Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Ich habe schlimme Lügen erzählt

B

Bar

Gast
Hallo

Ich glaub ich habe Scheisse gebaut. Ein früherer Arbeitskollege, den ich immer schon toll fand, hatte mir im November 2018 bei seiner neuen Firma einen Job besorgt. Und da begann mein eigentliches Problem. Ich fand ihn immer schon toll und so begann immer mehr seine damalige Freundin schlecht zu reden. Damit das nicht auffiel oder er auf den Gedanken kam, dass ich dies aus Eigeninteresse machen könnte, erfand ich gleichzeitig einen Freund für mich. Und das war nicht irgendwer, ich gab vor, während meines Sprachaufenthaltes in Paris einen Deutschen kennengelernt zu haben, der aus sehr gutem Hause stammt. Er schien sich aber für mich zu freuen, keine Spur von Eifersucht. Nach und nach begann ich, die Geschichte mit meinem Freund auszuschmücken. Ich gab vor, dass es mit ihm schwierig sei, da ich halt ein einfaches Mädchen vom Lande sei und er aus so superreichem Hause komme. Mir sei das aber nicht wichtig, weil ich an die grosse Liebe glaube und nicht besonders an materiellen Werten hänge. Und er glaubte auch daran. Er hatte Jahre gelitten, als es mit seiner zweitletzten Freundin nicht klappte. Er öffnete sich immer mehr und begann mir von dem psychischen Missbrauch und den Manipulationen zu erzählen, die er in der Beziehung zuvor erlebt hatte. Wie sehr es ihn erschüttert hätte, dass jemand in der Lage sei, einen Menschen so zu täuschen und absichtlich zu verletzen. Nun begann auch ich ihm zu erzählen, dass ich in meiner Beziehung dies erleben würde. Dass mein Freund genau so sei, er allerdings nicht nur psychische, sondern physische Gewalt anwende. Ohne dass er je irgendwas von meinem Freund gesehen hat, glaubte er mir, dass ich von meinem Freund geschlagen, sexuell missbraucht, gar vergewaltigt wurde. Dabei steigerte ich die Geschichten immer mehr. Anfänglich berichtete ich nur von einer Hand, die ihm mal ausgerutscht sei und zum Schluss ging es darum, dass mein Freund mit mir Sex hatte, obwohl ich mich entscheidend dagegen gewehrt hätte.

Er und seine Freundin hatten sich in der Zwischenzeit getrennt und ich tat so, als hätte on/off. Ich habe mich so in die Geschichten reingesteigert, dass ich teilweise selbst schon glaubte, all dies erlebt zu haben. Auch verlor ich massiv an Gewicht und hab kaum noch gegessen. Dass passte perfekt ins Bild des Opfers, das ich vorgab zu sein. Er vertraute mir sehr, machte sich grosse Sorgen um mich. Damit ja keine Zweifel an meinen Geschichten entstanden, lies ich mir selbst Blumen ins Geschäft schicken, die angeblich von meinem Ex stammen oder schickte mir Mails von einer Fake-Adresse mit dem Absender meines Ex, die ich ihm dann «zufällig» zeigte. Um das Bild perfekt zu machen, kaufte ich mir Designer Kleidung im Insta-Market und lieh mir teuren Schmuck bei einer Freundin aus. Und ich wurde wie süchtig nach dieser Aufmerksamkeit. Ich unternahm alles, damit ich nicht aufflog, hatte aber immer mehr Angst, dass irgendwann mein ganzes Lügenkonstrukt zusammenbrechen würde. Also sagte ich ihm irgendwann, dass auch ich mich getrennt hätte.

