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Ich kann Robert Enke verstehen....

  • Starter*in Starter*in *cHr1sTa*
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Ich muss zugeben, ich hab hier jetzt nicht alles von kleinauf gelesen und vielleicht kam dieser Einwand von einem anderen User schon...

Aber was ich sagen möchte: Ich habe selbst Depressionen, ich habe es lange verschwiegen und für mich selbst nicht wahrhaben wollen, da man in dieser Gesellschaft auch schon mal schief angeschaut werden kann wenn man sich "outet". Heute jedoch stehe ich dazu und akzeptiere meine Krankheit. Ich selbst bin schon auf Menschen in meinem Umfeld getroffen die das müde belächelt haben. Hier kann ich nur ganz klar sagen: Es muss ein generelles Umdenken in dieser Gesellschaft stattfinden. Depressive Menschen sind weder geistesgestört, noch wissen sie nicht was sie tun, nein, wir denken halt in vielem nur anders als Menschen die diese Krankheit nicht haben, unüberlegte Worte und auch Taten können bei uns tiefere seelische Konflikte hervorbringen als sie es womöglich bei Menschen ohne Depressionen können... Natürlich, mir geht es auch oft so dass ich einsam bin, jemanden zum redén suche und immer noch dabei still und heimlich hoffe dass diese Person meine Situation erkennt. Jedoch wie ich wirklich denke, wie ich wirklich fühle, wie ich mich verhalte wenn es mir seelisch schlecht geht, das wissen nur meine Familie und engste Freunde und das sind nicht viele...


Ich kann es wahrlich nicht gutheißen was Robert Enke da getan hat, jedoch sollte man sich von gesellschaftlicher Seite auch einmal vielleicht fragen wieso bereits auch soviele junge Menschen heutzutage depressiv sind. Eine erhebliche Mitschuld an dieser Tatsache trägt meines Erachtens die heutige Ellenbogengesellschaft wo es verpöhnt ist über Gefühle offen zu sprechen oder gar niemanden interessiert. Ist die Psyche eines Depressiven über einen längeren Zeitraum solch massiven Attacken ausgesetzt und wenn die Seele nur noch weint dann ist solch ein grausamer und endgültiger Schritt ein Schlussstrich den ein Mensch setzt. Und bevor sowas passiert gibt es meines Erachtens immer Warnzeichen die Menschen die den Depressiven gut kennen nicht verborgen bleiben dürften. Die Frage ist hier eben halt nur ob man diese rechtzeitig erkennen und deuten kann...


Liebe Grüße


Chaky


Wunderbar geschrieben. Ich schließ mich dir in dieser Sache voll an [...]

Klar ist kein anderer schuld, weil sich jemand umbringt, aber diese Frage so gerichtlich zu betrachten, ist doch gar nicht der Sinn.[...]

Unsere Gesellschaft hat es nötig daraus zu lernen (siehe Chakuzas Worte, die ich grün mache). Natürlich kann man deswegen nicht die umgebenden Personen anklagen oder schuldig sprechen, aber das sind doch zwei paar Schuhe meine ich, [...]
Sigi
 
Zuletzt bearbeitet:
[...]
Der Thread hat schon einen ernsten Hintergrund, der der Situation von Enke ähnelt und außerhalb des Forums liegt und mich das Ganze nochmal unter einem anderen Blickwinkel hat sehen lassen.
Übrigens bin ich nicht die Einzige, die die tiefe Depression Enkes kurz vor seinem Tod in seinem Gesicht erkennen konnte - auch schon, bevor er diesen Schritt in den Suizid tat....🙁😱
 
Zuletzt bearbeitet:
Chaky und Sigi habe untermauert, was ich sagen wollte und ich möchte dem nichts mehr hinzufügen, um nun nicht meinerseits wieder eine Mühle in Gang zu setzen.
Darum ging und geht es mir.

Christa
 
Er wollte,daß niemand reagierte !

Seinem Brief nach war es ihm aber WICHTIG,daß niemand auf die Depri reagierte--sondern er den Weg ungestört wählen durfte,der seine Frau und sein Adoptivkind und den Arzt etc.im Schlamassel zurückließ.

Es war kein Kurzschluß-er hat noch Briefe geschrieben.
Und bewußtes TÄUSCHEN eingestanden.

Warum haßt jemand seine Frau so, obwohl sie zu ihm stand?
Warum wählt man einen Weg,der andere (Zugfahrer) traumatisiert?

Warum stilisieren Medien ihn zum Helden--und es gibt Nachahmer ohne Zahl---und viele viele traumatisierte Zurückbleibende?

Ruhe ,Nichtdenken,Ins-Nichts-Tauchen findet man auch,unspektakulär,in Klinik durch "Koma-Medies".

Das hätte er haben können.

