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Ich bin völlig bekloppt

TK123

Mitglied
Hallo,

also ich glaube, dass ich innerlich völlig kaputt bin. Ich habe so viele komplett bekloppte Probleme. Z.B. kann ich kaum noch lernen weil ich mir nichts mehr merke, hatte seit frühster Kindheit Angst vor irgendwelchen Dämonen oder so nem Mist, die auf mich lauern. Ich weiß selbst dass das völlig dumm ist, aber es war nun mal so. Und das war nicht ein bisschen, sondern ich hatte Panikattacken im Bett und konnte nicht einschlafen-wenn, dann hatte ich Alpträume. Es hat sich mittlerweile zum Glück aber gebessert. Desweiteren fühle ich mich schon extrem lange (min.10 Jahre) sehr einsam und glaube dadurch auch zynisch geworden zu sein. Es gibt noch mehr, aber Ich fang am besten von vorne an, damit man es besser nachvollziehen kann. Keine Angst, ich erzähle jetzt nicht meine gesamte Lebensgeschichte im Detail.

Also die Ängste in der Nacht traten schon sehr früh in der Kindheit auf (Kindergarten). Ich weiß nicht, ob es daran liegen kann, dass es auch da einige unschöne Vorfälle gab wie dass mich ein befreundetes Kind heftig geschlagen hat und die Erzieherinnen mir die Schuld dafür gaben, weil ich mich mit ihm angefreundet habe, oder dass mich eine mal angeschrien hat weil ich eine Zeit lang (nicht die gesamte Zeit) keine Freunde hatte und alleine gespielt habe. Ab dem Moment habe ich im Übrigen angefangen meine negativen Emotionen zu verbergen. (Die anderen Kinder und die Erzieherin sollten nicht sehen, dass ich weinte. ) Weil das ja dann so weiter ging, fällt es mir auch sehr schwer das zuschreiben und ich entschuldige mich für dieses Wirrwarr.
Naja. Weiter: Meine Mutter war mir eigentlich immer eine Bezugsperson, im Gegensatz zu meinem Vater, zu dem ich heute kaum noch Kontakt habe, weil dieser mich aber vor allem meine Mutter immer heruntergeputzt hat. (Wie mein Opa übrigens auch, auch wenn das sporadisch war und er im eigentlichen sehr bemüht um uns war) aber auch wegen anderen Sachen. Aber dennoch hatte sie auch oft so "Ausraster" und auch wenn sie sich danach entschuldigt hat, und sie über die Zeit weniger wurden (mittlerweile eigentlich gar keine mehr) hat es mich immer sehr verängstigt und später auch wütend gemacht.
In der Schule wurde ich seit der 2. Klasse von der gesamten klasse, außer ein paar Außenseitern, und der Klassenlehrerin gemobbt. Allerdings immer nur verbal. Ich war aber nicht so das typische Mobbingopfer und hab mich immer gewehrt (verbal) und dagegen angekämpft. Aber das gepaart mit der nächtlichen Angst war extrem anstrengend weil ich ja quasi dauerhaft gestresst war und Angst hatte. Wenn ich jetzt daran zurück denke zittere ich und mein Trommelfell zuckt. XD
In der 5. habe ich deshalb gewechselt weil ich das Gefühl hatte zu müde für das alles zu sein (es war eine Schule die man von der 1. Bis zur 12. Machen kann) Also meine Mutter hatte davon ja gewusst und mich seit der 3. gedrängt zu wechseln, mir aber die Entscheidung überlassen. Was ich wirklich toll finde von ihr.
Nach dem Wechsel wurde ich irgendwie immer trauriger, aber weniger angstvoll in der Nacht. Ich binmir nicht sicher ob das damit zutun hatte, dass ich dann lethargisch wurde und es mir egal war...
Naja. Jedenfalls kann man sich ja denken dass nach dieser Zeit mein Selbstwertgefühl nicht besonders hoch war. Das wollte ich dann ändern indem ich mich in der Schule verbessere und wurde zum Musterschüler. Erhoffte mir natürlich Anerkennung usw. Die anderen Schüler erkennen sowas ja nicht so an, deswegen wollte ich mich ihnen mehr anpassen, habe sie beobachtet und ihr Verhalten kopiert, obwohl mir das eigentlich zuwider war. Weil ich mich selbst eigentlich mag. (Icv weiß, das ist unlogisch) so waren die mit jemandem befreundet, der ich eigentlich gar nicht bin... Die Anerkennung war aber nicht so dolle was man ja verstehen kann, deswegen fing ich dann an dünner und dünner zu werden und immer mehr Sport zu machen (bis zu 9Std am Tag) das hab ich aber nur ein halbes Jahr durchgehalten, dann konnte ich nicht mehr. Auf ganzer Linie. Meine Noten sind abgesackt, ich nahm (glücklicherweise) wieder zu und wollte aber auch nicht mehr zur Schule gehen. Ich hatte das Gefühl einfach ausgelaugt zu sein und den Erwartungen nicht mehr entsprechen zu können egal wie sehr ich mich bemühe.
Da man ja aber Schulpflicht hat, musste ich durch Angabe ein paar dieser Gründe in die Psychiatrie, wo mich die Psychiaterin angeschrien hat, weil ich keine Antidepressiva nehmen wollte. Ich war übrigens nicht irgendwie unsachlich als ich ihr sagte, dass ich das nicht nehmen will. Aber danach war das sowieso kaum vorhandene Vertrauen weg und ich brach das ab und wurde an einer anderen Schule angemeldet. Ich wollte nicht mehr auf die alte...
Und seit dem "funktioniere" ich als Schülerin halbwegs und dümple vor mich hin. Ich hab noch immer das Gefühl dass ich für die Schule keine Kraft mehr habe, aber ich muss ja. Das Problem ist aber dass ich mich nicht mehr konzentrieren kann und auch wenn ich 5 Std lerne nichts hängen bleibt. Obwohl ich eigentlich mal sehr schnell lernen konnte.
Aber das ist nicht nur bezogen auf die Schule som Überall wo ich das Gefühl habe gefordert zu werden und eine Aufgabe zu haben, will ich einfach nicht und habe das Gefühl dass ich das nur kann wenn ich mich "ausblende" und nur wie eine Maschine funktioniere. Auf der anderen Seite geht das wie gesagt auch nicht mehr.