Im Frühjahr 2020 wechselte ich dann meine Stelle, ich hatte die Möglichkeit, zurück zu meinem Ausbildungsbetrieb zu gehen. Auch hier hat er mir geholfen und mir die Bewerbung aufgesetzt. Auch er kündigte kurz darauf seine Stelle, allerdings wollte er auf Weltreise gehen, da er, wie er sagte, mal Zeit bräuchte, sein Leben neu zu ordnen. Er stellte einen Kontakt zu einer sehr guten Praxis her für mich her, die sich auf die Behandlung von psychischen Traumas spezialisiert hatte, damit ich nicht alleine bin, wenn er weg ist. Da er dann aber wegen Corona nicht Reisen konnte, brauchte er eine neue Wohnung. Er hat dann extra eine grössere Wohnung gemietet, wo ich einen Schlüssel und ein Zimmer hatte und ich ein- und ausgehen konnte, wie ich wollte, damit ich einen Rückzugsort hätte und meine Seele zur Ruhe kommen könne. Ich half ihm dann beim Umzug, aber ich merkte gleichzeitig, dass die Angst, dass alles auffliegen würde, immer grösser wurde. Einmal war ich kurz davor, alles zu gestehen. Ich hatte ihm nämlich erzählt, dass mein Ex mir einen Ring geschenkt hätte, der sehr teuer gewesen wäre. Diesen hätte ich in einem Anfall von Wut, Trauer und Hilflosigkeit in einen See geworfen. Er erklärte mir darauf, dass dies sehr dumm gewesen sei, dass ich den Ring wenigstens hätte zu Geld machen können und so immerhin ein wenig Genugtuung für meine Schmerzen gehabt hätte. Also bot er mir an, zusammen mit einem Freund, der tauchen kann, nach dem Ring zu suchen. Als wir dann mal zusammen im Auto unterwegs waren und er sich nach dem Ring erkundigte, sagte ich, dass ich ein wenig gelogen hätte. Darauf hin schaute er mich irritiert an. Wie ferngesteuert sagte ich dann aber, dass der Ring noch viel teurer gewesen wäre, als ich ihm gesagt habe und habe meine Lüge einfach mit der nächsten Lüge überspielt. Also ging er tatsächlich zusammen mit seinem Freund nach dem Ring tauchen. Da sie nichts finden konnten, erkundigte er sich nochmals, nach dem genauen Hergang. In der Zwischenzeit hatte ich aber kaum noch Überblick über all meine Lügen und erfundenen Stories. So wich meine Version offensichtlich von der ursprünglichen ab und es kamen bei ihm erste Zweifel auf. Also versuchte ich möglichst schnell das Thema vergessen zu machen, natürlich mit einer nächsten Lüge. So erzählte ich ihm, dass es nicht so schlimm sei, dass er den Ring nicht gefunden hätte, da ich sonst noch viel teuren Schmuck erhalten hätte und dieser in einem Schliessfach bei einer Bank sei. Aber ich machte dabei einen Fehler. Ich bezifferte den Wert des Schmucks, worauf er wissen wollte, wie ich das den herausgefunden habe, wenn es ja Geschenke waren. Ich sagte ihm, dass die Bank mir angeboten hätte, den Wert zu schätzen, beachtete allerdings nicht, dass er selbst mal für eine Bank gearbeitet hatte. Also wurde er immer skeptischer. Er sagte mir, dass das nicht sein könne, da eine Bank nur schon aus Diskretionsgründen eine solche Dienstleistung niemals anbieten würde. Und so reagierte ich wie immer, wenn was nicht mehr aufging. Ich sagte ihm, es sei halt einfach so gewesen, ich wisse auch nicht warum. Diesmal akzeptierte er meine Antwort aber nicht mehr. Er sagte mir kurz darauf, dass er Kontakte zu dieser Bank hätte, und dass kein Schliessfach auf meinen Namen existiere. Darauf wurde ich wütend mit ihm. Ich warf ihm vor, mir nachzuspionieren. Erklärte ihm, dass das Schliessfach nicht auf mich laute, sondern auf meine Freundin, die bei dieser Bank arbeite. Drauf erklärte er mir, dass er nie Kontakt zu dieser Bank gehabt hätte, dass er einfach geblufft habe. Es aber umso komischer sei, dass die Bank also ein Schliessfach schätze, dass nicht mal auf meinen Namen laute. Ich sagte ihm, wie sehr er mich gerade verletzte, dadurch, dass er mir nicht mehr glaube. Erinnerte ihn daran, was ich alles durchgemacht habe. Sagte ihm, dass er mir gerade mein Herz brechen würde. Dass er nun dafür verantwortlich sei, dass ich eine Mauer hochfahren würde und mit niemandem mehr über mein Trauma sprechen würde. Dass ich meine Therapie seinetwegen nun abbrechen würde. Aber es nützte nichts. Er sagte mir, dass ich dies ja ganz einfach lösen könne, in dem ich ihm irgendeinen Beweis für die Existenz dieser Beziehung und den damit verbunden Vorkommnissen bringe. Schliesslich hätte er nie was gesehen, dass überprüfbar sei. Er schlug mir also vor, ich könne ihm ja den Inhalt des Schliessfachs zeigen oder Fotos von den angeblichen teuren Luxusreisen, die ich mit meinem Ex gemacht hätte. Er gab mir eine Woche Zeit, damit ich mir überlegen könne, in welcher Form ich Transparenz schaffen will. Darauf beschuldigte ich ihn, dass er mich bedränge und unter Druck setze. Ich machte ihm ein schlechtes Gewissen, in dem ich ihm sagte, dass es ihm also nur ums Geld ginge und dass er bloss wütend sei, weil er den Ring nicht gefunden habe.


