Was für ein massiver Dämpfer. Ich hatte ein Erstgespräch für Psychotherapie in meiner Stadt bei einer sehr qualifizierten Frau und ich hatte viel Hoffnung.
Ich war pünktich um 15h dort, sie öffnete mir die Tür, betont lässig, sie hatte noch Essen im Mund. Als wir dann anfingen, setzte sie sich auf den Stuhl mir gegenüber, zog ihre Füsse hoch, sie war barfuss.
Ich dachte mir schon, ok, das ist speziell.
Sie war recht ungeduldig, ich sagte ihr, ich käme wegen geringem Selbstwertgefühl und wegen Ängsten in sozialen Situationen. Sie bohrte (das machen diese Leute ja am Allerliebsten).
Nach ca. 5 Sätzen sagte sie direkt, "haben Sie als Kind Gewalt erfahren, physische, psychische oder sexuelle?" Ich sagte, darauf möchte momentan ich nicht eingehen. Sie erwiderte, Sie sei ausgebildete Traumatologin und frage das immer. Ich sagte, das ändere aber nichts daran, dass ich darüber gerade nicht reden möchte.
Ausserhalb der Therapie lernt man immer, dass man sich abgrenzen darf, dass man für sich schauen darf und nichts erzählen muss (einem fremden Mensch! nach 5 Minuten!), was einen in schwierige Gefühle bringen könnte., mit denen man danach nicht umgehen kann. Ich mache immer und immer wieder die Erfahrung, dass Therapeuten dies nicht respektieren.
Sie fragte weiter, wie sich die sozial schwierigen Situationen äussern. Ich sagte, dass ich oft das Gefühl habe, andere latschen über meinen Grenzen und ich könne mich nicht schützen. Wie das aussähe, wenn andere über meine Grenzen latschten. Als ich anfing zu erklären, unterbrach sie mich, stellte eine ganz andere Frage, die mich verwirrte (weiss nicht mehr was), ich sagte, ich sei noch immer bei ihrer Frage, die ich beantworten möchte.
Ich denke rückblickend gesehen, das war der Wendepunkt. Da reichte es ihr. Sie habe keinen Platz für mich, da das sehr aufwändig werden würde mit mir und das könne sie nicht leisten.
Bäm.
Ich fragte, ob sie mir jemand empfehlen könne, der mir weiterhelfen könne. Sie verneinte. Ich fragte, was sie mir empfehlen würde zu tun. Sie wisse es nicht.
Ich ging da raus, zerfliel in meine Einzelteile, musste weinen, wertete mich ab, bekam Suizidgedanken. Nahm Tavor. Rief die Telefonseelsorge an.
So schlecht wie nach Psychotherapien geht es mir sonst nicht oft. Und das Bezeichnende, das war schon immer so. Oder mindestens seit 10 Jahren.
Wollte das einfach mal aufschreiben, weil es sehr schwierig war.
Wer mir Tipps geben will, was ich falsch gemacht habe, bitte nicht. Ich fühl mich so schon falsch genug und stehe auf dünnem Eis gerade.