Ich weiß nicht was ich machen soll, weil ich mich in einem Gespräch mit Psychologen nicht öffnen kann und aber ja auch in der Schule besser werden muss. Ich hoffe mich versteht jemand wenigstens ein bisschen, auch wenn das alles sehr unstrukturiert ist. Ich bin einfach nicht gewöhnt über sowas zu reden...

LG
 

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T

tREs-2

Gast
Hallo TK123

Das liest sich wirklich alles andere als positiv , es scheint fast so als bist du in einer endlosen Schleife gefangen mit vielen downs und nur hin und wieder up Phasen.
Hast du schon darüber nachgedacht den Psychologen zu wechseln ?
Denn gerade dort solltest du dich eigentlich öffnen können um jedes noch so kleine Detail schildern zu können.
Vielleicht liegt es an der Person oder dem Umfeld dort das du dich nicht wohl fühlst und deswegen lieber schweigst.

Und ein weiterer großer Schritt könnte das beenden der Schulzeit sein , gibt es denn schon Pläne wie es danach weiter gehen soll ? Und wie lang hast du noch vor dir ?
Dieser Tapetenwechsel könnte auch einen positiven Effekt haben wenn du dein "altes" Leben und die damit verbundenen Erlebnisse hinter dir lassen kannst.

Ich hoffe du kannst diesen Teufelskreis bald verlassen und dich voll und ganz auf dich und deine Zukunft konzentrieren.

MfG
 
G

GrayBear

Gast
Hallo TK123,

mit "Schule" sollte jeder Schüler und jede Schülerin zurecht kommen, so ist zumindest die Theorie. Aber das klappt leider oft genug nicht. So fallen einige junge Menschen "durchs Raster", verkriechen sich innerlich oder werden aggressiv. In und um die Schulen wird so sehr gekämpft, dass ich offen gestanden sehr froh bin, da nicht mehr hin zu müssen. Es wird leider viel verleugnet und verdrängt, um dem "System Schule" nicht zu schaden. Dass aber genau das ebenfalls Schaden anrichtet ... so viele Binsenweisheiten und so wenig Lösungen mit der Aussicht auf Erfolg.

Was Du in Deinen letzten Zeilen geschrieben hast, hört sich für mich nach "Erschöpfung" an. Wenn einen nicht mehr viel motiviert, wenn man nicht mehr zu erkennen vermag, wofür das Ganze noch gut sein soll, dann fragt sich jeder halbwegs intelligente Mensch, warum man sich solchen Situationen weiter aussetzen soll. Warum lernen, warum sich Mühe geben, wenn das System offenbar so wenig Rücksicht nehmen kann und man für eigene Wünsche und Hoffnungen auch noch bestraft wird?

Ich finde nicht, dass Du völlig bekloppt bist, aber in Deinem Alter sollte man schon etwas bekloppt sein dürfen. Es ändert sich so viel in einem und um einen herum. Das ist nicht immer so einfach wegzustecken. Sei also etwas nachsichtig mit Dir und Deiner Umwelt.

