VIelen Dank!
Ich habe schon einmal eine Therapie gemacht, aber nicht allzu lang, dann bin ich umgezogen. Ich habe es bisher noch nicht wieder fertig gebracht, weil ja die Wartezeiten so lang sind und ich mich nie dazu aufraffen konnte.
Aber nächsten Donnerstag habe ich - endlich! - mal wieder einen Termin beim sozialpsychiatrischen Dienst. Die Frau dort ist zwar keine Therapeutin, sondern Sozialarbeiterin oder so etwas in der Art, aber ich denke, das ist erst einmal besser als nichts und ein guter erster Schritt.
Trotzdem würde ich gern hier weiter ins Forum posten, das hilft mir so unglaublich, und ich bin froh, wenn ich Feedbacks bekomme.
Ach, wenn ich von meinem Umfeld tatsächlich als charismatische Person wahrgenommen werden würde - das würde mir sehr gefallen! Irgendwie will ich gern immer von allen gemocht werden. Das ist etwas blöd. So sollte es nicht sein. Dennoch verstelle ich mich nicht. Ich bin, wie ich bin, aber ich bin eben nicht gerne so.
Nun, sehr selbstständig war ich in manchen Dingen damals in meiner Kindheit vielleicht nicht, aber ich bin immerhin mit... 15 oder so allein 9 Stunden Zug gefahren und habe eine Brieffreundin irgendwo in Köln besucht 🙂 ... na gut. Aber das ist wohl auch keine Leistung für eine 15jährige. Mir erschien das damals aber toll.
Und sonst ist es so, dass meine Kindheit sowieso sehr schwierig war.
Meine Eltern haben mir kein Selbstvertrauen "geschenkt". Irgendwie haben sie es immer nieder gemacht.
Habe ich nicht schon einmal irgendwo hier etwas über meine Kindheit geschrieben?
An vieles kann ich mich gar nicht mehr so gut erinnern.
Ich war immer ein ruhiges, fantasievolles Kind. Und mit anderen Kindern lief es gut, ganz normal, nur, dass ich eben etwas introvetriert war und mich sehr gut stundenlang mit mir allein beschäftigen konnte.
Alles war normal.
Irgenendwann, nachdem ich eingeschult wurde, in der ersten Klasse, passierte etwas. Oder es muss etwas passiert sein. Ich weiß auch nicht, plötzlich hat sich alles geändert.
Ich weiß, dass man mich mal geärgert hat, mir weh getan hat oder so etwas. Es war ein Vorfall. Bei dem ich richtig ausgerastet bin. Ich wurde rasend und habe mich mit voller Aggressivität gewehrt, weil ich das durch die anderen Kinder (Jungs) nicht mit mir machen lassen wollte. Ich glaube, sie haben mich einfach herumgeschubst, mir weh getan und so etwas. Was Kinder eben tun. Ich weiß aber auch nicht mehr, was genau da los war und warum es passiert ist.
Oder ob meine Erinnerung mich nicht täuscht.
Auf jeden Fall bin ich ausgerastet. Gekratzt, gebissen, ich war wie toll. Und das haben die Jungs mit einer Mischung aus Entsetzen und purer Freude aufgenommen, man hat mich natürlich dann erst recht als Opfer ins Auge gefasst. Ab da ging es los und ich war immer Opfer, wurde dann regelmäßig verprügelt.
Keiner mochte mich mehr, alle hassten mich. Ich hatte diese Einstellung: "Mir ist alles egal. Ich kämpfe!" Und ich weiß noch, dass ich oft dachte: "Das Leben ist nur ein Traum! Das passiert alles nciht wirklich"
Und ich hasste mich selbst und alle um mich herum.
Und trotzdem war ich still, oft, wenn es nicht gerade um diese Auseinandersetzungen ging, introvertiert. Habe oft allein gespielt und hatte irgendwann eine Freundin, mit der ich mich immer allein traf. Wir spielten sehr lange, bis in die Pubertät hinein, bis wir 15 wahren, kindische, fantasievolle Spiele, in denen wir unsere eigene Welt erschafften. Meine Freundin liebte das genau so wie ich. Aber sie schämte sich auch insgeheim und verleugnete mich und natürlich wie wir unsere Zeit verbrachten, vor ihren anderen Freundinnen in der Schule, mit denen sie eben dann auch mal richtige Dinge tat- weggehen, soziale Kontakte knüpfen, was man eben so tut. Das war alles lange nicht der Fall bei mir, ich hatte diese Spiele und meine Fantasie, die ich liebte. Mit der Pubertät kristallisierten sich dann auch sehr deutliche Fantasien heraus, immer mehr, die irgendwie später einen Sinn ergaben und später dann sexuell wurden- was meine heutige sexuelle Präferenz erklärt. Irgendwie hängt alles zusammen, ich weiß nur nicht, wie.