Ganz bewußt seinen Weg so zu wählen,daß andere als "Mitschuldige" belastet werden,ist niederträchtig.

Soll es dafür Freibriefe geben?
WAS hat das Kind getan,daß er ihm so eine Bürde hinterließ?
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Thread hat schon einen ernsten Hintergrund, der der Situation von Enke ähnelt und außerhalb des Forums liegt und mich das Ganze nochmal unter einem anderen Blickwinkel hat sehen lassen.
Übrigens bin ich nicht die Einzige, die die tiefe Depression Enkes kurz vor seinem Tod in seinem Gesicht erkennen konnte - auch schon, bevor er diesen Schritt in den Suizid tat....🙁😱


Kann ich nur zustimmen. Auch ich hab nach dieser Tragödie mal ein paar Bilder von ihm herausgesucht. Darauf kann man kommen, vielleicht wird sowas in unserer schnelllebigen Welt heutzutage von vielen aber auch übersehen, vielleicht haben Menschen mit dem selben Krankheitsbild auch einen geschärften Blick für sowas, da mag ich niemanden einen Vorwurf draus machen. Der Mann muss tierisch gelitten haben und solch rettende Ufer wie das Fünkchen Hoffnung und Zuversicht schon in seinem Kummer ertränkt haben...

Zu Sigi nochmal: Natürlich ist und soll es nicht Aufgabe der Gesellschaft sein depressive Menschen zu erkennen und diese vor sich selbst zu beschützen, das kann niemand. Jemand der diesen Schritt für sich entschieden hat wird ihn früher oder später gehen. Es wäre halt nur eben wünschenswert dass die Gesellschaft hierfür ein wenig sensibilisiert wird und das Vorurteile in Zusammenhang mit Menschen die an depressiven Erkrankungen leiden abgebaut werden. Wenn wir das gemeinsam erreichen können, dann wäre das ein großer Schritt wieder hin in Richtung einer sozialeren Gesellschaft...



Liebe Grüße


Chaky
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Er wollte,daß niemand reagierte !

Seinem Brief nach war es ihm aber WICHTIG,daß niemand auf die Depri reagierte--sondern er den Weg ungestört wählen durfte,der seine Frau und sein Adoptivkind und den Arzt etc.im Schlamassel zurückließ.


Ich kann hier (wie jeder andere abschließend auch) nur vermuten Micky. Jeder Depressive denkt und fühlt anders und unterschiedlich, wie bei allen Krankheiten verläuft auch unser Krankheitsbild nicht immer nach dem selben Schema. Ich kann es mir nur so erklären dass der Mann unter einem enormen Druck stand, er war Keeper von Hannover 96, vielleicht wuchs ihm alles über den Kopf und er verlor dabei auch den gesunden Fokus gegenüber den Menschen die eigentlich für ihn der Rückhalt waren...

Es war kein Kurzschluß-er hat noch Briefe geschrieben.
Und bewußtes TÄUSCHEN eingestanden.

Das ist halt auch eben so eine Sache. Vielleicht war für ihn das Täuschen leichter zu verkraften als seine Gefühlswelt offen auf den Tisch zu legen. Das hätte weitreichende Folgen haben können, eben weil auch ihm wohl bewusst war dass diese Gesellschaft (noch) nicht soweit ist diese Krankheit zu akzeptieren. Er hätte seine Karriere erstmal auf Eis legen müssen, vielleicht fürchtete er um seine Beziehung, dazu womöglich noch die bei einer Depression generell typisch auftretenden Symptome wie Angst vor der Zukunft, Hoffnungslosigkeit etc.

Warum haßt jemand seine Frau so, obwohl sie zu ihm stand?
Warum wählt man einen Weg,der andere (Zugfahrer) traumatisiert?

Ob er Hass verspürte kann man ja nicht sagen, darüber lässt sich nur spekulieren. Bei einer schwerwiegenden Depression hat man in der Regel seinen schlimmsten Richter in sich selbst und verurteilt nicht andere. Die (schwerwiegenden) Entscheidungen die man dann in Bezug auf sich selbst wählt, das spielt das Umfeld dann gar keine Rolle mehr. Ich stelle mir solch eine Situation vor wie ein Pferd mit Scheuklappen, man kennt nur noch eine Richtung und geht seinen Weg. Dies kann man auch sagen für Mitmenschen die man in dieses Unglück mit hineinzieht. Dass dies in höchstem Maße egoistisch ist und geliebte Menschen mit quälenden Fragen bis an ihr Lebensende zurücklässt die nie beantwortet werden, diese Vorwürfe kann man machen.

Warum stilisieren Medien ihn zum Helden--und es gibt Nachahmer ohne Zahl---und viele viele traumatisierte Zurückbleibende?