Ich kann Dir leider nicht schreiben, wie Du Deine Situation grundlegend verändern kannst und ob Du das solltest. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass eine Revolution oft mehr Schaden anrichtet, als eine Evolution. Aber die erfordert Geduld und wer hat die schon? Gibt es Dinge, Menschen, Orte, Hobbys, die Dir wieder Kraft zurückgeben? Hast Du für die kräftezehrenden Aufgaben einen Ausgleich, der es Dir leichter macht, wieder Kraft zu schöpfen? Offenbar neigst Du etwas zu Extremen und gehst dabei unglaublich rücksichtslos mit Dir um. 9 Stunden Sport sind unglaublicher Stress und überfordern Deinen Körper. Was bringt Dich dazu, Dich selbst so zu quälen und zu schädigen?

Ich kenne leider nur "Die Methode der kleinen Schritte", um sich selbst im Inneren eine Evolution zu ermöglichen. Das ist keine Checkliste, die man nur abarbeiten muss und schon kommt alles in Ordnung. Es geht darum, schrittweise herauszufinden, wer Du bist und was "Deins" ist. Ich habe viele Jahre dafür gebraucht und bin viele Umwege gegangen, aber es hat sich wirklich gelohnt.

1. Schritt: Fange an, an Dich zu glauben und Dir zu vertrauen. Du hast keinen Grund dazu? Egal, tu es trotzdem. Schlussendlich hast Du nur Dich und musst mit Dir selbst den Rest Deines Lebens umgehen. Also kannst Du das auch mit Rücksicht und Liebe tun.

2. Schritt: Arbeite mit Deinen Stärken und kämpfe nicht so sehr mit Deinen Schwächen. So viele Menschen versuchen einem einzureden, dass man dies anders und das besser machen sollte. Da mag was dran sein, vielleicht ist da was dran. Aber Du bist nicht, was Du tust. Du bist mehr. Warum sich also von anderen in eine Schublade stecken lassen, bis man sie selbst nicht mehr verlassen will und kann? Du bist mehr.

3. Work-Life-Balance: Du hast noch nicht wirklich gelernt, mit Deinen Gefühlen zu arbeiten. Du nutzt sie, spannst sie für Deine Zwecke ein, lässt Deinen Zorn auf Dich selbst los, rennst mit der Angst um die Wette, aber schlussendlich rennst Du um Dein Leben und weist aber nicht wohin. Das kann nur schief gehen und sorgt dafür, dass Dir niemand folgen kann, denn Du bist schon weg, bevor Dir jemand zu nahe kommt. Gefühle sind keine weisen Ratgeber, sie sind nur Empfindungen, die unserer Spezies beim Überleben geholfen haben. Aber heutzutage ist die Welt komplexer. Es reicht nicht mehr, vor einem Bären zu flüchten und die richtigen Beeren zu finden. Dazu hast Du Deinen Verstand. Finde einen für Dich gangbaren Weg zwischen den Anforderungen der Schule (=Work) und Dingen, die Dir etwas bedeuten (=Life), die Dir wichtig sind. Freunde, Musik, Steine sammeln, Astronomie, Tanzen, Psychologie … was macht Dir Spaß? Du bist kein Kind mehr. Solche Dinge gehören jetzt in Deinen Verantwortungsbereich.

4. Höre nicht so sehr auf Deinen "inneren Richter" oder auch Dein "Über-Ich" genannt. Die meisten Menschen haben eine Stimme in sich, die ständig kritisiert und bewertet. Tu dies nicht, tu das nicht, sei nicht so, sei nicht anders. Darüber gibt es gute Bücher. Mach Dich schlau darüber, wie die menschliche Psyche funktioniert. Je mehr Du weist, um so ruhiger kannst Du manche Seiten Deines "Ichs" betrachten. Auch das kann Dir ein Lächeln abringen.

Nimm Dir Zeit für Dich. Sprich mit Menschen Deines Vertrauens über Deinen Weg und Deine Sorgen. So viele haben das schon durchgemacht. Plane Rückschläge und Fehler mit ein. Sei auch hin und wieder etwas bekloppt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Es gibt so viele Bekloppte da draußen, manche sind nur gut getarnt.

Nein, ich will Deine Sorgen und Deine Not nicht herunter spielen. Es ist eine schmerzhafte Zeit, weil Du so manchen Weg und Dich selbst noch nicht kennst. Es gibt auch für Dich Wege, die Dich weiter bringen, die Auswege für Dich sind. Und hey, ich finde nicht, dass Du "unstrukturiert" bist. Du schreibst aus Deinem Herzen und dem ist zurecht die Reihenfolge der Sätze einfach egal.

