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Ich brauche nicht viele Menschen um mich herum und vermeide bestimmte Situationen... bin ich deshalb nicht normal?

Adreju

Aktives Mitglied
Hallo zusammen.

Ich lebe mit meiner Frau zusammen in einem kleinen Eigenheim. Wir sind beide voll berufstätig in recht fordernden Jobs und haben keine Kinder. Wir haben seit Jahren ein befreundetes Paar mit dem wir auch gemeinsame Urlaube machen, ansonsten hat weder sie noch ich großartige Kontakte, die man jetzt regelmäßig treffen würde oder mit denen man enger wäre. Und mir macht das eigentlich auch gar nichts aus bzw. ich vermisse nichts. Wir gehen am Wochenende meistens 1x samstags weg und Sonntags ins Freie oder bisschen Sport betreiben. Den Rest der Woche wollen wir nach dem Arbeitstag eigentlich nur noch unsere Ruhe.

Ich persönlich hatte auch noch nie viele Freunde, eher Bekannte. Sicherlich war ich früher auch mal gut feiern, mittlerweile wäre es mir zu viel 2x Abends am Wochenende wegzugehen oder mehrmals pro Woche jemanden zu treffen. Und ich mag irgendwie keine größeren Menschengruppen. In meiner Firma kommt es manchmal zu großen Meetings, da habe ich schonmal extra einen Urlaubstag so gelegt, dass ich nicht dran teilnehmen muss, weil mir so viele Leute in einem Raum irgendwie zu viel sind. Genauso bei Weihnachtsfeiern, ich bin da irgendwie - wie soll ich sagen - reizüberflutet wenn da 100 Leute dran teilnehmen und fühle mich da mittendrin nicht wohl.

Ich denke nicht dass ich eine soziale Phobie habe, denn im kleinen Kreis fühle ich mich immer wohl und ich bin auch nicht schüchtern oder introvertiert, auch nicht fremden Leuten gegenüber.

Im Laufe der Jahre sind links von uns neue Nachbarn eingezogen, eine Familie mit 3 Kindern. Die Eltern sind extrem offen, kennen und sprechen auch mit jedem der an ihrer Hälfte vorbeiläuft und sind gefühlt schon mit der ganze restlichen Nachbarschaft persönlich. Dementsprechend ist jetzt vor unserem Haus ständig ein Treiben und gleichzeitig ist es irgendwie ein Anziehungspunkt geworden. Die können spontan aus dem Haus kommen und winken schon einem zufällig vorbeifahrendem Auto.

Uns nervt das eher, weil unser Wohnzimmer genau schräg zu deren Vorgarten verläuft und wir beim Verlassen des Hauses oder nach Feierabend gezwungenermaßen immer in deren Blickfeld sind oder uns genötigt sahen ein Schwätzchen zu halten, wenn man einfach nur rein und seine Ruhe haben möchte. Wenn es nach denen ging, würde man wahrscheinlich jeden Abend zusammen im Vorgarten grillen. Bei denen gehen ja auch Bekannte ein-und aus, manchmal sogar verschiedene am Tag und ich glaube auch dass sogar manche einen Schlüssel haben. Das käme für mich gar nicht in Frage... Ist halt ständig Bewegung nebenan, wodurch wir uns mitunter gestört fühlen und am Anfang war es für die selbstverständlich dass die Kinder über eine niedrige Hecke auf unserem Grundstück Fussball spielen. Da hatten wir dann auch höflich mal drum gebeten das nicht zu tun. Unser Garten ist gepflegt, derer einfach nur Kraut und Rüben.

Nach einiger Zeit haben wir so gut es ging ein Aufeinandertreffen vermieden, z.B. wenn man gesehen hat dass die gerade kommen oder gehen, gewartet bis man raus- oder reingeht oder bei der Gartenarbeit unterbrochen bis die wieder im Haus sind. Ich bin mir auch sicher dass die das gemerkt haben, weil eben immer nur Rasen gemäht oder die Hecke geschnitten wurde wenn man wusste die sind nicht da. Uns gingen die einfach auf die Nerven weil die ständig hörbar oder präsent waren. Man hatte einfach nie seine Ruhe. Deshalb war man quasi schon froh wenn man mal in Ruhe für sich die Gartenarbeit machen konnte bzw. hat auf den Tag gewartet wo die mal weg sind.

Natürlich lässt es sich nicht immer vermeiden dass man sich eben mal zufällig sieht, aber mittlerweile kommt auch kein euphorisches Hallo mehr wie zu Beginn, sondern gar nichts mehr, also auch nicht wenn man zwar grade den Rücken zudreht, aber ja deutlich wahrnimmt dass wir draussen sind.

