Ich finde schon, dass du auch ein seltenes Problem hast. Dass du eins hast, wirst du schon selbst gemerkt haben. Klar wollen hier viele auch ungefragt dir hilfe anbieten, so sind halt die Menschen, aber wir beide wissen, dass du erst bereit sein musst, dir helfen zu lassen, dein Problem darzustellen. (niemand ohne Problem macht sowas wie du)
Und das runterzubrechen auf "ich bin nur theoretisch und als literarisches Ich so, weil ich als anonymer mich selbst ständig neu erfinden kann" funktioniert nur teilweise, oder was denkst du, macht man im deutschunterricht wenn man texte biographie-orientiert interpretiert? Niemand schafft es sich als wirkliche Person aus seinen Texten herauszuhalten, und deine wirkliche (von mir hier versuchsweise heraus-destillierte) Person ist mir zwar nicht so extrem unsympatisch wie dein hier dargestelltes, erfundenes ich, aber es reicht schon so ziemlich aus. Muss das sein? Hätte man das Thema nicht anders aufziehen können?
Für mich gibt es Unterschiede zwischen Hübsch-sein, das findet man auf Plakaten und beschreibt für mich nur die Äußerlichkeit, und Schönsein, was die Summe aus allen Eigenschaften ist.
Eine hübsche person kann sich durch ihren charakter hässlich machen. eine nicht hübsche person kann durch ihren charakter schöner sein als hunderte hübsche models.
Kann gut sein, dass ein paar meiner freundinnen/nähere bekanntschaften nach zeitschriften-maßstab nicht hübsch waren, aber immer waren sie schön für mich. Und ich mein das nicht in Form von Geschwafel über Charakter und Ignoranz der Äußerlichkeiten, was ich meine ist, dass ein schöner Charakter dafür sorgt, dass die kompletten äußerlichkeiten auf ein viel hübscheres Niveau, im eigenen Empfinden, gehoben werden. Heißt: Man selbst, der geblendet ist vom Wesen des Menschen, sieht ihn so hübsch wie ein Model, würde nie auf die Idee kommen, dass der Mensch nicht hübsch ist.
Und: Wenn ich hübsche Menschen kennenlerne, hab ich erheblich mehr Angst vor einem schlechten Charakter. Hübschheit versaut den Charakter genauso gut wie Geld. Natürlich schaue ich gerne hübsche Menschen an, aber vor die Wahl gestellt ein Gespräch mit unbekannten Personen zu führen, würde ich die Person mit dem unperfekteren Äußeren wählen.
Ich hab das auch an mir beobachtet, bis ca. 14 war ich eher pummelig, hab mich dann erst gestreckt, dazu föhn-locke und sommersprossen und eh eine leichte soziophobie, sprich: in der Grundschule (man hielt mich da noch für nen streber) und die ersten Gym-klassen war ich ein dankbares Opfer, ein "Schildie" sozusagen (jmd. mit nem Schild "bitte ärger mich").
Das hat sich dann mit 15 geändert, größer und im kreuz breiter geworden, neue frisur.
Insgesamt würde ich mich jetzt schon als sehr gutaussehend bezeichnen, krieg ich öfters gesagt, und merkt man ja, wenn unbekannte mädels sich an einem rumschubbern.
(Kann aber auch am selbstvertrauen liegen, erst durch den ständigen stress mit faschos merkte ich, wie mutig ich wirklich bin, was ja nur freiwillig ertragene angst ist. ich weiß mittlerweile was das sprichwort "vor angst zittern wie espenlaub" wirklich heißt. Ich kann das nicht einschätzen ob ich äußerlich gut aussehe oder ob es das selbstvertrauen ist, was man menschen ja auch anmerkt.)
Das hat aber eher negative effekte gehabt, man wird schon eingebildet, und ich beobachte schon solche sachen an mir, die ich an hübschen mädels früher kritisierte (flirte mit vielen mädels um es mir zu beweisen, aber ohne wirkliches interesse an ner beziehung).