Nimm Dir für morgen etwas vor, das Dir gut tut und sei es auch einfach "nichts". Du findest Deinen Weg.
 
Zuletzt bearbeitet:

cucaracha

Sehr aktives Mitglied
Für deine Ängste, usw. wird es tiefere Gründe geben, welche vermutlich in deiner Kindheit liegen.

Oft werden die Kinder geärgert denen es psychisch nicht gut geht.

Ich würde mir einen sympathischen Therapeuten suchen.
 

TK123

Mitglied
Hallo TK123

Das liest sich wirklich alles andere als positiv , es scheint fast so als bist du in einer endlosen Schleife gefangen mit vielen downs und nur hin und wieder up Phasen.
Hast du schon darüber nachgedacht den Psychologen zu wechseln ?
Denn gerade dort solltest du dich eigentlich öffnen können um jedes noch so kleine Detail schildern zu können.
Vielleicht liegt es an der Person oder dem Umfeld dort das du dich nicht wohl fühlst und deswegen lieber schweigst.

Und ein weiterer großer Schritt könnte das beenden der Schulzeit sein , gibt es denn schon Pläne wie es danach weiter gehen soll ? Und wie lang hast du noch vor dir ?
Dieser Tapetenwechsel könnte auch einen positiven Effekt haben wenn du dein "altes" Leben und die damit verbundenen Erlebnisse hinter dir lassen kannst.

Ich hoffe du kannst diesen Teufelskreis bald verlassen und dich voll und ganz auf dich und deine Zukunft konzentrieren.

MfG
Hallo, danke für die freundliche Antwort.
Darüber nachgedacht wieder eine Therapie anzufangen habe ich, aber das Problem mit den Psychologen ist immer dass man sich in einem Gespräch und einer Person ggü. öffnen muss und das kann ich nicht. Aber ja, eigentlich sollte und werde ich das wohl tun.
Naja eigentlich wollte ich Biologie studieren, aber wenn ich weiterhin nicht lernen kann, dann kann ich das natürlich knicken. So gesehen gibt es überhaupt keinen Plan. Zum Abi hätte ich noch 2 Jahre.
Ich bin mir bezüglich des Tapetenwechsels nicht so sicher, weil ich mich eigentlich für nichts mehr begeistern kann. Also auch nicht für meine Hobbies. Wie gesagt, sobald ich merke dass etwas von mir erwartet wird, flippe ich innerlich aus.
Ich übe zwar noch ein Hobby aus (Reiten und das drumherum) bin aber immer froh wenn es vorbei ist oder ich gar nicht erst hin muss...
LG
 

TK123

Mitglied
Hallo TK123,

mit "Schule" sollte jeder Schüler und jede Schülerin zurecht kommen, so ist zumindest die Theorie. Aber das klappt leider oft genug nicht. So fallen einige junge Menschen "durchs Raster", verkriechen sich innerlich oder werden aggressiv. In und um die Schulen wird so sehr gekämpft, dass ich offen gestanden sehr froh bin, da nicht mehr hin zu müssen. Es wird leider viel verleugnet und verdrängt, um dem "System Schule" nicht zu schaden. Dass aber genau das ebenfalls Schaden anrichtet ... so viele Binsenweisheiten und so wenig Lösungen mit der Aussicht auf Erfolg.

Was Du in Deinen letzten Zeilen geschrieben hast, hört sich für mich nach "Erschöpfung" an. Wenn einen nicht mehr viel motiviert, wenn man nicht mehr zu erkennen vermag, wofür das Ganze noch gut sein soll, dann fragt sich jeder halbwegs intelligente Mensch, warum man sich solchen Situationen weiter aussetzen soll. Warum lernen, warum sich Mühe geben, wenn das System offenbar so wenig Rücksicht nehmen kann und man für eigene Wünsche und Hoffnungen auch noch bestraft wird?

Ich finde nicht, dass Du völlig bekloppt bist, aber in Deinem Alter sollte man schon etwas bekloppt sein dürfen. Es ändert sich so viel in einem und um einen herum. Das ist nicht immer so einfach wegzustecken. Sei also etwas nachsichtig mit Dir und Deiner Umwelt.

