Erstmal:
Dafür, dass Du sehr christlich sein willst, finde ich Deinen Ton gegenüber Mitmenschen ziemlich fragwürdig. In meinen Augen widerspricht es sich, schon fast grundsätzlich so harsch und unfreundlich rüberzukommen und eine christliche Überzeugung zu haben.
weil ich mich diesen Regeln zugehörig fühle
Du bist innerlich zerrissen, weil Du feststellst, dass Du eine völlig normale junge Frau mit völlig normalen sexuellen Bedürfnissen bist und Dich andererseits - und hier sehe ich das Problem - unreflektiert fest verankerten religiösen und anderen Glaubenssätzen unterwirst.
Da sehe ich eine gewisse "Informationspflicht", um die Du Dich jetzt kümmern solltest, um für Dich selbst mehr Klarheit zu gewinnen:
Die unterschiedliche Sozialitation von Jungen und Mädchen, die seit Jahrhunderten das Denken und Handeln prägt und der auch Du ausgesetzt warst, was Dein Denken prägt.
Hier findet langsam in vorallem jüngeren Teilen der Gesellschaft ein Verstehen und Umdenken statt. Beschäftige Dich mal damit und versuche Dir eine EIGENE Meinung zu bilden.
Religion, christliche Einstellung, Kirche, Missbrauch, Wasser predigen und Wein trinken, in welche Unternehmen investiert die Kirche...
Informiere Dich, sortiere das alles mal für Dich und dann entscheide. Was an Deinem Glauben ist tatsächlich gut und richtig und wichtig für Dich. Sexualität und eine religöse, christliche Haltung müssen sich nicht widersprechen. Religion ist immer auch Auslegungssache. Und nicht jede Auslegung irgendwelcher Menschen, nicht jede Priorisierung dieser, passt zwingend für Dich.
Dein Gehirn wurde viele Jahre ziemlich einseitig gefüttert. Klar hängt das fest da drin und beeinflusst Dich.
Doch ob dieses da drin verankerte Futter, basierend auf der Auslegung einiger Menschen, unvollständig und einseitig, richtig ist, richtig und gut für Dich ist, bedarf einer reflektierzen Überprüfung unter Sammlung vieler, vieler Informationen, über die Du gut nachdenkst.
So wirst Du Dich weiterentwickeln, Dir ein ganz eigenes Bild machen können und nach und nach einigen erlernten und unnötigen Ballast loswerden können und erkennen können, dass Du bist, was Du bist:
Eine völlig normale junge Frau mit völlig normalen Bedürfnissen.
Um gesund zu leben, dazu zählt auch psychisch gesund, braucht es die Erfüllung von Grundbedürfnissen. Sex ist ebenso wie Nahrung und Schlaf eines davon.
nicht von der Gesellschaft benachteiligt sein möchte
Dein Bild der Gesellschaft bezieht sich auf einen kleinen Ausschnitt, Dein Umfeld, in dem es scheinbar eine stark religiöse Prägung mit bestimmten, engen Moralvorstellungen gibt.
DAS ist, was Du bisher kennengelernt hast.
DAS ist aber nicht DIE Gesellschaft.
Wie erfährt "die Gesellschaft" eigentlich davon, wieviel Sex mit wievielen Partnern ein Mitglied dieser Gesellschaft hat? Ich weiß das von fast niemandem. Wozu sollte das wichtig sein und was sollte mich das angehen?
Ich möchte beweisen dass ich dazu fähig bin in einer Beziehung zu bleiben
Es gab vor Dir schon viele Menschen, es gibt gleichzeitig mit Dir jetzt viele Menschen und es wird vermutlich noch lange nach Dir viele Menschen geben.
Ein sehr großer Teil dieser Menschen hatte und hat Sex, mehrere Partner, manche viele Partner und sehr viel Sex, manche wenige Partner, manche keine Partner und ein kleiner Anteil möchte keinen Sex. Egal wie sind doch die meisten relativ beziehungsfähig.
Auf Biegen und Brechen in einer Beziehung verharren, klingt das für Dich nach einer vernünftigen, rationalen Entscheidung?
Für mich klingt das ziemlich ungesund und als Garant für Unglücklichsein.
So macht man auch keinen Partner glücklich oder beweist Liebe oder was auch immer an Gedanken noch dahinterstehen kann.
Heute, ohne die finanzielle Abhängigkeit der Frauen von Männern, halten die wenigsten Beziehungen auf gute Weise (!) dauerhaft. Meist sind Verbindungen begrenzt haltbar, was biologisch eigentlich auch Sinn macht.
Und in sehr (!) vielen Beziehungen wird fremdgegangen. Bezieht man in Statistiken die Dunkelziffer mit ein, dürfte vermutlich jeder Zweite fremdgehen.
Weniger Verklärung und mehr Realität kann manchmal ganz nützlich sein, wenn man seinen eigenen Weg finden möchte.
ich möchte nicht noch mehr Beziehungen als ich sowieso schon hatte weil es mir langsam reicht nicht klar genug ist
Du sehnst Dich also nach dem one-and-only, dem Richtigen, der dauerhaften Bindung?
Also, der, den Du jetzt hast, ist das schonmal nicht.
