Hallo Günter,
du hast mir ja eine Menge geschrieben ... da mußte ich erstmal eine Menge nachdenken.
Naja, nur 5 Stunden und dann 8 Monate warten ist nicht sehr effizient. Man kann doch wechseln. Darf ich Dich fragen, was Dich damals an dem Therapeuten gestört hat?
Du hast Recht, das 5 Stunden noch gar nichts sind und es absolut bei 0 anfängt, wenn man dann 8 Monate wartet. Aber ich konnte mich nicht dazu aufraffen woanders hin zu gehen. Mir fiel es sowieso schon wahnsinnig schwer, mich an einen Therapeuten zu wenden und so habe ich es dann immer wieder aufgeschoben auf morgen und morgen und morgen ... und nun sind die Monate vergangen.
Klar kannst du fragen, was mich damals an dem Therapeuten gestört hat. Meines Erachtens war er zu wenig motiviert. Desöfteren kam ein Gähnen aus seinem Mund ... ja, ja ich weiß Therapeuten sind auch nur Menschen, aber man kommt sich schon ganz schön blöd vor. Vorallem, wenn man sowieso glaubt, dass sein Problem eigentlich pillepalle ist! Und dann noch ein gähnender Therapeut, das bestärkt einen dann nur darin. Ausserdem konnte ich mich ihm gegenüber nicht öffnen. Er hat es nicht geschafft, dass ich mit ihm offen und ehrlich über alles reden konnte. Selbst dort habe ich mich noch verstellt.
Und gestern, habe ich mich nun wirklich wieder auf eine Warteliste setzen lassen. Sie meinten zwar, dass das lange dauern kann, aber es geht um eine Lebenszeit, da kommt es auf ein halbes Jahr auch nicht mehr an.
Bei Dir kann ich sie mir in Verbindung mit einer Therapie vorstellen. Antidepressiva können nach einem Drogenentzug unterstützend eingesetzt werden, um den Umgang mit den ersten Monaten nach Wegfall der Droge zu erleichtern. Ich hatte hier einmal etwas über Johanniskraut geschrieben:
Ich denke, ich werde mir mal Johanniskraut besorgen. Werde mich erst noch mal ein bisschen schlau darüber machen. Aber es hört sich ganz gut und vernünftig für mich an. Danke dir für den Tip! Denn die chemischen Dinge nehme ich wirklich nicht gerne.
Das finde ich bemerkenswert. Solange er Interesse hatte, war Dir eine Freundschaft möglich. Sobald er sich zurückgezogen hat, hast Du ihn "geliebt"? Ja, was hast Du denn da eigentlich geliebt? Sein Interesse an Dir? Es war schon einmal einem anderen Menschen aufgefallen, dass Du "seine Liebe vermisst". Findest Du das nicht auch auffällig?
Vielleicht!? ... Ich kann es hier gar nicht in Worte fassen. Aber auf jeden Fall hast du mich mal wieder sehr zum nachdenken gebracht. Auch deine Sätze, dass ich vielleicht so reagiere, weil mir es selbst in meiner Vergangeheit passiert ist ... ich habe lange gegrübelt ... aber ich finde nichts. Man sagt, dass alles seinen Grund - oder das meiste - in der Kindheit hat. Ich hatte eine eigentlich sehr glückliche Kindheit. Hatte alles was ein Kind brauch. Liebe, beide Elternteile, Geschwister, Freund, ... vielleicht muß ich einfach tiefer bohren. Wobei ein Therapeut natürlich auch gut helfen könnte.
Wisst ihr ... ich mache mir so viele Gedanken darüber, was wohl irgendwann in meinem Leben, in meiner Entwicklung schief gegangen ist. Suche überall den Grund dafür, dass ich jetzt so leide. Und versuche dadurche eine Änderung hervorzurufen. Rede mir ein, dass es nicht normal ist ... Aber was, wenn es gar keine Gründe gibt? Wenn es einfach wirklich nur ganz tiefe Liebe ist? Wenn ich einfach nicht ohne diesen Menschen sein möchte?
Ach ... ich hoffe, morgen denke ich wieder anders und kann mich wieder darauf konzentrieren zu suchen ...
Liebe Grüße und danke für die Denkanstöße!
Jule