Ich kann Dir leider nicht schreiben, wie Du Deine Situation grundlegend verändern kannst und ob Du das solltest. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass eine Revolution oft mehr Schaden anrichtet, als eine Evolution. Aber die erfordert Geduld und wer hat die schon? Gibt es Dinge, Menschen, Orte, Hobbys, die Dir wieder Kraft zurückgeben? Hast Du für die kräftezehrenden Aufgaben einen Ausgleich, der es Dir leichter macht, wieder Kraft zu schöpfen? Offenbar neigst Du etwas zu Extremen und gehst dabei unglaublich rücksichtslos mit Dir um. 9 Stunden Sport sind unglaublicher Stress und überfordern Deinen Körper. Was bringt Dich dazu, Dich selbst so zu quälen und zu schädigen?

Ich kenne leider nur "Die Methode der kleinen Schritte", um sich selbst im Inneren eine Evolution zu ermöglichen. Das ist keine Checkliste, die man nur abarbeiten muss und schon kommt alles in Ordnung. Es geht darum, schrittweise herauszufinden, wer Du bist und was "Deins" ist. Ich habe viele Jahre dafür gebraucht und bin viele Umwege gegangen, aber es hat sich wirklich gelohnt.

1. Schritt: Fange an, an Dich zu glauben und Dir zu vertrauen. Du hast keinen Grund dazu? Egal, tu es trotzdem. Schlussendlich hast Du nur Dich und musst mit Dir selbst den Rest Deines Lebens umgehen. Also kannst Du das auch mit Rücksicht und Liebe tun.

2. Schritt: Arbeite mit Deinen Stärken und kämpfe nicht so sehr mit Deinen Schwächen. So viele Menschen versuchen einem einzureden, dass man dies anders und das besser machen sollte. Da mag was dran sein, vielleicht ist da was dran. Aber Du bist nicht, was Du tust. Du bist mehr. Warum sich also von anderen in eine Schublade stecken lassen, bis man sie selbst nicht mehr verlassen will und kann? Du bist mehr.

3. Work-Life-Balance: Du hast noch nicht wirklich gelernt, mit Deinen Gefühlen zu arbeiten. Du nutzt sie, spannst sie für Deine Zwecke ein, lässt Deinen Zorn auf Dich selbst los, rennst mit der Angst um die Wette, aber schlussendlich rennst Du um Dein Leben und weist aber nicht wohin. Das kann nur schief gehen und sorgt dafür, dass Dir niemand folgen kann, denn Du bist schon weg, bevor Dir jemand zu nahe kommt. Gefühle sind keine weisen Ratgeber, sie sind nur Empfindungen, die unserer Spezies beim Überleben geholfen haben. Aber heutzutage ist die Welt komplexer. Es reicht nicht mehr, vor einem Bären zu flüchten und die richtigen Beeren zu finden. Dazu hast Du Deinen Verstand. Finde einen für Dich gangbaren Weg zwischen den Anforderungen der Schule (=Work) und Dingen, die Dir etwas bedeuten (=Life), die Dir wichtig sind. Freunde, Musik, Steine sammeln, Astronomie, Tanzen, Psychologie … was macht Dir Spaß? Du bist kein Kind mehr. Solche Dinge gehören jetzt in Deinen Verantwortungsbereich.

4. Höre nicht so sehr auf Deinen "inneren Richter" oder auch Dein "Über-Ich" genannt. Die meisten Menschen haben eine Stimme in sich, die ständig kritisiert und bewertet. Tu dies nicht, tu das nicht, sei nicht so, sei nicht anders. Darüber gibt es gute Bücher. Mach Dich schlau darüber, wie die menschliche Psyche funktioniert. Je mehr Du weist, um so ruhiger kannst Du manche Seiten Deines "Ichs" betrachten. Auch das kann Dir ein Lächeln abringen.

Nimm Dir Zeit für Dich. Sprich mit Menschen Deines Vertrauens über Deinen Weg und Deine Sorgen. So viele haben das schon durchgemacht. Plane Rückschläge und Fehler mit ein. Sei auch hin und wieder etwas bekloppt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Es gibt so viele Bekloppte da draußen, manche sind nur gut getarnt.

Nein, ich will Deine Sorgen und Deine Not nicht herunter spielen. Es ist eine schmerzhafte Zeit, weil Du so manchen Weg und Dich selbst noch nicht kennst. Es gibt auch für Dich Wege, die Dich weiter bringen, die Auswege für Dich sind. Und hey, ich finde nicht, dass Du "unstrukturiert" bist. Du schreibst aus Deinem Herzen und dem ist zurecht die Reihenfolge der Sätze einfach egal.