Wie Du mit Deiner Sexualität umgehen und diese ausleben oder unterdrücken willst, kannst nur Du entscheiden. Ich wünsche Dir, dass Du Dich für einen Weg entscheidest, der gut für Körper und Psyche ist.
Und ebenso kannst nur Du entscheiden, ob Du in einer unglücklich machenden Beziehung verharrst, Körper und Psyche schadest, oder ob Du verantwortungsvoll auf Dich und Deine Bedürfnisse achtest und Entscheidungen im Sinne von Selbstverantwortung, Selbstfürsorge triffst oder ein unzufriedenes, unglückliches Leben führen willst, um irgendwelchen anderen Menschen in Deinem Umfeld und deren (!) Vorstellungen gefallen zu wollen.
Ist eine romantische Beziehung ohne Sex einer platonischen Freundschaft gleichzusetzen? Ich denke nicht.
Wie lange überlebt die Romabtik ohne Sex, wenn sexuelle Bedürfnisse bestehen und unerfüllt bleiben?
Wie kann eine Beziehung romantisch sein, wenn mindestens einer nicht liebt?
Das ist etwas anderes, weil das ein Fakt ist.
Worauf basiert diese Behauptung?
Für mich und nicht wenige andere hier ubd ganz sicher noch sehr viele andere Menschen - alles Teile der Gesellschaft! - ist das eben kein Fakt.
Scheinbar für Dich, ja.
Weshalb sonst dieser Strang?
So ein Leben wäre für sehr viele Menschen nicht erstrebenswert.
Es geht nicht weiter, wenn man es beendet.
Deutest Du damit Selbsttötungsgedanken an?
Soll das Dein Lösungsansatz sein?
Es gibt Regeln in der Gesellschaft an die hat man sich zu halten
Welche sind das Deiner Meinung nach?
Wer legt die fest?
Sehen das Deiner Meinung nach alle Menschen gleich - "die" Gesellschaft?
Ach herrje, jetzt wird es etwas pathetisch.
Schadet Sex der Ehre?
Was ist Ehre?
Redest du von mir? Ich sehe nämlich keinen einzigen Beitrag in dem ich die Schuld von mir weise, aber dafür mindesten
Gewissermaßen tust Du das schon.
Du unterstellst "der Gesellschaft" bestimmte Erwartungen und beförderst Dich dadurch in die Opferrolle der "Schlampe".
Ich glaube, was du in erster Linie brauchst, ist erstmal Zeit.
Wenn man sich in so einem verkorksten Umfeld bewegt und sozialisiert wurde, fällt es einem selbst natürlich schwer, sich damit von heute auf Morgen auseinanderzusetzen und sich seine Bedürfnisse einzugestehen.
Kann ich aus eigener Erfahrung leider bestätigen.
Diese Gedankenkonstrukte sind fest im Kopf verankert und es braucht lange, um sich davon frei zu machen und für sich einzustehen.
Hinzu kommt, dass du deine sexuelle Selbstentdeckung vor der OP nicht machen konntest und jetzt alles auf einmal geschieht , was dich nachvollziehbar überfordert.
Das ist viel für einen jungen Menschen und da wundert es mich nicht, dass du dich selbst geißelst.
Sex ist ein menschliches Grundbedürfnis, also erstmal: ganz normal.
Schon kurz nach der Geburt sind wir sexuelle Wesen, auch wenn wir natürlich keinen Sex haben können und wollen. So hat die Natur uns konzipiert, sonst gäbe es ja keine Menschen mehr.
Vielleicht hattest du vorher das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, über den Dingen zu stehen und jetzt musst du dich mit deinen menschlichen Bedürfnissen herum plagen.
Und oft sind wir selbst unsere härtesten Kritiker: wieso hast du kein Mitgefühl verdient? Liebe? Wieso darfst du nicht glücklich sein und zu deinen "Fehlern" stehen, sagen "Das bin ich, das habe ich gemacht und das ist jetzt so!"?
Lies das immer wieder.
Hier wird mir gesagt mein Verlangen nach Sex sei normal und du kommst und sagst ich muss zum Sexualtherapeuten? Hä?
Um Dein gespanntes Verhältnis zu Deinem völlig normalen Sexbefürfnis zu klären und zu lösen.
Ich mag meinen Glauben und möchte mich davon eigentlich nicht lösen.
Wenn man Religion auf eine Weise auslegt, dass sie mehr schadet als hilft, zur Belastung wird, isr das schlimm.
Infos sammeln, hinterfragen.
Na ja, Religion ist ja verantwortlich für deine momentane emotionale Lage. Du verspürst ja Leidensdruck, der deine Lebensqualität massiv beeinträchtigt.
Und deine Beiträge lesen sich fanatisch- auf mich wirkt es also, als wärst du ein Opfer deiner religiösen Ansichten.
Religion ist an sich etwas Schönes, weil sie die Gesellschaft formt, Stabilität und Rückhalt bietet und einen moralischen Kompass mit sich bringt.
Aber: eine fanatische Einstellung zerstört den ursprünglichen Sinn einer Religion und da ist es relativ egal, welcher man angehört. Das Christentum ist letztendlich auch nur eine staatlich anerkannte Sekte.
Lies das immer wieder.