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Ich brauche einen Kompass zum überleben.

Umaro

Mitglied
Hey Leute.

Heute bin ich 24 Jahre alt geworden und obwohl ich die Zeit mit feiern verbringen sollte plagen mich Gedanken.
Kurz zusammengefasst habe ich vor einigen Jahren mein Studium abgebrochen. Durch mein Versagen im Studium habe ich extrem Depressionen und einen Burnout entwickelt den ich erst mit etwas über einem jahr Therapie überwinden musste (Zusätzlich musste ich noch mein Trauma aus der Kindheit: Misshandlung, Durch Shizophrenie ausgelößte Selbstmordversuche der Mutter und Mobbing verarbeiten).

Nach einer Menge harter Arbeit habe ich es damals aus meinem Loch heraus geschafft in dem ich mich befand. Ich habe es inzwischen geschafft von diesen Menschen weg zu kommen (Mutter, Vater) und habe inzwischen eine Ausbildung zum Sprachtherapeuten gefunden.

Die Ausbildung selbst macht mir Spaß und ich hab da auch Freunde gefunden .... allerdings bin ich wieder zu schlecht. Egal was ich tue, die Anderen sind mir immer extrem viel Besser als ich. Es kommt mir so vor als währe ich eine Niete und inzwischen habe ich jeden Tag Angst, dass man meine Ausbildung Kündigt weil man keine Chancen für mich im Staatsexamen sieht.
Diese Angst hat mich heute wieder über suizit nachdenken lassen. Nicht so wie damals als ich innerlich leer war, sondern angetrieben von Verwirrung und Angst. Wenn ich meine Ausbildung wirklich verlieren sollte, wie mache ich das dann mit meinem Verstand aus? Wie kann ich in den Spiegel schauen und nicht das erneute Versagen in diesem Menschen sehen?

Ich habe neulich angefangen Tagespläne zu machen. Habe meine Tagesabläufe genau strukturiert um irgendwie selbständig den von mir noch benötigten Inhalt nachzuholen. Aber je länger ich in dieser Ausbildung gehe umso mehr habe ich das Gefühl, dass meine Mühen Vergebens sein werden.

Ich brauche irgendeinen Kompass nachdem ich leben kann. Normalerweis würde ein Vater seinem Sohn beibringen wie man in dieser Welt zurecht kommt aber mein Vater hat das nie getahn. Ich bin wie ein Kind, dass man alleine in den Jungle zum überleben geschickt hat.

Ich brauche irgendein Vorbild. Eine Religion vielleicht oder ein Codex oder irgendeine Art Weg, den ich im Leben gehen kann. Etwas, wovon ich überzeugt sein kann. Ein Antrieb, der fern von allen gewöhnlichen Ansprüchen des Alltags wie Beruf, Karriere, Sex, Kinder, Familie usw. steht

Vielleicht ist das auch Unsinn was ich hier schreibe. Aber vielleicht kann Jemand nachvollziehen was ich meine. Es ist wie ein Loch in meiner Brust. Es fehlt einfach irgendwas. Es muss auf dieser Welt mehr Ziele geben als nur erfolg im Beruf zu haben.

Hey und falls du bis hier hin gelesen haben solltest, danke ich dir zumindest dafür, dass du mir zugehört hast. Ehrlich gesagt glaube ich irgendwie nicht, dass es wirklich eine Antwort darauf gibt.
 

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Sadie02

Aktives Mitglied
Hi!

Ob es eine Antwort darauf gibt, weiß ich nicht. Ich habe wahrscheinlich nicht die richtige, bin auch deutlich jünger als du...aber einen Gedanken habe ich dann doch.

Du hast angefangen zu studieren und dann hast du das abgebrochen, weil es nicht gepasst hat. Und das Ganze hast du gemacht, als es dir seelisch sehr schlecht ging. Das ist doch kein Versagen. Du hast ja nicht das Studium geschmissen, weil du jeden Tag gefeiert hast oder keinen Bock hattest.
Und danach, das schreibst du selbst, hast du dich hoch gekämpft. Raus gekämpft...und eine Ausbildung gefunden.

Woher kommt die Meinung, dass die anderen besser sind? Liegt das an Noten? Oder ist es mehr ein Gefühl von dir? Hat dein Arbeitgeber schon mal was zu dir gesagt?
Dass mit den Plänen finde ich eine gute Idee, falls es daran liegst, dass du Probleme mit dem Lernen hast und es vielleicht zu lange aufschiebst.