Nimm Dir für morgen etwas vor, das Dir gut tut und sei es auch einfach "nichts". Du findest Deinen Weg.
Hi, auch dir danke für deinen Kommentar. Leider gibt es nichts was mir wirklich wieder Karft gibt. Am liebsten bin ich einfach allein zuhause, aber da wird mir die Kraft nicht genommen-ich bekomme aber auch keine.
Damals hat mich glaube ich meine Einsamkeit und die Hoffnung diese genau damit los zu werden dazu gebracht mit mir so umzugehen. Ich wollte unbedingt Anerkennung und mehr Freunde usw. Aber auch dass ich eben dachte man müsse diszipliniert sein um wertvoll zu sein und Liebe zu verdienen.
Danke auch für die "Anleitung" im Rest deines Kommentars, aber ich kann vieles nicht wirklich umsetzen. Ich weiß das hört sich jetzt so an als würde ich mich der Veränderung verschließen aber zu allem was genannt ist, bräuchte man Feuer im Herzen für einfach irgendwas, aber das habe ich nicht mehr. Ich kann mich zwar dazu zwingen dem nachzugehen, wofür ich mal gebrannt habe, was ich ja auch tue, aber das würde nicht so viel bringen. Aber ich nehme mir besonders den 4. Punkt zu Herzen.
Was meinst du eigentlich damit dass ich meine Gefühle nutze? o_O

LG
 

Schroti

Sehr aktives Mitglied
Du bist nicht "völlig bekloppt", sondern reagierst auf außergewöhnliche Umstände, die -leider- chronisch anhalten.
Klar erschöpft das. Du musst permanent irgendwie mauern, um die Konsequenzen der massiven Verletzungen abzuwehren. Wie sollst du da noch lernen können oder dich für irgendwas begeistern?

Du hast Entwertung durch deinen Vater erlebt, als du noch sehr klein warst. Das ist schlimm, da prägend. Du hast Entwertung im KiGa erlebt und dann in der Schule. Es ist einfach so weitergegangen.

Wie soll man da bitteschön NICHT schräg draufkommen? Es ist überhaupt enorm, dass du so weit gekommen bist, wie du es bist.
Betrachten wir uns jetzt mal die Haben-Seite: Du hast eine liebe, sich kümmernde Mutter. Dickes Plus! Und du bist ein intelligentes, eloquentes Mädchen. Ebenfalls super! :)
Du wirst immer in der Lage sein, sensibel und intuitiv Verletzungen anderer zu spüren. Und dann hast du die Wahl, wie du damit umgehen magst. Du kannst sehr viel Gutes in die Welt bringen und helfen, Wunden anderer zu heilen, wenn du die deinen überwunden hast. Du hast sehr früh sehr harte lektionen gelernt. Und jetzt ist Zeit für etwas anderes.
Wie geht das?
Ich würde, im Gegensatz zu meinen Vorschreibern, jetzt NICHT zur klassischen Therapie raten, denn DU bist nicht das Problem oder unerklärlich "auffällig". Du reagierst ganz normal auf anormale Umstände. Wenn du Pech hast, gerätst du an einen 0815-Psychologen, der dir -je nach persönlicher Neigung- eine der gängigen "Störungen attestiert und dich damit als Problem mit einem Problem abstempelt.
Wenn überhasupt therapeutische Intervention, dann im Rahmen einer Familientherapie, denn es geht um eure familiäre Situation, nicht um ein "beklopptes Kind".
Du musst begreifen lernen, dass dein Vater nicht DICH meinte mit seinen Verletzungen, sondern so handelte, weil er ein... eingeschränkt geeigneter Vater ist und jeden Menschen schlecht behandelt hat. Kinder besonders, da sie sich nicht wehren können. Frauen auch.
DU bist dafür nicht verantwortlich.
Es hat ursächlich mit ihm, nicht mit DIR zu tun.
Schlimm ist, dass du die Konsequenzen tragen musstest und bis heute trägst.
Dein Vater muss innerlich entmachtet werden, damit du wieder zuversichtlich Kontakte knüpfen kannst. Und die brauchst du.
Mein Rat wäre: Suche gemeinsam mit deiner Ma für EUCH Unterstützung. Sie muss einen despotischen Mann und du einen mäßig kompetenten Vater verarbeiten. Ihr könnt das über die Familienberatung von Caritas oder Diakonie machen.
ich verstehe , dass du dich aktuell nicht aufraffen kannst, zu lernen. Wozu auch, denkt das kleine, verlassene Mädchen in dir.
Aber es gibt einen Grund. Viele Gründe.
Du wirst sie Schritt für Schritt erkennen.
(Hast du Haustiere? Das wäre wichtig. Und hast du eine Leidenschaft? Zeichnen? Musik?)
Sorry, dass ich dich so vollquatsche, ist sonst nicht meine Art, so viel zu schreiben. Aber deine Geschichte berührt mich und rührt etwas in mir an.
Alles Gute! :blume:
 