Jetzt ist es so, dass wenn der Nachbar neben denen vorbeiläuft uns quasi auch nicht grüßt wenn man z.B. grade im Garten arbeitet (und er einen aber sieht). Die beiden untereinander würden sich aber noch nachrufen und sind scheinbar wie beste Freunde. Heute habe ich nun zufällig gehört dass draußen getuschelt wurde wie komisch wir seien. Dabei wollen wir es ja gar nicht anders.

Und trotzdem mache ich mir irgendwie Gedanken darüber.
Findet ihr das unnormal wenn man einfach eher seine Ruhe haben und für sich sein will?
Wir graben uns ja nicht komplett ein und haben ja Kontakte, aber muss es dieses immer und überall sein?
 
Zuletzt bearbeitet:
Kann das verstehen, aber das die nicht Hallo sagen finde ich unhöflich. Ich grüße immer stumpf aus Anstand, will aber auch mit den meisten nicht mehr reden.
Hätte wohl einfach gesagt, das die mir sympathisch sind aber nach der Arbeit mein sozialer Akku leer is und ich keine Gespräche führen möchte. Denke damit können vermutlich auch nicht alle umgehen, aber sie hätten ne Aussage?
Tuscheln gibt es sicher oft, besonders wenn Leute Verhalten nicht nachvollziehen können, weil sie nicht über ihren Tellerrand schauen können. Unangenehm.
 
Hallo Andreju,

ich finde eure Denkweise, eure Bedürfnisse nach persönlicher Abgrenzung etc. absolut verständlich und nachvollziehbar, gerade wenn es um direkte Nachbarschaft geht!!

Eher finde ich es grenzüberschreitend, euren Garten für die Kinder zu benutzen. Wenn beide Familien das so wollten, wäre es etwas anderes.

Ich kann mit solchen Leuten überhaupt nicht umgehen. Sie erwarten von einem, dass man offen ist. Offene Tür für Jedermann, lädt sich selbst bei anderen ein, findet das normal. Und wer nicht so tickt, ist ein Spieser und Spielverderber.

Schlüsselaustausch ist ja nicht nötig, kann man einen Ersatzschlüssel im Garten deponieren, braucht der Nachbar nicht haben. Wenn Pakete angeliefert werden, ist es praktisch, wenn der Nachbar sie annimmt, gibt aber auch andere Lösungen.

Ich kenne solche Nachbarschaften. Wie gesagt, wenn alle so ticken, kann das eine schöne und zwanglose Sache sein. Zumindest bis es zu irgendwelchen Streitigkeiten kommt. Und das passiert nach gewisser Zeit oftmals. Dann sind solche Leute plötzlich gar nicht mehr so supertuper unbedarft und "freundschaftlich" drauf.

Grenzen ziehen finde ich wichtig, damit andere einem nicht auf der Nase herumtanzen oder meinen, man wäre wie sie. Ich denke da heute ziemlich rigoros. Als ich noch mit meinem Exmann zusammen war, war es ähnlich. Er hat keine Grenzen anderen gegenüber gekannt und fand das auch gut, wenn andere plötzlich hereingeschneit kamen, weil, er hat das selber bei anderen auch so gemacht. Mir war das oft unangenehm und ich habe gemerkt, dass manche unproblematische Bekanntschaft doch nicht immer so hopsasa-trallala ist, wenn ihr was gegen den Strich geht.

Spontane Besuche z.B. finde ich gut, wenn es für beide Seiten eine Selbstverständlichkeit ist.
Bei Nachbarschaften muss man besonders aufpassen, finde ich. Weil man ja nebeneinander wohnt und nicht "weg" kann, weil man da ja wohnt.

Ihr habt das Recht, euch so zu verhalten wie ihr es tut und müsst es denen nicht gleich tun.
Dann seid ihr halt komische Leute in ihren Augen - das kann euch egal sein (arschlecken, rasieren, 3,50). Und ihr müsst auch keinen Rechtfertigungsdruck haben. Klar sagen, was geht und was nicht und basta. Wer dann beleidigt ist, der muss es halt sein. Was solls.

Ich wohne sehr anonym. Das finde ich manchmal schade. Aber lieber so, als zu viel "künstliche" Nähe.
Hier im Mehrfamilienhaus wird maximal "Hallo" gesagt. Bisschen wenig, aber besser als neugierige Nachbarn. Rücksichtslos sind sie leider trotzdem oder gerade deshalb, also wegen der Anonymität.