Ich war immer so abseits von allem und fühlte mich ausgegrenzt. Aber ich muss sagen, ich war damals das Opfer und kannte nichts anderes, ich WOLLTE das Opfer sein und konnte mir nichts anderes vorstellen.
Ich hatte nie Selbstbewusstsein, gerade durch die Schulzeit, ich habe mir mit meinem Verhalten alles verbaut. Und ich hasse mich dafür, weil das mein gesamtes Selbstvertrauen geraubt hat.
Das einzige, was mich gut fühlen ließ, war das Schreiben. Ich habe es geliebt, Geschichten zu schreiben. Und irgendwie habe ich dann auch später meine Fantasien da kanalisiert. Und ich konnte das relativ gut. Mein damaliger Deutschlehrer wollte mich immer fördern und hat mich zu einem Schreibwettbewerb angemeldet... und meine Geschichten anderen Klassen gezeigt. Die haben dann aber über mich gelacht, weil ich leider an der ganzen (Kleinstadt)-Schule bekannt war. Es sprach sich halt rum, dass ich die wütende Irre war, die immer ausrastet, die Komische. Es war natürlich in der fünften, sechsten Klasse nicht mehr so, glaube ich. Da habe ich mich nicht mehr so krass verhalten, aber ich hatte durch die Grundschulzeit den Grundstock gelegt. Ich wurde also später dann immer noch verfolgt, verprügelt, geärgert, beschimpft und keiner konnte mich leiden.
Dass das nicht an den Anderen liegt, ist mir vollkommen bewusst.
ICH war schuld und ICH hätte etwas tun sollen. Ich habe mich furchtbar verhalten damals. Ich weiß aber nicht, wieso.
Damals, in der Grundschule, hat meine Klassenlehrerin auch überhaupt nicht leiden können. Sie hat mich nie ernst genommen und mir auch nie geholfen, wenn man mich so schlimm geärgert hat. Sie hat mich als Kratzbürste bezeichnet und nie eingegriffen. Vermutlich war sie der Meinung, das alles hätte ich verdient.
AUch,, wenn ich selbst an allem Schuld bin, finde ich, hätte sie doch so handeln sollen, wie man es von einem Lehrer erwartet. Sie hätte doch sich vielleicht denken können, dass ich mit meinen Verhaltensauffälligkeiten irgendwie nicht normal sein kann. Vielleicht hätte ich damals einen Therapeuten gebraucht oder so. Vielleicht hätte mal irgendjemand mit mir reden sollen. Meine Eltern haben sich immer aufgeregt über diese Lehrerin. Aber ich erinnere mich auch noch an eine Situation, wo mein Vater einem mir unbekanntem Mann grinsend erzählt hat, wie schlimm ich in der Schule ausraste und ich weiß, dass ich daneben saß und mich unglaublich schämte. Und dass ich es schrecklich fand, dass mein Vater das irgendwie witzig fand.
Wie gesagt, das alles ist mir heute noch unglaublich peinlich. Ich habe gar nicht mehr genügend Erinnerungen, habe alles verdrängt. Wie gesagt, dass ich so ausgerastet bin, hat sich nach ein paar Jahren gegeben. Aber das Ärgern, die Scham, die Außenseiterrolle nicht. Ich wurde ständig von Leuten angepöbelt an meiner Schule und ich glaube, es gab wirklich nur sehr, sehr wenige Leute,, die mich leiden konnten.
Ich war auch im Sport immer furchtbar schlecht und hasste die SPortstunden, weil ich da immer ausgelacht wurde. Ich war der totale Loser. Aber selbstverschuldet.
Natürlich kam ich dann aber nicht mehr so leicht da raus.
Ich hatte mir alles verbaut. Dabei wünsche ich mir natürlich, alles wäre anders gelaufen.
Ich hätte gerne eine normale Jungend erlebt oder meine Schulzeit genossen. Wo andere einen richtigen Freundeskreis hatten, über Jungs geredet haben. Lustige Sachen machten, Unsinn, sich in einer Gruppe trafen und sich akzeptiert fühlten. Nur ich nicht und ich bereue das alles sehr.
Ich schäme mich heute wirklich für alles. Ich glaube, etwas hat nicht mit mir gestimmt und ich hätte damals dringend Hilfe gebraucht. Aber es ist zu spät. Das macht mich schon weniger symathisch, oder?
Heute bin ich natürlich nicht mehr so. Heute bin ich eher ruhig, habe kein Selbstvertrauen, fühle mich... naja, ihr wisst es ja. Das alles bin ich heute.
