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Hilfe für Angehörige von Suizid???

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    hilfe
In diesem Zusammenhang denke ich wieder an einen Suizid in meinem bekanntenkreis: Der Mann einer Freundin hatte sich das Leben genommen, er hatte als Geschäftsmann versagt, war mit einer Summe verschuldet, die hier allen den Atem rauben würde, sein Stolz und seine Würde sah er wohl dermaßen zertrümmert, dass er sich das Leben nahm und zum Ausgleich seine Frau mit immensen Schulden sitzenließ. Ich habe mich damals um eine Pfarrerin gekümmert, die die Trauerfeier vollzog, und von der ich wusste, dass sie die richtigen Worte findet, ohne Schuldzuweisungen, ohne aber auch eine Verklärung des Geschehenen zu betreiben. Ihre Worte waren u. a. :"Und er rief den Todesengel selbst herbei, und als der Engel kam, ging er mutig mit."
Für die Witwe waren diese Worte ein großer Trost, ihr Mann blieb nicht als Versager zurück, sondern als jemand, der trotz vieler Fehler noch Mut bewies. Und sie blieb nicht als Schuldige zurück, die von der Not ihres Mannes nichts gemerkt hat, denn der Todesengel kam ja aus eigenem Entschluss, er ließ sich nicht zurückweisen, sondern nahm einen Menschen mit in eine andere Welt, auf die sie keinen Einfluss mehr hat.
Und ich glaube, es diese Art des Trostes, den ein Hinterbliebener braucht: Versagen nicht zurechnen und mit Schuld nicht belasten. Worte können zerbrechen, aber sie können auch streicheln.
 
@Pete: Meiner Tochter fällt es ganz sehr schwer, mit irgendjemanden über sich zu reden. Es erscheint mir, als würde sie in Gesprächen unenedlich nach Worten ringen, sie kämpft um jedes einzelne Wort und ist schnell am Weinen. (In Zeiten, wo es ihr gut geht, ist das eigentlich nicht so, da redet sie ganz normal) In den letzten Monaten fand sie weder zu ihrer Psychologin noch zu den (wenigen) Freundinnen noch zu uns einen Draht. Sie verschließt sich, isoliert sich, möchte am liebsten nur Schlafen ("um so weit wie möglich von sich wegzukommen"), geht kaum auf andere zu, weil sie Angst hat, dann "etwas sagen zu müssen". Mein neuester gedanklicher Ansatz, warum sie nicht endlich aus der Depression herausfindet, ist die Idee, dass sie Angst haben könnte, dass sie danach wieder in eine Phase kommt, in der sie manisch ist. Ihr Opa ist manisch-depressiv und wir vermuten schon, dass es bei ihr auch so ist. Sie bereut so sehr, dass sie in den wenigen Wochen, wo es ihr "gut" ging, mit ihrem Freund Schluss gemacht hat. Aber da gibt es keinen Weg zurück und das macht ihr extrem zu schaffen.
Über diese Thema versuche ich mit ihr zu reden, aber ich kann ja auch verstehen, dass ich als Mutter da vielleicht nicht der ideale Gesprächspartner bin. Aber mit anderen spricht sie halt auch nicht drüber. Sie ist halt nur am permanenten Grübeln und fühlt sich von Woche zu Woche miserabler. Ich habe immer solche Angst, sie aus dem Haus zu lassen!!! Wenn sie einen Spaziergang machen will und kommt erst im Dunkeln nach 4 Stunden wieder, obwohl sie nur einen Pulli trägt und es ziemlich kalt war, dann mach ich mir solche Sorgen...
 