Nachbarschaft ist oft ein großes Thema, das man nicht unterschätzen darf. Und Geselligkeit hat durchaus ihre Grenzen usw. usf. Die Bedürfnisse eines Jeden müssen respektiert werden, ohne dass man in Erklärungsnot kommt. Kurze, kanppe Ansagen müssen keine Unhöflichkeit sein.

Sorry , ist jetzt lang geworden und etwas verwirrend, aber mir kommen da viele Erinnerungen hoch.

LG Umbra
 
Das Vermeidungsverhalten is allerdings nicht so gut, also erst raus gehen wenn keiner da is? Schränkt euch das nicht voll ein?
Wie wärs mit nem höheren Zaun/Hecke? Ich mein den Ruf das ihr "merkwürdig" seid habt ihr eh schon. Würde mir das zubauen, damit ich meine Ruhe hab und nackig im Garten rum turnen kann. 🤪 (kleiner Scherz)
 
Findet ihr das unnormal wenn man einfach eher seine Ruhe haben und für sich sein will?
Hallo Adreju,
"normal" gibt es bei uns Menschen (und bei vielen anderen Tieren) gar nicht – es gibt eine gewisse Bandbreite an Charakteren, Temperamenten, Naturellen. Angeborene Unterschiede, die sich auch im Sozialverhalten zeigen.

Eure Nachbarn gehören wohl zu den so genannten "Beziehungstypen" – die sind ähnlich wie Schimpansen oder Delfine von ihrer Eigenart her prädestiniert und fast gezwungen, die sozialen Kontakte zu pflegen und ständig zu erweitern (hier nachzulesen: www.naturellwissenschaft.org).

Du und deine Frau gehört wohl vom Temperament her eher zu den "Gorillas" oder "Orang-Utans" 🙂 ... denen genügen wenige, stabile Verbindungen für ihr Wohlbefinden.

Mein Tipp wäre, dass ihr die "netten Nachbarn" mal zu euch zum Essen einladet und dabei einfach erklärt, dass ihr vom Job her so viel soziale Interaktion habt, dass für euch das Zuhause eine Insel bedeutet, wo ihr das nicht auch noch in größerem Ausmaß pflegen müsst. Und dass sie es euch bitte nicht übelnehmen sollen, wenn ihr nicht in gleichem Maße kommunikativ seid – aber trotzdem immer für sie da seid, wenn es etwas zu helfen oder zu besprechen gibt.

Also aktiv das zeigen, was sie auch machen, aber eben mit einer klaren Botschaft: es gibt ein Zuviel für euch und es gibt ein gesundes Maß.
 
Und dass sie es euch bitte nicht übelnehmen sollen, wenn ihr nicht in gleichem Maße kommunikativ seid – aber trotzdem immer für sie da seid, wenn es etwas zu helfen oder zu besprechen gibt.
Grundsätzlich finde ich den Vorschlag ganz gut - bis auf diesen Aspekt.
Wenn ich vor Leuten meine Ruhe haben will, würde ich auf keinen Fall kommunizieren, dass ich immer für sie da bin, wenn es etwas zu helfen oder zu besprechen gibt.
Weil - die kommen dann wegen Hilfe oder wollen Gespräche.

Ich glaube, ich würde demonstrativ weiter freundlich grüßen. Egal, ob die euphorisch antworten oder gar nicht antworten. Und sonst würde ich mich weiter zurückgezogen verhalten, wie es meinem Naturell entspricht.

Wenn man dann den Ruf weghat, ungesellig zu sein, ist das völlig in Ordnung. Den Ruf, auch noch unhöflich zu sein, würde ich mir möglichst nicht erarbeiten wollen.

@Adreju: um auf deine Frage im Titel einzugehen, ob du deswegen nicht normal bist...die Frage war vermutlich nur rhetorischer Natur?!? Du weißt doch sicherlich, dass du völlig normal bist, die Nachbarn aber auch?
Allerdings finde ich es immens grenzüberschreitend, die Kinder ohne schlechtes Gewissen einfach auf dem Nachbargrundstück spielen zu lassen.

Aber: Nachbarschaft geht oft so. Das ist ein klassischer Nachbarschaftskonflikt, wenn unterschiedliche Interessen und Temperamente aufeinander prallen.
Deswegen könnte ich nie und nimmer wieder auf dem Dorf leben, ich bin in einem winzigen Kuhkaff 10 Jahre lang aufgewachsen, da könnte man mir ein Haus schenken, ich würde es nicht haben wollen.

