Das Problem besteht darin, daß hier einige nicht lesen können:
Wer hier argumentiert, wie die Kanzlerin, daß Guttenberg und seine unabsichtlcihe Fälschung nicht so wichtig wären, weil er ja für was ganz anderes eingestellt wurde,
der muß sich selbstverständlich auch Vergleiche der Art wie ich sie geschrieben habe ans Rever heften lassen.
Denn dann könnte man wirklich auch sagen:
Es ist ja egal, wenn ich einen Minister einstelle, der privat dummes angestellt hat. Hauptsache, er ist als Minister in Ordnung.
Das geht aber nicht, denn genau dann wäre auch ein Berlusconi gerechtfertigt.
Ich habe nichts mehr als das gesagt.
Genau! Mit der Begründung hätte auch Frau Käßmann nicht von ihren kirchlichen Ämtern zurückzutreten brauchen. Sie war ja schließlich nicht als Chauffeurin beschäftigt...
🙄 😀 Gerade weil ich politisch eher zur CDU tendiere, hätte ich der Kanzlerin mehr als dieses argumentative Kindergartenniveau zugetraut. Aber ich bin halt nicht so verblendet durch eine bestimmte politische Grundeinstellung, dass ich dadurch jedes Gefühl für Recht und Unrecht verliere. Ich fühle mich auch nicht gezwungen, jemanden sympathisch zu finden und seine halbkriminellen Machenschaften zu verniedlichen, nur weil er zufällig in der von mir überwiegend bevorzugten Partei ist.
Erstaunlich auch, wie in Bezug auf zu Guttenberg immer verharmlosend von "Fehlern" die Rede ist. Er hat nicht einfach nur irgendeinen "Fehler" gemacht, wie er jedem von uns bei der Arbeit mal aus Flüchtigkeit, Gedankenlosigkeit oder Überlastung passieren kann, sondern er hat bewusst getäuscht, belogen und beschissen und sich zum eigenen Vorteil geistiges Eigentum anderer Leute zunutze gemacht.
Er war zudem kein Teenie mehr, der mal bei einer Klassenarbeit abgeschrieben oder gespickt hat, sondern ein erwachsener Mann, noch dazu Jurist mit immerhin 1. Staatsexamen. Und was Betrug ist, lernt man nicht erst in der Referendarzeit (die er ja nie absolviert hat
😀). Auf diese Weise hat er sich einen Titel erschlichen, für den andere, wenn sie ihn redlich erwerben wollen, Jahre ihres Lebens brauchen. Nicht mal eben ein, zwei Tage lernen wie für eine Klassenarbeit, die man dann nach spätestens fünf, sechs Stunden hinter sich hat!
Dass der Unwertgehalt seines Tuns von vielen Leuten nicht erkannt wird, scheint auch daran zu liegen, dass viele keine so anspruchsvolle Ausbildung absolviert haben wie zu Guttenberg und daher den hohen Schwierigkeitsgrad eines juristischen Staatsexamens oder einer juristischen Doktorarbeit gar nicht ermessen können. Das ist weder mit einer Klassenarbeit noch mit dem Abitur oder einem wissenschaftlichen Aufsatz/Referat vergleichbar und auch nicht mit einem im Vergleich zu einem Jurastudium relativ verschulten, eher praxisorientierten und weniger wissenschaftlich ausgerichteten FH-Studium.