Nun ist ziemlich genau ein Jahr vergangen. Ich hatte ihn kurz nach dem letzten Sommer, alles aufgeflogen ist, blockiert. Aber irgendwie lässt mich das nicht los. Er hatte mir noch – bevor ich ihn blockiert habe - geschrieben, ob ich mir bewusst sei, was ich in ihm anrichte. Ich habe einfach nicht mehr geantwortet. Ich weiss, dass ich ihm extrem geschadet habe. Ich weiss, dass bei ihm all die alten Wunden aufgerissen wurde, für die er Jahre brauchte, sie zu heilen. Ich weiss, dass er viel Geld verloren hat wegen mir, weil seine Gesundheit extrem darunter gelitten hat und er auch wieder umgezogen ist, weil er nicht mehr in dieser Wohnung sein konnte . Zudem hat er mir ein mega teures Geschenk gemacht, weil ich ihm beim ersten Umzug sehr geholfen hatte. Auch weiss ich, dass er sicher ein paar Monate nicht hat arbeiten können, weil es ihm so schlecht ging. Wies jetzt ist, weiss ich allerdings nicht. Und nun habe ich Tage, an denen ich richtig Kopfschmerzen hab deswegen und mich mies fühle. Aber ehrlich gesagt, habe ich auch Tage, an denen ich denke, dass er selber Schuld ist. Schliesslich waren meine Geschichten teilweise so übertrieben und abwegig, dass ich selbst erschrocken bin, wie einfach es war, dass er mir glaubte. Was soll ich tun?

B, 25
 

Anzeige(7)

Schroti

Sehr aktives Mitglied
Was soll ich tun?
Ihn in Ruhe lassen.
Du hast genug Schaden angerichtet, denke ich.
Und nun habe ich Tage, an denen ich richtig Kopfschmerzen hab deswegen und mich mies fühle. Aber ehrlich gesagt, habe ich auch Tage, an denen ich denke, dass er selber Schuld ist. Schliesslich waren meine Geschichten teilweise so übertrieben und abwegig, dass ich selbst erschrocken bin, wie einfach es war, dass er mir glaubte.
Das Opfer ist jetzt schuldig, weil die Täterin so schlicht gelogen hat? Verkehrte Welt...
Hast du mittlerweile psychiatrische Unterstützung? Du brauchst sie. Und auch für Menschen, die mit dir zu tun haben, wäre es gut, wenn du an dir arbeiten würdest.
 

Werwiewas

Aktives Mitglied
Aber immerhin ist dir bewusst was du damit angerichtet hast.
Naja, nicht wirklich. Sie denkt ja mittlerweile, dass er selber schuld ist, dass er ihr geglaubt hat.

Ich glaube, ihr ist nicht mal ansatzweise bewusst, was sie einem sowieso schon vorbelasteten Menschen noch zusätzlich angetan hat.

Sie hat seine Traumata benutzt, um sich bei ihm emotional einzuschleichen mit ihren Lügen.
Ich fand ihn immer schon toll und so begann immer mehr seine damalige Freundin schlecht zu reden.
Sagt doch schon sehr viel über ihren Charakter aus. Kein Mensch, mit dem ich was zu tun haben möchte.
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Thema gelesen (Total: 202) Details

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Gastraum
Regeln Hilfe Benutzer
  • Im Moment ist niemand im Chat.
  • Chat Bot:
    Raumnachrichten wurden entfernt!

    Anzeige (2)

    Oben