G

GrayBear

Gast
… Leider gibt es nichts was mir wirklich wieder Karft gibt. Am liebsten bin ich einfach allein zuhause, aber da wird mir die Kraft nicht genommen-ich bekomme aber auch keine.
… Aber auch dass ich eben dachte man müsse diszipliniert sein um wertvoll zu sein und Liebe zu verdienen.
… Ich kann mich zwar dazu zwingen dem nachzugehen, wofür ich mal gebrannt habe, was ich ja auch tue, aber das würde nicht so viel bringen...
Was meinst du eigentlich damit dass ich meine Gefühle nutze? o_O LG
Ja, es ist nicht so einfach herauszufinden, was Dir wieder Kraft zurück gibt, vor allem in einem Zustand der Erschöpfung. Ich mag dieses Stichwort "Burn-Out" nicht so sehr, aber genau darunter findest Du im Internet verschiedene Strategien und Erkenntnisse, z.B. diese, dass Du aus diesem Teufelskreis "Ich muss mir Zuneigung verdienen" aussteigen darfst und solltest. Von anderen bewundert zu werden ist ein sehr dünnes Eis, vor allem wenn es darauf beruht, was Du tust. Wenn Du eine tolle Sportlerin mit Erfolgen bist, was bleibt Dir, wenn die Erfolge ausbleiben? Diese Erfahrung mussten schon viele machen. Leider machen nicht wenige Eltern den Fehler, ihre Liebe zu den Kindern an Bedingungen zu knüpfen: "Wenn Du so bist, habe ich Dich lieb, wenn nicht, dann nicht". Furchtbar. Diese andauernden emotionalen Erpressungen unter dem Deckmantel von "Ich will doch nur das Beste für Dich!" ist eine scheinheilige Bequemlichkeitslüge. Das hinterlässt bei Dir Narben und Vermeidungsstrategien.

Ich fände es gerade völlig falsch, Dir noch mehr Anstrengungen aufzubürden. Du musst Dich nicht noch mehr anstrengen, um ein guter Mensch zu sein. Du musst Dir die Liebe anderer Menschen nicht verdienen. Wer Dir seine Liebe nur unter Bedingungen gibt, die/der hat Dich und Deine Zuneigung nicht verdient. Du bist nicht auf dieser Welt, um anderen die Bestätigung ihrer Weltsicht zu liefern. Du bist kein Lückenbüßer für ihre eigene, kleinkarierte Sichtweise und Du bist erst recht nicht dafür verantwortlich, wenn z.B. Dein Vater andauernd an die Grenzen seiner Möglichkeiten gestoßen ist, um es mal vornehm auszudrücken.

So "in die Ecke" gedrückt worden zu sein ist eine verdammte Scheiße, und das in einem Alter, in dem man noch nicht weiß, wie man sich dagegen wehren und dagegen angehen kann. Wie geht man damit um? Ich wusste es lange Zeit nicht und scheitere auch heute noch immer wieder daran. Ganz bestimmt weiß ich aber, dass die Lösung nicht in den Gedanken anderer Leute liegt. Ja, Du kannst Dir Ideen holen, kannst Dir Worte ausleihen, kannst Tipps ausprobieren, aber akzeptiere und verfolge sie nur weiter, wenn DU das willst.

Es war an einem Samstag, als ich mit meinem Hund im Wald spazieren ging. Ich wollte noch so viel erledigen und mir damit ein gutes Gefühl erarbeiten. Ich kam an eine Lichtung und habe mich unter einen Baum gesetzt. Meine Doberfrau hat sich an mich gekuschelt und da saßen wir nun. Eine dicke Hummel summte um meinen Kopf und plötzlich kam ein Reh auf die Lichtung, sah uns an und begann zu grasen. In mir hat sich eine Ruhe "ausgebreitet", die ich so noch nie bewusst erlebt habe. Es war einfach nur schön … bis die Ameisen unter meine Hose krochen. Aber diesen Moment des Friedens werde nie vergessen, auch wenn er nur kurz war.

Tu im Augenblick das Nötigste für die Schule, aber dann lass Dir Zeit. Setze Dich nicht auch noch selbst unter Druck, weil Du diesen ganzen Mist hinter Dir lassen möchtest. Du musst nicht "auf Kommando brennen". Ja, manche Menschen wollen und erwarten das von Dir, aber dafür bist Du nicht auf dieser Welt, wie schon geschrieben. Du hast ein Recht auf Dein eigenes Glück und Deinen eigenen Weg. Auch dafür sind Kompromisse notwendig, ganz recht. Aber an diesen kannst Du im Laufe der Jahre immer mehr mitbestimmen. Wenn Du Joggen magst, dann jogge. Wenn nicht, dann nicht. Wenn Du gerne malst, dann lass es bleiben, wenn es Dich gerade anstrengt. Albert Einstein hat einmal gesagt: "Um wirklich genial sein zu können, muss man leicht unterbeschäftigt sein".

