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Ich betrachte mein Leben als komplett gescheitert und bin den Kampf mit mir selbst leid - wozu noch leben?

Flo12

Aktives Mitglied
Vielleicht hatte von euch ja schonmal einer das Gefühl irgendwie in einer verkehrten Welt zu leben.

Meine glücklichsten Lebensjahre waren die vor der Grundschulzeit.

Dann ging es los: Probleme in der Schule, aufkommender Leistungdruck, AHDS-Störung. Meine Eltern schickten mich als 6-jährigen bereits zum Kinderpsychologen. Ab da hatte ich schon das Gefühl anders zu sein. Es entwickelte sich eine lange soziale Phobie: wenn andere nach dem Sport noch zusammensaßen, bin ich heimgegangen. Freunde hatte ich quasi keine richtigen. In der Schule immer wieder auffällig durch Stören des Unterrichts und auch Ärgern von Mitschülern. Das wollte ich gar nicht, aber wahrscheinlich versuchte ich so Aufmerksamkeit zu erregen.

Nach der Realschule wollten meine Eltern natürlich "dass was aus mir wird" und schickten mich aufs Gymnasium. Kurz darauf Trennung der Eltern mit wochenlangem Gestreite. In der Schule totale Überforderung. Ergebnis: Abi nicht bestanden. Erster großer Einsturz im Leben. Glücklicherweise Ausbildung gefunden, nun wird alles besser - dachte ich.

In der Ausbildung quasi nichts gelernt, stattdessen Verhaltensweisen von Kollegen die an Mobbing grenzen. Während der Ausbildung dann schon mehrfach depressiv krank gewesen. Ausbildung dann sehr knapp beendet. Das soll die Arbeitswelt sein, dachte ich ... wie soll ich das schaffen?

So ab 22 ging es dann richtig los: Zweifel an der eigenen identität, Zukunftsängste, kein Selbstbewusstsein mehr und vor allem - je älter man wurde - diese ständigen Vergleiche mit anderen. Was hat der erreicht, was jener. Das Prinzip wurde mir nach und nach klar: in dieser Gesellschaft zählt Leistung, Leistung, Leistung. Egal wo man sas, egal mit wem man sich traf: Bachelor, Master, Stipendium, Karriere, mein Haus, mein Porsche, meine perfekte Familie....

Und wir wurde bewusst: ich kann das nicht, ich schaff das nicht, ich weiß nichtmal wohin es überhaupt gehen soll.
Ich spüre nur den ständig stärker werdenden Druck anders sein zu müssen, endlich etwas reißen zu müssen um in dieser Gesellschaft als vollwertig akzeptiert zu werden. Ich hatte gar keine Zeit mehr für mich selbst weil ich nur noch damit beschäftigt war zu sehen wie es andere machen. Das aufkommende Facebook 2010 tat sein übriges, weil jeder sich dort von seiner tollsten Seite präsentierte. Probleme? Gibt es doch nur bei mir, dachte ich.

Endlose Grübelschleifen waren die Folge: ich hätte doch, ach wenn ich doch, ich bin nicht gut genug, ich müsste mindestens....
Utopische Traumvorstellungen vom unabhängigen Jet-Set Leben inkl. Modelfrau setzten sich in meinem Kopf fest. Nur das wäre doch das wahre Leben.
Paralell dazu saugte ich Missstände dieser Gesellschaft auf wie ein Schwamm: Korruption, die oberen Zehntausend, Leute die mit zweifelhaften Methoden das große Geld machen. Dazu gesellte sich ein extremes Ungerechtigkeitsempfinden.

Es ging soweit, dass man sich mit den wenigen verbliebenen Freunden gar nicht mehr traf, soziale Anlässe ganz meidete, nur aus dem Gedanken heraus damit besser wegzukommen als sich vor Ort wieder anhören zu müssen wie toll es bei diesem und jenem läuft und wie viel besser alle anderen sind. Das hätte dann zur Folge dass man sich wieder hinterher quält.

Die Lebensfreude sank kontinuierlich, gleichzeitig orientierte man sich an immer an (im Grunde wahrscheinlich unrealistischeren) Vorbildern, die es geschafft oder vermeintlich "geschafft" haben. Kurz: das Leben der Anderen ist grundsätzlich besser als meins, egal wer es ist. Ich bin nichts, ich kann nichts, doch eigentlich stünde mehr dies oder das zu.

Diese jahrelangen quälenden Gedanken führten dann unvermeindlich Ende 2018 zum völligen Zusammenbruch. Ich stand innerlich vor der Wahl: schmeiße ich mich jetzt vor den Zug oder wie kann ich den inneren Druck ablassen? Leider entschied ich mich dann aus völliger Verzweiflung zu einer Straftat, aber nicht gegen Menschen. Ich habe einfach meine Wut und Verzweiflung an einem Objekt ausgelassen. Für diese Tat werde ich mich nun vor Gericht verantworten müssen und bin dann wahrscheinlich noch vorbestraft.