Als Kind habe ich miterlebt, wie der Jagdhund eines Mannes die kleine Katze des Nachbarn gegenüber totbiß.
Daraufhin hat die eine Hälfte des Dorfes etwa ein halbes Jahr nicht mit der anderen Hälfte gesprochen, weil alle in irgendeiner Form verwandt oder verschwägert waren.
Klar, der Vorfall war wirklich nicht schön - aber der unvermeidliche Rattenschwanz hinten dran, sowas braucht dann auch kein Mensch.

Mein Fazit: zweifelt nicht an euch, bleibt freundlich, höflich und klar abgegrenzt. Dann seid ihr auch außen vor, wenn die so wahnsinnig gut Befreundeten den ersten großen Konflikt ausfechten. Euch fehlt ja nichts.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie wärs mit nem höheren Zaun/Hecke? Ich mein den Ruf das ihr "merkwürdig" seid habt ihr eh schon.

Ja, denke ich auch.
Vielleicht würde ich die Nachbarn ganz lieb und nett fragen, ob ihnen lieber wäre, wenn eine höhere Hecke da hinkommt, dann fliegt der Ball nicht dauernd rüber?!?

Aber ich hätte auch klar eine Neigung zu viel hohem, undurchsichtigem Grünzeug. Sowieso, auch bei angenehmen Nachbarn.
 
Seine Ruhe haben wollen, ist völlig normal. Sich quasi im Haus zu verstecken, um den Nachbar nicht zu begegnen, finde ichv jetzt aber nicht unbedingt normal.
Man kann doch einen distanzierten, höflichen Kontakt halten. Kurz grüßen, wenn man sich sieht und das wars. So machen das 99% der Menschen wahrscheinlich mit ihren Nachbarn.
Manche Leute sind auch super empfindlich, wenn man vermeintlich was "gegen" ihre Kinder sagt. Unsere sind vz.B. total distanziert geworden, als wir sie mal drum baten, drauf zu achten, dass ihr Sohn sich nicht immer an den Zaun stellt und uns stundenlang anstarrt, wenn wir essen etc...

Glaube nicht, dass es sie ernsthaft interessiert, wie oft du abends ausgehst oder wie viele Freunde du hast.
Sie waren wohl eher pikiert, dass sie bei euch gegen so ne Wand liefen.
Wieso sollen sie euch denn noch freundlich grüßen, wenn ihr die Gartenarbeit unterbrecht, wenn sie rauskommen und erst weitermacht wenn sie vweg sind?

Laute Nachbarn sind ein Graus, ja. Aber in deinem Beitrag liest esb sich so, als wärst du auf sie wütend, weil sie sehr sozial sind. Deine Wortwahl "die", "denen" klingt auch abfällig. Wenn du auch mit etwas abfälliger Art ihnen gegenüber aufgetreten sein solltest, wär ich nicht überrascht, dass sie das übel nehmen. Um die Art wie ihr euer Leben lebt, gehts dabei wsl nicht.
So wie ihr das Recht habt, eure Zweisamkeit zu genießen, haben sie das Recht Besucher zu haben.
 
Hui, danke für Eure Rückmeldung.

Ich versuche mal auf alle genannten Punkte einzugehen.

Ursprünglich wohnte dort ein nettes Rentnerehepaar, hat man kaum gesehen, und wenn, hat man sich gerne auch mal kurz unterhalten. Es war einfach immer ruhig und entspannt. Unsere Vorgartenfläche war damals auch noch ohne Begrenzung, also durchgehende Rasenfläche. In weiser Voraussicht hatte ich früh schon selbst eine Begrenzungshecke gepflanzt.

Als die neuen Nachbarn einzogen fiel eben gleich auf, dass man immer sofort in ein Gespräch verwickelt wurde, man wurde gleich reingebeten, man könne ja auch mal zusammen grillen etc. .. ich empfand das als fast etwas aufdringlich, so nett es ja auch sein mag. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur 1 Kind. Dann kam Kind Nr.2 und kurz darauf noch Kind Nr.3

Irgenwann sah ich dann wie die Kinder über die Hecke Fussball spielten, also 1 Kind auf unserer Seite. Da haben wir höflich gesagt dass wir das nicht möchten. Dann gab es halt öfters Situationen wo es draussen dermaßen laut war, dass wir auch das mal angespochen hatten, nachdem wir lange lange Zeit immer die Faust in der Tasche gemacht und das hingenommen haben. Im Sommer ist es dann fast täglich so, dass man stundenlang vor dem Haus ist, also wir sind gezwungenermaßen ständig im Blickfeld ob man kommt oder geht oder einfach mal in Ruhe seine Gartenarbeit machen möchte. Sie sind einfach immer präsent und ich kenne auch wenig Kinder die so einen Lärm fabrizieren (und wir sind keine Kinderhasser). Da wird minutenlang gegen das Treppengeländer geschlagen und die Eltern sagen halt nichts. Also unangemessener vermeidbarer Lärm.