Hallo Heike,

wieso solltest du nicht der ideale Gesprächspartner für deine Tochter sein?
Mir fehlte es dass sich meine Mutter mit mir austauschte und habe vielleicht genau daher; weil ich fand jemand anders gehen meine Gedanken nichts an und den den es interessieren soll ist es egal, kein Weiterkommen für mich gesehen und mit 17 den ersten Versuch unternommen mir das Leben zu nehmen. Nein Heike wenn jemand nicht sprechen kann oder sprechen will dann liegt es nicht daran dass der Gegenüber falsch wär denn da läßt man keinen mucks von sich. Jedoch wenn man ringt oder in sich geht dann braucht man die Zeit zum Nachdenken die ich auch sehr brauche und hier ebenso lange Spaziergänge unternehme. Auch bei deiner Tochter hab ich das Gefühl dass sie sich erst mal selbst Gedanken machen will vielleicht auch weil sie deinen derzeitigen Zustand registriert und dich nicht mehr beunruhigen will. Womit du entgegenwirken kannst dass du ihr sagst dass es dir nicht so besonders geht weil du nicht weisst wie du ihr helfen könntest und eben nicht weißt wie es ihr geht. Aber man braucht auch Zeiten des Schweigens und fühle mich unter Druck gesetzt wenn ich über was reden soll wo ich gar nicht will. Was ich mir zu der Zeit gewünscht hätte einfach aus der Umgebung raus neu anfangen alles vergessen können vorallem die Gedanken die mir das Leben schwer machten. Daher mein Rat oder was ich mit meiner Tochter tun würde. Urlaub wo sie sich und du regenerieren könnt und wo sie mit der Zeit wieder erleben darf wie schön das Leben sein kann und jedes Tief es gar nicht wert ist dass man im Tief bleibt. Oft ist es nämlich ein Loyalitätsgedanke der einen fesselt dass man sich nicht wohlfühlen darf bei dem Problem was man hat muss es für jeden offensichtlich sein dass es mir nicht gut geht weil man sonst mich und mein Problem nicht ernst nimmt.
Und dabei muss man sehr ausgeglichen sein zum einen vermeiden dass man meint jetzt ist Zeit dass man darüber reden MUSS und zum andern ihr das Gefühl zu geben sie zu übergehen. Ein Balanceakt der dir gelingen wird. Versuche mit ihr neue Themen für eure Auszeit zu finden wobei du ihr auch hilfst dass sie sich wohlfühlen darf aber auch den Zeitpunkt nicht übersiehst wo sie sich dir anvertrauen will. Und überlasse es immer ihr wieviel sie erzählen will und überlass es ihrer Entscheidung wenn sie das Gespräch beenden will, hak nicht nach. Alles Gute euch beiden, ihr schafft das.
 
@Tagfalter: Lieben Dank für die vielen Gedanken. Ich werde versuchen, das eine oder andere umzusetzen. Was hat dir damals nach deinem Suizidversuch wieder Lebensmut gegeben? Hast du es aus eigener Kraft geschafft?
Was würdest du meiner Tochter raten? Soll sie sich trotz starker Depression zu ihrem Studium nach Berlin wagen? (Sie müsste Anfang Oktober dort beginnen) Könnte das eine Wende in ihrem Befinden bringen oder verstärkt sich durch die neue und ungewisse Situation nur ihr Eindruck der eigenen Schwäche, Hilflosigkeit und Angst? Eigentlich hatte sie sich in ihren guten Zeiten genau dieses Studium gewünscht, doch nun traut sie sich nichts mehr zu. Was ist nur richtig? Wenn sie nun nicht zum Studium geht, heißt ja die Alternative mehr oder weniger "zu Hause rumhängen", aber davon wird es ihr wohl kaum besser gehen, denke ich. In Berlin hätte sie vielleicht viele Chancen auf neue Freunde und Aktivitäten, die sie aus der Depression herausholen könnten. Nur wenn sie sich auf keinerlei Kontakte einlassen kann... Wie kann ich ihr da nur helfen?
Deine Idee mit dem Urlaub hatte ich auch schon, ist für Dezember auch schon geplant. Aber das ist halt noch ein Stück hin. Andererseits habe ich aber auch gelesen, dass man während einer Depression gar nicht verreisen soll, weil der Kranke eh nicht in der Lage ist, die Freude an sich heranzulassen und so nur noch mehr leidet, weil er alles nicht genießen kann.
 