Ich rede nicht gern über diese Sachen von damals, weil ich mich echt scheußlich deswegen fühle. Wie schlimm ich mich benommen habe. Ich habe eine zeitlang alles und jeden gehasst, war immer nur auf Abwehrhaltung und frech, böse. Ich kann mir das gar nicht mehr vorstellen heute. Es war so ein schlimmer Kreislauf, der mich fertig gemacht hat und ich wollte auch oft einfach nicht mehr sein. Aber wirklich ernsthaft über Selbstmord habe ich nie nachgedacht.
Ich erinnere mich auch noch an ein Ereignis.
Eigentlich an zwei.
Und egal, an was ich mich erinnere, ich kann mich nicht wirklich entsinnen, in welchem Alter das alles passiert ist...
Eine zeitlang war ich in der Schule etwas schlechter gewesen, hatte vielleicht auf dem Zeugnis mal eine 4 oder habe eine schlechte Note nach Hause gebracht.
Schlechte Noten waren sowieso das Schlimmste. Ich hatte immer panische Angst, wenn ich mal eine schlechte Note (ab 4) bekommen hatte. Ich war kein besonders schlechter Schüler, aber auch nicht besonders gut und manchmal, besonders in Mathe, passierte das. Ich traute mich dann immer kaum nach Hause mit dieser Note, es war jedesmal eine Katastrophe für mich.
Wie auch immer- und an einem Weihnachten habe ich von meinen Eltern eine Klobürste bekommen!
Wirklich. Wann war das? Mit 11 oder so.
Jaaa, sehr schön, alle grinsten.
Und ich hab geheult wie blöde. Als mein Vater sagte, "hier, für deinen zukünftigen Job!".
Das finde ich rückblickend einfach grausam und total krass, dass Eltern sowas mit ihrem Kind machen können. Das ist einfach furchtbar.
Ich bin übrigens nie sitzen geblieben oder sonst etwas. Ich war mittelmäßig, später dann, als ich älter war und meine Ausbildungen machte, war ich gut und hatte fast nur Einsen und ein paar Zweien.
Ich glaube, meine Eltern haben mich nie ernst genommen. Ich habe mich immer geschämt für mein Verhalten damals in der Grundschule, aber sie haben das entweder locker genommen und sogar darüber gegrinst oder waren sauer auf mich.
Und gut habe ich mich nie gefühlt. SIe haben mir nicht geholfen, mein Selbstvertrauen irgendwie aufzubauen.
Ich finde, Eltern sollten so etwas tun.
Und dann hatte ich auch immer Angst vor dem Vater eines Schulkameraden. Die Familie hat bei uns im Haus gewohnt, der Vater hat immer getrunken und saß abends lange im Keller. Ich hatte Angst vor ihm, weil er aufdringlich war und furchtbar widerlich. Aber ich musste abends für meinen Vater immer bier aus dem Keller holen, komischerweise habe ich nie gesagt, warum ich da nicht runter will, sondern es einfach gemacht.
Und dieser Typ hatte mich irgendwann- ich habe KEINE Ahnung, wie alt ich da war! Leider!! 6 oder 11... ich weiß es nicht. Eher so 6-8 Jahre.
Naja, keine Ahnung, einmal hat dieser Mensch mich angefasst, aber mehr ist nie passiert.
Das war´s.
Das ist mir gerade alles sehr unangenehm. Das ist so persönlich, dass ich das noch nie jemandem erzählt habe und was ist, wenn mich mal jemand wiedererkennt? Kann das passieren? Sollte man solche Dinge überhaupt öffentlich ins Internet schreiben?? Nun, das Risiko ist vermutlich nicht so hoch. Keine Ahnung.
Mir war plötzlich danach, das alles mal niederzuschreiben. Weil ich ein paar Gedanken dazu gern hätte... und... keine Ahnung.
Es ist mir aber auch sehr peinlich.
Ich bin ein total seltsamer Mensch.
Ach so.
Dann mit der 10. Klasse damals verebbte der Hass in meiner Klasse langsam und alle benahmen sich etwas erwachsener.
Natürlich.
Manche grüßen mich auf der Straße aber heute noch nicht.
Mit vielen konnte ich über das Internet oder damals ein paar Jahre nach der Schule gut und normal reden. Da haben wir niemals ein Wort über das alles verloren.
Und jetzt ist bald Klassentreffen.
Nach 10 Jahren.
Und ich weiß nicht, ob ich hingehen soll.
Ich habe Angst.
Aber ich denke, wenn icih das jetzt tue,und allen zeige, dass ich es kann, dass ich halbwegs normal bin, dass ich darüber stehe, dass ich damit umgehen kann... und mir selbst zeige, dass ich mich von meiner Vergangenheit nicht so fertig machen lasse, dann könnte mir das gut tun und ein enormer Schritt nach vorn sein.
Aber wenn es schief geht, ich komische Blicke oder gar Worte ernte, auf Ablehnung stoße, wirft mich das wieder total zurück. Davor habe ich Angst.
Ich weiß nicht, was ich machen soll.
Ich bin fertig mit jammern.