Damit sich in Deinem Leben neue Dinge entfalten können, muss dafür Raum entstehen. Etwas Langeweile gehört dazu, etwas Freiheit im Kopf ist hilfreich. Und wenn Dir gerade nichts einfällt, dann ist das ok. Du musst Dir das Recht auf dieser Welt zu sein nicht verdienen. Ok, das Essen und den Schlafplatz irgendwann schon. Du bist ein ganzes Universum voller Ideen, Leidenschaften und Möglichkeiten. Und wenn Du davon gerade nichts spüren kannst, nun ja, auch Universen haben stille, schwache und blöde Momente. Hab Geduld mit Dir, lass Dich nicht erdrücken. Wie steht auf der Tasse meiner Tochter: "Auch Prinzessinnen haben einen Scheiß-Tag".

Wofür Du Deine Gefühle nutzt? Vor einigen Jahren habe ich lernen dürfen, dass es nur vier Gefühle gibt: Freude, Angst, Wut und Trauer. Alle anderen, sogenannten Gefühle (Hass, Neid, etc.) sind nur unterschiedliche "Mischungen" dieser vier. Neid z.B. ist eine Mischung aus Angst, die Erfolge des anderen nicht zu erreichen, diese Kraft nicht zu haben, aus Wut, dass es ihr/ihm gelungen ist und mir nicht, und aus Trauer, dass ich das Nachsehen hatte.

Gefühle sind keine "Blitzeinschläge". Sie werden durch Ereignisse (Ein Bär brummt in meiner Nähe im Wald = Angst) oder Erinnerungen ausgelöst. Aber wir können Sie auch bewusst in uns hervorrufen. Wut lässt Dich schneller rennen, Angst auch. Traurigkeit lässt Dich mehr fühlen und empfinden, Freude ist auch nicht zu verachten. Es besteht also eine Wechselwirkung zwischen Deinen Entscheidungen und Deinen Gefühlen. Manche Gefühle beeinflussen Deine Entscheidungen, manche Entscheidungen Deine Gefühle. Wenn DU lernst, diese "Mechanismen" zu nutzen, macht Dich das in Deinen Entscheidungen freier. Das meinte ich, wenn Du mit Deinen Gefühlen arbeitest. Oder an Deinem Beispiel: um 9 Stunden Sport zu machen, muss man eine gehörige Portion Wut gegen sich selbst richten, damit der Zorn einem Kraft gibt. Reiner Spaß an der Bewegung war das wohl eher nicht, oder?

Atme tief durch, suche nach Mitteln und Möglichkeiten, Deine innere Anspannung zu lösen und gestehe Dir vor allem dieses Recht selbst zu. Das geht nur schrittweise und Du wirst merken, welche Dimensionen dies für Dich hat. Du wirst die verschiedensten Gefühle auf diesem Weg "durchlaufen": Wut darüber, was Du hast aushalten müssen und was Du Dir selbst zugemutet hast, Trauer darüber, Angst, dass sich diese Situationen wiederholen könnten und werden, Angst nicht stark genug dafür zu sein, und, und, und. Du wirst stark genug dafür sein. Ok, Supergirl hätte vielleicht andere Lösungen gefunden, aber wer will schon andauernd in einem roten Röckchen mit Cape herum laufen!

Dies ist Deine Zeit und auch Deine Welt, die Du mit einem Haufen Teilzeit-Idioten und (manchmal) wunderbaren Menschen teilst. Deine Vergangenheit ist Vergangenheit. Sie mag zwar Auswirkungen haben, aber doch sind da noch Deine Entscheidungen und Deine Schritte. Ich erinnere mich noch heute an mein erstes, selbst gekauftes Stück Apfelkuchen. Ich war 12. Einfach einen Apfelkuchen essen … ein kleines Stück "erwachsen sein", das meine kleine Welt ein Stück lebendiger, größer, leckerer und auch lebenswerter werden ließ.

Es geht nicht um "höher, schneller, weiter". Lass Dir Zeit, damit Du Dir selbst das Recht geben kannst, Du selbst zu werden und zu sein. Anderen zu helfen ist viel einfacher, als zu sich selbst zu stehen und freundlich mit sich selbst umzugehen. DAS ist der "Stoff", mit dem Du mit Deinen Ängsten umgehen, mit Deiner Wut arbeiten und mit Deiner Trauer leben und lieben lernst.
 
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