eine kreative Idee hat und die dann vorschlägt, wird die wieder verworfen und gesagt „anders wäre es besser“.

Ich ziehe momentan um, ich weiß das auch schon seit 3 Monaten und hab mich vorbereiten können. Jetzt, wo ich nur 1 Woche vor dem letzten Move bin, teilt mir meine Mutter mit, dass sie die 650 km zu mir gefahren kommt um mir zu helfen. Ich kann es natürlich nicht verbieten, aber es zeugt wieder davon, wie wenig Vertrauen es in mich eigentlich gibt.
Natürlich kannst du ihr freundlich mitteilen, daß du ihre Hilfe nicht brauchst.
Was soll sie denn dann schon machen, dir eine Woche Hausarrest geben, oder sogar Handyverbot? 😄

Solche gut gemeinten elterlichen Übergriffe kennen die meisten Leute hier aus eigener Erfahrung.
Und irgendwann, früher oder später, haben wir gegenüber unseren Eltern auch mal Contra gegeben, und wir leben alle trotzdem noch.

Also, du solltest unbedingt lernen, daß die Welt nicht untergeht, wenn deine Eltern mal über deine Entscheidungen meckern, oder sich untereinander streiten. Die brauchen das vielleicht auch, um Frust abzulassen, schätze ich mal.
Oder, wie Altkanzler Kohl seinerzeit immer gesagt hat:
Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter....
 
Hey, nach wenig gemütlichen 9 Tagen melde ich mich hier wieder. Um jetzt genau ins Detail zu gehen, wäre zu lang, aber kurz: der Umzug war durchaus anstrengend. Dabei habe ich meine Mutter u.a. aus reinem Frust ins Gesicht angeschrien und sie war nachher komplett am Ende. Ich allerdings nicht. Ihr gefiel die Lage meiner neuen Wohnung nicht, weil sie die Logistik erschwert hat. Allerdings wollte ich mal endlich selbstständig mich für etwas entscheiden. Wenn man's zynisch beobachtet, war es ja eh klar, dass diverse Dinge ihr nicht gefallen würden, weil ich sie entschieden hatte.
Es ist nun wieder so, dass bedingt durch die Schwierigkeiten die wir beide hatten und unter denen sie geritten hat, ich wieder top motiviert bin für mein Masterstudium. Nicht weil mich es jetzt fachlich extrem überzeugt, sondern eher, weil sie sich soviel Mühe für mich gemacht hat und ich einen eventuellen Studienabbruch deswegen nicht übers Herz bekommen werde. Das kann ich bereits vorhersehen.
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
Schutzhuette Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll? Ich 69
M Kath. Kirche - Wer wollte mal austreten und hat es NICHT getan? Ich 47
Weisheit92 Im Leben nicht angekommen. Ich 9

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben