Lieber Lukas,
Ich habe selber eine sehr fordernde Mutter, die unbedingt wollte, dass ich nach ihren Vorstellungen mein Leben organisiere. Ich wollte es ihr auch immer recht machen, weil ich für meinen Selbstwert ihre Anerkennung gesucht habe. Mir wurde immer eingetrichtert, Familie ist das Allerwichtigste egal was.
Ich war leider sehr unglücklich bis zu dem Punkt, wo ich psychisch krank wurde. Durch mein Genessungsprozes lernte ich, dass ich ein sehr wertvoller Mensch bin, egal ob ich etwas erreiche oder nicht. Egal ob ich die Bestätigung meiner Mutter habe oder nicht.
Da lernte ich auch, dass ich meiner Mutter gar nichts schuldig bin. Ich bin ein selbständiger Mensch, mit meinen eigenen Vorstellungen und Träumen. Ich bin nicht dafür da die nicht erreichte Ziele meiner Mutter und ihre Komplexe zu vervollständigen. Das bist du auch nicht Lukas. Wenn Sie sich blamiert fühlen, ist es ihr Problem. Sie sollen mit dem Gefühl klarkommen nicht du.
Ich lernte auch in der Therapie, dass Familie geht nicht um jeden Preis vor. Meine Mutter hat mich emotional übelst missbraucht, warum muss ich mir das mein Leben lang antun, wenn man auch gute Freundschaften haben kann, die einen respektieren und wertschätzen und fast wie eine Familie sind?
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Familie deines Freundes würde dich mit offenen Armen empfangen und akzeptieren.
Ich traf den Entschluss bei mir den Kontakt zu meiner Mutter und Bruder abzubrechen, weil sie mir nur wehgetan haben. Ich habe mich komplett abgegrenzt. Und es tat mir sehr gut. Witzigerweise ein Jahr später haben mich meine Mutter und Bruder wieder kontaktiert, weil sie mich vermissten. Ich habe zugestimmt, wieder den Kontakt aufzunehmen unter bestimmten Bedingungen: keine Vorwürfe, Respekt, kommunikation auf Augenhöhe u. A. Ich behalt mir das Recht vor, den Kontakt jederzeit wieder abzubrechen, sollten sie gegen meine Regeln verstoßen.
Seitdem gibt es null Drama in meiner Familie. Meine Mutter hat ihre Probleme eingesehen und sich Hilfe gesucht, mein Bruder zum Teil auch. Seit etwa einem Jahr ist die Kommunikation bestens. Wir müssen nach wie vor nie einer Meinung sein, aber man respektiert sich. Z. B sie sind beide Corona Leugner, ich nicht, haben aber meinen Stand respektiert und ich ihren.
Ich denke auch Lukas, da du die Anerkennung bei deiner Familie nicht bekommen hast, auch nicht in der Schule oder von Freunden, findest du sie bei deiner Arbeit. Leider bis zu dem Punkt, dass du schon mit der Arbeit übertreibst, weil du so süchtig nach diesem schönen Gefühl von "Wertschätzung" geworden bist. Und deswegen wenn die Arbeit nicht da ist, kommt die Einsamkeit.
Mein Ratschlag dazu: ich habe das Buch "die Kraft der Gegenwart von Eckart Tolle" gelesen und es hat mir extrem geholfen. Im Grunde übst du durch Achtsamkeit deine Glaubenssätze im Kopf langsam zu verändern bis zu dem Punkt wo du keine Anerkennung von außen brauchst, weil die ja von dir selbst kommt. Weil du irgendwann der Überzeugung bist, so wie du bist, bist du ok, du bist ein Mensch mit besonderen Eigenschaften, du lernst dich so zu lieben wie du bist, ohne es davon abhängig zu machen, was die Leute draußen denken.
Anyways. Ich wünsche dir viel Glück Lukas
LG
David