Deshalb sind wir natürlich irgendwann dazu übergegangen eben erst rein- oder rauszugehen wenn keiner da ist, oder wenn man sie schon von weitem herfahren sieht schnell reinzugehen und erst danach mit der Arbeit weiterzumachem. Und ja, es schränkt uns (ungewollt) ein, aber wir sind halt mittlerweile so genervt weil man gefühlt keine Privatsphäre hat und immer irgendwie den Nachbarn ausgesetzt ist. Meine Frau hat dann auch mal demonstrativ das Fenster lauter zugemacht. Sicher könnte man jetzt sagen dass man selber Schuld ist, wenn man sich auf dem eigenen Grundstück nicht frei bewegen kann wie man es will, aber ich fühle mich einfach unwohl wenn ich nicht draußen einfach mal nur in Ruhe hinsitzen oder meine Gartenarbeit machen kann, ohne dass ich ständig Blicken oder diesem Lärm ausgesetzt bin. Deshalb wartet man mittlerweile auf eine günstige Gelegenheit und macht es halt dann wenn man seine Ruhe hat. Entspannt ist das sicher nicht.

Jeder soll leben wie er es mag, ich könnte aber nicht täglich mehrmals Besuch empfangen und schon gar nicht spontan. Aber das was da drüben passiert ist schon außergewöhnlich. Wie gesagt, egal wann sie kommen oder aus dem Haus gehen, das erste zufällig vorbeifahrende Auto kennt man und egal wer vorbeispaziert, es wird sofort gegrüßt und geredet, als kenne man alle im Ort persönlich. Wir sind da halt ganz anders und wollen abseits vom Beruf unser Zuhause als eine Ruheoase haben.

Es ist jetzt auch nicht so, dass wenn man wirklich Blickkontakt hat sich gar nicht mehr grüßt. Ein kurzes Hallo kommt da schon... Auch Pakete werden hin- und wieder untereinander angenommen. Aber anfangs war es halt auch so, dass sie sofort laut gegrüßt hatten wenn man im Garten gearbeitet, aber man sie selbst grade gar nicht wahrgenommen hatte. Das ist jetzt nicht mehr. Und ich gebe zu, dass wir auch schonmal beschäftigt tun oder sie gar nicht sehen, auf dem Handy rumtippen oder "telefonieren", damit man sie vermeintlich nicht bemerkt. Ich kann das nicht anders beschreiben, man war einfach schon so oft total genervt.

Dass sie das im Laufe der Zeit gemerkt haben war mir schon klar, denn die Nachbarn neben Ihnen grüßen ja immer als wär man beste Freunde. Wir sind einfach anders. Ich brauche nach einem anstregenden Tag nicht noch Unterhaltung von den Nachbarn und wenn man das Wochenende zur Erholung nutzen möchte und halt trotzdem immer mit Lärm konfrontiert wird, bekommt man natürlich auch eine gewisse Abneigung. Wir können ihnen nicht verbieten wie lange oder wie oft sie draußen sein dürfen, aber ich finde halt auch obwohl man schon mehrfach um ein bisschen mehr Rücksicht gbeten hat geht es halt immer so weiter. An dieser Stelle müsst ihr einfach glauben, dass jeder von Euch von diesem Lärm auf Dauer genervt wäre. Für sie wäre es am liebsten wenn alle Nachbarn zusammen auf deren Grundstück spielen.

Aber vom eigentlichen Thema her geht es ja auch um den Grundsatz dass man nicht der Typ dazu ist, mit allem und jedem gleich die großen Gespräche anzufangen oder so extrovertiert ist, dass man schon den Bäcker um die Ecke persönlich kennt. Mich hat halt das was ich gestern gehört habe nachdenklich gemacht, da es vermutlich in der restlichen Nachbarschaft schon heißt wir sind komisch, unnahbar, zurückgezogen, man sieht und hört uns nicht... Vielleicht ist das auch im Job bei mir so, denn während manche Kollegen schon mal Mittags mit 20 Mann Essen gehen, bevorzuge ich es lieber in Ruhe abzuschalten - mir ist das einfach zu viel.
 
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