Aufgrund dieser Umstände war ich dann lange krank geschrieben, so lange dass ich in Kürze ausgesteuert werde. Dann geht zusätzlich zur Angst vor der Gerichtsverhandlung noch das Herumgeschlage mit der Arbeitsagentur los.

Dabei sehe ich ohnehin gar keine Zukunft mehr. Was soll ich als Mensch mit solchen Problemen, dazu noch arbeitslos und vorbestraft, in diesem Leben denn noch reißen? Ich will diesen Kampf irgendwie nicht mehr führen, immer öfters keimt in mir der Gedanke auf, in irgendeiner Form demnächst Schluss zu machen. Dann hört diese Quälerei endlich auf.

Besser würde es doch sowieso nicht und es ist ohnehin alles vergänglich. Später kommen vielleicht noch Krankheiten dazu.
Ansonsten wird alles nur noch bürokratischer, schwieriger... das Leben empfinde ich mehr als Last als dass es für mich noch irgendeinen Sinn machen würde.
 
Zuletzt bearbeitet:

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SFX

Aktives Mitglied
Hallo,

anstatt die Schuld deiner schweren Kindheit zuzuschreiben oder in der vermeintlichen Leistungs- und Konsumgesellschaft zu suchen, solltest du lieber an dir selbst arbeiten.

Wie wäre es, wenn du die Dinge stets zuende bringst, die du anfängst? Es ist doch schon einmal toll, dass du deine Ausbildung trotz widriger Umstände abschließen konntest! Hierauf solltest du aufbauen. Stecke dir selbst ein erreichbares, realistisches Ziel. Überlege anschließend, auf welchem Weg du es erreichen kannst und in welchem zeitlichen Rahmen.

Du solltest dir selbst Erfolgserlebnisse bescheren. Du darfst dich nicht von äußeren Umständen oder anderen Personen abhängig machen.

Liebe Grüße und alles Gute,
SFX
 

Flo12

Aktives Mitglied
Ich bin ja schon seit einiger Zeit in Therapie und habe wegen des Totalabsturzes einen Klinikaufenthalt hinter mir. Aber ich sehe einfach nur Berge vor mir. Mir fehlt auch irgendwie Kraft. Es ist gefühlt so als müsse man einem Zug hinterherlaufen, den man realistischer Weise gar nicht mehr erreichen kann.
 

Flo12

Aktives Mitglied
Kennt ihr es nicht, wenn euch alles zuviel ist, ihr gar nicht wisst wohin überhaupt der erste Schritt gehen soll und man nur noch das Gefühl hat dass alles ein einziger Kraftakt ist?
 

Flo12

Aktives Mitglied
Ausbildung wurde damals grade so beendet. Dort konnte ich natürlich nicht bleiben. Seitdem war ich jahrelang immer Sachbearbeiter. Bis mit die Gedanken über den Kopf wuchsen. Mittlerweile wurde bei mir auch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und paranoiden Anteilen festgestellt. Die Sachbeschädigung sind einige tausend EUR.
 

Sadie02

Aktives Mitglied
Hallo!

Zunächst mal drücke ich dir für die Verhandlung beide Daumen. Ich kenne mich mit Jura nicht aus, hoffe aber, dass du wegen einer Sachbeschädigung, auch wenn sie vielleicht schwer ist, am Ende keine Vorstrafe hast.

Du hast jetzt so viel aufgelistet, was nicht gut gelaufen ist, was du dir anders gewünscht hättest. Und wie unter den blöden Vergleichen leidest und unter dem Schaulaufen, auch wenn du vermutlich (nicht nur) innerlich selbst weiß, dass gerade die, die ganz viel angeben, meistens die sind, bei denen daheim die größte Leere in der Ecke hockt.

Ich sage dir jetzt mal was, was mir aufgefallen ist: Du kannst gut schreiben...den ganzen Text...du hast Tiefgang...kannst dich ausdrücken. Und du bist ehrlich und sagst hier offen, wie es dir geht, ohne Beschönigen. Das kann auch nicht jeder. Das mag jetzt erstmal etwas sein, was deine Lage nicht verbessert. Aber du hast Talente, du hast Vorzüge, du bist nicht dieser Gescheiterte, den du vermutest in dir.

Wie läuft es in der Therapie? Kannst du das so offen ansprechen wie hier? Die Ängste und diese ganzen Berge, die alle zu hoch erscheinen? Hast du das Gefühl, dein Therapeut will diese Berge mit dir zusammen kleiner machen oder dir zumindest beim Aufstieg helfen?

Für mich bist du absolut nicht gescheitert. Ja, du wirst eventuell die ganz große Karriere nicht mehr machen, aber wie wenige machen die schon und welche Probleme haben die dann wieder?

Ich wünsch dir alles Gute und dass es dir vielleicht mit Hilfe gelingt, erstmal nur Abschnitte auf dem Weg zu sehen und nicht gleich die ganzen Berge, die von unten auch manchmal bisschen höher aussehen als sie sind!
 

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