Hallo
@sapphyr, danke dir sehr fürs Nachfragen. Ich antworte jetzt mal etwas ausführlicher, weil mich das Ganze in den letzten Tagen/ Wochen wirklich stark beschäftigt hat.
Kurz gesagt: Es war zwischendurch ein paar Tage ruhiger und „normaler“, aber dann ist es leider wieder gekippt, als ein altes Thema erneut getriggert wurde. Ich habe in der Zeit gemerkt, dass mein größtes Problem nicht nur die einzelnen Konflikte sind, sondern dieses dauernde Hin und Her: erst Nähe/Normalität, dann plötzlich Druck, Vorwürfe, Schuldumkehr oder emotionale Eskalation. Und ich merke, wie sehr mich das inzwischen nervlich und emotional auslaugt.
Was passiert ist: Wir hatten nach einigen Tagen Ruhe wieder etwas Kontakt, erstmal ohne über die Vergangenheit zu sprechen. Dann wollte sie meiner Mutter ein Foto schicken und hat gemerkt, dass sie von meiner Mutter blockiert wurde. (Ich hatte meine Mutter darum gebeten, weil meine Mutter selbst psychisch sehr belastet ist und ich sie vor zusätzlichem Stress schützen wollte.) Ab dem Moment wurde aus „kann sie mich entblocken?“ wieder eine Grundsatzdiskussion, warum ich „übertreibe“, warum ich sie „als Monster darstelle“, ob jetzt nicht „endlich wieder alles gut“ sein kann usw.
Ich habe versucht ruhig zu bleiben und habe klar gesagt: Es geht nicht darum, jemanden zu bestrafen oder klein zu machen, sondern darum, meine Mutter aus allem rauszuhalten. Genau an dem Punkt merke ich aber das Muster: Grenzen werden nicht einfach akzeptiert, sondern sie werden diskutiert, emotional bewertet, als Angriff interpretiert oder mit „das ist unfair“/„dann bringt das keinen Sinn mehr“ beantwortet. Es ist, als ob eine Grenze automatisch bedeutet, dass ich die Person ablehne oder nicht mehr liebe — obwohl ich eigentlich nur versuche, etwas zu schützen.
Dann ist es eskaliert: Sie hat mir geschrieben, dass sie „die Schnauze voll hat“, wie ich mit ihr umgehen würde, und dass sie mich nicht mehr als beste Freundin sehen kann, wenn sie „kein Teil meiner Familie“ ist. Kurz danach hat sie mich bei WhatsApp blockiert, bevor ich überhaupt richtig reagieren konnte. Das war für mich ehrlich gesagt auch ein Moment, wo ich gemerkt habe: Ich kann dieses Tempo und diese Radikalität emotional kaum noch mittragen.
Dazu kommt noch ein ganz konkretes, praktisches Thema, das mich extrem stresst: Meine Mutter hat ihr im November ein Nintendo-Switch-Spiel geliehen, das für uns einen sehr hohen emotionalen Wert hat. Meine Mutter muss am 09.03. für mehrere Wochen ins Krankenhaus, und sie hat dieses Spiel schon oft in schwierigen Zeiten gespielt — es hat ihr wirklich geholfen, und wir verbinden viele schöne Momente damit. Ich habe versucht das sachlich zurückzubekommen (auch angeboten: per Post, in den Briefkasten, ohne persönlichen Kontakt). Ich habe es über Instagram versucht, Telefonisch und auf WhatsApp wurde ich ja blockiert. Aber auch das wurde wieder in die Beziehungsebene gezogen („ich brauche Abstand“, „du behandelst mich schlecht“, etc.). Daraufhin wurde ich auch über Instagram blockiert. Ich habe dann sogar die Mutter angeschrieben, weil ich einfach nur das Spiel zurück wollte, und die Reaktion war sinngemäß, ich solle aufhören zu „belästigen“ und sie hätten keine Lust mehr, da „reingezogen“ zu werden — obwohl ich vorher in der Vergangenheit genau für solche Dinge „gut genug“ war, wenn Hilfe gebraucht wurde. Außerdem sagte Sie noch, dass ihre Tochter Abstand bräuchte und ich ja am besten wissen sollte wie das wäre. Danach wurde ich auch direkt von ihr blockiert.
Das macht mich gerade emotional fertig, weil ich mich einerseits schlecht fühle, weil ich überhaupt Druck machen muss — andererseits ist es aber mein Eigentum/unsere Sache, und es ist unfair, dass ein sachlicher Rückgabe-Wunsch so verdreht wird, als würde ich „Stress machen“ oder „Spielchen spielen“. Ich merke, wie schnell ich dann in dieses Rechtfertigen rutsche und gleichzeitig wütend werde, weil ich mich ausgenutzt fühle.
Ob es sich beruhigt hat? Ehrlich gesagt: Nein, nicht wirklich. Es ist eher so, dass ich innerlich gerade klarer werde. Ich merke, dass ich Grenzen nicht nur setzen muss, sondern sie auch wirklich halten muss — selbst wenn das bei der anderen Person starke Reaktionen auslöst. Ich habe auch gemerkt, dass ich mich emotional viel zu sehr verantwortlich fühle für die Stimmung, für ihre Verletztheit, für ihren Stress — und ich kann das nicht mehr tragen. Ich will nicht mehr „deeskalieren“, während ich selber dabei kaputt gehe.
Ich hoffe, das war nicht zu viel Text — aber es hat mir gerade auch geholfen, das einmal zusammenhängend aufzuschreiben. Danke dir wirklich fürs Nachfragen.