Heike da hast du ganz schön viele Fragen. Nun ich steckte noch in der Lehre d.h. im 2. Lehrjahr. Ich wußte dass ich das schaffen musste um meinem bis dahin gelebten Leben endlich eine Wende zu geben. Nur so war eine Änderung gegeben um aus den Grenzen zu entfliehen die mich einengten.
Dieses Wissen gab mir die Kraft weiterzumachen. Genauso denke ich dass für deine Tochter sehr wichtig ist das Studium zu machen. Wenn sie es nicht tut werden ihre Depressionen sich verstärken weil dann auch nocht Versagensgefühle sie begleiten und das tut ihrem Selbstwertgefühl sicher nicht gut. Bei allem was ihr nun im Kopf rumschwirrt sollte ihr klar sein dass dies nur momentan wichtig ist. Nur das Studium hat auf ihr späteres Leben wirklich Einfluß. Darum sollte sie sich nicht bringen. Ablenkung kann sehr gut sein gegen Depressionen. Es beschäftigt sie damit dass sie es in der Hand hat aus ihrem Leben etwas zu machen. Etwas wo sie glücklich und stolz machen kann. Du hast recht zu Hause rumhängen wird nicht dazu beitragen ihre Depressionen zu bewältigen. Depressionen finden den Menschen nur heim wenn er nicht mit Sinnvollem beschäftigt ist dass ihn seine trüben Gedanken vergessen läßt. Ermuntere sie zu diesem Studium mit dem Gedanken dass sie auch zu ihrem Freund "Nein" sagte und es bereute. Man macht nicht zweimal den gleichen Fehler. Dass sollte ihr zeigen dass sie mit diesem "Nein" ihre Zukunft vertut. Denn jene Verantwortliche kommen nicht auf sie zu und bieten ihr an sie sollte es sich überlegen, dann hat sie entschieden und die Entscheidung steht. Bei dem Freund na wenn er es arrogant als Nein stehen läßt denk ich hat sie nicht viel verloren. Das wird sie später sicher ersetzen können jedoch den Studiumplatz nicht. Dass eine Auszeit wie Urlaub nicht gut tut und für einen Depressiven ins Gegenteil umschlägt könnt ich nicht nachvollziehen. Aber da jeder Mensch anders ist würd ich es auch nicht vollends in den Wind schlagen. Man könnte dem in der Hinsicht die Aufmerksamkeit schenken indem man den Depressiven mit mehreren in Urlaub schickt. Damit er abgelenkt wird. Jedoch wird sich das sicher finden. Denn das Studium beginnt im Oktober die Reise im Dezember. In zwei Monaten kann man hinsichtlich dessen genauer entscheiden.
 
@Tagfalter. Danke, dass du dich so gut in meine Gedanken hineinversetzen kannst. Hat mir sehr geholfen. Liebe Grüße. Heike
 
nur ganz kurz zu Pete:
ich halte es eigentlich weder für falsch, noch für richtig, dass mein Vater eigenständig aus dem Leben getreten ist. es ist traurig, es ist tragisch, es war zum verzweifeln, es ist verständlich sowie unverständlich, es ist schade - aber ist es deswegen falsch? es ist, was es ist.

lg
 
@Heike.......auch liebe Grüße und ich hoffe du kannst bald berichten dass sie sich für Berlin entschieden hat.
 
Meine beste freundin wollte sich ihr leben nehmen

Sie lebt noch ist von den drogen und von ihren alten freundin weg gekommen

Aber warum habe ich immer noch angst das sie sich was antut
 
Hallo!

Ich bin selbst Angehörige. Mein Bruder hat sich vor fast 4 Jahren das Leben genommen. Das einzige was bleibt ist die Frage WARUM?????? Und eine nie versiegende Traurigkeit!

Es schwer in solch einer Situation zu helfen, das wichtige für mich war und ist, dass meine Freunde für mich da sind und mich nicht irgendwie anders behandeln und mich eventuell mit Mitleid überhäufen.

Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke. Das Problem ist, dass ich nicht an ihn denke, sondern an seinen Tod. Mir schnürt es jedesmal das Herz zusammen.
Das Gute ist dass ich mir mein weiteres Leben dadurch nicht kaputt mache und versuche so gut wie es geht weiterzuleben und ich mich auf mich konzentriere, auch wenn es nicht immer leicht ist!

Ich versuche mich dadurch zu trösten, dass es seine Entscheidung war (auch wenn das für manche vielleicht dumm klingt). Ich bin sauer auf ihn, dass er so egoistisch war.

Aber ICH LIEBE IHN...

LG Kathi
 

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