So reagieren die Medien eben halt. Mir hat es auch absolut nicht gefallen dass sie ihn alle so hochgelobt haben, zumal von dem Zugführer in den Medien nie ein Wort erwähnt wurde. Das ist heutzutage in den Massenmedien leider so, es wird ein Fokus auf ein Ereignis gelegt, die großen deutschen Zeitungen (allen voran die mit den 4 großen Buchstaben) titeln dann halt nicht mehr neutral und so bildet sich die breite Meinung in der Bevölkerung. 🙁
 
Ich kann Robert Enke nicht verstehen. Ich kann die Verzweiflung versteht, das Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit, die Depression.

Aber ich finde es verantwortungslos und feige, zu gehen. Seine Frau und seine Tochter im Stich zu lassen, einem Unschuldigen auch noch das Leben zu zerstören. Das ist ein Verhalten, was ich nicht verstehen und nicht akzeptieren kann.
Es hätte Hilfe gegeben. Es gibt IMMER Hilfe.

Aber man muss eben zum einen bereit sein, diese Hilfe einzufordern. Und sie zum anderen auch annehmen.

Und es ist eben nicht so, dass die Angehörigen das sofort merken oder überhaupt merken. Ich weiß es ja von mir selber. Ich bin manchmal so ein bemerkenswerter Schauspieler meinem Mann gegenüber, dass ich vielleicht besser Hollywoodstar geworden wäre 😉
Wenn jemand nicht will, dass der andere das mitbekommt, dann geht das auch. Und wenn ich meine Lage anderen gegenüber runterspiele, dann können einem diese Menschen auch nicht helfen.

Und manchmal sind die Erwartungen in das Gegenüber auch immens hoch. Denn selbst liebende Anghörige können einem schwer Depressiven eben nur begrenzt helfen. Vor allem dann, wenn sie sich nebenbei noch um ihre weitere Familie (ein frisch adoptiertes Kind) kümmern müssen.
Ich sehe es gerade an einer guten Freundin, der es echt richtig S**** geht. Mein Einfluss ist da einfach auch nicht besonders hoch. Ich kann, so gut es geht für sie da sein, ihr zuhören, ihr Dinge abnehmen, sie ablenken, etc. Ich kann versuchen, alle Anzeichen zu beachten, wann die Situation wirklich kritisch wird und dann ggf. Hilfe von außen einschalten. ABER ich habe eben auch ein eigenes Leben und ich merke schon jetzt, wie schwierig der Balance-Akt zwischen ihr und meinem Leben ist. Irgendwann wird eine Grenze erreicht sein, in der ich schon allein aus zeitlichen Gründen meine Hilfe runterfahren muss (davon, dass das natürlich auch emotional Kraft zieht, abgesehen).

Irgendwann bleibt nur noch professionelle Hilfe und die dann vielleicht auch nur noch in einer stationären Form. Klar wünscht sich keiner, Patient in einer Psychatrie zu werden, aber unter Umständen ist das der einzige Weg. Und wer sich eben hartnäckig weigert, diesen Weg zu gehen, dem kann man dann irgendwann auch nicht mehr helfen. Wer doch schon bewusst erkennt, dass er auf der Kippe steht, aber sich dennoch weigert, Hilfe anzunehmen und dafür tausende von guten Gründen findet, was bitte soll man da machen??

Hilfe ist da. Und Robert Enke hätte sie auch bekommen. Ich bekomme sie und ich kenne bisher keinen, der um Hilfe bittet, der sie nicht bekäme. Aber man muss eben offen dafür sein und diese Wege dann auch gehen und in Anspruch nehmen.
 
In diesem Thread wurden etliche Beiträge moderiert/entfernt.

Für den weiteren Verlauf beachtet bitte folgende Hinweise:

1) Beleidigungen, Beschimpfungen, persönliche Angriffe, Provokationen sind hier nicht erwünscht! - weder von der Seite der Threaderstellerin noch von Seiten der Mitdiskutierenden.

2) Wenn man sich von Beiträgen angegriffen fühlt oder Beiträge für andere als angreifend empfindet, so gibt es dafür den Melde-Button. Ein verbales Zurückschlagen ist sicher NICHT der geeignete Weg!
Grundsätzlich muss man aber akzeptieren, dass es zu einem Thema unterschiedliche Ansichten geben kann - eine andere Meinung zu haben ist nicht gleichbedeutend mit "alle sind gegen mich".

3) Unterhaltungen, die nichts mit dem Threadthema zu tun haben, sind zu unterlassen!

4) Auch wenn ein Threadthema natürlich immer irgendwie im Zusammenhang mit dem Ersteller stellt, ist zu respektieren, dass Christa deutlich gemacht hat, dass sie nur über Enke und nicht über ihre eigene Situation sprechen möchte.

Bei weiteren Vorfällen dieser Art werden Verwarnungen ausgesprochen!
 

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