Du brauchst ein Vorbild. Aber dafür musst du dir doch kein Idol oder einen Gott erfinden. Nimm doch dich selbst als Vorbild und denke an das, was du schon geschafft hast. Dann unschöner Kindheit und Jugend bist du am Kämpfen, hast manches erreicht und bist nicht liegen geblieben, als es im Studium nicht geklappt hat. Du bist doch ein Kämpfer. Nimm dich selbst als Vorbild!
Das Ziel...keine Ahnung ist vielleicht nur, dass man am Ende vom Leben mehr gute als schlechte Tage hatte? Oder sich einen Traum erfüllen konnte, was auch immer der ist?

Alles Gute dir!
 
A

Alböguhl

Gast
Hey und falls du bis hier hin gelesen haben solltest, danke ich dir zumindest dafür, dass du mir zugehört hast. Ehrlich gesagt glaube ich irgendwie nicht, dass es wirklich eine Antwort darauf gibt.
Kam dein Vater denn mit der Welt klar?
Wie es weitergeht und ob entscheidest du allein, was du mit der Zeit anfangen willst, die dir gegeben ist.
Geburt, Schule, Lehre oder Studium, Beruf, heiraten, Kinder, Rente Tod, das wars?
Jeder ist anders, das jeder so ist wie du denkst, woher kommt das.
Was der Sinn des Lebens ist, weiß keiner genau, nur der Geist, der unverrückbar an ein fernes schönes Ziel glaubt, vermag die Lebenskraft sich zu erhalten, die ihn über den Alltag hinwegführt.
Wer Erfolg im Leben haben will, muß klug mit seinen Gefühlen umgehen können und das emotionale Alphabet beherrschen.
Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist?
Wie du am Ende deines Lebens wünschest gelebt zu haben, so kannst du jetzt schon leben.
 
N

Naema

Gast
Lieber Umaro,
einen Lebensplan für dich habe ich leider auch nicht, deshalb komme ich direkt zum Punkt.
Du hast ja schon Therapieerfahrung - wie war die denn für dich? Vielleicht könnte dir ja eine zweite Therapie helfen, dass du mit einer*m Therapeut*in einen für dich funktionierenden Lebenskompass entwickelst.
Die Wartezeiten dabei sind halt meist mindestens einige Wochen lang. Du bist ja schon soweit, dass du den Misserfolg herannahmen siehst - Maßnahmen sollten also eigentlich besser sofort einsetzen.
Hast du denn bei deiner Ausbildung die Möglichkeit dich an eine Vertrauensperson zu wenden? Gibt es einen Menschen, dem du dich anvertrauen kannst und der dir helfen kann, den Misserfolg abzuwenden?
Regeln - auch in Ausbildungen - sind nämlich von Menschen gemacht. Also können sie auch von Menschen außer Kraft gesetzt werden. Denn die meisten Menschen meinen es nicht böse, sie haben nur wenig Ahnung darüber, wie es zB in dir aussieht. Mit deiner*m Vertrauten fällt es dir vielleicht leichter, dich den Verantwortlichen zu erklären. So kannst du mit denen gemeinsam Strategien erarbeiten für den Fall, dass dein Ausbildungsplatz tatsächlich wackeln sollte (bspw einen zusätzlichen Prüfungsantritt, die Möglichkeit ein Semester auszusetzen usw.).

Wie es sich mit der Leistung von dir und deinen Kolleg*innen verhält, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich glaube aber, dass vor allem soziale Berufe (und das ist Sprachtherapie ja) idR nicht von reinem Faktenwissen abhängen. Klar ist das eine gute Basis, aber das wirklich Relevante wirst du vermutlich eh nach den ersten paar Praxisjahren verinnerlicht haben. Vielleicht hast du dafür Kompetenzen, die in deiner Ausbildung gar nicht wirklich erfasst werden, dich aber dennoch für den Beruf eignen: Geduld bspw oder ein freundliches Wesen und eine ausgeprägte Empathiefähigkeit.

Ja und das mit dem Sinn ist vermutlich für alle Grübler immer wieder Thema. Für mich ist mein Leben sinnvoll, wenn es erfüllt ist. Das kann sein, weil ich durch meinen Beruf Gutes tue (was du als Sprachtherapeut auch tun wirst). Das kann aber auch sein, dass ich einfach eine gute Zeit mit Freund*innen verbringe, mich zu Themen 'fortbilde', die mich faszinieren. Und natürlich kann auch eine Beziehung, eine Familie Sinn stiften.
Ich fürchte, dass kein Mensch kommen wird, der das Loch in deiner Brust schließt. Aber ich finde Sadie02s Vorschlag super, dass du dir dein eigenes Vorbild sein kannst. Du hast offensichtlich schon so einiges überlebt und bist vermutlich eine ziemlich starke Persönlichkeit. Das wird dich zwar nicht dauerhaft von dem Loch in der Brust befreien, aber vielleicht kannst du es so sehr verkleinern, dass es dich nicht mehr vom Leben abhält :)

Ich wünsche dir alles Gute,
Naema
 

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