Also im Endeffekt muss ich sagen, dass es echt schwierig ist, sich diesem effekt zu entziehen, wenn man ständig positiven respons kriegt, und vor allem das nicht so überzubewerten. Ist ja wirklich meist nur wegen äußerlichkeit, selbstdarstellung oder eloquenz. Was es dann für einen auch schwierig macht, weil man, gerade wenn man sich gutfühlt und mit lächeln durch die welt geht, soviel zuspruch kriegt, dass es einen erstens völlig erschlägt und überfordert und man auch zweitens überhaupt nicht weiß, wer von denen jetzt nur so drauf ist, weil man gut aussieht.
(wobei ich mir die frage, bei den mädels die sich an einem rumschubbern ohne vorher mit mir zu reden, schon beantworten kann)
Ich halte es für einen weniger hübschen Menschen einfacher eine ernsthafte beziehung zu finden, man weiß, dass der andere sehr wahrscheinlich schon an einem persönlich interessiert ist, und nicht nur daran einen möglichst vorzeigbaren partner zu kriegen. ich finde es erheblich einfacher, aus ein-zwei interessentinnen im jahr was zu machen, als wenn es zehnmal mehr sind.
Ist das gleiche Problem wie mit Geld, alle wünschen es sich, aber wenn sie es haben, wird gerade die Partnersuche (was ja eigentlich viel wichtiger als Geld und aussehen ist) seeehr viel schwerer.
Und dann muss man ja noch darüber reden, was hübschheit an Kerlen bedeutet: Ist Hübschheit bei Kerlen diese babygepuderten model-gesichter, oder eher ein kantiges charaktergesicht wie klaus kinski oder sean connery?
Ich plädiere hier für letzteres (aber wahrscheinlich auch nur, weil ich eher dem typ entsprechen). Oder sind die Models hübsch, und erst der charakter hat kinski und connery die schönheit verliehen?
Ach so, du sagtest, du hast früher gemobbt (weiß man ja nicht ob der Autor hier eigene erfahrungen in sein literarisches integriert hat), als gemoppte person, hab ich mich ja innerlich immer den anderen überlegen gefühlt, natürlich etwas grummelig, weil man es ihnen nicht zeigen konnte, ohne sich auf ihr niveau herunterzulassen, aber im endeffekt zählt nur, wie man selbst "die runde wertet" und nicht was die anderen denken.
und gewalt, weder verbal noch körperlich, ist nie die lösung, auch wenn man sicher beim mopping in gewisse notwehr-situationen geraten kann, wo es ganz günstig sein kann, über ein gewisses potential an zumindest verbaler gewalt zu verfügen. Dann sollte man aber vorher intensiv erforschen, wie man den anderen am besten mit kommentaren treffen kann, und das einmal und so heftig machen, dass man es danach nie wieder braucht. Das braucht aber psychologisches Geschick, die meisten verstecken ja ihre schwachstellen.
danke für das nette thema...(auch wenn du dich hier ziemlich auf krawall gebürstet darstellst)
Gruß Max
PS:Ich glaub bei den philosophen wäre er falsch, ich schätze bei Jungen Union- Bundesvorsitzenden sind solche diskussionsstile viel beliebter.
PPS:@raphael (als antwort auf den nächsten post): du denkst er will lernen? Ich halt es eher für einen äußerst missglückten versuch was zu lehren.
Ich denke nicht das sein wirkliches ich die gleichen meinungen vertritt wie sein literarisches ich. ich halt es für pure provokation um die leute mit ihren reaktionen aus der deckung zu locken, und dann mit dem so geschaffenen zugang seine wirkliche meinung rüber zu bringen. (wie auch manch JU-vorsitzender der gerne mal provoziert um dann während des berichtigens ihre wahre meinung rüberzubringen)